IG Metall gegen YouTube – ist das die neue Arbeiterbewegung?

https://blog.wdr.de/digitalistan/ig-metall-gegen-youtube-ist-das-die-neue-arbeiterbewegung/

IG Metall gegen YouTube – ist das die neue Arbeiterbewegung?

Kommentare zum Artikel: 2

“The Slingshot Channel” – ein YouTube-Kanal, in dem es um Steinschleudern geht und darum, wie man auch Sägeblätter, Kekse oder Klobürsten als Geschosse nutzen kann. Mit diesem Kanal hat es Jörg Sprave auf über 2,2 Millionen Abonnenten gebracht – und zeitweise seinen Lebensunterhalt verdient. Diese Zeiten sind vorbei, weil YouTube die Ausschüttung der Werbegelder zurückgefahren hat. Und Sprave wird nun unbequem.

Man habe das Gefühl, unabhängige YouTuber seien nicht mehr erwünscht, sagt er. Schon vor einer ganzen Weile hat Sprave deshalb die YouTubers Union gegründet – und sich jetzt mit der IG Metall zusammengeschlossen, einer Gewerkschaft mit über zwei Millionen Mitgliedern, mit Einfluss, Geld und Anwälten. Es handelt sich dabei um den ersten organisierten Widerstand der Nutzerschaft gegen ihre “eigene” Plattform.

“FairTube” heißt ihre Kampagne. Die Forderungen: YouTube soll die Regeln dazu, wie die Werbegelder verteilt werden, transparent machen. Einzelentscheidungen müssten nachvollziehbar werden: Wenn YouTube ein Video sperrt, soll es auch sagen, welche Stelle in diesem Video konkret gegen welche Regel verstoße. Die YouTuber bräuchten außerdem menschliche, qualifizierte und entscheidungsbefugte Ansprechpartner.

Audioplayer

Die IG Metall hat Google eine Deadline zum 23. August gesetzt. Bei Google wird man wissen: Es ist ein Präzedenzfall. Erkennt der Konzern die IG Metall als Vertretung von YouTubern an, werden auch andere Gewerkschaften und Interessensgruppen hellhörig – und dann dürfte es schnell auch um ganz andere Themen als nur um Transparenz und Mitbestimmung von YouTubern gehen.

An den großen Silicon-Valley-Plattformen haben sich auch schon andere die Zähne ausgebissen. Doch die IG Metall will ihr Geld und ihre Anwälte nutzen und notfalls vor Gericht ziehen – unter anderem, um zu klären, ob YouTuber nicht eigentlich als Angestellte zu sehen sind. Für Deutschlandfunk Nova habe ich mit Robert Fuß von der IG Metall gesprochen – und erkläre dort genauer, warum diese Strategie nicht aus der Luft gegriffen ist.

Für die IG Metall ist die FairTube-Kampagne natürlich auch ein Versuch, in der digitalen Welt relevant zu bleiben. Nach der Arbeiterbewegung im 19. Jahrhundert nun also eine digitale Arbeiterbewegung – zu Zeiten der Digitalisierung? Wie auch immer: Es ist der erste organisierte Widerstand der Nutzerschaft gegen ihre “eigene Plattform” – und es dürfte interessant werden, wie die IG Metall ab dem 23. August weiter vorgehen wird.

Über den Autor

Dennis Horn, offline geboren 1981 in Köln, arbeitet als Experte für Digitalthemen in der ARD und moderiert im Deutschlandradio. Er hofft, dass eines Tages die Angst vor dem "bösen Internet" stirbt, und wünscht sich mehr Spaß am Netz und weniger Hysterie.

2 Kommentare

  1. Warum verläßt man sich so stark auf YT & Co? Alternativen gibt es. Es ist auch nicht so schwer seine eigene Website / Blog / Forum auf selbst gehosteten Server einzurichten wenn man denkt etwas mitteilen zu müssen. Da gibt es zigtausende Anleitungen. Teuer ist das auch nicht.

    Das ewige genöle über YT & Co scheint wenig erwachsen, da die Alternative ist: einfach selber machen.

    Aber wenn man es nicht selber schafft die eigene Webpage zu vermarkten und seine Finanzen von denen abhängig macht, seine Lebensgrundlage also Anderen (YT & Co) fahrlässig überläßt sollte man sich nicht beschweren wenn man nach deren Regeln spielen muß. Es wird niemand gezwungen…

  2. Das Thema ist spannend und ich hoffe Ihr bleibt dran.

    Denn die Asymmetrie zwischen großen Unternehmen und kleinen Leuten welche den eigentlichen Wert erzeugen aber kaum an dem Wert teilhaben, ist nach eigenem Eindruck, gerade bei den Internetunternehmen extremst hoch.

    Das betrifft nicht nur YouTuber, sondern auch Amazon, Facebook und, und, und .

    Wer z.B. als Käufer auf Amazon freiwillig eine Bewertung hinterlässt, der hilft anderen Käufern aber hauptsächlich Amazon selbst. Hier wäre eine direkte monetäre Entlohnung des Bewertenden angebracht.

    Noch interessanter wird es, wenn man bedenkt das es Facebook ohne seine Anwender gar nicht geben würde. Schon rein aus dieser Überlegung müsste Facebook eigentlich gerne und freiwillig Digitalsteuer in all den Ländern zahlen wo es vertreten ist, um die Gesellschaften auch monetär teilhaben zu lassen.

Einen Kommentar schicken

Die mit * gekennzeichneten Felder müssen ausgefüllt werden.

Solve : *
28 − 6 =


Top