Holocaust leugnen erlaubt – auf Facebook

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Holocaust leugnen erlaubt – auf Facebook

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Wie ernst darf man wohl das Versprechen nehmen, dass Facebook energisch gegen Fake-News und Falschmeldungen vorgeht, wenn eine der zweifellos größten und dreistesten Lügen der Menschheitsgeschichte – die Leugnung des Holocaust – auf Facebook anscheinend vollkommen in Ordnung ist?

Richtig: Gar nicht. Genau das ist aber der Fall: Mark Zuckerberg hat gerade öffentlich erklärt, dass er es in Ordnung findet, auf Facebook den Holocaust zu leugnen. Und entsprechende Einträge nicht gelöscht werden. Damit motiviert er viele, auf Facebook genau das zu tun: Den Holocaust leugnen.

Mark Zuckerberg hat den Bogen überspannt; Rechte: WDR/Schieb

Mark Zuckerberg lässt Holocaust leugnen zu

Nationale Gesetze werden beachtet

In Deutschland funktioniert das freilich nicht, da steht das – aus gutem Grund! – unter Strafe. Gemeldete Beiträge, die den Holocaust leugnen, werden hierzulande deshalb von Facebook gelöscht (obwohl es zweifellos sinnvoller wäre, gleich Strafantrag zu stellen). In den USA gibt es solche Gesetze nicht. Erstaunlich und zugleich erschreckend ist, dass der Facebook-Gründer die rote Linie nicht beim Leugnen des Holocaust überschritten sieht, sondern erst, wenn zu „Hetze oder Gewalt aufgerufen wird“.

Was für eine Doppelmoral: Auszüge aus der Unabhängigkeitserklärung der USA lassen Facebooks Kontrollmechanismen anspringen, die Leugnung des Holocaust aber nicht, und das sogar auf ausdrückliche Anordnung des Chefs? Unfassbar. Mark Zuckerberg ist selbst Jude und hat deshalb eine doppelte Verpflichtung, etwas gegen solche Ungeheuerlichkeiten zu unternehmen. Als Vertreter seines Volkes – und als Chef des wohl mächtigsten Medienkonzerns der Welt.

https://vimeo.com/278489414

Algorithmen entscheiden, was geblockt wird – nicht der Menschenverstand

Es geht nicht darum, ob jemand falsch liegt

Dass es Menschen gibt, die den Holocaust leugnen, findet Facebook-CEO Zuckerberg „sehr beleidigend“. Am Ende glaube er aber nicht, dass Facebook solche Beiträge entfernen sollte. Begründung: Es gäbe halt „Dinge, bei denen verschiedene Menschen falsch liegen“. Und ergänzt noch: „Ich denke aber nicht, dass sie absichtlich falsch liegen.“ Nicht absichtlich? Etwa „nur“ aus Dummheit, Hass, Hetze oder zum Zwecke der Propaganda? Der Holocaust ist ja nicht mit der Mondlandungsverschwörung zu vergleichen und deshalb auch keine Ansichtssache.

Wenn es noch eines Belegs bedurfte, dass Mark Zuckerberg ein verantwortungsloser Mensch ist, dem nicht klar ist, welche Verantwortung damit einhergeht ein Portal wie Facebook zu betreiben, so sind es wohl seine Haltung und Erklärungen in dieser Sache. Gut möglich, dass er sich in ein paar Tagen wieder öffentlich entschuldigt und sagt: Sorry, unser Fehler – wir bessern uns.

Aber vermutlich nicht mal das.

 

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

3 Kommentare

  1. Sorry, mir ist dieser Beitrag deutlich zu polemisch, zu aufgeregt und zu sehr das übliche Facebook-Bashing. Zunächst mal gibt es zwischen „nicht verboten“ und „anscheinend vollkommen in Ordnung“ einen großen Unterschied und man sollte Zuckerberg nicht Letzteres in den Mund legen, obwohl er Ersteres meint, zumal er selber die Leugnung des Holocausts ja auch „sehr beleidigend“ und damit ganz sicher nicht „vollkommen in Ordnung“ findet, noch nicht mal „anscheinend“.

