Hat wirklich der große Big-Data-Zauber Trump zum Präsidenten gemacht?

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Hat wirklich der große Big-Data-Zauber Trump zum Präsidenten gemacht?

Kommentare zum Artikel: 103

Es kann doch nicht sein, dass wir wochenlang über Fakenews diskutieren – um im Anschluss wie ein Schwarm den erstbesten Artikel zu teilen, unreflektiert, ohne einen Hauch von Kritik, einfach nur, weil er perfekt ins Weltbild passt. „Einer der wichtigsten Texte des Jahres 2016“, nennt ihn einer meiner Kollegen. „Spannend wie ein Thriller“, lese ich da. „Die Zukunft ist längst Realität – bald auch in Deutschland.“

Mir ist selten ein Artikel so häufig in die Timelines gespült worden wie der mit dem nachdenklichen Mann im Karohemd, von dem behauptet wird, Donald Trump mit zum Sieg verholfen zu haben. Michal Kosinski heißt dieser Mann. „Ich habe nur gezeigt, dass es die Bombe gibt“, heißt der Artikel. Er erzählt von Kosinskis Erfindung in der Psychometrie: einer Form der Big-Data-Analyse, mit der sich einzelne Menschen so durchleuchten lassen, dass man mit diesem Wissen am Ende ganze Wahlen manipulieren könne.

Kosinski selbst hat immer wieder vor den Folgen dieser Technik gewarnt. Einer seiner Forscherkollegen allerdings habe das ignoriert – und das Wissen über die Erfindung verscherbelt. Am Ende sei sie beim Big-Data-Unternehmen Cambridge Analytica gelandet, das von Donald Trumps Wahlkampfteam rund 15 Millionen Dollar für seine Dienstleistungen erhalten habe. Das Ergebnis der Präsidentschaftswahl im Anschluss ist bekannt. Cambridge Analytica bekomme nun Anfragen aus Parteien aus aller Welt.

Beim New Yorker Concordia Summit, bei dem sich Privatunternehmen und öffentliche Einrichtungen treffen, hat Cambridge-Analytica-Chef Alexander Nix das System der Psychometrie vorgestellt, die Donald Trump angeblich zum Wahlsieg verholfen hat.

Soweit dieser Artikel aus dem Schweizer „Magazin“. Und nun mein Widerspruch: Etwas, das so gut ins Bild passt, das als tragische Heldengeschichte daherkommt und endlich einen Sündenbock und einen Grund für den Wahlsieg Donald Trumps liefert – etwas, das gerade jeder hören möchte, das fast schon zu perfekt klingt, um wahr zu sein, sollte man vielleicht zweifach, dreifach, vierfach auseinandernehmen. Schon grundlegende journalistische Reflexe müssten da greifen.

Dann wären da die ganz einfachen Handwerksfragen: Ein so großes Ereignis wie das Wahlergebnis in den USA auf Big-Data-Analysten zurückzuführen und als Belege dafür Aussagen von gerade mal zwei Personen heranzuziehen, nämlich Erfinder und Verkäufer der Analysen, die ihr eigenes Produkt selbstverständlich für das Nonplusultra halten – journalistisch ist dieses Vorgehen mindestens schwierig. Aus wissenschaftlicher Sicht wiederum fallen die vielen Korrelationen im Artikel auf. Dabei lernen Statistiker schon im ersten Semester den Unterschied zwischen Korrelation und Kausalität.

Und dann wären da die konkreten Punkte, an denen der Artikel nicht die ganze Wahrheit liefert. „Cambridge Analytica will auf Anfrage keine Belege für die Wirksamkeit der Kampagne liefern. Und es ist gut möglich, dass die Frage nicht zu beantworten ist“, schreiben die Autoren Mikael Krogerus und Hannes Grassegger – und nehmen es sich dafür selbst heraus, eine Antwort zu liefern. Sie führen zum Beispiel den kometenhaften Aufstieg des Republikaners Ted Cruz zum schärfsten Konkurrenten Donald Trumps in den Vorwahlen auf die Hilfe von Cambridge Analytica zurück.

Ted Cruz

US-Senator Ted Cruz hat während der Vorwahlen der Republikaner auf die Dienste von Cambridge Analytica zurückgegriffen.

Wenn die Dienstleistung von Cambridge Analytica aber so gut ist, wie das Unternehmen behauptet – warum ist Ted Cruz dann nicht der neue Präsident? Schließlich konnte er zu einer Zeit auf die Analyseergebnisse zurückgreifen, zu der Donald Trump es noch nicht tat. Vielleicht liegt es auch daran, dass Cambridge Analytica seine Versprechen nicht erfüllen konnte – und deshalb von Ted Cruz‘ Wahlkampfteam mitten in der Kampagne fallengelassen wurde? Auf diese Tatsache geht der Artikel mit keinem Wort ein.

Auch an der Darstellung, der große Big-Data-Zauber habe eine Rolle beim Brexit in Großbritannien gespielt, sind Zweifel angebracht. Das Techmagazin WIRED hat schon im August die entsprechenden Schlagzeilen dazu auseinandergenommen. Eine Quelle mit Zugang zu Cambridge Analytica berichtete in der WIRED davon, dass die Zusammenarbeit mit der „Leave“-Kampagne aus finanziellen Gründen geplatzt sei.

Und zu guter Letzt: Lassen sich aus den Gefällt-mir-Angaben bei Facebook wirklich so genaue Schlüsse ziehen? Psychometrie-Forscher Michal Kosinski hat dazu schon vor ein paar Jahren Forschungsergebnisse vorgestellt – eine der plakativen und beängstigenden Stellen im Artikel dazu liest sich so: „2012 erbringt Kosinski den Nachweis, dass man aus durchschnittlich 68 Facebook-Likes eines Users vorhersagen kann, welche Hautfarbe er hat (95-prozentige Treffsicherheit), ob er homosexuell ist (88-prozentige Wahrscheinlichkeit), ob Demokrat oder Republikaner (85 Prozent).“

Rechenzentrum

Eine der vielen Serverfarmen von Facebook weltweit steht in Prineville in Oregon. Lassen sich über die hier gespeicherten Daten mehr Dinge über Menschen erfahren, als sie selbst über sich wissen?

Was diese Zahlen aus statistischer Sicht bedeuten, hat Lars Fischer schon 2013 im Blog für das Wissenschaftsmagazin Spektrum erklärt. Eine 88-prozentige Treffsicherheit, zu erkennen, ob ein Mensch homosexuell ist, bedeute, dass „die Wahrscheinlichkeit lediglich 45 Prozent ist, dass jemand, den der Algorithmus als homosexuell identifiziert, auch tatsächlich schwul oder lesbisch ist. Das ist, vorsichtig ausgedrückt, nicht so dolle.“ Daran sind zumindest Zweifel angebracht, auch wenn die Treffsicherheiten deutlich höher liegen als die bisheriger Methoden (Update vom 05.12.2016: siehe Kommentare). Und das Tool „Apply Magic Sauce“, das Kosinski allen Nutzern zur Verfügung gestellt hat, lag zumindest in meinem Fall mit den meisten Einschätzungen daneben.

Jens Scholz hat in seinem Blog mein Unbehagen auf den Punkt gebracht: „irgendwas mit Big Data, ein bisschen Verschwörung und dem Wunsch, dass es vielleicht doch einen elaborierten Plan oder ein Mastermind hinter Trumps Sieg oder dem Erfolg der Brexit-Kampagne gibt, scheint kurzsichtig zu machen.“ Im Anschluss geht er ausführlich auf die Frage ein, ob es wirklich sein kann, dass sich menschliches Verhalten so leicht kategorisieren, vorhersagen und steuern lassen könnte, wie es der Artikel im Schweizer „Magazin“ über die Psychometrie-Analyse behauptet.

Cambridge Analytica bleibt jeden Beweis für die angebliche Wirksamkeit der Big-Data-getriebenen Kampagnen schuldig. Stattdessen bleiben Zweifel. Natürlich müssen wir über Big-Data-Ansätze und ein modernes Datenschutzrecht diskutieren. Aber ein dermaßen angreifbarer Artikel, den nun alle hysterisch teilen, ist nicht gerade die perfekte Grundlage für eine sachliche und differenzierte Diskussion.

Über den Autor

Dennis Horn, offline geboren 1981 in Köln, arbeitet als Experte für Digitalthemen in der ARD und moderiert im Deutschlandradio. Er hofft, dass eines Tages die Angst vor dem "bösen Internet" stirbt, und wünscht sich mehr Spaß am Netz und weniger Hysterie.

103 Kommentare

  1. Matthias Schuster am

    Jetzt ganz unabhängig davon, ob/wie deine Argumentation unterm Strich korrekt ist:

    Werbung für Konsumgüter auf Facebook ist etwas anderes als Wahlwerbung und Wahlmanipulation.

