Innenminister wollen Messenger abhören

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Innenminister wollen Messenger abhören

Kommentare zum Artikel: 5

Sie haben sich in Dresden getroffen und darüber nachgedacht, wie sich Terroristen besser stoppen lassen: die Innenminister der Länder und Bundesinnenminister Thomas de Maizière. Im Interesse unserer Sicherheit wollen die Länder näher zusammenrücken. „Befugnislücken sind Sicherheitslücken“, so der einhellige Tenor der Innenministerkonferenz. Meint: Wir wollen auch wissen, was sich die Leute auf WhatsApp so schreiben. Künftig soll es rechtlich und technisch möglich sein, dass Polizei und Behörden auf WhatsApp zugreifen können.

WhatsApp ist mit derzeit rund 1,2 Mrd. User der populärste Messenger überhaupt

Was bringt es, bei WhatsApp mitlesen zu können?

Der Wunsch von Polizei und Strafbehörden, im Zweifel bei WhatsApp mitlesen zu können, ist mehr als verständlich. Natürlich kann das im Einzelfall helfen, Straftaten aufzuklären – und vielleicht sogar, die ein oder andere zu verhindern. Obwohl das bislang eher ein Problem ist, wie Sascha Lobo in dieser Kolumne eindrucksvoll belegt: Nahezu alle Attentäter der jüngsten Zeit waren den Behörden vor ihren Attentaten bekannt. Es unternimmt nur keiner was gegen sie – etwa aus Personalmangel.

Darum ist wohl die Frage zu stellen: Brächte es denn überhaupt etwas, bei WhatsApp mitlesen zu können? Die Antwort: zweifellos. Natürlich ließen sich dann nachträglich über WhatsApp geführte Gespräche analysieren – und im besten Fall auch vor einem geplanten Attentat eingreifen. Einen gewissen Nutzen hätte das auf alle Fälle. Es ist im Grunde ein Albtraum für Ermittler, dass es selbst in absolut gerechtfertigten Situationen keine Möglichkeit gibt, ein Gespräch abzuhören.

Messenger-Apps

Auch andere Messenger müssten überwacht werden.

Ein nahezu aussichtsloses Unterfangen

Keine Antworten gibt es auf die Frage, wie das denn überhaupt gehen soll. Denn wenn zum Beispiel WhatsApp die Behörden auf Anordnung in die Lage versetzen können muss, sich in einen Chat einzuklinken, müsste im Grunde die erst vor wenigen Monaten eingeführte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung aufgehoben werden. Oder WhatsApp müsste eine Backdoor einbauen, damit Behörden im Bedarfsfall über diese Hintertür in die Geräte der zu belauschenden User können, um den Datenverkehr unverschlüsselt abgreifen zu können.

Eine Backdoor ist ein Sicherheitsalbtraum. Jede Backdoor wird früher oder später entdeckt und missbraucht. Dann zahlen wir alle den Preis. Und ein Aufheben der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung kann auch niemand wollen. Wie also soll das funktionieren, liebe Innenminister? Welcher Preis soll gezahlt werden für das Mehr an Überwachungsmöglichkeiten? Abgesehen davon: Nicht nur WhatsApp muss überwacht werden können, sondern jeder Messenger am Markt. Ein ganz schöner Aufwand. Und auch das würde nicht viel bringen: Die, die man aus gutem Grunde überwachen möchte, würden dann zur Not selbst entwickelte Messenger verwenden, die sich nicht überwachen lassen.

 

 

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung „Angeklickt“ in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

5 Kommentare

  1. Martin Däniken am

    Man kann aber auch die Ausbildungslager mit Drohnen „besuchen“!
    Ausserdem können Heimwege sehr gefährlich werden,
    wenn niemand weiss das du existiert,merkt auch keiner wenn du „verschwindest“!
    Deshalb ist das mit Grenzkontrollen obsolet…
    aber wenn die Leute den richtigen Pass haben erst recht….
    z.B.einheimische Kleinkriminelle.

