KI-Systeme daddeln jetzt Computerspiele

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KI-Systeme daddeln jetzt Computerspiele

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Künstliche Intelligenz (KI) ist gerade das Buzzword im Silicon Valley. Nachdem die KI-Systeme von Google vor kurzem im Brettspiel Go den besten Spieler der Welt geschlagen haben, sind die KI-Forscher auf einem Höhenflug und denken, sie können alles erreichen. Jetzt will die Google-Tochter Deepmind, die mit der Entwicklung neuronaler Netze und Künstlicher Intelligenz beschäftigt ist, das Daddeln von Computerspielen zum Forschungsgegenstand machen. Die Spieleschmiede Blizzard und Deepmind haben dazu eine Kooperation vereinbart: Es gibt jetzt eine Schnittstelle für das beliebte Computerspiel Star Craft II.

KI-Systeme sollen das Videospiel "Star Craft" erlernen

KI-Systeme sollen das Videospiel „Star Craft“ erlernen

Eigene Schnittstelle (API) für KI-Systeme

Sinn und Zweck dieser Schnittstelle (API, Application Program Interface) ist, dass sich neuronale Netze in das Spiel klinken und es direkt spielen können. Es spielen dann also keine Menschen das beliebte Game, sondern Computeralgorithmen. Die werten aus, ob sie im Spiel weiter kommen, welche Strategien fruchten und welche nicht – und werden so mit der Zeit immer besser. Für einen Laien schwer vorstellbar: Dass ein Computer ein streng logisches und strategisches Spiel wie Schach oder Go beherrschen lernt, das kann man noch nachvollziehen. Aber ein interaktives und schnelles Spiel wie Star Craft?

Einfach wird es nicht, dieses Spiel zu beherrschen – aber es ist eben durchaus denkbar. Damit KI-Systeme schneller lernen, können sie sich über die Schnittstelle auch Spielverläufe („Replays“) von echten Spielern „anschauen“ und aus deren Taktiken lernen und Schlüsse ziehen. Genau das ist der Plan: Die KI-Systeme von DeepMind sollen aus den Erfolgen und Fehlern von Spielern aus Fleisch und Blut lernen – um danach eigene Strategien auszuprobieren. Wenn Menschen ein Spiel erlernen können, dann können das KI-Systeme auch.

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KI-Systeme fit machen für die echte Welt

Natürlich geht es den KI-Forschern bei DeepMind nicht darum, besonders gut in einem Videospiel wie Star Craft zu sein. Es geht vielmehr darum, zu lernen, wie sich ein KI-System in einer geschlossenen Welt mit eigenen Regeln orientieren kann, wie viel Zeit es braucht, das richtige – oder besser: ein zielführendes – Verhalten zu erlernen und anzuwenden. Wenn ein KI-System sich in einer so komplexen und schnellen Welt wie Star Craft behaupten kann, dann auch in der echten Welt. Das Steuern von Zügen, Lkw oder Autos? Für KI-Systeme irgendwann kein Problem mehr. Auch wenn uns der Gedanke nicht gefällt: Die Fehlerrate dürfte schon bald niedriger ausfallen als bei Menschen aus Fleisch und Blut.

Bis die KI-Systeme gute Star-Craft-Spieler schlagen, wird es noch eine Weile dauern. Es ist aber denkbar, dass es so weit kommt. Dabei gibt es einige Herausforderungen zu meistern. Man sieht zum Beispiel nicht die gesamte Spielewelt auf der Karte, sondern muss diese nach und nach erkunden. Der Spieler muss Rohstoffe sammeln, sich Strategien überlegen und diese auch zeitnah anwenden. All das müssen KI-Systeme lernen. Auch das Erinnern müssen sie lernen. Mit Spielerei hat das Projekt nichts zu tun. Es geht darum, KI-Systeme mit Siebenmeilenstiefeln weiterzuentwickeln. Es ist faszinierend und spooky zugleich.

 

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung „Angeklickt“ in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

1 Kommentar

  1. Argus Mojati am

    Mal ein ganz ehrlicher Kommentar: ich fände es besser, wenn die Berichterstattung über das nicht wenig komplexe Thema KI von jemandem gemacht wird, der das auch wirklich versteht, also z.B. selber Algorithmen mindestens anwenden kann und der die gängigen Standardwerke (z.B. Russel, Norvig) verinnerlicht hat und auch die aktuellen Diskussionen zur KI aus einer Innenansicht kennt.

    Man kann im Text von Herrn Schieb leider deutlich erkennen, dass er nicht zu dieser Personengruppe gehört – das ist nicht schlimm, man kann wirklich nicht alles wissen und der Themenbereich IT ist gigantisch! Herr Schieb hat in den letzten Dekaden sein Wissen zu sehr vielen IT Themen unter Beweis gestellt, aber auch er kann nicht alleine etwas leisten, wofür man eine Gruppe von echten Fachleuten braucht.

    Vorschlag: WDR stellt zwei bis drei Informatik-Absolventen mit Schwerpunkt KI ein, um die rasanten Entwicklungen in diesem Bereich auch weiterhin angemessen und auf dem notwendigen Niveau verfolgen zu können. Herr Schieb kann dann weiter seine üblichen Themen abarbeiten, die auch alle wichtig sind und eine Menge Know-How erfordern.

    Das Thema KI ist sehr wichtig und die Entwicklungen in diesem Bereich sind rasant und werden sich auf jeden auswirken – das kann man nicht nebenbei vom Computer-Blogger abarbeiten lassen, dafür braucht man echte Experten IM EIGENEN HAUS, um auch eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema zu ermöglichen. Die übliche Befragung von Industrie-Experten kann nicht als ernsthafter Journalismus betrachtet werden, es ist dringend notwendig, eigene Kompetenzen zu entwickeln!

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