Klage in den USA: Ist Google zu mächtig?

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Klage in den USA: Ist Google zu mächtig?

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Es gibt viele Suchmaschinen im Netz. Zumindest Theoretisch. Aber nur eine kennen alle – und zwar so gut, dass ihr Name weltweit zum Pseudonym für “Suchen im Netz” geworden ist: Google.

Das allein verleiht einer Suchmaschine ungeheure Macht. Die beeindruckenden Marktanteile, die Googles Suchdienst vorweisen kann, bestätigen den Erfolg.

Mit Google Ads macht Google den Löwenanteil seines Umsatzes; Rechte: WDR/Schieb

Mit Google Ads macht Google den Löwenanteil seines Umsatzes

US-Justizministerium – und elf US-Staaten

Doch nun hat das US-Justizministerium Klage eingereicht in den USA – und elf Bundesstaaten haben sich bereits angeschlossen. Der Vorwurf: Google habe seine Marktmacht missbraucht, den Wettbewerb unterdrückt und dadurch die Verbraucher geschädigt. In der Klageschrift wird das auch ausführlich begründet.

Die Klage ist kein Pappenstil, denn das US-Justizministerium ist mächtig. Gerichte werden sich nun ganz genau anschauen, wie die Mechanismen bei Google sind. Und es geht dabei nicht um die Suche selbst, sondern um die Art und Weise, wie Anzeigen präsentiert werden – auf den Suchseiten von Google, aber auch bei Android.

Google ist eine der bekanntesten Marken der Welt; Rechte: WDR/Schieb

Google ist eine der bekanntesten Marken der Welt

Der Vorwurf: Marktmacht  ausgenutzt

Denn das darf man nicht vergessen: Google ist nicht nur die führende Suchmaschine, sondern stellt auch das mit Abstand populärste mobile Betriebssystem. Der konkrete Vorwurf: Google habe Milliardenbeträge an Hardwarehersteller wie LG, Motorola, Samsung oder Apple gezahlt, um als präferierte Suchmaschine eingetragen zu sein. Ebenso beim Browser Firefox: Auch hier erscheint Google an erster Stellt – und das lässt sich der Konzern eine Menge kosten.

Google habe sich zudem eine außerordentliche Stellung als “Gatekeeper” verschafft: Wenn alle alles googeln, bekommt Google nicht nur alles mit (und sammelt Daten), sondern verkauft auch jede Menge Anzeigen. Und die sind deutlich teurer, wenn es keinen Wettbewerb gibt. Mehr gefunden werden will, muss dafür bezahlen.

Googles Betriebssystem Android ist ein wichtiges Machtinstrument

Prozess könnte reinigendes Gewitter sein

Natürlich ist die Sache deutlich komplexer – aber das in etwa ist der Knackpunkt. Google weist in einer ersten Reaktion darauf hin, dass kein Mensch gezwungen würde, Google zu nutzen. Das stimmt natürlich – und Google ist wirklich eine exzellente Suchmaschine.

Aber Google unternimmt alles, dass es keine Konkurrenz gibt – und nutzt dafür die bereits vorhandene Macht, dass es auch so bleibt. Das lässt sich nun wirklich nicht bestreiten.

Der Prozess wird groß werden. Es gibt Experten, die davon ausgehen, dass der Prozess gegen Microsoft vor 20 Jahren im Vergleich dazu klein war. Die gute Nachricht aber: Microsoft gibt es nach wie vor. Und die Wettbewerbssituation war nach dem Prozess fairer – im Interesse der Verbraucher.

 

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

10 Kommentare

  1. Das erinnert sehr an die Versuche, Microsoft zu zerschlagen. So richtig hat das auch nicht geklappt oder. Es findet sich immer ein Workaround für weiteres Wachstum.

  2. Android mit Pflichtinstallation von Googleprogrammen nervt. Nimmt Platz weg, verbraucht Speicher und Energie und mal abgesehen vom Datenschutz will man auch gar nicht alles nutzen. Deinstallieren kann man aber nicht.

  3. Die Google Suchmaschine hält quasi ein Monopol mit einem Marktanteil von über 90%. Diese Marktmacht nutzt sie auch entsprechend aus. Werbende sehen das an Ihren CPC (Cost per Click). Diese können über 10€ pro Click betragen bei sehr hohem Wettbewerb. Der Unterschied zwischen Google und Microsoft Ads liegt in den Marktanteilen und den damit einhergehenden Preisen, die für Werbeanzeige bezahlt werden müssen.

    ABER: Eine Anzeigen Kampagne auf Microsoft kann durchaus sinnvoll sein, wenn es um hochpreisige Produkte oder Dienstleitungen geht. Microsoft wird von der zahlungskräftigen Benutzergruppe der 50-60 jährigen bevorzugt genutzt. Die wenigsten wissen das allerdings und das für 1/10 des Preises.

