Kein Like unter dieser Nummer: Facebook verliert Freunde

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Kein Like unter dieser Nummer: Facebook verliert Freunde

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So kann man es natürlich auch machen: Durch die politischen Institutionen der westlichen Welt tingeln (US-Kongress, US-Senat, Europäisches Parlament), seine Unschuld beteuern, kleine Fehler eingestehen und mit spitzbübischem Lächeln Besserung versprechen – aber zu Hause anderen die Verantwortung an den Hals hängen. Die Rede ist natürlich von Mark Zuckerberg. Laut Wall Street Journal (WSJ) lastet Zuckerberg der Cambridge Analytica Skandal und andere Desaster der Top-Managerin Sheryl Sandberg an.

Sheryl Sandberg und Mark Zuckerberg - seit neuestem im Zwist; Rechte: dpa/Picture Alliance

Sheryl Sandberg und Mark Zuckerberg

Zwist zwischen Chef und Chefin

Na, das nenne ich doch mal Standhaftigkeit, Charakter und Führungsstärke. Nicht, dass ich Sheryl Sandberg für unschuldig hielte. Nur hat der Facebook-Chef nun mal die eigentliche Verantwortung. Die Oberverantwortung. Oder ist er nicht mehr der Erfinder, Gründer und CEO der Company? Auch, wenn Mark Zuckerberg es gerne anders hätte: Seine Charme-Offensive hat nicht funktioniert. Die britische Datenschutzaufsicht hat Facebook aufgrund der allseits bekannten Datenschlampereien rund um Cambridge Analytica zu 500.000 Pfund Strafzahlung verdonnert.

Als wäre das nicht genug, hat nun das britische Parlament vertrauliche interne Unterlagen beschlagnahmt. Auch von Zuckerberg und Sandberg. Der Vorsitzende des “Digital, Culture, Media and Sports Committee” (DCMS) hat dazu einen noch nie da gewesenen juristischen Prozess genutzt. Er hat eine Art Special Agent damit beauftragt, bei dem Mitarbeiter eines mit Facebook kooperierenden Unternehmens die Daten zu beschlagnahmen. Da kann man nur sagen: Chapeau! Facebook arbeitet mit allen Tricks, da sollten es die Behörden auch so tun.

https://vimeo.com/302911841

Jörg Schieb erklärt kurz und kompakt die Hintergründe

Vertrauen erodiert

Nun könnte es also passieren, dass die ganze Wahrheit ans Licht kommt. Wahrscheinlich ist, dass Facebooks Chefetage schon sehr früh über alles Bescheid wusste – und wer hielte das nicht für denkbar?! Wahrscheinlich war Facebooks Chefetage also längst nicht so ahnungslos, wie Mark Zuckerberg immer wieder behauptet. Wäre es anders, würde Facebook sich wohl nicht mit aller Macht gegen die Veröffentlichung der vertraulichen Dokumente wehren. Wären sie entlastend – warum etwas verbergen?

Das Vertrauen schwindet immer rasanter. Zoff zwischen Chef und Chefin – das ist nicht gut fürs Betriebsklima. Untersuchungen und Strafen in den USA und Europa. Das ist nicht gut für den Börsenkurs. Sinkende Nutzerzahlen in Europa (nicht dramatisch, aber ein Anfang) und gebremstes Umsatzwachstum lassen das Ausmaß der Schwierigkeiten immer klarer werden.

 

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

4 Kommentare

  1. Ich denke auch hier, dass jeder das ganze für sich selbst wissen muss.

    Klar ist Facebook ein öffentliches Medium, mit dem wichtige Informationen verbreitet werden können (z.B. durch gelikte Seiten von Nachrichtenagenturen etc). Der Anteil, der mich nicht interessiert wiegt aber viel schwerer. Daher kann ich es verstehen, wenn immer mehr Nutzer sich von Facebook verabschieden.

  2. Warum werden dann noch in diesem Beitrag und auf allen Seiten des öffentlich rechtlichen Rundfunks das Icon von Facebook eingebunden? Nehmen Sie Ihre eigenen Bedenken nicht ernst? Wie viel Vorbildfunktion geht von dem WDR aus?

    • @mueggi: Ist doch am Thema vorbei – und ist kein Argument. Kann man über die Dieselskandal nur berichten, wenn man kein Auto fährt? Über giftiges Müsli nur, wenn man kein Müsli isst?

      • Aber ständig über den VW-Dieselskandal berichten und am Ende jeder Seite eine VW-Werbung einblenden wäre schon … seltsam, oder? Bei Facebook ist’s im Grunde nicht anderes. Ich sage nicht, dass es nicht geht. Aber langsam sollte auch der WDR mal überlegen, ob man dieses Netzwerk noch so pushen sollte. Wie wär’s mal mit: Haltung zeigen!? ;-)

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