Ist ein Upload-Filter Zensur?

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Ist ein Upload-Filter Zensur?

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Was alles auf Online-Plattformen hochgeladen und verteilt wird, ist ein ernsthaftes Problem. Früher waren es vor allem illegal hochgeladene Musik und Filme, also klare Urheberrechtsverstöße, die problematisch waren. Das ist heute – nicht zuletzt dank funktionierender Streaming-Dienste – nicht mehr das eigentliche Problem. Das sind derzeit eher Inhalte wie terroristische Pamphlete, Kinderpornografie, illegale Hetze und Betrügereien. Solchen Inhalte will die EU-Kommission beikommen – mit Upload-Filtern.

Die EU-Kommission will Upload-Filter einführen; Rechte: dpa/Picture Alliance

Die EU-Kommission will Upload-Filter einführen

Filter soll illegale Inhalte blocken

Richtig gelesen: Die EU-Kommission erwartet, dass Onlineportale – große wie kleine – künftig schon beim Upload offensichtlich rechtswidrige Inhalte filtern, also gar nicht erst zum Upload zulassen. Hier die wichtigsten Stichpunkte. Dass so etwas grundsätzlich funktioniert, zeigen YouTube, Facebook und Co.: Das Hochladen bestimmter Musiktitel ist hier zum Beispiel nicht möglich, wenn es urheberrechtliche Schwierigkeiten gibt. Die Algorithmen filtern solche Inhalte locker raus.

Jeder sollte es begrüßen, wenn es gelingen kann, terroristische Inhalte, illegale Hetze, Fotos und Videos mit Darstellungen sexuellen Kindesmissbrauchs und andere illegale Inhalte bereits im Keim zu stoppen. Das Ziel ist deshalb ausdrücklich zu begrüßen, denn ansonsten wird das Katz-und-Maus-Spiel endlos ausgedehnt: Terroristen laden ein Video hoch. Es wird nach 12 Stunden entfernt. Dann laden sie es woanders hoch oder es verbreitet sich sogar im Schneeballeffekt. Niemand kann das wollen.

https://vimeo.com/243307849

Bislang schaffen es verstörende Inhalte sogar in Kinderangebote wie YouTube Kids – das muss aufhören

Gute und schlechte Inhalte unterscheiden

Natürlich werden solche Filter, die mit Europol kooperieren sollen, nicht von Anfang an perfekt funktionieren. Es werden sicher auch schon mal Inhalte blockiert, die nicht blockiert gehören. Hier sieht die EU-Kommission aber ausdrücklich die Möglichkeit vor, dass sich Betroffene beschweren können. Doch sollte es nicht Ziel sein, schleunigst ein freies Internet ohne terroristische Inhalte, Kinderpornos und Hetze zu bekommen?

Klar, es gibt Bereiche, wo es schwieriger wird, Upload-Filter sauber einzustellen. Etwa bei Urheberrechtsfragen oder in Fällen des Betrugs. Aber man sollte einen Versuch unternehmen. Alle, die nun laut “Zensur” schreien, haben Recht: Natürlich ist es Zensur – aber eine gerechtfertigte und nötige. Ich möchte eine Zensur, die von Terroristen abgeschlagene Köpfe in Videoportalen verbietet und auch Kindesmissbrauch verdammt.

Und, ja: Natürlich besteht das Risiko, dass solche Filter – erst recht, wenn sie zentral gefüttert werden – auch missbraucht werden. Das darf nicht passieren. Aber es lohnt sich, einen Versuch zu unternehmen und zu lernen, um die richtige Balance zu finden. Das filtern, was nicht ins Netz gehört – und das durchlassen, was definitiv dort zu Hause sein sollte. Ich finde, das ist einen Versuch wert.

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

5 Kommentare

  1. kuhklux kahn am

    Tja,der Haken am Internet war die unangenehme Tatsache von Freiheit,Gleichheit und Brüderlichkeit und von mir aus auch Solidarität ohne jeglichen Eigennutz getragen von einer großen Gemeinschaft.
    Das kann und darf es nicht geben, damit kann man ohne viel Aufwand viel Knete und Macht erringen,reißen wir es uns unter den Nagel dieses sozialliberalkommunistische Gebilde sagten die Ausbeuter dieser Welt von Kapitalist bis Syndikalist .Die einen krallten sich das witzigerweise sozial genannte Netzteil,die andern sich die dunklen Teile und der schäbige Rest wurde immer kleiner. Und plötzlich wie immer recht spät entdeckten auch Politmenschen das Netz zur Ausübung ihrer Machtgelüste und machten dem schäbigen Rest klar,daß der Kapitalistenteil weil dunkl infiltriert und der dunkle Teil sowiese kontrolliert werden müsse.Dazu dient jede Horrorgeschichte als Begründung um über die
    Ausrede der Unratbeseitigung wieder die totale Kontrolle zu erlangen.Also wird aus einer der größten und uneigennützigsten Errungenschaften der Menschheit mal wieder ein vom Eigennutz beherrschtes Gebilde.Im Prinzip nichts Neues.Erinnert an alle Entwicklungen vorheriger insbesondere Massenkommunikation wie Druck bis Zeitung.
    Es tönt immer noch “Pressefreiheit”,das ich nicht lache.Jetzt tönt es “Internetfreiheit” schon vorbei.Und ich wiederhole”Herr,vergib ihnen nicht—-denn sie wissen genau was sie tuen ……”