    Es wäre durchaus wünschenswert mehr Wettbewerb im Suchmaschinen Umfeld zu bekommen.

    Als Alternative zur Werbung gibt es auch noch die Suchmaschinen Optimierung. Die kostet zwar auch ist aber sehr viel nachhaltiger und Google verdient nicht daran.

  4. Der Markt ist geprägt durch Angebot und Nachfrage. Und solange die Leute es zur Selbstverständlichkeit erklären, Google zu nutzen, können andere sich noch so klagen wie sie wollen. Ich persönlich sehe es eher gern, dass auf dem Markt eine Vielfalt an Angeboten besteht und Konkurrenten nicht gleich aus dem Markt gedrängt oder weggekauft werden. Ich gehe davon aus, dass der Marktanteil in den kommenden 10 Jahren sich verschieben wird. Apple arbeitet angeblich schon an seiner eigenen Suchmaschine.

  5. Wer einen Eindruck von der Macht Googles bekommen möchte:
    1) Wirklich gesehen und gefunden (zu ca. 90%) werden nur die Suchtreffer der allerersten Seite.
    2) Selbst dort klicken die meisten nur die ersten Treffer an, Treffer welche weiter unten gelistet sind haben schon deutlich weniger Besucher.
    3) Der Marktanteil von Google bei den Suchmaschinen liegt ca. bei 90%
    Wer also im Web gefunden werden will der kommt um Google nicht herum, keine Chance. Ferner muss man auf den vordersten Seiten, am besten die erste, der Suchtreffer stehen.
    Anzeigen werden jetzt nach einer Art Auktionsprinzip versteigert. Höchstes Gebot und die Anzeige steht ganz oben.
    Da kostet ein einziger Klick auf eine Anzeige in den Suchtreffern gerne mal ca. 1€.
    Nur der klick, völlig gleich ob der Besucher dann auf der Webseite zu welcher er geleitet wurde tatsächlich einen Kauf oder ein Geschäft tätigt.

  6. Da ist richtig so, …. die perfide Datenkrake muss zerschlagen werden. Google, Youtube und Android auseinander trennen und das unverschämte Daten Sammeln muss ganz verboten werden, dann wird erst endlich die Katzen/Maus-Spiel mit Datenmissbrauch aufhören! Das gleiche mit der unverschämte Datenkrake Facebook machen, welche auch der grösster Kartell der Welt ist und 80 Firmen unbestraft geschluckt hat!

    • So weit kann ich folgen. Allerdings: Wenn gar keine Daten mehr gesammelt werden, was aus Datenschutzsicht natürlich das Beste ist: Sind denn alle bereit, für Android, Google Suche, Google Mail etc. zu bezahlen?

      • Es reicht wenn Google verkauft ihre Werbeanzeigen, so wie jeder andere, ohne die User zu spionieren! Android mit Googleplay kann auch sehr gut verdienen ohne die User zu spionieren, usw. ….

      • Falsche Konsequenz, Herr Schieb. Das sehe ich wie „ich am“; nur die Spionage ist das Problem, nicht die Werbung an sich oder werbefinanzierte Dienste. Natürlich sollte Werbung auch nicht zu aufdringlich sein aber da bin ich nicht empfindlich. Daher benutze ich oft auch anonymisierende Suchmaschinen, meist MetaGer.
        Mich stört aber nicht nur die Spionage von Google oder Facebook. Mein Tracker-Blocker zum Beispiel blockt auf dieser Seite Website Analytics der INFOnline GmbH und im Firefox-Add-on Noscipt ist bei mir ioam.de auf Misstrauen gesetzt, diese Scripte werden auch geblockt.
        Bei Zeitungen oder auch anderen Medien gilt das gleiche. Nichts gegen eine Portion Werbung aber wenn die Anzeige ohne Cookies, Tracker und Spionage-Scripte nicht mehr brauchbar ist wird weggeklickt und dann kommt weder Werbung noch Inhalt noch Meinung an.
        Um mal zu provozieren:
        Russia Today (RT) funktioniert auch weitgehend mit geblockten Trackern und Scripten, bei phonix.de geht auf meinem gesicherten Browser rein gar nichts mehr.

  7. Ich versuche zu erahnen, was hinter den Fassaden der Weltpolitik abläuft und komme zu dem Schluss, dass die Eröffnung eines Verfahrens gegen Google in den USA reine Fassade sein dürfte.
    Die USA befinden sich im Duell mit China um die Weltmacht Nummer Eins. Weder Trump noch Biden werden bestrebt sein, die zwei Branchen bloßzustellen und zu schwächen, welche die USA noch auf Platz Eins halten. Diese Branchen sind nun mal die Rüstungsindustrie und die Digitalbranche.
    In China werden marktdominierende Firmen – z. T. halbstaatlich oder staatlich – gepampert und hofiert und hinter den Kulissen dürfte dies in den Staaten nicht anders sein.

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