    Wie gut diese jeweils darüber hinaus zu dir/deinem Umfeld passen und wie genau zu der überwältigen Mehrheit der amerikanischen Bevölkerung sind ebenfalls zwei Paar Schuhe.

    Darüber hinaus ist die Methode von Cambridge Analytica von Anfang an auf einen anderen Fokus ausgerichtet gewesen, oder?

    Schon in der Entwicklungsphase ist dort ein anderer Fokus gesetzt worden und die Methode ist auch von völlig anderen Personen entwickelt worden – sie verwenden lediglich das gleiche Konzept. Diese zwei Realisierungen miteinander derart zu vergleichen, halte ich für widersprüchlich.

    Wieso es Ted Cruz nicht geworden ist?

    Vielleicht weil Trump die Firma mit Geld überzeugte,
    denn das er davon wusste, ist wohl sehr naheliegend.

    • Matthias Schuster am

      P.S: Ich sehe, dass die republikanische Partei Cambridge Analytica aus dem Programm von Ted Cruz genommen hat – erstens hat dies Trump nicht getan, zweitens ist fraglich ob diese Vereinbarung wirklich von Seiten der Republikaner ausgelöst wurde und drittens ist fraglich ob sie das – wenn – vielleicht taten um Trump – möglicherweise ebenso korrumpiert – einen Vorteil zu verschaffen.

      Wie geschrieben: Unabhängig davon, was jetzt wirklich passiert ist, sehe ich hier ein paar Punkte, die Trumps Sieg für mich immer noch im selben Licht erscheinen lassen können, wie in dem zitierten Artikel.

  2. Karlheinz am

    Werner Heisenberg hieß der geniale Mensch, zum Probanten und den Füssen sage ich nichts.

    Wer kann mir einmal schlüssig erklären, warum das Deutschniveau hierzulande immer schlechter wird? Demjenigen wäre ich sehr dankbar …

    • Weil man manchmal einfach sehr emotional dabei ist, und dann die Rechtschreibung etwas leidet. Einfach menschlich. Und nachbearbeiten ist halt nicht.

    • Dennis Horn am

      @Karlheinz: Ich halte es für eine Unsitte in der Forenlandschaft, dem Gegenüber eine mangelhafte Rechtschreibung zu attestieren, statt sich mit dessen Argumenten zu beschäftigen. Dass zum Beispiel, @Frank, „eine große Gesamtheit der Spezies Mensch mehr und mehr die elektronische Welt für die reale hält oder diese miteinander verwechselt“, basiert auf welchen Erkenntnissen? Ich kann das so nicht feststellen.

      • Karlheinz am

        @Dennis Horn
        das tut mir leid, dass ich nur auf die Rechtschreibung eingegangen bin, aber das „musste“ mal raus, da es mich mittlerweile täglich nervt …

      • Karlheinz am

        wollte Dich natürlich nicht persönlich angreifen, aber ich bin bald täglich genervt von diesem Thema, da ich selbst seit jeher gut in Rechtschreibung bin und mir dann einfach die Augen weh tun?
        Was heißt „Trend geht doch eh zum Schreiben-wie-Gesprochen“?
        Gesprochen wird dasselbe sehr verschieden … sagst Du dann auch Heissenberg mit „scharfem s“ und Probant mit t? und Du willst das dann so im Duden haben oder wird er eh abgeschafft. Irgendwann gibts dann keine Basis (Referenz) mehr, auf die man sich beziehen kann … und die Chancen auf Missverständnisse werden immer größer …

        • Dennis Horn am

          @Karlheinz: Mir geht es auch so, dass mir immer wieder auffällt, dass es sprachlich oft hapert. Vielleicht machen wir das in Digitalistan mal separat zum Thema? Ich fände es hier zumindest schön, wenn wir beim Thema des Blogartikels blieben.

          • Karlheinz am

            Du hast recht – ein separates Thema hierzu fände ich gut …

  3. Tschia, mag sein und ich glaube schon, dass sich menschliches Verhalten durch Auswertung von elektronischen Daten nicht wirklich sicher vorhersagen lässt. Dumm wird es nur, wenn eine große Gesamtheit der Spezies Mensch mehr und mehr die elektronische Welt für die reale hält oder diese miteinander verwechselt.
    Andererseits, wie gut ist ein Lügendetektor, wenn der Probant weiß, das er an selbigen angeschlossen ist. Wie verhält sich ein Mensch, wenn er weiß, dass er beobachtet oder eben nicht beobachtet wird. Haben wir es da mit der biologischen Ausprägung einer Art Heissenbergschen Unschärferelation zu tun ?

    Einfach Füsse auf dem Boden halten und dem anderen in die Augen sehen.

    Schöne Weihnachten

  4. Rudolf Scheutz am

    „… Er hofft, dass eines Tages die Angst vor dem „bösen Internet“ stirbt, und wünscht sich mehr Spaß am Netz und weniger Hysterie. …“
    Wissenschaft:
    Eine Zuordnung eines elektronischen Dings zu einem Menschen ist nicht moeglich : Computer-/Kommunikationsnetzwerke sind (fast) beliebig manipulierbar.
    Traditionelle Informationen koennen elektronisch kontaminiert sein.

    • Dennis Horn am

      @Rudolf Scheutz: Und das rechtfertigt Hysterie? Wie wäre es mit einem schlicht angemessenen Umgang? Der Wunsch nach weniger Hysterie und etwas mehr positiver Haltung im Umgang mit dem Netz schließt eine kritische Begleitung der Entwicklung nicht aus.

  5. Gerda Jäger am

    Hallo,

    Zitat:
    Wenn die Dienstleistung von Cambridge Analytica aber so gut ist, wie das Unternehmen behauptet – warum ist Ted Cruz dann nicht der neue Präsident? Zitatende –
    Das könnte man auch ganz einfach mit folgender „These“ beantworten. Vielleicht weil er es nicht werden sollte?

    Zitat: Schließlich konnte er zu einer Zeit auf die Analyseergebnisse zurückgreifen, zu der Donald Trump es noch nicht tat. Vielleicht liegt es auch daran, dass Cambridge Analytica seine Versprechen nicht erfüllen konnte – und deshalb von Ted Cruz‘ Wahlkampfteam mitten in der Kampagne fallengelassen wurde? Auf diese Tatsache geht der Artikel mit keinem Wort ein.Zitatende –

    Ja auch eine Möglichkeit, die außer Acht blieb, allerdings sind Dinge manchmal ganz einfach und gar nicht so undurchsichtig, wie man denkt. Möglicherweise sollte Trump zum Präsidenten gemacht werden. Koste es was es wolle.

    Meine unmaßgeblichen 5 ct.

    • Es könnte auch sein, dass Ted Cruz einfach nicht nah genug an Clinton kam, dass die Vorteile durch die bessere Analyse der Wählenden ausgereicht hätten, um zu gewinnen.

      Wenn die Methode N% Unterschied ausmachen kann, braucht sie einen Kandidaten, der weniger als N% zurückliegt. Und Trump hatte den Vorteil, dass er alles sagen konnte, was grade nötig war.

  6. Ich stimme der Aussage von Herrn Horn überhaupt nicht zu, allerdings habe ich den ursprünglichen Artikel auch nicht als Beschreibung einer Wunderwaffe empfunden, wie es von vielen überspitzt gesehen wird.
    Natürlich gewinnt man mit Big Data alleine keine Wahl und deshalb hat auch Ted Cruz nicht gewonnen, weil er halt bloß Ted Cruz ist, da kann kein noch so guter Algorithmus was dran ändern. Die Botschaft muss ja weiterhin überzeugen unabhängig davon wen man damit erreicht, spannend finde ich aber die Möglichkeit viel genauer die unentschlossenen Leute targeten zu können um ihnen einen möglicherweise entscheidenen Wink in die gewünschte Richtung zu geben. Als Beispiel wären hier die weitergeleiteten Aussagen von Hillary Clinton an Afroamerikaner zu nennen.

    Diese Maßnahmen sind jedoch in keinster Weise messbar, wie stark das gewirkt haben könnte. Ein Indiz für die Wirkung wäre allerdings, dass Donald Trump weniger Stimmen bekommen hat als Mitt Romney vor 4 Jahren, Hillary Clinton jedoch sehr viel weniger Stimmen bekommen hat.

    Den ganzen Artikel daher als Unfug abzutun und in Verbindung mit Fakenews zu bringen, nur weil man bisher nicht beweisen kann wie gut dieses Microtargeting wirkt, halte ich für falsch bis fatal.
    Meiner Meinung nach taugt der Artikel wunderbar als provokante Diskussionsgrundlage.

