IFA 2018: Smarthome – Verwirrung statt Vernetzung

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IFA 2018: Smarthome – Verwirrung statt Vernetzung

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Die IFA wäre nicht die IFA ohne Fernseher. Sie wäre mittlerweile auch nicht mehr die IFA ohne Kühlschränke, Herdplatten und Waschmaschinen. Und auch das Smarthome gehört zum Inventar: eine “wahre Innovationsflut” von Geräten versprechen die IFA-Veranstalter – von der Kaffeemaschine mit App-Anbindung über die fast klassischen Saugroboter bis zur intelligenten Heizung, die möglichst energiesparend arbeitet.

Das Smarthome ist ein großes Versprechen: Wenn alles mit allem vernetzt ist und die Geräte nur genügend Daten sammeln, wird das Haus intelligent. Dann werden nur die Räume geheizt, in denen man sich aufhält. Dann kann man vom Sofa aus per Tablet das ganze Haus steuern. Dann kann man beim Verlassen des Hauses alle Geräte auf einmal ausschalten. Und der Markt wächst. Laut dem Branchenverband BITKOM besitzt jeder vierte Deutsche Smarthome-Technik, jeder dritte plant einen Kauf.

Doch auch das zeigt die Umfrage des BITKOM: Vielen Menschen ist die Smarthome-Technik noch immer zu komplex. Tatsächlich sorgt sie noch allzu oft für Verwirrung statt Vernetzung – und dieses Problem ist hausgemacht. Damit sich alle Geräte vernetzen ließen, müssten sie erst einmal dieselbe Sprache sprechen. Und das tun sie nicht. Die Hersteller versäumen seit Jahren, sich auf Standards zu einigen.

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Weiteres Problem neben den zu vielen Standards: Vernetzte Haushaltsgeräte oft unsicher (Beitrag vom 27.12.17)

Stattdessen auch auf dieser IFA: ein Meer an Insellösungen. Wenn es um smarte Lampen wie beim Philips-Hue-System geht, kommt oft das Zigbee-Funksystem zum Einsatz. Der Routerhersteller AVM setzt für intelligente Steckdosen und Thermostate auf den DECT-Standard, den man vom Festnetztelefon kennt. Die Aachener Smarthome-Firma Devolo setzt auf den Zigbee-Konkurrenten Z-Wave. Dazu kommen noch kabelgebundene Systeme und offene Standards – die aber selten eingesetzt werden.

Weil es dieses Durcheinander gibt, bauen Hersteller Brücken zu anderen Systemen in ihre Technik ein. Die nennen sich Gateways und haben das Problem etwas entspannt. Eine Marktlücke füllen außerdem Systeme wie Conrad Connect: Mit ihnen kann man Geräte, Apps und Onlinedienste über den Browser zusammenführen. Und auch Sprachassistenten wie Amazon Echo und Google Home dienen heute öfter als Schnittstelle zwischen verschiedenen Welten.

Trotzdem: Seit über zehn Jahren begleitet uns das Thema Smarthome – und noch immer ist die Kompatibilität zwischen den System ein Problem. Die Hersteller sollten endlich einheitliche Standards schaffen. Das bringt uns als Kunden einen Überblick – und hilft damit auch den Herstellern selbst.

Über den Autor

Dennis Horn, offline geboren 1981 in Köln, arbeitet als Experte für Digitalthemen in der ARD und moderiert im Deutschlandradio. Er hofft, dass eines Tages die Angst vor dem "bösen Internet" stirbt, und wünscht sich mehr Spaß am Netz und weniger Hysterie.

3 Kommentare

  1. soundcloud downloader am

    Wie das so mit den Assoziationen so ist: andere denken bei Hannover an das größte Schützenfest der Welt. Und zu einer Kirmes gehört meist ein Riesenrad. (Und für diesen Gedanken muss ich nicht in die USA fliegen).

  2. P. Gedoehns am

    Einen Neukauf in dieser Richtung plane ich nicht. Im Gegenteil, ich bin so zufrieden, wie ich jetzt lebe. Ich gönne mir nämlich den Luxus, kein nerviges, dauernd piependes Smartphone als Schaltzentrale für mein halbes Leben zu besitzen.
    Unter dem Vorwand der Bequemlichkeit, der Energieeinsparung und des Einbruchschutzes kaufe ich auch keine Geräte, die meines Erachtens primär auf das Sammeln von Daten, Überwachen, Kontrollieren und Verblöden von Menschen abzielen.
    Des Weiteren können alle diese Geräte durch Hersteller oder Hacker ausgelesen werden, sobald sie vernetzt sind.
    Das kann soweit gehen, dass wer auch immer weiß, was sich im Kühlschrank befindet, ob man einen Fernseher besitzt und welche Programme und Sendungen man bevorzugt, wie man Haus oder Wohnung gesichert hat und wann geheizt wird oder eine längere Abwesenheit ansteht.
    Theoretisch könnten auch Krankenkassen in Erfahrung bringen, ob der Kühlschrank mit Bier und Fertiggerichten gefüllt ist, um die Tarife anzupassen. Gleiches gilt für die Hausrat und Einbruchschutz. Man könnte sogar auslesen, ob sich der TV-Nutzer von Maischberger und Plasberg beeinflussen lässt, oder ob er ab 23 Uhr eher kritische Dinge auf arte und 3sat sieht.
    Wie fast alles im Leben hat jedes Ding zwei Seiten. Mir ist der Preis für ein vernetztes Heim zu hoch, wobei ich das nicht in finanzieller Hinsicht meine.
    Hinzu kommt, dass ich nicht dauerhaft von dem meist für Smarthome notwendigen WLAN bestrahlt werden möchte. In die fragwürdigen offiziellen Studien habe ich wenig Vertrauen.

  3. Die gesuchte Brücke die viele Systeme miteinander verbindet heißt Homee. Das System unterstützt flexibel die Funkstandards EnOcean, Zigbee und ZWave. Dazu noch einige IP-basierte Geräte (um etwa Smarthome-Geräte von AV anzubinden). Ich nutze es gerne und mit wachsender Begeisterung, nachdem ich einige Jahre Kunde von RWE Smarthome (heute innogy smarthome) war und mich immer mehr über das geschlossene Ökosystem, in dem man der Weiterentwicklung durch den Hersteller ausgeliefert ist, geärgert habe.

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