Künstliche Intelligenz ist weiblich

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Künstliche Intelligenz ist weiblich

Kommentare zum Artikel: 12

Dezember 2017. #metoo ist vom Time Magazine gerade als Person des Jahres ausgezeichnet worden. Gut, dass wir darüber diskutieren. Schade, dass Frauen wieder vor allem als Opfer auftauchen (spannend dazu: der #metoo-Artikel in der Dezember-Ausgabe der deutschen Le Monde Diplomatique). Denn für mich bedeutet Feminismus genau das Gegenteil. Hier also mein Denkanstoß:

Siri, Alexa, Cortana…

Sprachgesteuerte Systeme sind oft weiblich – Künstliche Intelligenz damit aber auch! Ha! Warum habe ich also noch nie einen Beitrag gelesen, in dem sich jemand über zu wenig männliche KIs beschwert? Ist DAS nicht ein mindestens genauso großes Problem unserer Gesellschaft wie das, dass die Macherinnen und Macher ihren Systemen weibliche Stimmen geben und sie dann für uns einkaufen schicken?

Siri – „Die schöne Siegerin“

Immer wieder werden die Macher-Unternehmen zu den Namen ihrer sprachgesteuerter Systeme befragt und sagen, dass weibliche Stimmen nicht gleich weibliche Charaktere bedeuten. Aber es steht eben nicht „Alex“ bei mir auf dem Wohnzimmertisch. Obwohl der männliche Vorname genauso gut auf die Bibliothek von Alexandria anspielt. Oder warum ist nicht Sirius in meinem iPhone, sondern Siri – „die schöne Siegerin“? Einige Macher-Argumente für Frauenstimmen findet Ihr hier bei njoy. Und dieses Video vom Wall Street Journal sagt, dass es bei der Gender-Entscheidung vor allem um Userbedürfnisse geht.

https://www.youtube.com/watch?v=Ly23QfCvom0

Youtube-Video vom Wall Street Journal: Warum alle Bots weiblich sind?

Vermenschlichung der Verhaltensweisen

Das zentrale Problem entsteht für mich durch den unauflösbaren Widerspruch zwischen strikter Userdienlichkeit der Maschine und gleichzeitiger Vermenschlichung ihrer Verhaltensweisen. Das passt nicht zusammen. Trotzdem werden sprachgesteuerte Systeme als persönliche „Assistentinnen“ verkauft und nicht als Stimmen hochkomplexer Künstlicher Intelligenzen.

Screenshot: Die Newsapps Resi und Novi bieten Nachrichten als persönliche Unterhaltung.

Screenshot: Resi und Novi bieten Nachrichten als persönliche Unterhaltung.

Daraus entsteht dann auch, dass KIs (aus Sicht eines Menschen) unbeholfen bis total unangemessen auf Leute reagieren, die sie beleidigen oder ihnen sexistische Kommentare drücken. Siri, Cortana, Alexa und Co. bleiben freundlich – werden höchstens ein bisschen frech, aber auf keinen Fall so, dass es den Dienstleistungscharakter stört. So sind sie programmiert. Sie sollen unsere Probleme lösen – nicht uns erziehen oder zu besseren Menschen machen. Wenn man das nicht versteht bzw. es sich nicht immer wieder bewusst macht, gibt es Probleme. Mal wieder hilft also Medienkompetenz.

Welche anderen Möglichkeiten gibt es?

Diese Frage wird unsere Gesellschaft stark beeinflussen. Neben sprachgesteuerten Systemen betrifft sie auch Social Bots wie die journalistischen Angebote  Novi, Resi oder Wahltraud.

Und auch bei der Entwicklung von physischen Robotern geht es darum: Sollen sie wie Menschen oder Roboter sein? Man kann ihnen auch ganz bewusst kein Geschlecht aufdrücken – wie bei Kuri. Kuri habe ich Anfang des Jahres bei der SXSW in Austin kennengelernt. Der Hausroboter fühlt sich ein bisschen wie ein Haustier an – nur dass er piept statt zu bellen oder zu schnurren, um zu kommunizieren.