  7. B. Jelip am

    Also, dermaßen marktschreierisch und eindimensional wie hier dargestellt kommt der Magazin-Artikel jetzt auch wieder nicht daher. Und: Es ist grundsätzlich und nach den obigenAlso, dermaßen marktschreierisch und eindimensional wie hier dargestellt kommt der Magazin-Artikel jetzt auch wieder nicht daher. Und: Es ist grundsätzlich und nach den obigen Ausführungen besonders wahrscheinlich, dass die Autoren den Einfluss von Cambridge Analytica überbewerten. Eines allerdings muss schon auch klar sein: Hier wird nach aller Kritik keine „nüchternere“ Lesart der Umstände vorgeschlagen. Und zu einer solchen gehört meiner Auffassung nach, zur Kenntnis zu nehmen, dass hier mit dem von CA gestellten Anspruch geworben wird, die Politik bereit ist, eine solche Praxis für sich anzunehmen und wir sicher noch nicht am Ende der diesbezüglichen Möglichkeiten angelangt sind. Das heißt: Es reicht nicht, dem Magazin-Artikel ihn teils differenzierende, teils auch nur relativierende Infos gegenüberzustellen – dieses spezifische Thema muss aufgenommen und konsequent weiterverfolgt werden. Abschließend: Ja, unsere Maschinen sind nach Auffassung zB. Luciano Floridis sehr gut darin, menschliches Verhalten zu kategorisieren und vorherzusagen. Die Frage der Steuerung ist eine komplexere. Ausführungen besonders wahrscheinlich, dass die Autoren den Einfluss von Cambridge Analytica überbewerten. Eines allerdings muss schon auch klar sein: Hier wird nach aller Kritik keine „nüchternere“ Lesart der Umstände vorgeschlagen. Und zu einer solchen gehört meiner Auffassung nach, zur Kenntnis zu nehmen, dass hier mit dem von CA gestellten Anspruch geworben wird, die Politik bereit ist, eine solche Praxis für sich anzunehmen und wir sicher noch nicht am Ende der diesbezüglichen Möglichkeiten angelangt sind. Das heißt: Es reicht nicht, dem Magazin-Artikel ihn teils differenzierende, teils auch nur relativierende Infos gegenüberzustellen – dieses spezifische Thema muss aufgenommen und konsequent weiterverfolgt werden. Abschließend: Ja, unsere Maschinen sind nach Auffassung zB. Luciano Floridis sehr gut darin, menschliches Verhalten zu kategorisieren und vorherzusagen. Die Frage der Steuerung ist dann eine ganz eigene, komplexere.

  8. Johannes Schneider am

    Selbst wenn… gebietet es eventuell die Ethik bestimmte Themen im Dunklen zu lassen?
    Wieviel Bomben braucht man, um die Erde zu sprengen? Das muss man nicht unbedingt empirisch erforschen. Man stelle sich vielleicht manchmal die Frage, wozu die eigene Forschung dient. Eine Bombenbauanleitung zu posten und sich am Potential zu ergötzen und das Ego oder die Karriere zu pushen und sich dann herauszuwinden, für den Einsatz der bombe nichts zu können… ????
    Letztlich gibt es dazu schon genug wissenschaftsethische Diskussionen am Bsp. der Atombombe. Man lese nur Dürrenmatts Physiker…
    Aufgeblasen und nur etwas Neues, die dergleichen bisher für Verschwörungstheorien hielten.
    Smartphones, Facebook und Co. sind einfach Datensammelmaschinen mit oder ohne Peilsender, die man zufällig auch als Werkzeug benutzen kann. Ähnlich einem Hammer, mit dem man einen Nagel in die Wand haut, um ein Bild aufzuhängen, der aber nebenbei alle Daten zu Wohnung, Handwerker, dessen sexuellen Vorlieben, das Bild, wo es gekauft wurde, die Farbe der Bettwäsche etc. zum Analyseunternehmen leitet.
    Wake up sheeple. :-D

  9. René Pohlmann am

    Süß, dass der Autor die Falsifikation der im Ursprungs-Artikel verkürzt dargestellten Methode einfordert, aber eigene Überlegungen anbringt, die er bereits als quasi-Widerlegung betrachtet. Wenn sich der eigene blinde Fleck über den eines Anderen legt. Insbesondere der Hinweis auf Korrelationen und Kausalitäten geschieht wohl ähnlich verkürzend, wie im anderen journalistisch geprägten Artikel. Dass etwas miteinander korreliert heißt nicht, dass es keinen Zusammenhang gibt, erstmal nur keinen unmittelbaren – cum hoc ergo propter hoc. Das lernt man auch ohne Statistik-Studium.
    Einen schönen Tag noch :)

  10. Alexander Heppt am

    Wenn ich hier nochmal darf: Es gibt in dem Zusammenhang noch ein paar andere, vielleicht sogar wichtigere Fragen, die mich umtreiben, als die nach der korrekten kausalen Gewichtung verschiedener Faktoren bei der Erklärung von Trumps Sieg: Wer ist dieser Herr #Nix? Was treibt ihn an? Welche politischen Haltungen und Loyalitäten hat er, if any? Ist er der nächste Stefan Petzner? Und: Kann ich darauf hoffen, es überhaupt mitbekommen zu können, wenn mein Feed Vehikel einer speziell auf mich zugeschnittenen Kampagne ist -und dies bei der Einordnung einer Information berücksichtigen? Und: Wie sieht die aktuelle Praxis des Einsatzes solcher Technologien z.b. in Dtl. aus (Ross, Reiter, Richtung)? Wenn man Technologie nicht zurückdrehen kann, herrscht wenigstens grob Waffengleichheit im politischen Überzeugungsgeschäft? Gibt es Initiativen, solche Machtinstrumente im Interesse aller anzuwenden, etwa zur Untergrabung der Cyberrekrutierungskampagnen terroristischer Gruppierungen? Und natürlich: Welche Regulierungen, Offenlegungspflichten, Datenverwendungsbestimmungen und Formate könnten nötig und geeignet sein, im Angesicht der aufwändig personalisierter und aufeinander abgestimmter Mikroechokammern Räume wahrhaft öffentlicher, deliberativ demokratischer Willensbildung zu erhalten? Dazu würde ich gerne Journalismus lesen!

  11. Ich danke für diese meiner Meinung nach sehr wichtige Diskussion und die zahlreichen Links.
    An den Autoren: Der Originalartikel mag seine journalistischen Schwächen haben, aber die rechtfertigen Ihren meiner Meinung nach sehr reißerischen Titel nicht!

  12. Alexander Heppt am

    Der Blogpost taugt nix. Er bringt fünf ziemlich unausgegorene Protoargumente (Anzahl unglaubwürdiger [?!] Experten, Verdächtigkeit von Geschäftsgeheimnisschutz [?!], „sonst wärs doch Cruz!“, Brexitkampagnenfinanzierung, „bei mir funzte es mit nem anderen Tool nicht“), die am Kern der Problematik vorbeigehen. Der Rest sind unterstellungsreiche polemische Manöver, die „Sharer“ des Ausgangsartikels als Deppen darzustellen, die gerne jeden Scheiss posten, der ihr verschwörungstheoretisches Weltbild bestätigt.
    Eine ernsthafte Thematisierung des Einsatzes des im Ausgangsartikel begreifbar gemachten Expertenwissens um Big Data, Profiling und Targeting in der politischen Meinungsbildung findet hier nicht statt. (Ausserdem sollte der Autor wohl eher den Zusammenhang von Korrelationen und Prädiktoren recherchieren, als auf den hier weitgehend irrelevanten Unterschied zwischen Korrelationen und Kausalitäten hinzuweisen, möchte man ihm zurufen)

    • Dennis Horn am

      @Alexander Heppt: Es ist nicht mein Anspruch, bis zum „Kern der Problematik“ vorzustoßen. Meine Kritik bezieht sich auf journalistische Details. Wichtige meiner Kritikpunkte unterschlagen Sie in Ihrem Kommentar, zum Beispiel den, dass die Autoren des „Magazin“-Artikels das Aus für Cambridge Analytica in der Cruz-Kampagne nicht erwähnen. Das halte ich als Grundlage für eine durchaus wichtige Diskussion für mindestens ärgerlich.

      • Wenn es um journalistische Details geht, sollte nicht unbemerkt bleiben, dass Kosinski in dem Ursprungsartikel in keinster Weise behauptet, er persönlich habe Trump zum Sieg verholfen.
        Von daher ist dein Satz „mit dem nachdenklichen Mann im Karohemd, der von sich behauptet, Donald Trump zum Sieg verholfen zu haben“ leider schlichtweg falsch.
        Ansonsten finde ich deine kritische Haltung zu besagtem Artikel sehr lobenswert!

          • Dennis Horn am

            @Florentina: Ich fände es schön, wenn wir beim Inhalt des Artikels bleiben könnten und nicht darauf ausweichen, die Schreibe der Kommentatoren zu kritisieren – ich halte das für eine Unkultur in Forendiskussionen.

        • Dennis Horn am

          @Florian: Ich habe aus dem „der von sich behauptet“ ein „von dem behauptet wird“ gemacht, das ist korrekter, du hast Recht. Danke!