  2. Klaus Lohmann am

    Man muss es anscheinend auch Medienschaffenden immer öfter und immer lauter direkt ins Gesicht tröten, bevor die “Alles-im-Netz-für-immer-für-umme”-Fraktion was merkt: *Empfehlungen* der EU als Grundlage für spätere Eruierungen, ob man wirklich Recht ändern und verschärfen muss, sind alles, aber bitte doch keine Zensur. Jeder Contentanbieter hat nun mal die Pflicht, sich an die in seinem Land und/oder in der EU geltenden Gesetze zu halten. Wenn viele Contentprovider sich aus reiner Gier und Gewinngelüsten nicht dran halten, *dann* werden legale Daumenschrauben notwendig. Und auch die wären keine Zensur, solange sie *bestehendes* Recht umsetzen.

    • Stimme voll zu. Bin keiner, der unter “Zensur” eine rechtswidrige Kontrolle von der Veröffentlichung von Inhalten versteht, sondern eben eine Kontrolle. Es gibt auch eine Zensur bei Büchern oder Zeitschriften: Pornografisches Material etwa darf nur Menschen ab 18 Jahren zugänglich gemacht werden, manche Schriften sind komplett verboten. Das ist Zensur – und richtig so.

      • Und was ist mit den Gewaltfilmen im TV (auch im ÖR-TV, wie z. B. heute, 22 Uhr, ZDFneo ” Die Stunde des Jägers”, FSK 18!, ein äußerst blutig-brutaler Schlitzerfilm) oder den Pornofilmchen bei den Privaten? Da genügt dann völlig der Zusatz “Nicht für Zuschauer unter 18 Jahren geeignet!” und ein später Sendezeitpunkt (ab 22 Uhr), um zufriedenstellend zu gewährleisten, dass kein Minderjähriger mehr Zugriff darauf hat, oder wie? Na super!
        Warum greift da nicht auch eine EU-Kommission per Vorabzensur “regulierend” ein? Was unterscheidet, nach Ihrer Auffassung, den Gewaltclip auf YouTube von o. g. Schlitzerfilm auf ZDFneo?

  3. Das ist -in gewohnt, berechenbarer EU-Strategie bzw. “Salamitaktik”- nichts anderes, als die schleichende Abkehr vom freien Internet, hin zum staatlich organisierten, totalitär überwachten Internet!
    Wir haben bereits ein umfangreiches Strafrecht, jüngst ergänzt um das sog. Netzwerkdurchsetzungsgesetz, das, je nach Auslegung, sogar als Anti-Oppositionsgesetz zweckentfremdet werden kann (und m. E. auch schon wird!).
    Ihr Beispiel “Kinderpornographie” spielt sich ohnehin überwiegend im Darknet ab; dortige Uploads/Downloads sind -wenn überhaupt- nur mit gezielt eingesetzten, kriminaltechnischen Spezialteams und mit langer Vorarbeit (Einschleusen in Foren etc.) zu kontrollieren – ganz sicher nicht mit Upload-Filtern, die ja bei YT, Facebook & Co. durchaus noch funktionieren mögen. Aber kein Päderast wird seine Bilder/Filme auf diesen Portalen anbieten bzw. beziehen.
    Und selbst mit den o. g. religiös verblendeten Vollpfosten, die mit abgeschlagenen Köpfen auf Facebook posen, kommt unsere Gesetzgebung zurecht, z. B.:
    welt.de/politik/deutschland/article172378529/Prozess-in-Stuttgart-Mann-posierte-mit-den-Koepfen-getoeteter-IS-Kaempfer.html
    Was diese Typen (nicht nur aufgrund des milden Urteils) natürlich nicht daran hindern wird, es weiterhin zu tun, eben nur nicht mehr auf Facebook etc.!
    Welcher Filter will denn genau bestimmen und differenzieren können, was tatsächlich, wie Sie sagen, “illegale Hetze”, Satire oder vielleicht sogar die (zynisch formulierte) “Wahrheit” ist?
    Welchem “unterstützenden” Europolbeamten kann denn die maßgebliche Entscheidungs- bzw, Meinungs- bzw. Deutungshoheit zugemutet/anvertraut werden?
    Diese EU-Maßnahmenpaket ist vergleichbar mit der Rechtfertigung jeglicher Überwachungsmaßnahmen zur vorgeblichen Terrorprävention.
    Ihr Frage “Ist ein Upload-Filter Zensur?” würde ich daher, etwas über den Tellerrand schauend, mit “JA!” beantworten.

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