  2. Sie schreiben „Nicht nur WhatsApp muss überwacht werden können, sondern jeder Messenger am Markt.“
    Korrekt erkannt, Herr Schieb! Und nicht nur jeder Messenger, sondern JEGLICHE Form der Datenverschlüsselung!
    Folgenden (harmlosen) Text habe ich mit (dem vergleichsweise „schwachen“) Blowfish-Algorithmus codiert:
    TVn8ACGWoFX+8DiZS5fr9y9nBVKv9KPlR6Qh55MMQRfTbfsnRRu9u7JEW1Rb
    vNNGM7KJKBhxyvHrVrTJ6Q2GIuI21vxYvgD1XWs+FL3OMxJOKtwO0lR/YgnX
    ZDAVzVRywkVA9w==
    Das Passwort generierte ich aus dem gesamten Zeichenvorrat, den die deutsche Standardtastatur hergibt, also aus 76 Zeichen.
    Daraus ergeben sich 1.113.034.787.454.980 Möglichkeiten/Kombinationen zur Ver- bzw. Entschlüsselung. Selbst ein Rechner, der etwa eine Million Rechenoperationen pro Sekunde(!) ausführen kann, wäre bis zur erfolgreichen Entschlüsselung -über sog. „Brute Force-Angriffe“- irgendwo zwischen 5 und 35 Jahren(!) beschäftigt – je nach Passwortlänge und Kreativität hinsichtlich der Zeichenkombination!
    Dies wissen freilich auch die Inneminister – zumindest aber deren Berater. Die Entscheidung dieser Innenministerkonferenz kann daher nur als erster Schritt in die totale Überwachung jeglicher Kommunikation und damit zur Abschaffung jeglicher privater Kommunikation bewertet werden!
    Es kann somit tatsächlich davon ausgegangen werden, dass Verschlüsselungsentwickler künftig (und unter Strafandrohung) verpflichtet werden ihre Software mit (mindestens) einer „Backdoor“/einem Masterkey etc. auszustatten. Dies wäre logischerweise auch das Ende des sog. „Darknets“, also des (noch) freien Internets (via Tor, Tails, whonix etc.). Ich möchte in diesem Zusammenhang auch an das plötzliche Ende der „TrueCrypt“-Software erinnern – Stichwort „National Security Letter“.
    Man wird sich (nach entsprechender Gesetzgebung) als datenschutzsensibler User mithin komplett umstellen und internet-/mobilfunkbasierende Kommunikationsmedien zur vertraulichen Nutzung ausschließen müssen!
    Und: Terroristen fing und fängt man m. E. immer noch am besten und effektivsten an permanent kontrollierten Landesgrenzen – aber die gibt’s ja schon lange nicht mehr…

  3. Martin Däniken am

    Nein,völlig falscher Ansatz,die Minister haben sehr gut bezahlte behördeneigene Mit- Arbeiter ,
    die sich von der darbenden Industrie beraten lassen was sie die Minister brauchen um Sicherheit zuerzeugen….
    Wenn man die richtigen Zahlen in einem schicken Filmchen gut präsentiet sind Ministeriellen so wehrlos wie Senioren bei einer Abzock-Kaffefahrt.

  4. Abhören , Abhören , Kameras usw. alles so ein Blödsinn der an sich nichts bringt, wir sollen immer Gläserner werden , nichts mehr von Freiheit und immer die selbe Leier der Politiker… Was bringt das mitlesen von Whatsapp? Wenn man kriminell ist und geheim chatten will gibt es genug Möglichkeiten , sage nur private VPN usw. das sind immer die ehrlichen Bürger die einen am Sack bekommen und alles offenlegen müssen. Wie wäre es mal bevor diese Floskeln von den Politikern in die Welt gesetzt werden, diese sich vorher mal schlau machen, wie das Abhören unterbunden werden kann und nicht welche Programme gerade in sind.

  5. Martin Däniken am

    Es geht doch darum das Strafverfolgunsbehörden mitlesen können/dürfen?,oder
    Ich gehe mal ganz dumm dreist davon aus das die Schlapphüte eh mitlesen….
    aber möglicherweise strafrechtlich-relevantes nicht mit der Polizei teilen wollen/können/dürfen!

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