Ist das noch Streaming – oder schon Rundfunk?

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Ist das noch Streaming – oder schon Rundfunk?

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Ein Gespenst geht um unter denen, die Videos im Netz veröffentlichen: die Frage, ob sie noch Streaming machen oder schon Rundfunk – und ob sie dafür nicht eine Rundfunklizenz bräuchten. Betroffen sind vor allem YouTuber, die auf die Livestream-Funktion setzen. Aber auch Twitch ist mit der Möglichkeit, mit Spielestreams Geld zu verdienen, zu einem Riesenmarkt geworden.

Das Thema ist nicht neu. Schon 2017 hat es große Streamer wie Gronkh und PietSmiet erwischt. Die Landesmedienanstalten mussten sich deshalb viel Kritik anhören – ändern aber ihre Praxis offenbar nicht. Die reporter zeigen in ihrem neuen Video, wie mittlerweile auch kleine Streamer wie Der Zinni angeschrieben und gefragt werden, ob sie eine Rundfunklizenz beantragen müssen. “Es wird so professionell gemacht”, sagt er, “dass man es als Einzelperson gar nicht leisten könnte.”

https://www.youtube.com/watch?v=VnxZkviBZW0
reporter – Dein Lieblingsstreamer braucht eine Lizenz

Leute, die im Internet live gehen, machen Rundfunk? Das klingt wie von vorgestern, und die Kritik daran scheint auch anzukommen. Die Vertreterin der Landeszentrale für Medien und Kommunikation in Rheinland-Pfalz sagt im Video der reporter, sie halte es “auch nicht für sinnvoll, jeden Kleinsten anzuschreiben und mit Kanonen auf Spatzen zu schießen” – und schiebt die Schuld auf die Politik und den Rundfunkstaatsvertrag. Damit hat sie recht. Tatsächlich gilt als Rundfunk, wer

– sein Angebot linear verbreitet, also live streamt, statt Videos zu veröffentlichen,
– einen Sendeplan hat, also regelmäßig live geht und das auch ankündigt,
– ein redaktionelles Angebot gestaltet, und das tun Let’s-Player über ihrer Kommentare,
– und theoretisch (!) mehr als 500 Zuschauer erreichen kann.

Solche Regeln sind nicht grundsätzlich unsinnig. Die letzten Jahre mit all ihren Diskussionen über Desinformation bei Facebook, Schleichwerbung bei Instagram und das Verantwortungsbewusstsein großer YouTuber haben gezeigt, wie wichtig ein paar grundlegende Regeln sind. Auch eine Pflicht, große Kanäle einer Medienaufsicht zu unterwerfen, kann aus meiner Sicht dazu beitragen.

Dafür müssen diese Regeln aber Akzeptanz finden – und das werden sie nur, wenn die Politik sie auch zeitgemäßer gestaltet. Hoffnung macht da der Medienstaatsvertrag, der im September 2020 kommen soll und zurzeit noch in Arbeit ist. Laut dem gilt nur noch als Rundfunk, wer über sechs Monate hinweg im Schnitt 20.000 Menschen gleichzeitig mit seinen Livestreams erreicht. Wäre das auch bisher schon die Grenze gewesen, wäre all der Unmut über Livestreams und Rundfunk vielleicht gar nicht erst entstanden.

Über den Autor

Dennis Horn, offline geboren 1981 in Köln, arbeitet als Experte für Digitalthemen in der ARD und moderiert im Deutschlandradio. Er hofft, dass eines Tages die Angst vor dem "bösen Internet" stirbt, und wünscht sich mehr Spaß am Netz und weniger Hysterie.

5 Kommentare

  1. Netterweise wurde ein Link auf den Zwischenstand mit eingefügt.

    Ich habe mir mal die Freude gemacht und einen Blick hineingeworfen. Die erwähnte Passage von 20000 erreichten Menschen über 6 Monate ließ sich per Suchfunktion und querlesen nicht finden.

    Wenn jemand Seite, Paragraph, Absatz nennen könnte ?

    • – Link anklicken,
      – dann pdf öffnen, durch Klick auf “Den überarbeiteten Entwurf können Sie hier herunterladen.”,
      – dann im pdf-Viewer “20.000” in die Suchleiste eingeben und die Suche starten,
      – Suchergebnisse finden sich auf Seite 26 bzw. Seite 46 des pdf-Dokumentes.
      ;)

      • Danke für die genaue Anleitung.
        Ich hätte nicht gedacht, dass hier die Tausender mit einem Punkt getrennt werden: das widerspricht ja der DIN EN ISO 80000-1:2013, die nur einen kleinen Zwischenraum erlaubt. Gesetze müssen sich ja nicht an eine Industrienorm halten – auch wenn es (wie man hier sieht) eigentlich sinnig wäre.

  2. Müssen die vier genannten Anforderungen alle erfüllt werden um als Rundfunk zu gelten oder reicht eine? Ich gehe mal davon aus das es eine “und” Verknüpfung der vier Anforderungen ist. Somit ist ja noch eine Chance dies zu umgehen wenn man die Live Sendungen nicht angekündigt. Ist zwar nicht clever, dann fehlen einem ja die Zuschauer die bestimmt nicht dauernd darauf warten bis man live geht. Aber insgesamt ist das schon eine sehr eingestaubte Regelung/Gesetz. Ich bin für Anpassung zu Gunsten der “kleinen” Livestreamer.

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