Jetzt aber mal Tempo: Glasfaser statt Kupfer

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Jetzt aber mal Tempo: Glasfaser statt Kupfer

Kommentare zum Artikel: 4

“Digitalisierung” ist das neue Lieblingswort der Politik. Es gilt als schick und modern, zumindest den Eindruck zu erwecken, sich um dieses Zukunftsthema kümmern zu wollen. Richtung egal – Hauptsache, so tun als ob. Alles wenig überzeugend und sowieso viel zu spät, denn Digitalisierung ist kein Zukunftsthema, sondern ein Gegenwartsthema. Und wir alle baden aus, dass die Politik in der Vergangenheit unaufweckbar tief geschlafen hat.

Glasfaser ermöglicht deutlich höhere Bandbreiten im Netz; Rechte: dpa/Picture Alliance

Glasfaser ermöglicht deutlich höhere Bandbreiten im Netz

Riesige Versorgungslücken

Das spüren wir ganz konkret, zum Beispiel beim Breitbandausbau. Wir werden in Deutschland nicht gerade verwöhnt, was schnelles Internet betrifft. Lediglich 80% der deutschen Haushalte (87% NRW) verfügen über einen DSL-Anschluss, der mindsstens 50 MBit/Sekunde bietet. Versprochen waren von der Bundesregierung 100% für 2018. Ziel heillos verfehlt.

Auch der Mobilfunk ist eher armselig: Ein Flickenteppich, was die Erreichbarkeit betrifft – und das Datentempo lässt auch zu wünschen übrig. Dabei zahlen wir in Deutschland deutlich mehr für unsere DSL-Anschlüsse und Mobilfunkverträge als die Menschen im Ausland – bekommen aber weniger Tempo und im Mobilbereich auch weniger Datenvolumen. Erst allmählich setzen sich – im Hochpreissegment – Flatrates für den Mobilfunk durch.

https://vimeo.com/194218915

Gibt es vereinzelt: Datentempo über 400 MBit/Sekunde

Breitbandausbau kommt nur schleppend voran

Was machen die Telcos nur mit dem ganzen Geld? In den Breitbandausbau wird es jedenfalls nicht investiert. 3,5 Milliarden Euro an Fördergeldern stehen für den Breitbandausbau zur Verfügung. Seit drei Jahren. Lediglich 0,8% der Summe wurde bislang abgerufen. Das ist keine Trägheit, das ist Bewegungslosigkeit. Die Politik hat die Hürden zu hochgelegt, zu viel Bürokratie. Und: Die Politik könnte und müsste die Anbieter zwingen, Tempo zu machen.

In NRW kommt zumindest etwas Bewegung in die Sache. Die Funklöcher beim Mobilfunk sollen weg. Der Netzausbau soll Fahrt aufnehmen. Jetzt wird wenigstens schon von Gigabit-Netzwerken gesprochen, die praktisch nur mit Glasfaser zu erreichen sind. Für Privathaushalte vielleicht nicht nötig, für Schulen, Behörden, Industrie und Wirtschaft aber Lebenselixier.

Die von der Bundesregierung vor Jahren versprochenen 50 MBit/Sekunde sind heute nicht mehr zeitgemäß – und außerdem nicht erreicht worden. Zwei Gründe mehr, nun wirklich Druck zu machen – damit das Internet bei uns Fahrt aufnimmt.

 

 

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

4 Kommentare

  1. I am pleased that you also tune into the much louder sound of the broadband community shore!
    Alone I lack the belief that there could be more with this sleepy government, among other things, an increase upwards, towards 400 Mbit and tariffs down.

  2. We are not spoiled in Germany in terms of fast internet. Only 80% of German households (87% NRW) have a DSL connection that offers at least 50 MBit / second. 100% of the federal government had promised for 2018. The goal was hopelessly missed.

  3. Guten Tag,
    der Breitbandausbau wird per Glasfaser ausschließlich in den Städten kommen. Alle Menschen die außerhalb wohnen, gucken weiterhin in die Röhre und sind auf Akkustikkoppler-Niveau unterwegs. Mit viel Glück bekommen Haushalte auf dem Land volumenbegrenzte, überteuerte LTE-Zugänge. (“Internet via Funk” bei der Telekom) Das ist inzwischen ein echter Bildungsnachteil für Schüler, die für Hausaufgaben, Referate etc. recherchieren wollen. Betrifft natürlich auch Studenten und berufstätige Menschen, die sich weiterbilden wollen/müssen. Gleichzeitig wird die (technisch gleiche) Bandbreite bei t-mobile verschenkt, wenn man stream-on-Anbieter nutzt. Das zeigt doch die Willkür der Provider. Ich habe inzwischen den Glauben daran verloren, dass dieser x-ten Ankündigung tatsächlich wirkliche Taten (Verbesserungen) folgen werden.

  4. Willkommen in der Realität Herr Schieb,

    es freut mich das auch Sie in den deutlich lauter werdenden Ton der Breitbandgemeinderufer einstimmen!
    Alleine mir fehlt der Glaube das es mit dieser verschlafenen Regierung u.a. noch eine Steigerung nach oben, Richtung 400 Mbit und Tarife nach unten, mehr geben könnte.

    Was machen eigentlich z.B. die Telekomiker in Bonn ausser auf ihre 150 Jährige Drahtverbindungen zu (Aus zu) setzten ?

    LG

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