Kommt das Emoji vor oder hinter das Satzzeichen?

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Kommt das Emoji vor oder hinter das Satzzeichen?

Kommentare zum Artikel: 16

Was stört euch mehr 🙂? Dass ich das Emoji im ersten Satz dieses Artikels vor das Fragezeichen gesetzt habe? 😉 Dass ich es im zweiten Satz dahinter gesetzt habe? Oder dass ich überhaupt Satzzeichen nutze? Wo doch viele sagen: Ein Emoji kann das Satzzeichen sogar ersetzen 😎

Ich habe diese Frage zuletzt meinen Facebook-Freunden gestellt. Das Ergebnis war nicht ganz eindeutig, nur eins habe ich den Kommentaren entnommen: Die Frage beschäftigt nicht nur mich. Emojis gehören fest zu unserer Kommunikation – sie sind die „Körpersprache des digitalen Zeitalters“, also müssen wir sie auch irgendwie korrekt einbinden.

Setzen wir sie an der falschen Stelle ein, was auch immer die falsche Stelle denn nun ist, drohen Missverständnisse in unserer Kommunikation beim Inhalt und – dank Emoji – nun auch beim Subtext. Verständlichkeit und Lesbarkeit sind also allein zwei Gründe, warum diese Frage wichtig ist.

Emojis

Auf manchen Geräten haben Emojis mittlerweile ihren festen Platz auf der Tastatur – der feste Platz im Satz aber fehlt ihnen noch.

Kommt das Emoji vor das Satzzeichen? Dafür spricht zum Beispiel, dass wir uns oft danach richten, was der Duden sagt – denn der Duden hat ja immer recht 😉. Die Duden-Sprachberatung gab mir am Telefon die Empfehlung, das Emoji vor den Punkt zu setzen, weil es zur Aussage des Satzes gehöre, der erst durch den Punkt abgeschlossen werde.

Ästhetisch aber ist das für die meisten Nutzer nicht, und manchmal sorgt es auch für das Missverständnis, der Punkt gehöre irgendwie noch zum Emoji dazu. Tatsächlich sieht man diese Version auch eher selten.

Kommt das Emoji hinter das Satzzeichen? Einige vergleichen diese Lösung außerdem mit Fußnoten, die man auch nach dem Satzzeichen einbaut, wenn sie sich auf den kompletten Satz beziehen – oder vor dem Satzzeichen, wenn es sich zum Beispiel um ein Komma mitten im Satz handelt. Und tatsächlich liegt der Gedanke nicht ganz so fern, schließlich handelt es sich bei Emojis ja um eine Art emotionale Fußnote.

Emoji als Fußnote

Das Emoji hinter dem Satzzeichen: So halten es die meisten Nutzer – auch allein aus ästhetischen Gründen.

Das Problem am Emoji hinter dem Satzzeichen ist allerdings der darauf folgende Satz – worauf genau bezieht sich das Emoji dann? Viele Nutzer scheinen sich mittlerweile darauf geeinigt zu haben: immer auf den Satz davor, nie auf das, was danach kommt. Theoretisch sind mit dieser Version aber noch Missverständnisse möglich – auch wenn die meisten Nutzer diese Variante bevorzugen, meistens, weil sie irgendwie schöner aussehe.

Ersetzt das Emoji das Satzzeichen? Da geht es natürlich vor allem um den Punkt, der in der Kommunikation in Messengern sowieso oft wegfällt. Laut Forschern der Binghamton University in den USA reagieren viele Nutzer auf Textnachrichten mit einem Punkt am Ende verschnupft. Ausrufezeichen und Fragezeichen dagegen sind nach wie vor erlaubt.

Auch Freunde erzählen mir immer wieder, dass ihr Gegenüber auf sie zum Teil arrogant wirke, wenn es einen Punkt am Satzende nutze. Also kann ein Emoji den Punkt natürlich auch gleich ersetzen. Wobei es damit in längeren Texten noch schwieriger werden könnte, verschiedene Sätze voneinander zu trennen, wenn sie von Emojis unterbrochen werden.

Smiley

US-Professor Scott E. Fahlman hat vor rund 30 Jahren gerne einmal Witze oder sarkastische Kommentare Internet losgelassen. Häufig wurde er nicht verstanden. Also erfand er den Smiley :-), aus dem erst die Emoticons wurden – und heute die grafischen Emojis.

Und was ist nun richtig? Wir wissen es einfach noch nicht. Sprache muss sich weiterentwickeln, und für Emojis handeln wir neue Regeln noch untereinander aus – so wie sich all die digitale Kommunikation mit ihrem XOXO und CC/BCC und Versalien und Ausrufezeichen eh noch immer in der Entwicklung befindet. Auch das Sprachschach-Blog und die Germanisten Karsten Rinas und Veronika Uhrová tun sich in ihren Beiträgen schwer damit, Regeln für Emojis und Satzzeichen festzulegen.

