Juchhu: Verhaltenscodex für Facebook, Google und Co.

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Juchhu: Verhaltenscodex für Facebook, Google und Co.

Kommentare zum Artikel: 2

Nein, so kann es einfach nicht weitergehen. Das ist das gut zu vernehmende Signal der EU-Kommission an die großen Onlinedienste, vor allem an Facebook, Google, Twitter und Co. Es muss etwas passieren. Deshalb haben die Internetunternehmen sich jetzt auf einen Verhaltenskodex gegen Falschmeldungen und Fehlinformationen geeinigt. Ein Katalog an Selbstverpflichtungen im Kampf gegen Fake-News. Lieber Selbstregulierung als echte Regulierung – haben sich die Manager im fernen Kalifornien sicher gedacht.

Kampf den Fake-News; Rechte: Pixabay

Kampf den Fake-News: Onlinedienste unterschreiben Selbstverpflichtung

Bots den Stecker ziehen – und nicht nur denen

Das, was in den USA passiert ist, nämlich dass ausländische Kräfte Einfluss auf die Präsidentschaftswahl genommen haben, das soll sich in Europa nicht wiederholen. Keine gezielte Falschinformationen durch Bots oder von ausländischen Kräften bezahlte Werbung. Die Ziele der EU-Kommission sind:

Der Verhaltenskodex sollte zu einer transparenten, fairen und vertrauenswürdigen Online-Kampagne im Vorfeld der Europawahlen im Frühjahr 2019 beitragen und gleichzeitig die Grundprinzipien Europas der freien Meinungsäußerung, der freien Presse und des Pluralismus voll respektieren.

Zweifellos sinnvoll. Die Onlinedienste verpflichten sich, Fake-Accounts schneller zu schließen – und Bots, die im großen Stil die Netze mit Propaganda oder Desinformation fluten, zeitnah abzuschalten. In diesem Bereich sind alle Onlinedienste bislang viel zu träge. Auch wird versprochen, Webseiten den Geldhahn zuzudrehen, die mit Desinformation Geld verdienen. Bedeutet: Werbeeinblendungen verschwinden. Es rechnet sich dann nicht mehr, Quatsch zu verbreiten – hoffentlich machen es dann auch weniger.

https://vimeo.com/259291728

Warum verbreiten sich Fake-News so schnell?

Keine klaren Ziele, keine Sanktionen

Dazu sollen Nutzer mutmaßliche Fake-News melden. Dann müssen Mitarbeiter – in der Regel outgesourcte Kräfte, keine Angestellten der Konzerne selbst – die Meldungen prüfen und entscheiden, was Falschinformationen sind und was nicht. Aber: Wer entscheidet eigentlich, was Fake ist und was nicht, was als Falschinformation gilt und was als Information? Nicht geklärt. Wie schnell muss reagiert werden? Nicht geklärt. Welche messbaren Ziele setzt man sich? Nicht geklärt.

Die Selbstverpflichtung ist gar keine wirkliche Verpflichtung. Sie ist vielmehr ein “Wir wollen versuchen, mal zu schauen, wie es besser gehen könnte”. Keine gemeinsamen Ansätze, keine klaren aussagekräftigen Verpflichtungen, keine messbaren Ziele. Und: keine Sanktionen. Das ist viel zu dünn.

 

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

2 Kommentare

  1. SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG am

    Gegen die Verbreitung von Lügen hilft nur, den Resonanzboden auszutrocknen, in resp. auf dem sie verbreitet werden.
    Damit erlischt automatisch das Interesse der Verbreiterinnen und Verbreiter, weil sie wissen, daß niemand mehr oder doch: nur mehr zu wenige sich dort aufhalten, die es lesen könnten.
    Wirksam wären also in der Tat
    BOYKOTT UND ABSTINENZ!
    Warum aber kehren so wenige Google und seinen Spießgesellen, von denen an erster Stelle die asozialen Netzwerke zu nennen sind, den Rücken?
    Weil die, die dabeibleiben, alles Ernstes meinen, sie “brauchten” diese Einrichtungen.
    Das aber ist eine grobe Selbsttäuschung,
    Die Einbildung, Google, Facebook oder ein Smartphone zu “brauchen”, ist aber nichts anderes als ein
    SUCHT-ALIBI.
    Denn “brauchen” tut man Google, Facebook und Komplicen nicht wirklich.
    Nicht nur ich, sondern auch viele, viele andere kommen prima und bestens OHNE diese gefährlichen Sucht-, Verblödungs- und Überwachungsmittel aus – und wir leben BESSER OHNE sie als mit ihnen…
    hat…

  2. “Der Verhaltenskodex sollte zu einer transparenten, fairen und vertrauenswürdigen Online-Kampagne im Vorfeld der Europawahlen im Frühjahr 2019 beitragen und gleichzeitig die Grundprinzipien Europas der freien Meinungsäußerung, der freien Presse und des Pluralismus voll respektieren.”.
    LOL – sauber zusammengeschwurbelte Demokratiefloskeln.
    Die scheinen doch geradezu flehentlich um Mandatsentzug zu bitten, z. B. mit solchen Entscheidungen:
    blog.wdr.de/digitalistan/uploadfilter
    oder
    blog.wdr.de/digitalistan/mehr-kontrolle-fuer-whatsapp-und-co
    oder
    blog.wdr.de/digitalistan/ersatz-fuer-safe-harbor-ausverkauf-des-datenschutz
    usw., usw..
    Da bedarf es wohl keinerlei Fakenews, Desinformation oder Bots mehr. Wer noch klar denken kann, wählt diejenigen, die solchen Nonsense verbockt haben, ohnehin einfach ab – ganz demokratisch!

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