Klickst Du Video, bekommst Du Werbung

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Klickst Du Video, bekommst Du Werbung

Kommentare zum Artikel: 8

Auch Betrüger strengen sich manchmal an. Das zumindest muss man den Kriminellen, die derzeit mit einem YouTube-Link im Facebook Messenger für Wirbel sorgen, durchaus attestieren. Der Trick, den die Betrüger gerade im Facebook Messenger und auf Facebook anwenden, kann sich durchaus sehen lassen. Das Anti-Fake-News-Projekt Mimikama hat die neue Masche ausführlich dokumentiert: Wer im Facebook-Messenger von Freunden eine Nachricht bekommt, man solle unbedingt ein YouTube-Video anschauen, sollte dieser Aufforderung auf keinen Fall nachkommen. Die Neugierde würde sich rächen.

Der Facebook Messenger als Spam-Schleuder; Rechte: WDR/Schieb

Der Facebook Messenger als Spam-Schleuder

Die Spam-Falle hinter dem YouTube-Link

Denn wer auf den Link mit dem YouTube-Logo klickt, wird nicht nur auf eine Facebook-Seite gelotst, sondern bekommt früher oder später auch noch jede Menge Werbung auf dem Bildschirm angezeigt. Wenn man Pech hat und nicht richtig aufpasst, werden auch noch die persönlichen Zugangsdaten zum Facebook-Konto abgegriffen – und diese wiederum benutzt, um Freunde und Kontakte anzuschreiben.

Man könnte das alles für den ganz normalen Spam-Wahnsinn im Netz halten, der vor allem auf Facebook grassiert. Doch das aktuelle Beispiel verdient mehr Aufmerksamkeit. Denn die Hintermänner und -frauen haben geschickt Lücken bei Facebook ausgenutzt. Die verlinkte Statusmeldung kann nicht als Spam gemeldet werden, da die Links auf das YouTube-Video im Kommentar enthalten sind. Der Kommentar kann gemeldet und von Facebook entfernt werden – und ist natürlich in Sekunden wieder eingetragen, sollte das notwendig werden. Außerdem sperrt Facebook zwar zum Spam-Versand missbrauchte Accounts, aber dann ist es auch schon zu spät.

Falle: YouTube-Link auf Facebook; Rechte: Mimikama

Falle: YouTube-Link auf Facebook

Facebook schützt seine Nutzer nicht

Das Beispiel zeigt, dass Facebook seine Nutzer nicht ausreichend vor derartigem Missbrauch schützt. Es ist ganz leicht, kostenlos im großem Stil Spam zu versenden. In diesem Fall  ist es nur Spam. Auf dieselbe Weise könnte aber auch Propaganda verschickt werden, oder es könnten noch tückischere Phishing-Attacken durchgeführt werden – von auf diese Weise verteiltem Schadcode mal ganz abgesehen. Wer im Netz browst, wird durch Filter in der Google-Suche oder durch Funktionen im Browser vor bekannten Phishing-Seiten geschützt. In der Facebook-Welt gibt es das überhaupt nicht.

Vermutlich muss erst wieder eine Menge passieren, bevor sich Facebook bewegt, bevor das Netzwerk seine Verantwortung annimmt und aktiv wird. Die Ausnutzung derart vieler Schwachstellen dürfte nicht möglich sein. Doch mit Verantwortung hat es Mark Zuckerbergs Netzwerk nicht sonderlich. Allerdings könnten auch die Nutzer dazu beitragen, dass solche Spam-Attacken im Sand verlaufen. Zum einen, indem, die Zwei-Faktor-Authentifizierung zum Einsatz kommt, die auch Facebook (kostenlos) anbietet. Phishing-Attacken laufen dann ins Leere. Zum anderen, indem nicht reflexartig alles angeklickt wird.

Last not least: Ich mag den Facebook Messenger nicht. Das aktuelle Beispiel zeigt einmal mehr, dass der Facebook Messenger durch seine Nähe zu Facebook keine Sicherheit und keine Diskretion bietet.

