Instagram ist das neue Facebook – inklusive aller Probleme

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Instagram ist das neue Facebook – inklusive aller Probleme

Kommentare zum Artikel: 4

Vor drei Jahren habe ich in San Francisco mit Instagram-Gründer Mike Krieger darüber gesprochen, wie er die Plattform sauber hält. Instagram galt zu dieser Zeit als “das nette Netzwerk”, verschont von Desinformation und Hasskommentaren.

“Für uns geht es vor allem darum, einen positiven Ton zu schaffen”, sagte Krieger damals. Wer einen positiven Ton wahrnehme, verhalte sich selbst auch besser. Dort, wo der Ton nicht stimme, komme Technologie zum Einsatz: künstliche Intelligenz, die den Hass automatisch aussortieren soll.

Instagram steht mittlerweile ohne seine Gründer da

Es war schon immer fraglich, ob sich durch Technologie geschaffene Probleme lösen lassen, indem man noch mehr Technologie drauf wirft. Trotzdem: Ich habe Mike Krieger abgenommen, dass ihm und seinem Mitgründer Kevin Systrom wichtig ist, ihre Plattform sauber zu halten. Kurze Zeit später gingen sie von Bord.

Wie Instagram die Welt verändert – Tagesthemen vom 11.01.2018

Mittlerweile führt Facebooks früherer Newsfeed-Chef Adam Mosseri die Plattform. Und seine Neuausrichtung ist spürbar: der Versuch, die Nutzungsdauer um jeden Preis zu steigern, und neue Funktionen, um sich die Konkurrenz vom Hals zu halten.

Da wäre zum Beispiel “das Ende des Newsfeeds”, also der Hinweis, man habe jetzt alle Beiträge der vergangenen Tage gesehen. Er diente einmal als Anstoß dazu, die App zu schließen. Kevin Systrom wollte, dass Instagram “positiv und absichtlich” genutzt wird. Facebook dagegen setzte dort Empfehlungen zu weiteren Accounts durch.

Hass, Desinformation, Verschwörungstheorien – auch bei Instagram

Dazu die neuen Funktionen: Zum einen die TikTok-Kopie Reels – schließlich ist es Instagram mit Snapchat schon einmal gelungen, einen Konkurrenten kleinzukriegen. Oder die Shopping-Rubrik, die den Kommerzfaktor der Plattform steigert und genau an der Stelle zu finden ist, an der Nutzer bisher die Hinweise über Kommentare und Likes fanden.

Und auch mit den klassischen Facebook-Problemen sieht sich Instagram heute konfrontiert. Mit Hass zum Beispiel, wie zuletzt den rassistischen Beleidigungen gegen die Fußballerin Jordyn Huitema und ihren Freund Alphonso Davies. Desinformation und Verschwörungstheorien wurden zum Problem. Auch auf Instagram ist Donald Trump aktuell gesperrt. Und auch der Datenschutz ist durch die Verbindung zu Facebook mittlerweile ein größeres Thema für Instagram.

Facebook hat – entgegen früherer Versprechen – den Druck auf Instagram verstärkt, damit es mehr so wird wie Facebook selbst. Das war zwar erfolgreich, Instagram kam zuletzt auf deutlich stärkere Nutzungszahlen. Dafür muss sich Facebook jetzt allerdings auf einer weiteren Plattform seinen altbekannten Problemen stellen.

Über den Autor

Dennis Horn, offline geboren 1981 in Köln, arbeitet als Experte für Digitalthemen in der ARD und moderiert im Deutschlandradio. Er hofft, dass eines Tages die Angst vor dem "bösen Internet" stirbt, und wünscht sich mehr Spaß am Netz und weniger Hysterie.

4 Kommentare

  1. Carsten Mohr am

    Ich denke manchmal, ob die Menschen nicht einfach nur naiv sind. Das Instagram, Facebook und co versuchen, den Nutzer so lange wie möglich auf der Plattform zu halten, hat doch seinen ganz normalen Grund. Kaufhäuser (Shop in Shop Konzepte, Bars, Restaurants), Supermärkte (Framstag-Angebote, Quengelware etc.), Innenstädte (Veranstaltungen, Gastroangebote, Aktionswochen mit Sonderrabatten), Urlaubsgebiete, Fernsehsender (Öffentlich-Rechtliche auch), ja selbst Menschen mit dem Hang, nicht alleine sein zu wollen (völlig verständlich, nebenbei gesagt), versuchen andere durch ein ihnen es so angenehm wie möglich machen lange bei sich zu halten. Und wer länger irgendwo ist, ist dort dann auch gerne – fühlt sich wohl.
    Also was ist daran verwerflich? Ja, die Menschen sind wie die Lemmige und willenlose Wesen. Langsam zieht das nicht mehr. Die bösen Netztwerke. Wäre mal die Schule früher so um einen bemüht gewesen. Aber da war es ja Pflicht und man mußte(!) gehen. So sahen unsere Schulen (und Lehrer z.T.) auch aus.
    Also lassen wir die unsinnige Kritisiererei an den Versuchen der Netzwerke, die Leute länger zu halten. Entweder will ich für Voll genommen werden oder aber nicht. Dann darf ich aber mich auch nicht über Corona-Maßnahmen und angeblich eingeschränkter ach so hoch gehangenen Grundrechten wundern. Ein Blödsinn alles…denkt denn keiner mehr normal? Meine Oma hatte die Probleme alle nicht, seltsam. Und ich glaube, sie war selbstbestimmt und genoß alle Freiheiten. Sie war glücklich(er) als im Krieg.

    • Dennis Horn am

      @Carsten Mohr: Am Geschäftsmodell selbst ist nichts verwerflich. Das Problem sind die politischen und gesellschaftlichen Konsequenzen, die dieses Geschäftsmodell mitunter hat, und die liegen aus meiner Sicht außerhalb der reinen Eigenverantwortung der Nutzerinnen und Nutzer.

      • Carsten Mohr am

        Das verstehe ich gerne. Aber wie ist es mit den gesellschaftlichen Konsequenzen bei den vielen anderen Fällen?
        Wer nimmt für sich in Anspruch, die geistige Elite zu sein und die Deutungshoheit zu besitzen?
        Gefahren lauern überall und privatwirtschaftliche Unternehmen (also Supermärkte, der Einzelhandel, Amazon etc.) sind da rigoros. Betriebswirtschaft hatte schon immer wenig mit Vokswirtschaft zu tun, so mein Prof. vor rund 30 Jahren. Gleichwohl er mahnte, über den Tellerrand zu schauen.

        • “Wer nimmt für sich in Anspruch, die geistige Elite zu sein und die Deutungshoheit zu besitzen?”
          Über allem steht die Bundesregierung, für die Meinungshoheit die BILD und für die Deutungshoheit der große Rest, der eine Tastatur bedienen kann. ;)
          “Geistige Elite”? Wenn es eine solche jemals gegeben hätte, hätte dieser Planet weder unzählige Kriegsopfer zu beklagen noch ein Klimaproblem!

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