    • Vielen Dank an Herrn Heppt, für ihre Kritik an diesem Artikel. Sie haben mir die Arbeit abgenommen. Ich stimme mit Ihnen in allen Punkten überein.

      Ergänzen möchte ich, dass der Vorwurf falsch ist, es würde sich nur auf zwei Quellen – Nix und Kosinski – bezogen werden. Sicher, Nix‘ Aussagen sind Werbeaussagen und damit höchstwahrscheinlich geschönt. Kosinskis Abhandlungen sind zum einen wissenschaftlicher Natur, folgen damit also in erster Linie keinem werbenden Anspruch, und zum Anderen sind sie in peer-reviewed Fachzeitschriften (z.B. Proceedings of the National Academy of Sciences) erschienen, in denen andere Wissenschaftler die Manuskripte zunächst auf ihre wissenschaftliche Qualität hin begutachten. Dieser Kreis an Gutachtern ist somit auch eine Implizite Quelle. Ferner hat Kosinski die Methode nicht völlig alleine entwickelt. An der zentralen Abhandlung von 2014 wirkten zum Beispiel David Stillwell und Thore Graepel mit.

      In dem Punkt, dass das Wirken von Cambridge Analytica nicht der einzige erklärende Faktor für die Wahl von Trump und beim Brexit sein wird, gebe ich Herrn Horn auf jeden Fall recht. Andere gesellschaftliche Entwicklungen tragen ihren Teil dazu bei. Allerdings darf man das Potenzial von psychometrisch informiertem Micro-Targeting auch nicht unterschätzen. Es ist weder eine Wunderwaffe, die alles möglich macht, noch eine große inhaltslose Ente. Wahlkämpfer (und Werbende übrigens auch) greifen seit jeher auf statistische Zielgruppenanalysen zurück. Das ist einfach der nächste logische Schritt, nicht mehr und nicht weniger. Und damit müssen wir uns damit auseinandersetzen, um mündig zu bleiben.

      • Dennis Horn am

        @Roman: Ich gebe Ihnen völlig recht, dass wir hier über ein wichtiges Thema sprechen, selbstverständlich ist die Big-Data-Problematik alles andere als eine inhaltslose Ente. Das habe ich allerdings auch nirgendwo behauptet.

  13. Hier noch mehr lesenswerte Lektüre zum Thema: http://bit.ly/2hd9Pf0 Blog-Beitrag erschien bereits am 18.11. Für alle, denen das zu viel Text ist, hier das Fazit des Autors:

    „Trump’s presidential election victory is the most successful digital voter suppression operation in American history. The secret weapons in Trump’s digital arsenal were Project Alamo, his database of 220 million people in the United States, and the Facebook Advertising Platform. By leveraging Facebook’s sophisticated advertising tools, including Facebook Dark Posts, Facebook Audience-Targeting, and Facebook Custom Audiences from Customer Lists, the Trump campaign was able to secretly target Hillary Clinton’s supporters and covertly discourage them from going to the polls to vote.“

    Viel Spass bei der Lektüre.

  14. Thomas Wüst am

    Die Debatte über Wahlbeeinflussung mittels Mikrotargeting oder Big Nudging ist nicht neu.* Ich persönlich stelle aber (auch bei mir selber) erschreckend fest, dass dieses wichtige Thema in Zeiten disruptiver Digitalisierung (z.B. im Umgang mit kostenlosen Datensammel-Apps auf SmartPhones) immer wieder ausgeblendet oder zumindest vernachlässigt wird. Ein 12 Monate altes Plädoyer zur „Digitalen Aufklärung“ aus Spektrum liefert hierfür m.E. einen wichtigen Beitrag: *http://www.spektrum.de/news/wie-algorithmen-und-big-data-unsere-zukunft-bestimmen/1375933

    Ich beschäftige mich seit 1995 mit „Künstlichen Neuronalen Netzen“, die aktuell in Verbindung mit Big Data eine regelrechte Renaissance erfahren. Und die Möglichkeiten, die der Einsatz von künstlicher Intelligenz im Bereich der Meinungsbeeinflussung in Sozialen Medien bringt, bereitet mir persönlich schon Sorgen und man neigt dazu, diese Risiken eher zu nivellieren, also zu unterschätzen. Insofern liefert der Artikel – aber auch Ihre differenzierte Betrachtung dazu – einen wichtigen Beitrag für eine kritische, aber auch differenzierte Diskussion. Selbstreflexion ist der erste Schritt zur digitalen Aufklärung!

    • Für mich stellt sich immer wieder die Frage, Warum werden solche Sachen überhaupt geteilt? Ist unsere Information’sgeilheit inzwischen so gross, dass wir jeden Pups liken müssen?Es ist alleine unserem Verhalten geschuldet,dass es solche Sachen wie BD oder FakeNew gibt.

  15. Bereits vor der Wahl hab ich gelesen, dass Google die Wähler zugunsten von Hillary manipulieren wurde. Nach der Wahl wurde das Gegenteil (von Google & Facebook) behauptet. Nun soll Big-Data (ebenfalls) eine Rolle spielen. Vieles davon sind unwiderlegbare Behauptungen, und werden oft in der Politik als Druckmittel genutzt. Daher sollte man solche Meldungen mit Vorsicht genießen.

    Was mir jedoch sehr negativ auffällt ist, dass der designierte US-Präsident Donald Trump (und seine Frau, die kommende First-Lady) wo es nur geht diffamiert werden. Die Menschen (und Medien) sollten sich mit der Entscheidung des US-amerikanischen Volks abfinden. Noch nie wurde ein Präsident so respektlos und herablassend behandelt, wie das zur Zeit der Fall ist. Und auf einmal versucht man dem „mächtigsten Mann der Welt“ die Politik zu diktieren…

    Aus dem Grund schenke ich all dem keinen Glauben.

    • Was die Diffamierungen angeht, gebe ich Ihnen recht, allerdings hat sich das Trump zum allergrößten Teil selbst zuzuschreiben. „Wie man in den Wald hineinschreit – so schallt es zurück“ ist ein altes Sprichwort und das trifft in dem Fall sehr gut zu.

  16. ChristineDF am

    Guter Journalismus ist nicht, sich ein Video auf Youtube anzuschauen und zu behaupten, Cambridge Analytica (CA) habe für Trump das gemacht, was Nix von CA im Video für die Cruz-Kampagne darstellt. Journalismus ist zur Quelle zu gehen und zu recherchieren. Auch die Autoren vom Magazin des Tagesanzeigers hätten so herausgefunden, dass Cambridge Analytica bei ihrer Arbeit für Trump gar nicht ihren Budenzauber zur Wirkung bringen konnte. Der Artikel hätte womöglich mehr mit mehr Fakten und weniger Drama und Marketing für CA geglänzt. Am gleichen Tag wie die Tagesanzeiger-Geschichte erschien im Spectator der gute Journalismus, der nicht zu Verschwörungstheorien einlud: http://www.spectator.co.uk/2016/12/the-british-data-crunchers-who-say-they-helped-donald-trump-to-win/

    • Dennis Horn am

      @ChristineDF: Ich weiß nicht, ob Sie Nix‘ Vortrag bis zum Ende gesehen haben, aber ich zitiere einmal seine letzten Worte: „Clearly, the Cruz campaign is over now. But what I can tell you is that one of the two candidates left in this election, one of them is using these technologies. And it is very interesting to see how they impact the next seven weeks.“

      Ansonsten danke für den ergänzenden Link.

  17. R. Aspalter am

    Also, kritisch zu bleiben ist mal eine Grundhaltung, ohne die guter Journalismus nicht geht.
    Aber diese Kritik hier ist mir teilweise auch zu flach. Ich denke, der auseinandergenommene Artikel bietet viele Anknüpfungspunkte, um weiter den Umgang mit Big Data diskutieren zu kiönnen und darin hat er seinen Wert.
    Wie fraglich aber wirklich der Zusammenhang BD und Trump als Präsident ist, zeigt eine einfache Tatsache: Was, wenn tatsächlich bei einer Neuzuählung der Stimmen sich herausstellt, das Clinton gewonnen hat? Dann war das Ergebnis einfach geschummelt und nicht Resultat von BD!?

  18. Matthias am

    also ich muss auch Zweifel am obigen Rechenbeispiel äußern. Wie viele tatsächlich homosexuell oder heterosexuell sind ist für den Algorithmus eigentlich völlig egal. Denn er nimmt einen Datensatz an Likes und kann dann (in Abhängigkeit der Likes natürlich) mit 88%-tiger sagen, ob die ausgewählte Person homosexuell oder heterosexuell ist – völlig unabhängig von der eigentlichen Gesamtzahl der Nutzer, die in dem Fall eben irrelevant ist. Das bedeutet, das Werbung für diesen Nutzer gemacht werden kann, die mit einer Wahrscheinlichkeit von 88 Prozent auf den User zugeschnitten ist. Dann geht der Algorithmus weiter zum nächsten Nutzer und hat wieder die gleiche Wahrscheinlichkeit von 88%.

