Hier könnte ihre Werbung stehen! Oder IHRE!

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Hier könnte ihre Werbung stehen! Oder IHRE!

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Werbung nervt. Immer, egal wo und egal in welcher Form. Jeder von uns hat schon mal bei YouTube auf „Werbung überspringen“ geklickt, oder schaltet die Lautsprecher stumm, sobald sich eine Werbeunterbrechung anbahnt. Websites, die nur so von Werbebannern und Pop-Ups zugepflastert sind, entkräften wir ganz einfach mit einem Ad-Blocker. Eine Werbeform, die wir allerdings nicht so einfach ignorieren können, ist Produktplatzierung. Artikel eines bestimmten Herstellers oder einer Marke, die gewollt in eine Szene integriert werden, ob es Sinn macht, oder nicht.

Werbung für die „Generation Skip“

Firmen, wie MirriAd oder das kürzlich von Facebook übernommene Start-Up fayteq, haben sich auf eine bestimmte Form der Produktplatzierung spezialisiert. „Digital Placement“, also das Einbauen und Manipulieren von digitalen Werbeflächen in bereits bestehende Videos, Serien oder Filme. Bei klassischer Produktplatzierung wird ein echtes Produkt während der Dreharbeiten in eine Szene integriert. Das ist allerdings nicht nur aufwendig, sondern erfordert auch viel Vorausplanung. Durch die digitale Nachbearbeitung können innerhalb kürzester Zeit Plakate, Logos, Autos, Getränke oder sonst was in Videomaterial eingebaut werden. Diese Technik ist vor allem deshalb für Werbende interessant, weil sie für viele Zuschauer nicht als störend wahrgenommen wird. Plakate beispielsweise sind auch in der realen Welt zu sehen. Wenn diese dann in digitaler Form in einer Soap auftauchen, dann spiegelt das nur den Realitätsgehalt wieder und wird weniger als platzierte Werbung wahrgenommen.

In Serien wie „Berlin – Tag & Nacht“ oder „Germany’s Next Top Model“ wird dieses Verfahren schon seit mehreren Jahren genutzt. In einem Video auf der Homepage der Werbefirma „El Cartel Media“, (zu deren Kunden unter anderem RTL II gehört) kann man ganz deutlich sehen, wie Werbung nachträglich da eingefügt wurde, wo vorher keine war.

Werbung um jeden Preis?

Zugegeben, die Möglichkeiten und das hohe technische Niveau, das MirriAd in ihren Werbevideos aufzeigt, ist beindruckend. Sehr beeindruckend. Trotzdem stellt sich mir die Frage: Möchte ich, dass Szenen von Serien und Filmen von der Werbeindustrie beeinflusst werden? Nein, möchte ich nicht. Zumindest nicht noch mehr, als ohnehin schon. Dass Produkte und Marken gezielt platziert werden, ist nichts Neues und auch nicht verboten, wenn darauf hingewiesen wird. Wenn James Bond im neuesten Film ein Auto fährt, dann macht das wahrscheinlich erst mal Sinn. Aber hey, es könnte ja auch ein „bestimmtes“ Auto sein, wenn das Geld stimmt. Könnte die Möglichkeit von digitaler Nachbearbeitung dann dazu beitragen, dass ganze Szenen vielleicht nur gedreht werden, DAMIT man dort eben nachher Werbung platzieren kann, ob sie im Film Sinn machen oder nicht?

Selbst, wenn das etwas paranoid klingt, ist es trotzdem sinnvoll, darüber nachzudenken, welche Konsequenzen sich ergeben könnten, wenn Digital Placement zum Standard in der Werbe- und Filmindustrie wird. Vor allem, wenn ein Riese wie Facebook sich mit „fayteq“ in diesem Bereich breitmacht. Serien wie „Germany’s Next Top Model“ zeigen bereits, wo die Reise hingehen könnte und warum wir uns in Zukunft vielleicht einmal öfter fragen sollten, ob das, was wir da sehen echt ist. Und selbst, wenn wir diese Werbung (noch) nicht ausblenden können, können wir sie trotzdem infrage stellen und sie eben doch als „störend“ empfinden.

 

Über den Autor

Vom ehemaligen Medienkaufmann Digital & Print hat Renè nur das “Digital” übernommen. Der Rest wurde gestrichen und durch Hörfunk, Audio und Video ersetzt. Irgendwo zwischen “Digital Native” und “Digital Immigrant” macht Renè nicht nur irgendwas mit Medien, sondern möglichst alles.

1 Kommentar

  1. So ist vermutlich auch „Mission Impossible #5“ der längste und teuerste Werbespot, den BMW je produziert bzw. finanziert hat. Ich würde mir trotzdem – oder gerade deshalb – keinen kaufen. ;)

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