Ich persönlich habe mich entschieden, nach dem Fußnotenmodell zu verfahren: Emojis kommen im Satz vors Komma, aber am Satzende hinter den Punkt. Bei Nachrichten im Messenger geht das fast immer problemlos. Neue Sätze packe ich dann einfach in eine neue Nachrichten – so ist die Trennung klar. Bei längeren Texten achte ich darauf, Emojis möglichst erst am Absatzende einzusetzen. So bleibt am Ende auch alles schön lesbar. 🙂

Über den Autor

Dennis Horn, offline geboren 1981 in Köln, arbeitet als Experte für Digitalthemen in der ARD und moderiert im Deutschlandradio. Er hofft, dass eines Tages die Angst vor dem „bösen Internet“ stirbt, und wünscht sich mehr Spaß am Netz und weniger Hysterie.

16 Kommentare

  1. SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG am

    Der SPIEGEL stellte vor einiger Zeit auf einer Doppelseite ausschließlich mit Emojis gebildete „Sätze“ solchen aus altägyptischen Hieroglyphen gegenüber:
    Die Ähnlichkeit war verblüffend und frappierend.
    Das ist ein Indiz dafür, daß jedenfalls der obsessiv überschießende Teil der Digitalisierung nicht Fortschritt, sondern Rückschritt bedeutet, auch kulturell:
    Das Einzige, was fortschreitet, sind Infantilisierung, Regression und Verblödung, wie ich z. B. daran merke, daß sogar klausurschreibende Studierende Emojis allen Ernstes in ihren Klausuren unterbringen – mittlerweile immer weniger fähig, sich in ganzen Sätzen präzise auszudrücken. Es dürfte sich dabei um dieselben Studierenden handeln, die während der Vorlesung nicht zuhören, geschweige mitdiskutieren, sondern völlig in ihrer Smartphonesucht verschwunden sind (warum sie überhaupt im Hörsaal erscheinen, habe ich noch nicht herausgefunden!).

    • Dennis Horn am

      @SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG: „Ich habe überhaupt keine Hoffnung mehr in die Zukunft unseres Landes, wenn einmal unsere Jugend die Männer von morgen stellt. Unsere Jugend ist unerträglich, unverantwortlich und entsetzlich anzusehen.“ (Aristoteles)

  2. EmojinalWreck am

    In diesem Beitrag wird wie selbstverständlich davon ausgegangen, dass das Emoji als kleines Icon dargestellt wird. Das mag bei Messengern üblich sein, ist es aber z.B. bei der E-Mail nicht. Hier bleibt das Emoji oft als Folge von Satzzeichen stehen – wie man ja auch schön in der Bebilderung des Artikels sehen kann ;-).
    Und hier wird es schwierig: Wo fängt das Emoji an, und wo hört es auf? Teilweise wird man hier nicht erkennen können, ob das Satzzeichen noch zum Emoji gehört oder nicht. Vielleicht ist der Punkt hinter dem zwinkernden Smiley, den ich oben verwendet habe, gar kein Punkt, sondern soll ein Muttermal darstellen?
    Bei der Festlegung von Regeln sollte man auch beachten, dass in manchen Programmen ein Emoji, das aus Satzzeichen besteht, automatisch in ein Icon umgesetzt wird. Oder – im umgekehrten Fall – dass das Emoji-Icon, das ich schicke, vom Anzeigeprogramm, das der Empfänger verwendet, wieder in Satzzeichen umgewandelt wird. So kann es dann passieren, dass aus einem Satzzeichen ungewollt ein Emoji-Icon bzw. aus einem Emoji-Icon ungewollt ein Satzzeichen wird.
    Oje, ich hoffe, es wird deutlich, was ich meine…

    • Dennis Horn am

      @EmojinalWreck: Dazu muss man aber auch sagen, dass die ASCII-Nutzung von Emoticons zurückgeht. Für E-Mails am Desktop gilt, was Sie ansprechen. Für die mobile Nutzung allerdings spielt es in der Regel keine Rolle, ob es um E-Mails oder Nachrichten in Messengern geht – das Unicode-Set an Emojis ist auf dem Smartphone ja Teil der Tastatur. Und wenn man sich das aktuelle MacBook Pro von Apple anschaut, wandert es sogar dort schon auf die Tastatur. In jedem Fall eine interessante Entwicklung – und, ja: Auf ASCII-Emoticons muss man da vielleicht noch einmal einen gesonderten Blick werfen. :)

  3. Tja, die mich du ein Punkt der normale Abschluss eines Aussagesatzes, völlig normal bis unentbehrlich. Arrogant dagegen finde ich Leute, die meinen, ich solle mir den Inhalt ihrer Postings selbst zusammen suchen. Emojis wie Fußnoten zu behandeln, finde ich einleuchtend und werde es probieren.

