Immer mehr Acceptable Ads

https://blog.wdr.de/digitalistan/immer-mehr-acceptable-ads/

Immer mehr Acceptable Ads

Kommentare zum Artikel: 3

Es ist wirkich nicht leicht für Menschen, die ihren Rechner mit einen Werbefilter ausrüsten. Der mit Abstand populärste Werbefilter AdBlock Plus lässt mittlerweile ausgewählte Anzeigen durch, während AdBlock bislang eisern alles blockiert hat. Doch das ändert sich gerade: Seit gestern (01.10.2015) abend erscheinen auf einem Rechner mit installierter Adblock-Erweiterung ein unübersehbarer Hinweis vom AdBlock-Gründer Michael, dass nun auch AdBlock Whitelists für Acceptabe Ads einführen will. Das erklärt Michael allerdings sehr umschweifend:

AcceptableAds; Rechte: WDR

Auch AdBlock lässt jetzt Werbung zu

Der Benutzer hat die Wahl, ob er Acceptable Ads zulassen möchte oder nicht. Standardmäßig sind sie eingeschaltet. Das bedeutet: Der Filter filtert nicht mehr alles, sondern lässt manche Werbung durch, solche Reklame nämlich, die als „akzeptabel“ gilt. Was akzeptabel ist oder nicht, entscheidet – im weitesten Sinne – der Geldbeutel. Denn die Werbeindustrie muss dafür zahen, als akzeptabel zu gelten – und durchgelassen zu werden. Das macht nicht nur AdBlock Plus so, sondern auch einige andere Werbefilter.

Jetzt also auch AdBlock, die bisher für die Fans zu den Guten zählten. Wer genauer liest, sozusagen auch das Kleingedruckte, erfährt noch andere interessante Dinge: Michael ist gar nicht mehr der Inhaber von AdBlock. Das Business wurde weitergegeben. Außerdem ist zu lesen, dass nun nicht mehr AdBlock Plus dafür verantwortlich sein soll zu entscheiden, welche Anzeigen als Acceptable Ads gelten, sondern eine Gruppe „unabhängiger Experten“.

Adblock Extension; Rechte: AdBlock AdBlocker machen Anbietern das Leben schwer

Inzwischen haben 20 bis 30 Prozent aller Internetnutzer einen aktiven Werbefilter am Start, egal welchen. Seitdem iOS9 auf dem Markt ist, können auch iPhone-Nutzer solche Werbefilter laden und verwenden. Die Werbefilter waren direkt nach dem Start von iOS9 unter den populärsten Apps fürs iPhone. Das zeigt: Auch im Mobilbereich wollen die Leute keine Werbung.

Aber sie wollen kostenlos präsentierte Inhalte. Hier beim WDR geht das werbefrei, weil der WDR einen Teil der Gebühren nutzt, um hochwertigen Content bereitzustellen. Aber die meisten müssen ihre Inhalte über Werbung refinanzieren. Das wird immer schwieriger, wenn viele gar keine Werbung angezeigt bekommen. Das Geschäftsmodell gerät ins Wanken. Onlinedienste werden eingestellt oder eingeschränkt. Oder es werden Paywalls hochgezogen, die Leute müssen für die Inhalte bezahlen.

So verständlich es ist, dass man sich mit AdBlockern gegen aufdringliche Werbung und indiskrete Werbenetzwerke schützen möchte: Es bedroht gleichzeitig die Kultur kostenlos angebotener Inhalte im Netz. Völlig absurd wird es aber, wenn die Anbieter solcher Werbefilter für das Durchlassen von Werbung bezahlt werden. Ab diesem Zeitpunkt sind sie definitiv Teil des Problems, nicht Teil der Lösung.

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung „Angeklickt“ in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

3 Kommentare

  1. In. Sider am

    Es ist verständlich, dass Internetseiten (auch) durch Werbeeinnahmen finanziert werden müssen, wenn man keine Nutzungsgebühren entrichten will. Deshalb würde es mir reichen, wenn ich selber entscheiden kann, ob und welche Werbung ich anschaue oder nicht und (sofort und nicht erst nach einer Vorgabezeit!) selber wegklicken / überspringen kann…
    …meint der InSider

  2. Heinz Kilmer am

    Werbeblocker Whitelisting inakzeptabel?
    Ätzende Werbung ist oft nahe der Körperverletzung durch Epilepsie-gefährliche Blinkereien.

    Schön, daß Herr Schieb die Werbeblocker nicht zu fürchten braucht, dank 17.50 Euro im Monat.

  3. Der Alte am

    Viele Formen der Werbung im Netz ist tatsächlich nicht akzeptabel. Die Medien sind selber Schuld wenn Werbeblocker notwendig sind.

Einen Kommentar schicken

Die mit * gekennzeichneten Felder müssen ausgefüllt werden.

Um Ihren Kommentar zu versenden, beantworten Sie bitte die folgende Frage: *

Top