  19. Leider ist diese Kritik noch viel unqualifizierter, als es dem Artikel unterstellt wird.
    Sehr genau Big Data Methoden sind längst verbreitet. Dazu gehört etwa auch vielfältige Eigenschaften des Kunden oder Wählers genauestens aus dem Einkaufswagen bzw. der Abrechnung zu analysieren.
    Zusätzlich soziale Netzwerke zu analysieren ist naheliegend und der Bürger wird gläsern.
    Die einen nutzen es zu prognostiziren bei welcher Marke ich tanken werde, die anderen um mein Wahlverhalten zu beeinflussen.
    Schade aber naheliegend ist nur, dass in der Politik die dunkle Seite der Macht diese Methoden einsetzt.
    Rätselhaft bleibt eher aus welchen Motiven Zuckerberg, die Deutsche Bank oder Bayer einen Politiker wie Trump unterstützen?
    Die Big Data Analysen sind absolut glaubhaft. Und mehr Transparenz und Beweise zu Fordern zeigt nur die Ahnungslosigkeit der „Kritiker“, sind diese Methoden doch unternehmenskritisches Geschäftsgeheimnis.

    • Dennis Horn am

      @RZiepen: Ich will das alles mit dem Artikel auch nicht in Abrede stellen – mir geht es um die Kritik an einigen Punkten im „Magazin“-Artikel.

      • Ursula Posse-Kleimann am

        Der „Magazin“-Artikel mag technische Unrichtigkeiten enthalten. Das kann ich als Laie nicht beurteilen. Nachdem ich ihn gelesen hatte, habe ich aufgeschreckt ein paar IT-Profis in meinem Bekanntenkreis gefragt, wie plausibel der geschilderte Sachverhalt ist. Erst, als mehrere die grundsätzliche Möglichkeit bestätigten, habe ich den Artikel geteilt. Das finde ich nicht hysterisch, sondern „im Rahmen meiner Möglichkeiten“. Ihr Blog ist nicht der einzige, der mir den Eindruck vermittelt, doch ungewollt einen Aluhut aufgesetzt zu haben. – Sei’s drum. Wenn der ursprüngliche Artikel meine Aufmerksamkeit gegenüber dem geschärft hat, was mir an Informationen geboten wird und was ich selbst unfreiwillig biete, dann hat er seinen Zweck erfüllt.

  20. Ob man auf einen solchen Artikel hysterisch reagiert oder alles runterspielt – Fakt ist, wir müssen in Zukunft noch genauer bei Wahlen und potenzieller Wahlmanipulation hinschauen.

  21. es gibt überhaupt keinen Grund sich aufzuregen… es gibt aber sehr wohl einen Grund sich mit den neuen Gestzmässigkeiten zu beschäftigen. Das was in dieser Zeit beginnt, hat nur peripher mit Politik zu tun. Es ist lediglich ein Beispiel dafür, was kommen wird. Das Selbe wird uns bald an allen Ecken begegnen. Beim Ablschliessen von Versicherungen, beim Anmieten einer Wohnung, bei der Vergabe eines Kredits, wir sind total berechenbar und Menschen mit genügend Kapital können bald alles über uns kaufen ; die Möglichkeit, dass die Algorithmen uns besser kennen, als wir uns selbst ist kein Scherz. Unsere Wahrnehmung von uns selbst ist Ego gesteuert. Die Berechnungen von uns zeigen wie ein schlecht ausgeleuchtetes Foto, wer wir wirklich sind; das differiert von dem Bild, das wir von uns selbst haben. Nur dieses Foto von uns werden wir nie selber zu Gesicht bekommen, auch nicht wenn es vielleicht sogar ein schönes ist. Es sind Menschen mit Geld, die dieses Foto kaufen können, ohne dass wir je gefragt werden. Wir wissen nicht einmal, dass es existiert. Freier Wille ? eine Illusion… Es schmerzt, daß wir berechenbar sind, also lieber gar nicht erst in Erwägung ziehen…Persönlichkeitsrechte ? Ein sehr hohes Gut, existiert nicht mehr

    • Dennis Horn am

      @Sammy Hart: Ich weiß offen gestanden nicht, ob ich das mit dieser dystopischen Haltung unterschreiben würde. Aber die Debatte, die wir nun konkret führen, ist eine wichtige.

    • Bernhard am

      Eine Dystopie, die quasi state of the art STASI-Methoden für Finanzmächtige offeriert. Immerhin eine technische Realität, der unser menschliches Miteinander (noch) nicht gewachsen ist.

  22. buddy repperton am

    ich verstehe die hysterie ueber die unterstellte hysterie nicht. uebersehen wir alle vielleicht die simple tatsache, dass ein solcher artikel (magazin) diejenige mehrheit besorgter in ihrer ueberzeugung bestaerkt, ein unheimliches konstrukt aus politik und internet wuerde uns zu wehrlosen marionetten machen? diese befuerchtung ist in beiden politischen lagern, links wie rechts, vorhanden. insofern koennte nicht das teilen selbst hysterisch sein, sondern die reaktion der empfaenger. meines erachtens sollte ein solcher artikel deshalb nicht ohne kommentar geteilt werden. ich moechte mit meinem kommentar fuer mehr verstaendnis fuer die aengste und sorgen unserer mitmenschen werben.

    • Gaby Wirz am

      Dankeschön! Ich habe in meiner Timeline keine Hysterie diesbezüglich festgestellt. Und kann die Reaktionen von Scholz und Horn nicht nachvollziehen. Was treibt sie dazu?

      NUR Big Data und Algorithmen sind sicherlich nicht alleine verantwortlich für den Trump-Sieg und Brexit. Aber deutlich wird, dass die Manipulation funktioniert.

      • Dennis Horn am

        @Gaby Wirz: Was mich dazu treibt, ist die Tatsache, dass ich einen in wichtigen Punkten angreifbaren Artikel als Diskussionsgrundlage für eine wichtige Debatte ärgerlich finde.

    • Dennis Horn am

      @buddy repperton: Dass ein solcher Artikel nicht ohne Kommentar geteilt werden sollte – genau mein Punkt. :)

  23. Ich habe leider das Gefühl, dass sie diese „Waffe“ unterschätzen. Es ist ein Bestandteil einer Kampagne die sich aus verschiedenen Strategien zusammensetzt. Ted Cruz hat nur einen Teil genutzt. Trumps Wahlkämpfer waren schlauer: 1. alles etablierten Medien als Lügenpresse deklarieren, um immun gegen Fakten zu werden. 2. Fake News targetiert auf „besorgte Bürger“ absetzen. 3. Social Bots (Kommentare) über alle Diskussionen laufen lassen, um eine Mehrheit der Meinung zu schaffen. 4. Social Ads individuell an die „Unentschlossenen“ ausspielen => Kosten gering => Wirkung enorm. Vor allem muss man ja nicht die ganze Bevölkerung „überzeugen“. Man geht auf die Schwachen, die Besorgten, die Wutbürger. Und da braucht man keine „krassen“ Forschungsergebnisse mit genauen Vorhersagen. Streuverluste gibt es in jeder Kampagne, nur sind diese über Social Ads nicht so teuer.

    • Dennis Horn am

      @Rob: Dass mir der Artikel in einigen Punkten Bauchschmerzen bereitet, bedeutet nicht, dass ich die „Waffe“ unterschätze.

      • @DennisHorn: Aber dann schreiben Sie doch bitte mehr über die Waffe, als über den Artikel!

        Das nervt mich am DasMagazin-Bashing nach dem viral gegangenen Artikel: Dass die meisten journalistischen Reaktionen den Artikel auseinandernehmen, statt die Methoden technisch, politisch, ethisch, perspektivisch zu beleuchten, die der Artikel diskutiert.

        Schreiben Sie über BigData und Emotionales Marketing, über Facebooks Einflussmöglichkeiten und darüber, wie BigMoney politische Entscheidungen kauft! Welche Implikationen hat die beschriebene Waffe? DA liegt die Debatte, die geführt werden muss!

        • Da muss ich Dennis Horn verteidigen: er hat einen Artikel über kritisches Lesen geschrieben bzw. unkritisches Teilen. Artikel über Big Data selber gibt es zu Hauf.

        • Dennis Horn am

          @Norbert: Das ist ein Totschlagargument gegen jede Form von Kritik, die nicht den Kern eines Artikels, sondern zum Beispiel seine Machart trifft.

