Kindesmissbrauch im Netz: Löschen statt Wegschauen

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Kindesmissbrauch im Netz: Löschen statt Wegschauen

Kommentare zum Artikel: 8

Sexuelle Gewalt an Kindern – eins der schwersten Verbrechen, die Menschen in Friedenszeiten begehen können.

Das Internet macht das Verteilen und den Vertrieb von Fotos und Videos im Schatten der Anonymität im Netz besonders einfach. Das Konsumieren ebenso. Die Polizei kommt kaum nach damit, Täterinnen und Täter ausfindig zu machen. Denn im Darknet ist die Fahndungsarbeit besonders schwierig.

In den Datenbanken sind Bilder mit sexualisierter Gewalt gespeichert; Rechte: WDR/Schieb

Mit technischen Werkzeugen lassen sich bekannte Bilder aufspüren

Niemand kümmert sich um Löschung

Worum sich allerdings kaum jemand kümmert: Die Fotos und Videos mit Gewalt an jungen Menschen aus dem Netz zu entfernen. Denn das Schlimmste für Opfer und Angehörige ist, dass die Aufnahmen praktisch für immer „im Netz“ bleiben. Selbst wenn Täter mal dingfest gemacht und bestraft werden: Die Aufnahmen verbleiben häufig online, weil so viele Kopien kursieren.

Auf diesen bedrückenden Zustand haben die Kollegen vom NDR nachdrücklich hingewiesen, die das generell empfehlenswerte Online-Reportage-Format STRG-F machen. Viele Missbrauchsbilder der Pädokriminellen-Plattform „Boystown“, die deutsche Behörden im April 2021 abgeschaltet hatten, waren danach weiterhin online abrufbar. Nicht ungewöhnlich. Wie in der Reportage zu sehen, fühlt sich die Polizei nicht dafür zuständig, die unzähligen Kopien solcher Aufnahmen zu beseitigen.

Bedeutet: Ermittler nehmen Drahtzieher von Plattformen wie „Boystown“ fest. Doch die Fotos und Videos der Plattform werden bei den entsprechenden Speicherdiensten („Hostern“) nicht entfernt – bleiben also sichtbar. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis neue Foren auftauchen mit Links auf die Fotos und Videos.

Das Reportageformat STRG-F zeigt, wie einfach es ist, etwas zu unternehmen

Im Darknet vor allem Verweise (Links)

Als Laie staunt man da vielleicht. Zwar nutzen die  Täter zum Betreiben ihrer Plattformen das anonyme Darknet. Aber da Fotos und vor allem Videos viel Speicherplatz beanspruchen, werden die bei einschlägigen „Hostern“ gespeichert, die im „normalen“ Internet liegen, also keineswegs im Darknet. Viele der Hoster haben keine Ahnung davon.

Die Reportage zeigt: Macht man sich die Mühe, den Hostern die Links zu melden, entfernen sie diese meist innerhalb weniger Stunden. Das macht gar keinen großen Aufwand. Führt aber dazu, dass die Aufnahmen tatsächlich verschwinden und die Konsumentinnen und Konsumenten im Darknet „frustriert“ sind, weil die Links immer häufiger ins Leere laufen. Eine gute Zermürbungstaktik.

Werden die Aufnahmen nicht konsequent gelöscht – was derzeit leider Status quo ist –, werden die Opfer leider immer wieder zu Opfern. Das wäre völlig vermeidbar.

Kinder brauchen unbedingt meh Schutz; Rechte: WDR/Schieb

Staat und Gesellschaft müssen mehr zum Schutz der Kinder unternehmen

Löscharbeit ist dringend erforderlich

Es ist daher dringend erforderlich, neben der Fahndungsarbeit endlich auch mal Löscharbeit zu leisten. Bund und Länder sollten eine Stelle schaffen, die nichts anderes macht, als entdeckte Aufnahmen entfernen zu lassen. Sofort und immer wieder. Weltweit. Den nötigen Rechtsrahmen gibt es, dass Provider und Hoster solche Inhalte bei Meldung unverzüglich entfernen müssen.

Vermutlich würden sich sogar genügend Freiwillige melden, die bei der Meldearbeit mitmachen. Der Staat muss „lediglich“ den nötigen Rahmen dafür schaffen. Das kostet nicht viel – und bringt eine Menge.

Algorithmen können helfen, Aufnahmen mit Kindesmissbrauch zu entdecken

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

8 Kommentare

  1. Warum wird hier eigentlich immer von „Darknet“ geschrieben? Stößt man nicht auch auf normalen Pornoseiten immer wieder auf diesen Müll?

