IFA 2019: Wenn Innovation, dann beim Smartphone

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IFA 2019: Wenn Innovation, dann beim Smartphone

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Keine IFA ohne Fernseher. Heute beginnt die Internationale Funkausstellung in Berlin und wieder versuchen die Hersteller es mit “schneller, größer, leistungsfähiger”: smarte Fernseher mit Sprachassistent, brillante Kontraste und vor allem: 8K. Dabei gibt es für diese Auflösung nach wie vor keine Inhalte. Fernsehsender strahlen in HD aus, Streaminganbieter höchstens in 4K. Und unser Auge nimmt eh kaum Unterschiede wahr.

Auch bei anderen Themen tut sich die Branche schwer. Beim Smart Home, dem Hype der vergangenen Jahre, wächst das Angebot: intelligente Lampen, Steckdosen und Haushaltsgeräte. Gleichzeitig stehen noch immer die vernetzten Kühlschränke in den Messehallen – fast schon ein running Gag der IFA, denn in freier Wildbahn sieht man die Geräte mit Kamera, Bildschirm und Internetzugang so gut wie nie.

Ob die Menschheit nun wirklich auf einen Wäschetrockner gewartet hat, der sich mit der Waschmaschine austauscht, während man die Klamotten immer noch per Hand von einer in die andere Trommel verfrachten muss – ich weiß ja nicht. Es ist, wie Patrick Beuth im vergangenen Jahr für SPIEGEL ONLINE schrieb: Die IFA ist eine Messe der First World Problems, die Tech-Branche scheint nicht daran interessiert zu sein, die großen Probleme unserer Zeit anzugehen: zum Beispiel in der Nachhaltigkeit.

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IFA 2019. Der Neuheiten-Check mit Dennis Horn im ARD Morgenmagazin

Spannend ist es dagegen nach wie vor auf dem Markt für mobile Geräte: Samsung hat sein Klapp-Smartphone Galaxy Fold vorgestellt, für das ich zwar keinen großen Markt sehe, dessen Technik aber interessant werden könnte. Das Fairphone 3 zeigt, dass sich modernes Design, ordentliches Innenleben, austauschbarer Akku und nachhaltige Technik durchaus kombinieren lassen. Man muss es nur wollen.

Und mit dem Smart.3 zeigt Emporia aus Österreich ein überzeugendes Konzept für ältere “Smartphone-Einsteiger”, mit eingebautem Notruf und einem ausführlichen Training, das jeder Käufer erhält. Wer seinen Großeltern regelmäßig erklären muss, wie sie Computer und Smartphone bedienen müssen weiß, dass dafür nicht nur einen Markt gibt – sondern so auch tatsächliche Probleme gelöst werden.

Sieht man vom Smartphone ab, tritt die Branche aber auf der Stelle: Die Argumente für neue Fernseher sind schwach, die Vernetzung im Smart Home zum Teil Selbstzweck, und Techniken wie Augmented Reality, in denen noch richtig Möglichkeiten stecken, sind kaum ein Thema. Wer die IFA in diesem Jahr also auslässt und die Zeit lieber vor dem guten alten HD-Fernseher zu Hause verbringt, hat wenig verpasst.

Über den Autor

Dennis Horn, offline geboren 1981 in Köln, arbeitet als Experte für Digitalthemen in der ARD und moderiert im Deutschlandradio. Er hofft, dass eines Tages die Angst vor dem "bösen Internet" stirbt, und wünscht sich mehr Spaß am Netz und weniger Hysterie.

3 Kommentare

  1. P. Gedoehns am

    Die IFA bietet nichts, was mich interessieren könnte. Ein Fernseher ist für mich ein Gerät zur Beeinflussung und Lenkung und zum Teil zur Verblödung von Massen. In meinem Haushalt gibt es kein solches Gerät, denn ich recherchiere im Netz nach Dingen die mich interessieren und die ich wissen möchte. Übrigens entscheide ich dabei über die Quellen und was Fake ist und was nicht.
    Alle Geräte und Systeme mit der Vorsilbe “Smart” haben meines Erachtens die primänre Aufgabe, Menschen auszuspionieren, gläsern zu machen und Profile zu erstellen. Auch darauf verzichte ich gerne.
    Wirklich neue Errungenschaften zum Wohle des normalen Bürgers gibt es aus meiner Sicht nicht mehr, dafür aber solche zum Steigern des Reichtums einzelner Personen. Meine Elektrogeräte sind bewusst so ausgewählt, dass sie langlebig und bei Bedarf reparabel sind. Überspitzt betrachtet ist die IFA 2019 eine Messe, in der E-Schrott aus dem jahre 2022 ausgestellt wird, während man uns in Richtung grün und öko erziehen will.

  2. Höh, lieber zu Hause bleiben, das sind ungewohnte Töne ;-).
    Allerdings nachvollziehbar, denn bei aller Technikbegeisterung müssen neue Geräte echte originäre langfristige Vorteile bieten, welche die Nachteile aufwiegen.
    Nachteile wie z.B. hohe Anschaffungskosten, zusätzlicher Energieverbrauch, hoher Wartungsaufwand, geringe Lebensdauer, oft schlechte und kurze Produktpflege seitens des Herstellers, Inkompatibilitäten zu anderen Geräten, Zeit und Kosten für die Entsorgung, … .

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