  24. Hannes Spichiger am

    Zu der Präzision basierend auf den Facebook-Likes: Sicherlich, so wie die Zahlen im Artikel stehen wird (weil Prior-Wahrscheinlichkeiten ignoriert werden) eine grössere Trefferquote suggeriert als dies Tatsächlich der Fall ist (wie Lars Fischer zu zeigen versucht hat). Der springende Punkt dabei ist meiner Meinung nach jedoch, dass wir NACH der Anwendung des Algorithmus eine bessere Vorstellung davon haben als ZUVOR. Wenn wir also den Algorithmus verwenden, um die gesamte amerikanische Bevölkerung mit derjenigen der 175’000 Nachrichten zu bombardieren, welche gemäss dem Algorithmus am besten zu der Person passt, müssen wir davon ausgehen, dass die Nachricht in einem nicht vernachlässigbaren Teil der Fälle tatsächlich ausreichend genau auf die Person zugeschnitten ist, dass sich die Person angesprochen fühlt und damit ihr verhalten beeinflussen kann.
    Damit wird man wohl kaum einen Präsidenten aus dem nichts erschaffen können, dies ist jedoch auch nicht notwendig. Aufgrund des „Electoral College“ und der Ausgangsverteilung reicht es aus, wenn in den richtigen Staaten mehr Clinton-Wähler zuhause bleiben und mehr Unentschiedene Trump wählen.

  25. Dennis Weber am

    Die geringe Treffsicherheit beim erwähnten online Tool mag auch daran liegen, dass – zumindest in meinem Fall – anscheinend vor allem US amerikanische pages zum profilvergleich herangezogen wurden. Da ich auch viele pages des deutschsprachigen Raumes like, ergibt sich schließlich vielleicht ein genaueres Bild, wenn diese in Zukunft zum Vergleich hinzugezogen werden…

  26. Stefan Domann am

    Sehr geehrter Herr Horn,

    danke für die Kontextualisierung. Allerdings würde ich an manchen Stellen nochmal eingreifen. Sie schreiben „Cambridge Analytica bleibt jeden Beweis für die angebliche Wirksamkeit der Big-Data-getriebenen Kampagnen schuldig“. Allerdings hat CA das auch nie behauptet. So steht im WIRED-Artikel, den Jens Scholz auch verlinkt: „But not even Nix, can say for certain whether Cruz’s strong primary showing was due to behavioral modeling or traditional demographic and polling data. “We didn’t take one ingredient out of the cake and say, ‘Which one performed better?’” he says. (https://www.wired.com/2016/08/trump-cambridge-analytica/)

    Zudem behauptet der Magazin-Artikel nie, dass einzig die CA-Methode Trump zum Sieg geführt hat, sondern dass sie einer unter mehreren Faktoren gewesen ist. Die Reportage spitzt natürlich gewaltig zu und vergisst dabei den von ihnen aufgezeigten Kontext. Aber sie bringt damit immerhin den Fakt in unser kollektives Gedächtnis, dass Politiker sehr scharf darauf sind, diese ausgiebigen Persönlichkeitsprofile zu besitzen um dadurch Wahlen zu ihren Gunsten zu beeinflussen und dass es Firmen gibt, die diese Technologie verkaufen. Ob das nun einen entscheidenden Einfluss gehabt hat ist äußerst fraglich. Es wird nun mal keine endgültigen Beweise davon geben, wer wen warum gewählt hat. Aber die Möglichkeit mit relativ einfachen Mitteln die zahlreichen unentschlossenen WählerInnen individualisiert anzusprechen, und diesen genau das zu sagen was sie möglicherweise zu einem Votum überzeugen könnte (oder zumindest Menschen zum Nichtwählen zu bringen, da die gestiegene Anzahl von Nichtwählern ja auch mitverantwortlich für Trumps Erfolg war) ist zumindest sehr verlockend.

    • Dennis Horn am

      @Stefan Domann: Ja. Und deshalb trotz aller Bauchschmerzen am „Magazin“-Artikel eine wichtige Debatte. Insofern: danke für Ihre Ergänzungen.

  27. Horst K. am

    Dennis, ich wäre dann wohl einer von jenen Hysterikern, der diesen Artikel geteilt haben, vielleicht hast Du auch meinen Namen in Deiner Timeline gefunden. Naja, hysterisch … ?
    Um ehrlich zu sein: ich habe Scholz gelesen, meedia und Dich. Als Entgegnung.
    Alle Artikel behaupten, keiner liefert klare Beweise.
    Und insofern halte ich die These des Ausgangsartikel im „Magazin“ für ebenso möglich wie Eure Skepsis. Widerlegt habt Ihr die Theorie nicht.
    Das ist auch nicht notwendig.
    Aber würde des Diskurses wegen versuchen, bei einem sachlicheren Ton zu bleiben – denn für ein bloßes Abschmettern ist das Thema nicht aus technischer Sicht, sondern aus elementar politischer Perspoektive viel zu brisant.

    • Dennis Horn am

      @Horst K.: Dein Posting ist mir nicht in meiner Timeline aufgefallen, und ich will dir persönlich da keine Hysterie unterstellen. In der Gesamtheit hat mir das alles allerdings Bauchschmerzen bereitet, weil es wie eine große Hysterie wirkte – zumal keins der Postings in meiner Timeline auch nur einen distanzierten, kritischen Kommentar zum Link aufwies.

      Was den Punkt „Alle behaupten, keiner liefert Beweise“ angeht: Das ist auch nicht mein Anspruch, weil ich mich mit dem wissenschaftlichen Part nicht beschäftige. Mir geht es darum, dass der Artikel einige Dinge völlig unerwähnt lässt, die für eine differenzierte Diskussion wichtig wären – die Belege dafür liefere ich allerdings mit.

      Die Kollegen von SPIEGEL ONLINE fassen das auch noch einmal gut zusammen: http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/donald-trump-und-die-daten-ingenieure-endlich-eine-erklaerung-mit-der-alles-sinn-ergibt-a-1124439.html

      • Ganz einfach – Cruz hat keine 15 Mio gezahlt, Trump hat. Berechtigte Kritik am Verkauf von Daten speziell zur Nutzung gezielter Beeinflussung von Wählern darf niemals (!) als Internethysterie abgekanzelt werden, sondern muss als schwerer Schlag ins Knie der Demokratie erkannt werden. Shame on you. Vom WDR hätte ich hier etwas mehr pro-Demokratie- Denken erwartet. f

        • Dennis Horn am

          @Feix: Hier schreibt nicht „der WDR“, sondern ich. Und meine Kritik bezog sich nicht auf das Vorgehen der Trump-Kampagne an sich, sondern auf handwerkliche Fehler im besprochenen Magazin-Artikel – die für eine differenzierte Debatte auch in einer Demokratie wichtig wären.

  28. Alexander Steinhoff am

    Die von Frau Bremer kritisierte mangelnde journalistische Fundiertheit muss man in ihrem Beitrag leider nicht lange suchen. Sie verlinken einen Blogpost von 2013, in dem der Autor in einem Update ganz am Anfang einräumt, dass er von Statistik wenig Ahnung hat. Wenn sie sich das Update und die Kommentare durchlesen, werden sie feststellen, dass Sie und der Autor des verlinkten Artikels die Zahlen falsch interpretieren.

    Es ist richtig, dass es wenig aussagekräftig ist, die Treffsicherheit über die Gesamtmenge anzugeben, da ich bei der Frage „schwul oder hetero?“ in 90 % richtig liege, wenn ich immer hetero sage (vorausgesetzt 10% sind schwul). Eben deshalb tut das das zitierte Paper das auch nicht! Lars Fischer sollte vielleicht nicht nur den Abstract lesen.

    Was hier zum Einsatz kommt ist eine kompliziertere Metrik, die im Wesentlichen aussagt, dass wenn der Algorithmus zwei Menschen klassifiziert, von denen einer schwul und einer hetero ist, die Wahrscheinlichkeit bei 88% liegt, dass er beide richtig zugeordnet hat. Ich würde mich freuen, wenn Sie darauf in Ihrem Beitrag hinweisen würden.

    Leider tun Sie hier genau das was Sie anderen vorwerfen, nämlich unreflektiertes Teilen von Artikeln, die man nicht ausreichend gelesen hat, die aber die eigene Position stützen.

    • Dennis Horn am

      @Alexander Steinhoff: Vielen Dank für den Hinweis – ich empfehle dazu auch die Kommentare im Anhang von Lars Fischers Artikel. Ich habe meinen Blogartikel entsprechend aktualisiert. (Für mich gehört es zum journalistischen Handwerk, solche Fehler auch einzuräumen und zu korrigieren.)

