Kinder leiden unter mangelndem Datenschutz

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Kinder leiden unter mangelndem Datenschutz

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Wenn über das Thema Datenschutz gesprochen wird – und das kommt in letzter Zeit sehr häufig vor -, wird ein Aspekt in der Regel außer Acht gelassen: Was ist eigentlich mit Kindern und Jugendlichen? Sie brauchen mehr Schutz als Erwachsene. In Wahrheit erfahren sie aber häufig eher weniger Schutz – oder gar keinen. Das zeigt ein aktuelles Beispiel: Ausgerechnet auf der Dialogkonferenz der Bundesdatenschutzbeauftragten zum Thema „Datenschutz für Kinder“ wurden fremde Kinder fotografiert – und die Bilder ins Netz gestellt.

Politiker lassen sich gerne mit Kids fotografieren; Rechte: dpa/WDR

Politiker lassen sich gerne mit Kids fotografieren

Staatssekretärin knipst und twittert

Jetzt könnte man denken, wer macht denn so etwas? Die Antwort lautet: die parlamentarische Staatssekretärin im Bundesjustizministerium Rita Hagl-Kehl (SPD). Sie fotografierte den Moderator auf der Bühne, samt Kind daneben, und postete die Aufnahme auf Twitter. Schon bald sollte es – mehr als berechtigte! – Kritik daran geben. Mittlerweile ist die Aufnahme wieder verschwunden.

Wie taktlos: Eine Fachkonferenz über Datenschutz für Kinder, die bei der Bundesdatenschutzbeauftragten stattfindet – und dann kommt man auch noch aus dem Bundesjustizministerium und sollte lieber zwei oder drei Mal nachdenken, was man tut. Und was geschieht? Der übliche egoistische Reflex: Kamera aktivieren. Draufhalten. Auslösen. Posten. Kinder ohne Rechte.


Die Privatsphäre der Kinder wird häufig ignoriert

Auch Kinder haben Rechte – sollten sie zumindest

Das macht deutlich, wie groß der Handlungsbedarf ist. Auch Kinder haben Rechte – doch das vergessen Erwachsene nur allzu gern. Jedes Kind hat ein Recht auf Privatsphäre. Auch Eltern sollten also nicht unkontrolliert den Auslöser betätigen – und spätestens beim Posten darüber nachdenken, was sie tun. Im Zweifel nur für den engen Freundeskreis veröffentlichen. Alle anderen gehen die Bilder sowieso nichts an.

Es ist nicht gut bestellt um den Datenschutz für Kinder. Die Industrie macht mit den Kindern, was sie will. WhatsApp oder Snapchat erst ab 16? Gut, dann wird eben eine simple Abfrage gemacht – das war’s. Die App Musically provoziert die Kids dazu, sich anzüglich vor der Kamera zu bewegen. Niemanden juckt’s. Youtube malträtiert die Kids mit Werbung. Niemanden stört’s. Und kostenlos heruntergeladene Games präsentieren unentwegt Werbung. Auch das beunruhigt niemanden.

Es wird wirklich allerhöchste Zeit, dass der Datenschutz auch die Interessen der Kinder berücksichtigt – und hart durchgreift, wenn dagegen verstoßen wird. Kinder sind schutzbedürftig. Schon vergessen?

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

3 Kommentare

  1. Daß selbst auf einer Fachkonferenz für Datenschutz für Kinder keine Sensibilisität für das Thema da-zu-sein scheint, zeigt, wie nötig es ist, daß das thematisiert wird.

    In der Schweiz gab es einen Fall, in welchem ein Ex-Freund Fotos seiner Ex (Nacktfotos) verbreitete und die Kantonspolizei sagte zuerst, sie könne nichts machen, denn Facebook sei nicht in ihrem Zuständigkeitsbereich.

    Natürlich müssen bzw. müßten auch für Konzerne aus den USA wie Google, Facebook und Co. europäische Rechte (z. B. deutsches oder schweizerisches Recht) gelten.

    Aber wenn nichtmal die Leute in den Ländern es selbst tun oder sogar auf Datenschutzfachtagungen sowas passiert…

  2. Datenschutz ist wichtig, man muss ihn aber auch konsequent durchsetzen.
    So veröffentlichte die Stadt Duisburg kurz vor Weihnachten ohne Einverständnis personenbezogene Daten im Internet.

    Natürlich haben auch Kinder diese Rechte und auch die müssen durchgesetzt werden, allerdings müsste hier wohl die Schule einspringen, denn vielen Eltern dürfte dies nicht bewusst sein.

  3. Man kann es auch übertreiben. Jeden Tag wird millionenfach das Datenschutzrecht mit Füßen getreten. Die Politik muss sich endlich entscheiden, entweder Datenschutz oder Internet. Beides zusammen geht meiner Meinung nach nicht.

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