Keine Werbung aufs Handy

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Keine Werbung aufs Handy

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Wer verdient eigentlich die ganze Kohle im Internet? Es sind einige wenige US-Unternehmen, vor allem Google, Facebook, Microsoft und Apple. Vor allem Google ist überall präsent – und verdient prächtig mit Onlinewerbung. Da fragen sich nicht nur Verleger, ob sie nicht ein Stück vom Kuchen abhaben können, sondern auch der ein oder andere Provider. Denn der Mobilmarkt explodiert zwar, die Umsätze der Provider aber nicht unbedingt. Während die Provider ihre Netzwerke ausbauen müssen, verdienen andere wie Google prächtig, ohne sich an den Kosten des Netzausbaus beteiligen zu müssen.

Mobilfunkprovider wollen Werbung ausblenden; Rechte: dpa/Picture Alliance
Mobilfunkprovider wollen Werbung ausblenden

Online-Werbung blockieren

Nun wollen sich einige Provider wehren. Wie die Financial Times schreibt, haben einige Provider vor, den Onlinekonzernen das Geschäfts zu versalzen. Sie wollten Online-Werbung in ihren Netzen blockieren. Angeblich soll die nötige Software bereits fertig und in einigen Rechenzentren sogar schon eingespielt worden sein. Ende 2015 könnte es los gehen. Dann würden Anzeigen von Google und Yahoo einfach ausgeblendet. Andere Anzeigen, etwa bezahlte Postings in Facebook oder Twitter, wären von diesen Blockaden nicht betroffen, denn die lassen sich schwieriger filtern.
Neu ist die Idee nicht. Auch Telekommunikationsunternehmen beschweren sich schon lange, dass sie den Netzausbau vorantreiben müssen, aber nicht angemessen an den Erlösen beteiligt werden. Jetzt wir die Diskussion auf den Mobilbereich ausgedehnt, der derzeit das größte Wachstum hat. So verständlich das Ansinnen der Provider sein mag: Das gezielte Filtern von Inhalten in einem Netzwerk wäre ein klarer Verstoß gegen die Netzneutralität. Die sieht bekanntlich vor, dass alle Netzinhalte gleichberechtigt transportiert werden. Diskrimierung oder Benachteiligung von Inhalten ist ausdrücklich verboten.

Google Logo verzerrt durch Lupe; Rechte: dpa/Picture Alliance
In der Google-Suche tauchen demnächst Infos der User auf

Online-Werbung blockieren

Eins wird in diesem Zusammenhang außerdem vergessen: Wenn Mobilprovider Werbung blockieren sollten, schadet das nicht nur den großen Werbekonzernen wie Google oder Yahoo, sondern auch den Anbietern der Webseiten, die mit Werbung ihre Inhalte refinanzieren. Denn wenn die Werbung nicht präsentiert wird, kann sie nicht geklickt werden – und es entstehen keine Umsätze. Für die meisten Anbieter kostenloser Informationen im Web würde das einen erheblichen Schaden verursachen.
Das erinnert mich an die Diskussion um den AdBlocker. Auch hier wird Reklame blockiert – zum Schaden der Webseitenbetreiber. Ich kann mir deshalb eigentlich nicht vorstellen, dass aus den Plänen der Mobilprovider etwas wird. Gegen die Netzneutralität zu verstoßen und sich gleichzeitig den Ärger von Onlinekonzernen und Inhalteanbietern aufzuhalsen, das wird nicht funktionieren.

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

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