Ich habe mein Facebook-Profil analysieren lassen – und bin beruhigt

https://blog.wdr.de/digitalistan/ich-habe-mein-facebook-profil-analysieren-lassen-und-bin-beruhigt/

Ich habe mein Facebook-Profil analysieren lassen – und bin beruhigt

Kommentare zum Artikel: 9

Spätestens seit dem Überwachungsskandal sitzt die Angst davor tief, dass die großen Onlinedienste dieser Welt uns durchschauen. Man kann davon ausgehen, dass vor allem Facebook in unseren Profilen mehr speichert als das, was wir dort aktiv preisgeben. Aber was genau? Was lässt sich daraus lesen, welche Freunde wir haben, welche Songs, Fußballvereine, Schauspieler uns gefallen, was wir an Statusmeldungen posten?

Apply Magic Sauce; Rechte: University of Cambridge

Meine Charakterzüge, errechnet aus meinem Facebook-Profil. Ich erkenne mich darin zwar wieder – aber das geht mir auch bei jedem Horoskop so.

Führt man all diese Daten zusammen, kann Facebook uns Eigenschaften zuschreiben: mögliche Interessensgebiete, religiöse, politische, sexuelle Einstellungen. Mit dem Tool „Apply Magic Sauce“ vom Psychometriezentrum der Universität Cambridge könnt ihr das an eurem eigenen Profil testen – basierend darauf, wo überall ihr bei Facebook schon auf „Gefällt mir“ geklickt habt. Was natürlich bedeutet, dass ihr diesem Tool vorher auch das Recht einräumen müsst, euer Profil auslesen zu dürfen.

Wenn ich mir meine Ergebnisse genauer anschaue, wirkt „Apply Magic Sauce“ gar nicht mehr so magisch – vor allem vor dem Hintergrund, dass ich ein sehr aktiver Facebook-Nutzer bin. Die meisten Einschätzungen liegen nämlich daneben. Was beruhigend ist. Denn mit dem Wissen, dass der Algorithmus lauter Unschärfen ausspuckt, weiß ich auch, dass Facebook vermutlich weniger Ahnung von mir hat als befürchtet.


Unsere Blogger Anita Horn und Dennis Horn sind weder verwandt noch verheiratet, aber umso besser vernetzt. Sie entdecken jede Woche digitale Perlen: spannende Webseiten, lustige Links und Angebote, die den Alltag bereichern – hier im Blog, jeden Dienstag in der WDR 5 LebensArt im Radio und einmal im Monat in der Servicezeit im WDR Fernsehen.

Über den Autor

Dennis Horn, offline geboren 1981 in Köln, arbeitet als Experte für Digitalthemen in der ARD und moderiert im Deutschlandradio. Er hofft, dass eines Tages die Angst vor dem „bösen Internet“ stirbt, und wünscht sich mehr Spaß am Netz und weniger Hysterie.

9 Kommentare

  1. Martin Däniken am

    Gab es da nicht diese „Facebook“-Studie und ein bisserl Aufregung…
    Ich weiss nicht wie die Fakten letzendlich aussehen,aber man damit rechnen! das
    keine Werbekunden abgeschreckt werden;)
    „When the legend becomes fact, print the legend.“
    Oder anders -nutze die beste Auslegung einer Studie um Kunden zu bekommen….
    Jetzt ist auch noch die Frage in wie weit die Facebook -Analysen und das entstandene Feedback untersucht werden
    .Vielleicht sind weniger die Analysen der Angelpunkt der Untersuchung als „Interesse“ an den Reaktionen der Analysierten!

  2. Stephan Marx am

    Naja .. bei Facebook denke ich auch weniger an die NSA und auch nicht an das, was man aktiv gesetzten Likes von sich Preis gibt.

    Es ist vielmehr die Überwachung des Surfverhaltens, die Verknüpfung von anderen Diensten bis hin zu Schufa Auskünften .. kurzum Datamining (der den guten alten Begriff „Rasterfahndung“) mit einem Ziel das weit jenseits der von mir genutzten Dienste liegt.

    Von daher halte so was wie „Entwarnung – ich hab‘ das mal für euch gecheckt“ für das falsche Signal (vor allem mit einem nur oberflächlichen Ansatz, den das genutzte Tool maximal geben kann).

    Natürlich braucht man keine diffuse Angst vor dem „bösen Internet“ … aber ein bisschen Hintergrundwissen und kritisches Hinterfragen zu vermitteln ist sicher in Anbetracht der Blauäugikeit der Mehrheit der „ich hab ja nix zu verbergen“ Surfer nicht verkehrt.

