Instagram knackt die Milliardenmarke – und greift Youtube an

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Instagram knackt die Milliardenmarke – und greift Youtube an

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Nur zwei klassische soziale Netzwerke hatten bisher über eine Milliarde Nutzer: Facebook mit zuletzt 2,2 Milliarden aktiven Mitgliedern und Youtube mit 1,8 Milliarden. In diese Riege stößt jetzt ein weiteres Netzwerk vor: Auch bei Instagram, das ebenfalls zu Facebook gehört, loggen sich jetzt jeden Monat mindestens eine Milliarde Menschen ein.

Diese Zahl hat Instagram-Mitgründer Kevin Systrom gestern Abend in San Francisco bekannt gegeben. Übertragen wurde die Veranstaltung per Livestream in London, wo Instagram zeitgleich eine Party für Influencer geschmissen hat. Wobei “Influencer” im Instagram-Sprech jetzt vielleicht nicht mehr der alleinige Ausdruck ist, denn wie bei Youtube heißt es nun offiziell auch: “Creators” – und tatsächlich munkelte man auf der Party gestern Abend, dass viele der Gäste eigentlich bekannte Youtube-Creators waren.

Das hatte einen Grund: Kevin Systrom hat den neuen Videodienst IGTV vorgestellt. Er soll Teil von Instagram werden; für Android und iOS sind aber auch schon eigenständige Apps verfügbar. Mit IGTV sollen ausgewählte Instagram-Creators eigene Inhalte, also: vertikale Videos, mit bis zu einer Stunde Länge produzieren können. Auch normale Instagram-Nutzer sollen ihren eigenen IGTV-Kanal starten können – dann mit bis zu zehn Minuten langen Videos. Bisher waren bei Instagram maximal 60 Sekunden erlaubt.

https://www.youtube.com/watch?v=AkOFeEyoGj8&t=20m43s
Ein Blick auf das Phänomen Instagram – und wie die App das Design unserer Umwelt verändert

Neben Einzelkämpfern soll der neue Dienst auch Unternehmen und Medien offenstehen. Zum Start wird es keine Werbung geben. Mit den ersten Instagram-Creators, die nun mit eigenen Ideen an den Start gehen sollen, gibt es auch noch keine Verträge über mögliche Werbeausschüttungen, wie es bei Youtube der Fall ist. Diesen Weg soll aber auch IGTV am Ende gehen, sagt Kevin Systrom. Variety zitiert außerdem bisherige Youtuber, für die die Frage, wie viel Geld am Ende rausspringt, zentral zu sein scheint.

Instagram setzt also auf das Prinzip Youtube: mit Shows, Vlogs und How-tos. Wie sich IGTV entwickelt, wird spannend zu beobachten sein. Denn der Dienst ist ein Frontalangriff auf die Videoplattform von Google – nur konsequent fürs Smartphone gedacht und nicht wie Youtube mit der Altlast einer Desktopversion im Rücken. Wenn das funktioniert, was Instagram da vorhat, dürfte es in Zukunft also einen schärferen Konkurrenzkampf um selbstgemachtes Bewegtbild im Netz geben.

Zu hoffen wäre nur, dass es technisch deutlich besser läuft als die etwas peinliche Vorstellung von IGTV. Die startete erst einmal mit fast einer Stunde Verspätung – was ihr bei Twitter den Hashtag #latergram einhandelte – und in London brach der Livestream aus San Francisco ein paar Sekunden nach dem Start immer wieder ab. “Wenn du etwas live machst, funktioniert es halt nicht immer”, versuchte der Moderator in London die Situation zu retten – um dann selbst in nur fünf Minuten zusammenzufassen, was in San Francisco gerade in aller Ausführlichkeit vorgestellt wurde.

Über den Autor

Dennis Horn, offline geboren 1981 in Köln, arbeitet als Experte für Digitalthemen in der ARD und moderiert im Deutschlandradio. Er hofft, dass eines Tages die Angst vor dem "bösen Internet" stirbt, und wünscht sich mehr Spaß am Netz und weniger Hysterie.

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