    • Björn Hahnemann am

      @Alexander Steinhoff: Ich verstehe ihre Kritik nicht. Der Artikel hat ja nicht behauptet, dass das verwendete Klassifikationsverfahren ein „dummes“ Verfahren wäre, das immer nur ein Ergebnis vorhersagt. Es ging dem Autor (und Lars Fischer im Übrigen auch), um die Problematik, dass unter realen Bedingungen diese Klassifizierung immer mit unbalancierten Gruppen zu tun hat und eine Treffsicherheit von 88% insbesondere dann wenig aussagekräftig ist, wenn ich spezifisch die Zugehörigkeit zur kleineren Gruppe hervorsagen möchte. Denn wenn 10 % der Bevölkerung homosexuell wären, wäre mit dem im PNAS-Paper verwendete Verfahren (unter realen Bedingungen) in der Tat „die Wahrscheinlichkeit lediglich 45 Prozent ist, dass jemand, den der Algorithmus als homosexuell identifiziert, auch tatsächlich schwul oder lesbisch ist“. Wäre der Prozentsatz an homosexuellen Menschen in der Bevölkerung noch kleiner, würde die Wahrscheinlichkeit noch weiter sinken.
      Der Autor hat also alles richtig wiedergegeben.

    • Regina Bremer am

      Lieber @Alexander Steinhoff, vielen Dank für die Unterstützung. Meine Kritik bezieht sich allerdings auch darauf, dass @Dennis Horn sich scheinbar überhaupt nicht die Mühe gemacht hat mit der Primärquelle/ den Primärquellen in Kontakt zu treten. Der Artikel stützt sich auf die Aussagen von Herrn Kosinski. Vielleicht hat er Erkenntnisse, die Ihnen nicht vorliegen?
      Aber Sie Herr Horn stützen sich lieber auf Sekundärquellen, als der Problematik wirklich auf den Grund zu gehen. Das ist das was mir Sorge bereitet. Gegen Fake-News geht man nicht mit copy /paste vor ;-))

      • Dennis Horn am

        @Regina Bremer: Dann haben Sie den Kern meiner Kritik nicht erkannt. Es geht mir nicht um die Big-Data-Problematik an sich – was Sie kritisieren, ist also gar nicht mein Anspruch. Es geht mir darum, dass der Artikel, auf den ich mich beziehe, der großartig geschrieben ist und ein brisantes und wichtiges Thema behandelt, schlicht Fakten unterschlägt – und das halte ich als Grundlage für eine sehr relevante Diskussion für ärgerlich.

    • Sie haben meinen Follow-Up-Blogpost von Lars Fischers Artikel gut gelesen, oder tatsächlich die Studie selbst? ;-) Wie ich aber auch geschrieben habe, ist die Methodik der Studie nicht unbedingt einleuchtend.

  29. Ich empfinde es als sehr unreif bis albern allen Leuten von oben herab zu unterstellen, sie hätten den Artikel „hysterisch” geteilt. Warum diskreditieren Sie Ihren eigentlich passablen Text selbst mit soviel unschöner Arroganz am Ende? Mit anderen Worten: kommt doch einfach mal wieder runter von dem Thron!

    Ich teilte zum Beispiel den Artikel – generell wertungsfrei – lediglich als Leseempfehlung und verlinkte dazu den Vortrag (im Artikel besprochen) von Nix. Eine Empfehlung ist keine Hysterie, es ist lediglich ein Hinweis: „Lies es und mach was für Dich daraus.”

    Im übrigen räumen die Autoren an mehreren Stellen im Text selbst Zweifel ein: »Wie gezielt die amerikanische Bevölkerung bereits in diesem Moment von Trumps digitalen Truppen massiert wird, ist nicht erkennbar – weil sie selten breit im Mainstream-TV attackieren, sondern meist personalisiert auf Social Media oder im Digitalfernsehen. «

    und

    <em»Aber wie gross war der Einfluss der psychometrischen Methoden auf den Ausgang der Wahl? Cambridge Analytica will auf Anfrage keine Belege für die Wirksamkeit der Kampagne liefern. Und es ist gut möglich, dass die Frage nicht zu beantworten ist.«

    • Dennis Horn am

      @creezy: Sehen Sie die Parts zu Beginn und zum Ende bitte als Zuspitzung – ein journalistisch-stilistisches Mittel, für das ich mir die Kritik in der Tat gefallen lassen muss.

      Abgesehen davon: Ich habe die Empfehlungen des „Magazin“-Artikels deshalb in der Gesamtheit als hysterisch gefunden, weil sie in meiner Wahrnehmung ihrer schieren Menge völlig ohne auch nur eine kritische Bemerkung geteilt wurden. In meiner Timeline ist der Link gefühlt 50-mal aufgetaucht – darunter gab es nur eine kritische Anmerkung im Tweet. Und das stört mich, weil ich beim Lesen des Textes Bauchschmerzen hatte – siehe Blogartikel.

      • Dirk Ritters am

        Man kann das massenhafte Teilen des Artikels natürlich „hysterisch“ nennen. Man kann sich aber auch einfach freuen, dass dieses Thema ein wenig mehr Aufmerksamkeit erfährt. Ich setze mich beruflich seit etwa drei Jahren mit dem Thema Programmatic Advertising und Programmatic Creativity auseinander. Auch wenn ich nicht glaube, das sowas zusammen mit Psychometrik eine Wahl allein entscheidet – so ist beides zusammengenommen doch ein ziemlich brauchbares Werkzeug zur Beeinflussung von Meinungen. Jemand der sich wirtschaftlich und gesellschaftlich abgehängt fühlt, ist dafür vielleicht einfach noch zugänglicher, wenn seine Timeline nur noch aus Aluhutträger-Meldungen besteht (Filterblase) und am Ende einen Kandidaen als genau die Lösung seiner größten und (dank Likes auch bennenbaren) Angst präsentiert.

        • Dennis Horn am

          @Dirk Ritters: Für meine Begriffe ist das ein bisschen das Der-Zweck-heiligt-die-Mittel-Argument. Ich glaube, dass der Artikel denselben Aufschlag erzeugt hätte, kämen die angesprochenen Punkte auch darin vor. Ansonsten bin ich ganz bei Ihnen: Dieses Thema hat eine enorme Relevanz! Dass darüber jetzt debattiert wird, ist grundsätzlich gut.

  30. Michael Klein am

    Aus dem ursprünglichen Artikel bleibt für mich die offene Frage „Hat wirklich der große Big-Data-Zauber Trump zum Präsidenten gemacht?“, die ich und man nicht wirklich beantworten kann. Das Potential über Big Data die Masse gezielt zu adressieren und zu „manipulieren“ steht für mich persönlich aber außer Frage.

    Natürlich wird nun nicht jeder sofort die Recherche aufnehmen, um die Wahrheit herauszufinden. Die werden wir nicht finden. Das wäre ja die Aufgabe von seriösen Journalisten. Gibt es die eigentlich im Zeitalter Internet-Copy-Paste noch?

    Nicht jeder teilt unreflektiert einen Artikel, sondern erst einmal die Information. Dennis Horn, wer immer das ist (denn ich lese diesen Namen zum ersten Mal, wie einen geteilten Artikel), disqualifiziert sich schon im ersten Absatz, indem er ebenso eine Mutmaßung formuliert, man würde unreflektiert teilen, weil es ja in das Weltbild passt. In welches eigentlich? Dann soll er doch bitte als Blogger für den WDR erst einmal intensiv recherchieren und am Ende wirkliche Fakten präsentieren, anstatt wie nun tausende andere Blogger ihre subjektive Meinung niederzuschreiben und dann noch auf andere Blogs zu verweisen. Das stört mich dann doch gewaltig, wenn jemand mit dem erhoben Finger auf unreflektiertes teilen verweist.

    Da müsste ich erst einmal recherchieren, wer Dennis Horn oder Jens Scholz sind. Aber es ist immer gut, sich unterschiedliche Meinungen einzuholen, um sich eine eigene zu bilden. Auch wenn diese dann auch wieder falsch oder unscharf sein wird. Denn dabei geht es am Ende, wenn man Informationen teilt. Dass es eine Menge Menschen gibt, die viele zu schnell glauben, ist ein alter Hut. Wer garantiert uns eigentlich, dass alles stimmen muss, was in den Leitmedien geschrieben wird?

    Man muss also in alle Richtungen schauen. Aber am Ende bleibt auch die eigene Meinung eben nur eine Meinung, solange man keine sich deckenden Fakten aus verschiedenen Quellen hat.

    • Dennis Horn am

      @Michael Klein: Über den ersten Absatz des Artikels haben wir an anderer Stelle in den Kommentaren schon debattiert – die Kritik daran muss ich mir gefallen lassen. Wenn Sie mir aber das Fehlen wirklicher Fakten vorwerfen, möchte ich Ihnen das nochmalige Lesen des Artikels ans Herz legen, denn die Fakten sind genannt und die Quellen verlinkt.

  31. Es gibt sicherlich die Möglichkeit reflektiert zu teilen, lieber Herr Horn.
    Aber daran wollen wir uns hier nicht aufhängen.