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung „Angeklickt“ in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

8 Kommentare

    • Sofern Sie beispielsweise den zwanghaften Drang verspüren, …
      – … jedem ein Foto/Selfie Ihres supergenialen Abendessens zeigen zu müssen,
      – … Ihre Hauskatze/Ihren Hund/Ihr Baby zum medialen Superstar pushen zu wollen,
      – … Ihr schwaches Ego durch Unmengen von Followern, Likes und (falschen) „Freunden“ endlich aufzuwerten und damit prahlen zu können,
      – … mit kreativen Fakenews das Netzwerkdurchsetzungsgesetz strapazieren zu wollen,
      und -vor allem-
      -… Zuckerberg noch reicher zu machen!?
      JA, dann muss man/müssen Sie unbedingt bei Facebook sein!
      Twitter wäre auch eine Option; ist aber in Deutschland nicht so weit verbreitet und dort eher denen vorbehalten, die sich für etwas ganz besonderes halten (wie politische und publizistische -aber auch zivile- Möchtegerninterlektuelle, Weltverbesserer, Lebenskünstler, Selbstverliebte etc.) und ihre geistig-elitären Ergüsse bevorzugt in 160 Zeichen kundtun – wie auch Donald Trump!

    • SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG am

      Das hängt von der Definition von „müssen“ ab:
      Versteht man es im Sinne von „Zwang“ aufgrund Verlustes der Steuerungsfähigkeit, was nach all‘ meinen Wahrnehmungen der (Ur-)Grund für immer mehr Menschen ist, bei diesem oder einem anderen asozialen Netzwerk dabei zu sein, dann „müssen“ die, denn sie können nicht (mehr) anders.
      Das ist mittlerweile vielfach gut belegt durch Autoren wie Manfred Spitzer („Cyberkrank!“), Bert te Wildt („Digital Junkies“), Alexander Markowetz („Digitaler Burnout“) und etliche andere.
      Was nottut, sind
      Suchtprävention
      und
      Suchttherapie und – ausstiegshilfen.
      Nur leider ist selbst sog. „Verantwortlichen“ immer noch nicht klar, daß Smartphones in Kombination mit seitens der Betreiber bewußt abhängig machen sollenden Instituten wie den asozialen Netzwerken NICHTS ANDERES sind als DIGITALES CRYSTAL METH oder DIGITALES CRACK.
      Das mag nicht zuletzt daran liegen, daß etliche von denen, die aufklären und helfen könnten, ihrerseits bereits so abhängig sind, daß ihnen der Suchttunnelblick den Blick auf diese – „eigentlich“ – offen zu Tage liegenden Fakten verstellt.
      Davon sind auch AutorInnen des WDR und in Digitalistan nicht ausgenommen…

      • SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG am

        Sorry, falsche Spalte: Mein Beitrag ist eine Erwiderung auf den Beitrag von Wladiemier 24.10.2017 17:34.

  1. Wenn man bedenkt, wie empfindlich die Admins von zig privaten FB-Gruppen reagieren, wenn dort jemand ein Hotel/Restaurant … vorstellt und darauf verlinkt, dann ist es doch erstaunlich, wie empfänglich ausgerechnet FB-Nutzer für ungewollte Werbung und Ausfrag-Spionage sind. Ich wundere mich regelmäßig, was für (Namen-) Tests regelmäßig von einem zum nächsten geteilt werden.

  2. Es sollte eigentlich eine Voreinstellung in FB sein, dass Fremde keinen Zugriff auf die eigene Freundesliste erhalten – sondern eben nur Freunde. leider ist dem nicht so, also muss an diese Einstellung selber vornehmen. Danach ist man dann aber auch einigermaßen sicher, nicht von so etwas betroffen zu sein.

  3. Ich habe immer noch kein FB und dies ist auch gut so.
    Ich habe in meinem mail-Postfach auch klar festgelegt, alle spams sofort unwideruflich zu löschen, auch wenn mal ein wichtiges Dokument darunter sein könnte!…Egal, werd’s überleben!

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