    Frage mich, was die Seitenbetreibenden nach Meldung machen.

  2. Machen sich die Behörden denn nicht strafbar, wenn sie Material, das ihnen gemeldet wurde, nach der Sicherstellung im Netz lassen? Ich meine, nach einer Drogenrazzia lässt man ja auch nicht den Stoff auf der Straße liegen.

  3. Carsten Mohr am

    „Vermutlich würden sich sogar genügend Freiwillige melden, die bei der Meldearbeit mitmachen. Der Staat muss „lediglich“ den nötigen Rahmen dafür schaffen. Das kostet nicht viel – und bringt eine Menge.“
    Hatten wir das nicht schon einmal? Die Motivation hinter dem Gedanken ist wohl edel, keine Frage. Aber dieser Weg ist doch eher der falsche.
    Andere Ideen, neue Ideen. Die KI nutzen, hilft schonmal.

    • Jörg Schieb am

      Was hatten wir denn? Verstehe nicht, was gemeint ist. Es geht ja nicht darum, Fotos und Videos zu identifizieren, sondern bereits bekannte Bilder Hostern zu melden damit sie endlich gelöscht werden. Wenn ein Forum hops genommen wird, kann man ja einfach alle dort eingetragen links aufgreifen und weiter melden und kontrollieren, ob die Hoster reagiert haben. Das kann kein KI machen.

      • Wandee Thaweetham am

        Da stimme ich als Mutter mit Ihnen vollkommen überein. Löschen ist ein guter Start, aber es nicht das eigentliche Problem. Sexueller Missbrauch an Kindern ist eine kriminelle Aktion, die darauf beruht dass dem Täter die Gelegenheit dazu gegeben wird. Die selben Stimmen, die Hintertüren in Software verlangen, sind die selben die Kürzungen in den Budgets verlangten, wenn Schulen, Kindergärten und sichere Plätze für Kinder und Jugendliche in Parlamenten diskutiert wurden. Die Britische Innenministerin hat kürzlich vorgeschlagen Boote mit Immigranten von der Navy von den Britischen Küsten, zurück auf die See zu befördern. Natürlich weiß sie das Frauen und Kinder auf diesen Booten sind und das nicht alle Frankreich erreichen werden. Hier im pazifischen Raum ist der Australische Verteidigungsminister ein ausgesprochener Befürworter für Hintertüren in Software Produkten. Jedes Interview mit diesem Thema startet bei ihm mit dem Kommentar wie schrecklich sexueller Kindesmissbrauch ist. Vergessen ist, dass er einer der Verantwortlichen ist, der für die Lager von Immigranten verantwortlich ist, welche Australian finanziert und wo Missbrauch und Gewalt gegen Frauen und Kinder an der Tagesordnung ist. Vielleicht und dies ist nur eine Idee, sollten einige der Milliarden die zur Überwachung von Bürgern ausgegeben werden, für Projekte verwendet werden die sich mit der Sicherheit von Kindern beschäftigen.

  4. Gibts niemand der einfach paar Bots da reinschicken kann, wenn der Staat es schon nicht schafft? sollte man doch automatisiert, ggf. mit ein bisschen manueller anpassung hinbekommen. andererseits begibt sich der besitzer des bots in gefahr probleme zu bekommen. dann sollte der staat entsprechende mitarbeiter besorgen welche die fähigkeiten hierzu haben.

  5. „… in Friedenszeiten begehen können“. Und in Kriegszeiten ist das was anderes, oder wie darf dieser irritierend einschränkende Zusatz verstanden werden? Das ist, egal, wie, wo, wann und durch wen, immer ein Schwerverbrechen! Recherchieren Sie z.B. doch mal bei Amnesty International über Vergewaltigung und Missbrauch von Kindern im Jemen-Konflikt durch saudisch geführte Milizen. Die Lektüre erweitert hoffentlich das Bewusstsein.

    • Nun, ich stimme Ihnen völlig zu, dass es sich hier immer um ein Schwerverbrechen handelt. Das dürfte wohl eindeutig klar sein und auch deutlich werden im Text. Die Ergänzung schreibe ich nur, um schlimmste weitere Verbrechen wie institutionellen Massenmord und andere Greueltaten nicht kleiner erscheinen zu lassen. Vielleicht mögen Sie mir diese Motivation abnehmen.

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