    Fakt ist, dass das was der Artikel beschreibt technisch möglich ist. Und im Prinzip ist es die nächste Stufe in Bezug auf Personalisiertes Targeting. In meinem Job hatte ich schon viele Kunden, die davon geträumt haben, und ja es ist auch mit weniger großen Lösungen möglich, solch einen Effekt zu erzeugen. Und ja, auch mit weniger feingranularem Targeting erzielt man nachweislich bessere Ergebnisse.

    Deshalb ist es umso wichtiger, dass die Menscheit versteht, wie solche Werbemechanismen funktionieren und inwieweit man das auf die Spitze treiben kann.

    • Dennis Horn am

      @SP: Daran möchte ich mich auch gar nicht aufhängen. In der Tat ist dies eine enorm wichtige Debatte, und es ist gut, dass sie nun läuft. Ich finde nur den Artikel als Grundlage etwas ärgerlich.

  32. Martin Krautter am

    Gut & Schön. Aber hätte man den Artikel Ihrer Ansicht nach NICHT teilen sollen, Herr Horn? Was verstehen Sie denn unter „hysterischem Teilen“?

    • Dennis Horn am

      @Martin Krautter: Mir fehlten da persönlich ein paar kritische Hinweise. Es gibt eine ganze Reihe von Punkten, die ich auch oben im Blogbeitrag erwähnt habe und über die ich beim Lesen gestolpert bin. Mir ist nur ein einziges Posting in meinen Timelines untergekommen, in dem es zusätzlich zum Link eine kritische Anmerkung zum Artikel im „Magazin“ gab.

  33. Regina Bremer am

    „Es kann doch nicht sein, dass wir wochenlang über Fakenews diskutieren – um im Anschluss wie ein Schwarm den erstbesten Artikel zu teilen, unreflektiert, ohne einen Hauch von Kritik, einfach nur, weil er perfekt ins Weltbild passt.“ Das – lieber Kollege ist eine Unterstellung. Denn „unreflektiert“ teile ich sicherlich keinen Artikel. Durch Ihren Artikel sorgen Sie allerdings dafür, dass das Problem, das durch „Big Data“ generiert wird, runtergespielt wird. Wenn Sie schon Kritik an allen üben, dann auch bitte wissenschaftlich und journalistisch fundiert. Denn Ihr Artikel kratzt leider viel zu sehr an der Oberfläche und erweckt den Eindruck, als wären Sie sich der Problematik gar nicht bewusst. Das bisschen was Sie hier zitieren, reicht leider nicht aus, um andere Menschen an den Pranger zu stellen, die vermeintlich „unreflektiert“ einen Artikel teilen.

    • Dennis Horn am

      @Regina Bremer: Es tut mir leid, dass Sie sich da angegriffen fühlen. Tatsächlich habe ich in meinen Timelines so gut wie keinen Link zum besprochenen Artikel gesehen, der zumindest in aller Kürze etwas kritische Distanz hat durchblicken lassen. Sehen Sie den Part zu Beginn, in dem es um das unreflektierte Teilen geht, doch am besten als Zuspitzung – die Kritik daran muss ich mir in der Tat gefallen lassen.

      Darüber hinaus möchte ich die Probleme auf keinen Fall herunterspielen. Das ist Ihre Interpretation. Im letzten Absatz mache ich ja deutlich, dass ich die Diskussion für wirklich wichtig halte. Ich übe auch nicht an „allen“ Kritik, sondern vor allem am Artikel im „Magazin“, den ich für ärgerlich halte. Das schließt schon einmal den wissenschaftlichen Part aus. Wo meine Kritikpunkte journalistisch nicht fundiert sind, würde mich dagegen sehr interessieren. Vielleicht können Sie das ja noch nachreichen – wenn es hier schon um Fundiertheit geht.

  34. Vor einigen Jahren ist mir Julius van de Laar begegnet, der im Wahlkampfteam von Obama gearbeitet hat und den Erfolg gerade in Swing-States mit dem Einsatz von Big Data Maßnahmen sehr deutlich erklären konnte.
    Das Team um Trump ging noch einen Schritt weiter. Allein das möglichst genaue Targeting im Kontext des Ausspielens entsprechender Meldungen an User ist eine neue Dimension, zumal sie unter dem Radar liegt. Aus meiner Sicht korreliert der aktuelle Erfolg rechtspopulistischer Parteien auch stark mit den Echokammern sozialer Medien.
    btw: Apply Magic Sauce lag bei mir auch stark daneben. Kommen hier dagegen auch nicht-öffentliche Posts und Daten anderer Quellen zusammen, sieht die Sache schnell ganz anders aus…

  35. Rainer Traube am

    Es ist gute Journalistentradition, alles in Frage zu stellen, insbesondere Hypes. Aber neben ein paar legitimen Fragen (etwa zu Ted Cruz Scheitern) bleibt ihr Kommentar blass. Dass die meisten Verschwörungstheorien Unfug sind, beweist doch nicht, dass es keine Verachwörungen gibt. Sie mögen ja gerne weiter pfeifend durch den Web-Wald wandern und sich des lustigen Internets erfreuen. Mir erscheint der Schweizer Hintergrundbericht hochgradig relevant und beachtenswert.

    • Dennis Horn am

      @Rainer Traube: Er sorgt ja nun auch für eine enorm wichtige Debatte. Zu der gehört es aber, die legitimen Fragen, die man an den Artikel stellen muss, genauso zu beachten. Inwiefern das blass sein soll, weiß ich nicht.

  36. Andreas von Hoff am

    Mag alles so sein, wie Sie schreiben. Trotzdem öffnet dieser Artikel dem des Lesens und Verstehens mächtigen Menschen sehr wohl die Augen über Qualität, Quantität gesammelter Daten und angewandter Methoden, die sehr wohl erhellend sind – selbst wenn dieser Artikel ein Marketing-Gag wäre!

  37. Sie als Journalist haben wohl kein klassisches Facebook-Profil. Ich nehme das einfach einmal so an, da sie aus beruflichen interesse mehren Seiten folgen und wohl auch Seiten ausserhalb ihren persönlichen Interessen . Der klassische Facebook Mensch hat ~140 Freunde und folgt ~80 Fanpages. Da ergibt sich wohl ein klareres Bild.
    Es mag sein, dass der Artikel im Magazin zu Euphorisch ist. Aber ich arbeite in deiesem Bereich und finde alles absolut plaudibel. In den USA bekommt man sehr genaue Datenprofile. Diese angereichert mit den Fanookdaten sind eine Waffe. Das aber am Schluss alles von CA abhängig gemacht wird, glsube ich auch nicht. Einen grossen Anteil am Erfolg kann aber durchaus sein. Wir dürfen nun aber nicht den Fehler machen und den Artikel im Magazin klein reden. Was dsrin beschrieben wird ist durchaus realistisch!

    • Dennis Horn am

      @Markus Maurer: Ich habe ein gut geführtes klassisches Facebook-Profil. Das widerspricht dem Job als Journalist aus meiner Sicht nicht. Mir ist deshalb auch sehr bewusst, worüber wir da reden und welch wichtige Debatte das ist. Aber dann doch gern differenziert.


  38. Im Anschluss geht er ausführlich auf die Frage ein, ob es wirklich sein kann, dass sich menschliches Verhalten so leicht kategorisieren, vorhersagen und steuern lassen könnte…

    Ich glaube schon. So ähnlich steht es auch schon in der Bibel: …“Denn wessen das Herz voll ist, geht der Mund über…“ Und die Verhaltensforscher wissen, woran die Menschen hängen- Deshalb kann man auch viele Menschen mit den Dingen, die ihnen am Herzen liegen, so einfach steuern.
    Die großen Parteien haben ausgedient und auch die Koalitionen werden zerbrechen. Der Populismus ist auf dem Vormarsch. Es bricht ein neues dunkles Zeitalter an. Und hier sind große Parallelen zu J.R.R. Tolkien…

  39. Anfangs hatte ich auch geglaubt, die hätten das Politmarketing quasi psychometrisch revolutioniert. Bei näherem Hinsehen sieht man allerdings, dass die nicht sehr weit von dem entfernt liegen, was heute üblich ist. Auf der Website von CA gibt es einen Bericht über ihre Arbeit für Trump, der sehr wenig bis nichts über das psychometrische Targeting schreibt, stattdessen aber viel über den hohen Integrationsgrad der Kampagne. Kernstück waren dabei – man höre und staune – klassische Blitzumfragen mit je 2000 Leuten in den umkämpften Staaten. Allerdings haben sie wohl frühzeitig erkannt, dass man auch so Wahlen gewinnen kann, dass man die Unentschlossenen Wackelwähler der Demokraten dazu bewegt, nicht zur Wahl zu gehen. Insofern ist die Trump-Kampagne strategisch schon hervorragend aufgezogen – „crooked Hillary“ war eben nicht nur blödes Geraunze, sondern Teil einer überlegten Taktik. Hier der Eigenbericht von CA über die technologisch hoch integrierte Kampagne: https://cambridgeanalytica.org/news/blog/election-2016-the-data-game

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