  3. Hans Hansen am

    Ob Unschärfe, bei der Datenauswertung vorhanden ist, oder auch nicht ist irrelevant, wenn derjenige der die Daten erhebt daran glaubt. Von daher beruhigt mich diese Tatsache gar nicht, im Gegenteil es beängstigt mich noch viel mehr! Vielleicht werde ich als jemand dargestellt der ich gar nicht bin und auch gar nicht sein möchte? Das empfinde ich als dramatisch!

  4. Klaus Lohmann am

    Aha. Ich brauche also für die Analyse meiner Daten bei einer Datenkrake ein externes (?) Tool, dem ich zunächst Datenkraken-Status bei der Datenkrake einräumen muss. Dann kommt bei dieser „Analyse“ heraus, dass alle Analyse-Ergebnisse sowieso Quatsch sind, soweit es mich betrifft. Daneben gibt es Personaler, die sich unbedingt und kritiklos auf Datenkrake-Inhalte verlassen, weil sie sonst nix über mich rausbekommen und Fratzenbuch-Bedienung neuerdings wohl die einzige Eigenschaft ist, die ein Personaler im Job mitbringen muss. UND DAS SOLL BERUHIGEN????? Sowas kann auch nur Jemand vor sich hin brabbeln, der grade keine Job sucht….

    PS: Euer neues Captcha ist kompletter Müll. Hat der WDR neuerdings keine Leute mit IT-Kenne mehr????

    • Du triffst mit Deinem Kommentar den Nagel aber sowas von auf den Kopf…
      Die „Analyse“ ist vorn Ar… Denn die KANN garnicht das komplette Nutzerverhalten nachvollziehen. Die gibt bestenfalls ein Abbild dessen, was der Nutzer selbst im SICHTBAREN Bereich von „F“ „likeit“ hinterlassen hat. Auswertungen besuchter Internetseiten, die mit „F“ verbunden sind(auch wenn man da nix „geliked“ hat), sind auch erfasst. Damit weiss der Datenkrake noch mehr über Dich, als es jeder nerdige Personaler mit seinem neuen Eierfon von den allgemein zugänglichen Seiten erfahren kann. Und DAS find ich viel bedenklicher. Was man für die Allgemeinheit einstellt, kann man schliesslich selbst entscheiden.

      Und Du hast auch recht mit dem Capture…
      Die neue Version ist krüppelig.
      Trotz richtiger Angabe ist das Ergebnis zehnmal falsch, dann die Zeit überschritten und danach wieder das Ergebnis falsch.
      Wenn das hier jetzt ’ne Tittenseite wär, wäre es entschuldigt.
      Aber bei den „Computerprofis“? ist das einfach nur peinlich…

  5. Also,

    ich finde es ja keinesfalls beruhigend, wenn man aus Daten völlig falsche Schlüsse zieht!
    Wenn schon gegen die Sammelwut der Betreiber der sogenannten ‚Sozialen Netzwerke‘ kaum noch ein Kraut gewachsen ist, ist es mir beinahe noch lieber, wenn möglichst viele Daten gesammelt werden, die dann wenigstens ein richtiges Bild ergeben. Vielleicht – ich bin halt auch nur ein Träumer – sind’s ja dann auch so viele, die sich vernünftig nicht mehr nutzen lassen…

  6. Naja .. bei Facebook denke ich auch weniger an die NSA und auch nicht an das, was man aktiv gesetzten Likes von sich Preis gibt.

    Es ist vielmehr die Überwachung des Surfverhaltens, die Verknüpfung von anderen Diensten bis hin zu Schufa Auskünften .. kurzum Datamining (der den guten alten Begriff „Rasterfahndung“) mit einem Ziel das weit jenseits der von mir genutzten Dienste liegt.

    Von daher halte so was wie „Entwarnung – ich hab‘ das mal für euch gecheckt“ für das falsche Signal (vor allem mit einem nur oberflächlichen Ansatz, den das genutzte Tool maximal geben kann).

    Natürlich braucht man keine diffuse Angst vor dem „bösen Internet“ … aber ein bisschen Hintergrundwissen und kritisches Hinterfragen zu vermitteln ist sicher in Anbetracht der Blauäugikeit der Mehrheit der „ich hab ja nix zu verbergen“ Surfer nicht verkehrt.

Einen Kommentar schicken

Die mit * gekennzeichneten Felder müssen ausgefüllt werden.

Um Ihren Kommentar zu versenden, beantworten Sie bitte die folgende Frage: *

Top