    Wir Deutsche haben als Täter natürlich eine sehr spezielle und – zu Recht – von Schuld und Scham dominierte Sicht auf den Holocaust, der uns menschlich und moralisch so sehr empört, dass wir daraus – und aus der Verantwortung, so etwas nie wieder geschehen zu lassen – die Pflicht ableiten, dessen Leugnung unter Strafe zu stellen. Das ehrt uns, ist aber eine selbstauferlegte Pflicht, die in hohem Maße der Verantwortung und der Reue entspringt, die sich aus der Täterrolle ergibt (was schon daran zu erkennen ist, dass es sicher zahllose Völkermorde in anderen Teilen der Welt und der Geschichte gibt, deren Leugnung bei uns komplett straffrei ist).

    Wenn in anderen Teilen der Welt, die nun mal keine Täter sind, und insbesondere in den USA, die nach wie vor sehr viel auf ihre Meinungsfreiheit und das Recht freier Rede geben, die These, es habe den Holocaust nie gegeben, erst mal denselben Stellenwert hat wie die Behauptung, die Erde sei eine Scheibe oder die Welt sei tatsächlich in genau sieben Tagen erschaffen worden, dann ist das auch Teil einer Normalität, die es bei uns so nicht gibt. Das kann zumindest mal versuchen zu verstehen und zu respektieren, bevor man voreilig den deutschen Schuldkomplex in alle Welt exportiert, nur um selbst und ausgerechnet in der Aufarbeitung und im Gedenken an den Holocaust dann doch wieder beim Motto „Am deutschen Wesen soll die Welt genesen!“ zu landen.

  2. Klaus Lohmann am

    „Mark Zuckerberg ist selbst Jude“ – Klar. Genau dann, wenn es ihm PR-seitig nützt. Noch 2007 hatte er sich in einem Wallstreet-Journal-Interview als Atheist bezeichnet. „Sinneswandel“ auf Facebook-Art…

  3. „Es gäbe halt ‚Dinge, bei denen verschiedene Menschen falsch liegen'“ ist heftig untertrieben; nicht nur im Facebookkosmos.
    Fast überall nur noch Filterblasen und Echokammern, penetrant aufgebläht von (linken, rechten, religiösen, medialen) Super“stars“, Weltverbesserern, Verschwörungstheoretikern, Maßreglern, Hetzern und Petzern, vereint im hysterischen Ratgeber-, Mahner- und Erinnererterror und der Hoffnung, mit dem (Re-)Posten von „beweiskräftigen“ Links oder mit den niedergeschriebenen Ergebnissen ihrer täglichen Hirnmasturbation mehr Likes, Follower oder Retweets zu erheischen; stets genährt von der irrigen Annahme, gaaanz wichtig zu sein. Alles dabei: vom linkslegitimierten Autoanzünder, über religiös Verblendete, bis hin zum dauerempörten „Wir müssen…!“-Moralapostel und irgendwo endend bei den rechten Rülpsbirnen in Endsiegstimmung.
    Und für diese Subjekte soll’s jetzt auch noch „Interoperabilität“ zwecks Verbreitung von noch mehr – interideologischem – Schwachsinn geben: „Filterbläs(l)er aller Netze vereinigt Euch!“, oder wie?
    Nö, „soziale“ Netze sind das schon lange nicht mehr: das ist narzistisches Vollidiotentum im (hoffentlich baldigen) Endstadium!
    Ein Netzwerkabschaltungsgesetz, als nächstlogischer Schritt zum Netzwerkdurchsetzungsgesetz, wäre eine begrüßenswerte Konsequenz.
    Totalreset und dieser kranken Welt geht’s wieder etwas besser: „Okay Siri und Alexa, schaltet den Wahnsinn ab … und Euch am besten gleich mit!“.

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