    • Oh Mist – sorry für die Fehler am Anfang meines Postings. Es sollte heißen : Für mich ist ein Punkt usw. Hatte den Anfang im Wortsinne nicht mehr aus dem Schirm.

    • Benjamin am

      Ich kann es auch kaum glauben. Mir wurde im Messenger schon gesagt, ich solle das deshalb doch bitte lassen. Hab ich gelacht. :-D

  4. Emojis sind eine nette Ergänzung, sie bringen mein Gefühl zum Geschriebenen verstärkt zum Ausdruck, es ist aber kein Ersatz für Satzzeichen und ersetzt auch kein korrektes Schriftbild.

    • Dennis Horn am

      @Hilde: Ich finde, sie sind mittlerweile mehr als eine „nette Ergänzung“, sondern zum Teil ein nötiger Hinweis. Sie stellen nämlich das dar, was man sich im Schriftverkehr früher mühselig und interpretatorisch selbst „zwischen den Zeilen“ heraussuchen musste. Und dass sie ein korrektes Schriftbild nicht ersetzen, ist klar. Genau deshalb habe ich ja den Artikel hier geschrieben. ;)

  5. Ich bin da vermutlich furchtbar altmodisch und versnobt, aber mich ärgert es, wenn in Nachrichten, Facebook, etc. die Satzzeichen weggelassen, alles abgekürzt, nur klein geschrieben und jegliche Komma- und Zeichensetzung weggelassen wird. Ich finde, so viel Zeit muss sein. Ich mag nicht Nachrichten von Freunden erst mühsam entziffern müssen. Ich mag auch nicht, wenn ich überall einfach geduzt werde. Und bei Emojis halte ich es wie der Autor, erst das Satzzeichen, dann das Emoji, das ich immer erst an das Ende eines Satzes setze.

    • Dennis Horn am

      @Frank: Mir geht es da wie Ihnen, und gleichzeitig frage ich mich bei solchen Entwicklungen auch immer: Was davon ist einfach Fortentwicklung der Sprache? Die durchgängige Kleinschreibung zum Beispiel, manche Abkürzungen aus dem Netzjargon – das könnten auch alles Dinge sein, die sich mit der Zeit einfach durchsetzen. Generell finde ich, dass die starke Schriftlichkeit, die uns das Netz gebracht hat, die Sprache auch sehr lebendig sein lässt.

  6. digitalis am

    Zitat „Körpersprache des digitalen Zeitalters“ eine tolle imaginäre Körpersprache !!!
    Freunde des Blogs digitus versucht bitte in der Realität Eure Körpersprache in praxi einzusetzen…………ist sinnvoller.
    Schreibt bitte einmal mit der eigenen leserlichen Handschrift Eure Korrespondenz nieder,dann habt Ihr auch, ohne diese Spielerei mit Emojis, einen höheren Stellenwert zwischenmenschlicher Kommunikation erreicht.

    • Dennis Horn am

      @digitalis: Da interessieren mich zwei Dinge.

      Erstens: Warum setzen Sie keine Emojis ein, dafür aber gleich mehrere Ausrufezeichen oder Punkte auf einmal? Schließlich drücken Sie damit ganz Emoji-ähnlich Dinge zwischen den Zeilen aus – im Grunde nutzen Sie also auch eine „tolle imaginäre Körpersprache“, oder wie darf ich das interpretieren?

      Zweitens: Was genau hebt handschriftliche Korrespondenz so sehr von digital-schriftlicher Korrespondenz ab, dass damit ein „höherer Stellenwert zwischenmenschlicher Kommunikation erreicht“ wird? Ich könnte doch auch in einem handschriftlichen Brief einen Smiley unterbringen – und habe das sogar hin und wieder getan.

      • „Ich könnte doch auch in einem handschriftlichen Brief einen Smiley unterbringen – und habe das sogar hin und wieder getan.“
        Das habe ich auch schon getan. Und habe kurz darauf realisiert, dass diese Verwendung eines Emojis lediglich Resultat meiner mittlerweile gewachsenen Unbeholfenheit in der Vermittlung meiner inneren Haltung darstellte. Das fand ich sehr schade. Seitdem habe ich den Gebrauch von Emojis aufs Minimum heruntergefahren. Stattdessen bemühe ich mich einfach, meine Aussagen in den richtigen Kontext zu stellen und auf die Intelligenz und Empathie des Empfängers zu vertrauen. Das funktioniert. Meistens.
        P.S.: Oh Gott, so viele Satzzeichen – muss ich arrogant wirken!

        • Dennis Horn am

          @Nidje: Das kann man so machen. Ich sehe es aber nicht zwingend als Unbeholfenheit an, ein Emoji auch in der handschriftlichen Kommunikation zu nutzen. Emojis sind ja im Grunde Bilder, und wie sagt man so schön: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.

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