Kennzeichnungspflicht für Beiträge von Social Bots

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Kennzeichnungspflicht für Beiträge von Social Bots

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Dieser Artikel (Blogpost) wurde von einem Menschen geschrieben. Aus Fleisch und Blut. Mit Fehlern, Ängsten und Sehnsüchten. Damit wäre das schon mal geklärt. Denn wer weiß heute schon noch, ob er den Text eines echten Menschen liest – oder den einer Maschine? KI macht heute eine Menge möglich. Und das wird schonungslos ausgenutzt: Social Bots müllen die “sozialen” Kanäle voll. Sie machen Stimmung, agitieren, manipulieren – und das im großen Stil. Das Problem ist weithin bekannt – das wahre Ausmaß freilich nicht.

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Keine Bots, bitte: Texte von Social Bots sollen gekennzeichnet werden

Geldbuße, wenn Beiträge nicht gekennzeichnet sind

Nun gibt es laut einem Bericht in der FAZ in Berlin die Idee, die Betreiber Sozialer Netzwerke – also vor allem Facebook und Twitter – dazu zu verpflichten, Beiträge von Social Bots für jeden gut erkennbar zu kennzeichnen. Wir sollen also künftig erfahren, ob da ein Mensch schreibt – oder eine Maschine. Ein durchaus interessanter Gedanke. Würde das konsequent eingehalten, wären wir in der Tat schon einen Schritt weiter.

Selbst über Bußgelder denken die Politiker in Berlin nach. Bußgelder, die dann gezahlt werden müssten, wenn durch Maschinen erzeugte Texte nicht als solche gekennzeichnet werden. “Kunden, die das Produkt gekauft haben, haben sich auch hierfür interessiert [Von Amazon-Robotern erzeugter Text]”. Oder: “17 Personen gefällt das [Von Facebook erzeugter Text]”. Sowas, in dieser Richtung.

Nicht nur Maschinen verbreiten Unsinn

Finde ich begrüßenswert, dass man sich in Berlin zumindest schon mal ein paar Gedanken darüber macht, wie man die Bevölkerung vor dem Gift bewahren könnte, das die Sozialen Netzwerke (nicht nur, aber vor allem) in großem Ausmaß in die Gesellschaft tragen. Doch eine Kennzeichnungspflicht allein wird es (und uns) nicht retten. Putins Meinungsmanipulationsroboter werden wohl kaum ab sofort den Stempel “Meinung made by Machines in Moscow” tragen (wollen). Wer bisher verdeckt gehandelt hat, wird das auch in Zukunft tun. Kaum jemand meldet seine Social Bots offiziell an. Die Verschleierung ist Teil des Konzepts.

Außerdem verbreiten nun wahrlich nicht nur Maschinen Unsinn. Social Bots verstärken das Problem, sind aber nicht die Ursache des Problems. Ursache des Problems sind die Sozialen Netzwerke selbst, die jeden Unsinn in rasendem Tempo verbreiten und dem Prinzip folgen: Gut ist, was viel gelesen und geteilt wird, weil es mehr Kohle bringt. Herkunft und Qualität und Wahrheitsgehalt sind egal.

Eine “Kennzeichnungspflicht” für Social Bots doktert also zwar an einigen Symptomen herum, bekämpft aber nicht das eigentliche Problem. Immerhin stimmt aber mal die Richtung.

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

3 Kommentare

  1. “… Herkunft und Qualität und Wahrheitsgehalt sind egal. …”. So ist es, wie der aktuelle Spiegel/Relotius-Fall eindrucksvoll belegt, der kein Einzelfall ist (siehe z. B. “unabhängige” Berichterstattungen zu Syrien, Ukraine-Flugzeugabschuss, Skripal, Chemnitz, NSA, NSU, Saudi Arabien, Türkei, Trump-Clinton, Amri, Fachkräftemangel, Migration usw., etc.). In der heutigen Medienlandschaft erweist sich leider grundsätzliches Misstrauen gegenüber sämtlichen Medien als bester Ratgeber. Verbreitete Fakenews durch Bots in sozialen Netzwerken, setzen dem nur noch das zweifelhafte Krönchen auf. Sicher kein leichter Stand für die (gefühlt) paar verbliebenen Journalisten, die ihre Berufsehre (noch) nicht dem Anspruch der heulenden und mitheulenden Wölfe geopfert haben.

  2. Das, was uns in erster Linie davor bewahren könnte, auf die Bots reinzufallen, ist gesunder Menschenverstand und Bildung. Beides wurde in den letzten Jahrzehnten sträflich vernachlässigt bzw. ist aus der Mode gekommen. Anstatt einen Moment lang zu überlegen, ob das wirklich sein kann, was da als Meldung bei Facebook steht, oder mal zu googeln, wird eifrig geteilt, weiterverbreitet, kommentiert – ich will der erste und der schnellste sein, ich, ich, ich…

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