Klage gegen MetaGer bedroht Existenz der Suchmaschine

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Klage gegen MetaGer bedroht Existenz der Suchmaschine

Kommentare zum Artikel: 5

Seit 2014 gibt es in Europa ein „Recht auf Vergessen„. Der EuGH hat das so entschieden. Unter bestimmten, eng umschriebenen Bedingungen haben Privatpersonen ein Recht auf Vergessen: Links zu Beiträgen oder Inhalten, die in der Lage sind, die Reputation einer Privatperson zu beschädigen, müssen auf Antrag des Betroffenen aus Suchmaschinen entfernt werden. Bislang mussten sich vor allem Google und Bing mit solchen Anträgen herumplagen. Jetzt liegt auch der Meta-Suchmaschine Metager ein solches Ersuchen vor: Eine Anwältin aus Norddeutschland will die Meta-Suchmaschine zwingen, nicht nur bestimmte, sondern auch indirekte Links zu entfernen. Sie weitet den Anspruch auf Vergessen mal eben aus.

Suchmasschine MetaGer; Rechte: dpa/Picture Alliance

Ähnliche Suchbegriffe sollen auch entfernt werden

Laut dem Betreiber von Metager fordert die Anwältin, das Recht auf Vergessen auch auf Assoziationen zu beanstandeten Begriffen auszuweiten, beispielsweise auf Namen. Für Wolfgang Sander-Beuermann, geschäftsführender Vorsitzender des SUMA-EV, der Metager betreibt, ein Ding der Unmöglichkeit: „Würde der Klage stattgegeben, wäre das das Aus für alle Suchmaschinen in Deutschland. Eine Klageflut würde ihren Betrieb unmöglich machen“.

Konkret klagt die Rechtsanwältin darauf, Links aus den Suchergebnissen zu löschen, die erscheinen, wenn man sich bei der Eingabe ihres Namens vertippt. Wenn man also einen Suchbegriff eingibt, der ihrem eigenen Namen nur ähnlich ist. Lässt man, so die Begründung der Einstweiligen Verfügung, in dem Namen der Anwältin einen Buchstaben weg, so werden von der Suchmaschine Ergebnisse präsentiert, die der Klägerin missfallen. Die Klägerin nimmt konkret Bezug auf das EuGH-Urteil vom 13.5.2014 zum Recht auf Vergessen.

MetaGer im Einsatz; Rechte. WDR

Diesen Antrag möchte man unverzüglich vergessen

Am liebsten möchte man diesen Antrag direkt vergessen, so verrückt scheint er – und so praxisfern ist er vor allem. So ist jemand, der Bauche heißt, darauf angewiesen, dass der Suchende bei der Recherche keine Tippfehler begeht (und aus dem B ein J macht). Und was sollen erst die Menschen sagen, die sowieso schon verrückte Namen haben – wie diese Liste der lustigen Nachnamen belegt?

Doch leider ist die Sache ernst. Der Streitwert wurde mit 120.000 EUR bewusst hoch angesetzt und kann dem Verein den Kopf kosten. Eine derartige Verdrehung eines Rechts sorgt nicht nur in der Netzgemeinde für Unverständnis und kollektives Kopfschütteln, sondern auch unter ansonsten erfahrenen Juristen. „Als wir die Forderung zum ersten Mal sahen, haben wir nur gestaunt, auf welche Ideen man kommen kann“, erklärt MetaGer. Die Konsequenz: Wenn man solche Forderungen akzeptieren würde, wären Namensnennungen im Internet praktisch für alle Suchmaschinen unmöglich. Zu jedem Namen gibt es Dutzende von ähnlichen Namen, die dann alle ein Recht auf Löschung hätten. Der Betrieb von Suchmaschinen wäre generell infrage gestellt.

Hoffen wir mal, dass die Gerichte das Ansinnen möglichst sofort im Keim ersticken.

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

5 Kommentare

  1. Hallo,
    Ich würde die Studien Arbeit solche sogenannte Anwältin , unter die Lupe nehmen.
    Sie hat bestimmt, die Suchmaschinen benutzt, um ihr Studium und Arbeit zu schreiben.
    Nun, ist auf einmal eine zuverlässige Deutsche Suchmaschine nicht mehr brauchbar!
    Was muss man sich noch von solche Typen noch gefallen lassen.

    .

  2. Harry Niebuhr, 29223 Celle am

    Seit ein paar Stunden ist https://metager3.de nicht mehr zu erreichen. Morgen ist die Urteilsverkündung. Honi soit qui mal y pense.
    PS: Die „Urversions“-Zugänge zu „MetaGer“- und „MetaGer2“ funktionieren noch. Wie gesagt: noch!

  3. Detlef Schneider am

    Da gibt es nun diese Suchmaschinen, mit denen man an Google und Co vorbei sucht, und dann kommen solche Leute, die es auf die Spitze treiben. ist schon Irre, was in so manchen Köpfen abgeht.

  4. In dem Zusammenhang wäre interessant, in wie weit die Dame mit ihrem Ansinnen (unberechtigt) in das Recht auf informelle Selbstbestimmung Dritter eingreift.

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