Komplettüberwachung, versteckt als Service

https://blog.wdr.de/digitalistan/komplettueberwachung-versteckt-als-service/

Komplettüberwachung, versteckt als Service

Kommentare zum Artikel: 3

Das Silicon Valley hat ein neues Lieblingsthema: Artificial Intelligence – Künstliche Intelligenz. Alle entwickeln derzeit “schlaue”, selbst-lernende Systeme, als eine neue Art von Schnittstelle zwischen User und Technik. Das Ziel: Wir reden mit unseren Maschinen und bedienen sie nicht mehr. Bestes Beispiel dafür ist das neue Smartphone von Google: Während die meisten die hochwertige Kamera im Google Pixel loben oder die Akkuleistung hervorheben, ist die eigentliche Neuerung der nun serienmäßig eingebaute Google Assistant. Ein digitaler Butler, mit dem der User sprechen kann.

Google Assistant; Rechte: GoogleDer Assistent greift auf Daten in allen möglichen Onlinediensten zu

Apple, Microsoft, Google und Co. setzen auf KI

Auch Microsoft und Apple gehen diesen Weg. Apple macht seine Sprachassistentin “Siri” immer schlauer und hat den Helfer gerade erst im Desktop-Betriebssystem macOS eingebaut. Apple-User sollen sich daran gewöhnen, wie selbstverständlich mit Siri zu kommunizieren. Microsoft hat sein durchaus vergleichbares System, mit dem sich Dateien suchen, Windows-Funktionen oder Infos aus dem Web holen lassen, “Cortana” getauft: Windows 10 ist serienmäßig damit ausgerüstet, sowohl auf Tischrechnern als auch auf Mobilgeräten.

Die User sollen nicht mehr tippen, klicken oder wischen, sondern reden. Aber es geht nicht nur ums Reden. Noch stecken die Assistenten in den Kinderschuhen, aber sie werden immer besser und auf den ersten Blick auch nützlicher. Das Smartphone merkt sich selbständig den Ort des geparkten Fahrzeugs, es weiß, dass wir Donnerstag mittags mit dem Auto nach Krefeld und Sonntag abends mit dem Zug nach Hamburg fahren – und warnt uns, wenn die Bahn Verspätung hat oder mal wieder Stau ist. Wenn plötzlich so ein Hinweis im Display erscheint, ist das regelrecht spooky. Vor allem deshalb, weil plötzlich klar ist, was die Assistenten tatsächlich schon alles wissen.

cortanaAuch Microsoft Cortana soll immer schlauer werden

Assistenten sind Datenstaubsauger

Es gibt gleich eine ganze Palette von Gründen, wieso sich Google, Apple, Microsoft und Facebook freuen, wenn wir die Assistenten häufiger benutzen. Zum einen, weil wir dann – freiwillig oder unfreiwillig – noch deutlich mehr Daten und Infos über uns abliefern. Digitale Assistenten sind Datenstaubsauger, da sie nur dann gut und zuverlässig funktionieren, wenn sie möglichst viel über uns wissen. Je öfter wir sie benutzen, desto besser kennen sie uns: Wie bei einem menschlichen Assistenten. Die Daten landen natürlich alle in der Cloud, nicht auf der eigenen Festplatte. Schließlich soll der Assistent auf jedem Gerät funktionieren.

azechoWir sollten deutlich skeptischer sein, wenn uns Unternehmen unkontrollierbare Funktionen anbieten.

Deshalb werden nicht nur Tischcomputer, Tablets und Smartphones mit Assistenten ausgerüstet, sondern auch Smartwatches oder Geräte für Zuhause. Google hat sein Google Home im Angebot, eine Hightech-Kiste, die man sich in die Wohnung stellt – um was damit anzustellen? Richtig: Man redet mit dem Assistenten. “Google: Spiele mir Musik von David Bowie”. Auch Amazon hat mit Echo ein solches Gerät im Angebot. Wir sollen immer und überall mit den großen Onlinediensten verbunden sein und mit ihnen reden. Das Ganze ist Komplettüberwachung in der Verkleidung von Service.

 

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

3 Kommentare

  1. Christian am

    Meiner Meinung nach ist der Artikel und insbesondere der letzte Newsletter (Nr. 41) enorme Panikmache. Der Weg der Digitalisierung ist nicht, diese einzuschränken, sondern vielmehr den Umgang damit zu lernen/zu lehren(!) und sich kritisch damit auseinander zu setzen. Alles andere ist Schwarzmalerei.

    • Die Digitalisierung ufert leider in einen Kontrollwahn aus. Wer das nicht sieht, sollte seine rosa-rote Brille einmal abnehmen.
      Angeboten werden den Nutzern immer mehr kleine “Helferlein”, die schlussendlich nur den Sinn haben, sie auszuspähen. Dazu gehört allen voran Whatsapp, Navi per Smartphone, elektronische Zahlung (mobil, wie auch Karte) und unzählige Apps, ohne die manche Leute kaum noch lebensfähig sind.
      Übrigens: Ich habe kein Smartphone, nur ein normales Handy, zahle im Laden grundsätzlich bar und spreche möglichst persönlich mit Freunden und Bekannten, oder telefoniere mit ihnen. Außerdem bin ich sehr reich – nicht finanziell, denn ich gönne mir öfter den Luxus, ganz einfach nicht erreichbar zu sein.

  2. Ich muss selbstverständlich der Kontrolle zustimmen. Aber ich kann nicht verstehen, was Sie ausgerechnet von MEINER Person wollen.Was tut denn eine junge Frau,die sich jeden Tag auf ihre Arbeit konzentriert,schon groß an?? Ich helfe Menschen. Was ist daran falsch?

Einen Kommentar schicken

Die mit * gekennzeichneten Felder müssen ausgefüllt werden.

Um Ihren Kommentar zu versenden, beantworten Sie bitte die folgende Frage: *

Top