Ein Blick in die Zukunft

Ich wünsche mir, dass wir die Art und Weise, in der wir mit KIs interagieren weiter gut beobachten. Sie sind keine Menschen und sie zu vermenschlichen wird immer Irritationen verursachen. Ein interessantes Beispiel ist dafür auch das Experiment mit der App Replika.

Über den Autor

Neben dem Studium als Zeitungs- und Radiofrau angefangen - alles, was der Lokaljournalismus hergibt. Dann von Ostwestfalen ab ins Rheinland. Nach Köln. Zum WDR: 1LIVE. Und von da direkt ins Online-Volontariat. Seitdem auch beruflich im Netz zuhause.

12 Kommentare

  1. SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG am

    Natürlich ist nicht „die“ künstliche Intelligenz als solche weiblich.
    Frau Knocke ist aber sehr zu danken, daß sie aufgreift, daß in der Sprache Frauen zuallermeist der „dienende“ Teil zugewiesen wird und diese dienenden Teile daher weibliche Bezeichnungen und Namen erhalten (Wörter wie „der“ Server sind die Ausnahme, zudem weiß man nicht, ob die angloamerikanischen Schöpfer des Wortes nicht ebenfalls an eine Frau gedacht haben, könnte doch im Englischen „server“ beide Geschlechter meinen“).
    Auch in bzw. seit vor-digitalen Zeiten kennen wir diese Methode, Frauen sprachlich klein zu machen und auszugrenzen:
    Stets und ständig heißt es „KaufMANNS-GehilfIN“, „Arzt – HelferIN“, AnWALTS-GehilfIN“ und so fort: Wer hat schon einmal die Bezeichnungen „Kauffrau-Gehilfe“, Ärztin-Helfer“ oder „Anwältin-Gehilfe“ gehört…? Sehen Sie?
    Frau Knocke macht verdienstvollerweise ein weiteres Mal darauf aufmerksam, daß Sprache nicht nur AUSDRUCK von BEWUSSTSEIN ist, sondern daß sie auch BEWUSSTSEIN SCHAFFT.
    Will sagen: Menschen sprechen und schreiben nicht nur so, wie sie denken und fühlen – sie fangen auch an so zu denken und zu fühlen, wie sie schreiben und sprechen!
    „Dümmlich-parnoid“ ist entgegen der Ansicht von C.Z., wahrscheinlich eines Mannes, also nicht der „Genderhype“, sondern dümmlich-paranoid sind die Männer, die dagegen so geifern: Fürchten sie gar um ihre Männlichkeit?
    Sie, die auch im 21. Jahrhundert nichts dabei finden, Frauen als Männer zu bezeichnen mit der dümmlich-sexistischen – und: falschen – Unterstellung, mit der männlichen Bezeichnung seien Frauen doch stets mitgemeint („Mitarbeiter“ – „Bürger“ – „Fußgänger“ – „Wähler“ etc.)
    Dieselben Männer werden aber immer ganz wütend, wenn man in Texten ausschließlich die weibliche Form verwendet und in der ersten Fußnote erklärt: „Männer sind natürlich stets mitgemeint“ – wie ich das in meinen Texten zu tun pflege.
    Den Frauen muten sie hingegen als Selbstverständlichkeit zu, sich mit der männlichen Form „mitgemeint“ zu fühlen – dabei ist doch das Geschlecht ein genuiner Bestandteil der eigenen Identität…
    Im Übrigen kann ich C.Z. und auch P.Gedoehns weitestgehend zustimmen:
    Auch meide sämtliche Verblödungs- und Stasi-Maschinen vom Suchtphone bis zu all den Siris etc…

    • Katharina Knocke am

      Liebe/r @SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG, bei der Sache, dass Sprache nicht nur Ausdruck von Bewusstsein ist, sondern auch Bewusstsein schafft, gehe ich mit – darum auch mein Appell, genau zu beobachten, wie wir mit KIs interagieren. Mein Denkanstoß ist natürlich etwas überspitzt, sollte allerdings nicht aufzeigen, dass Frauen als sprachgesteuerte Systeme bewusst klein gemacht werden. Es ist sicher Teil des Gesamtproblems, welches Bild Frauen und Männer von sich selber und gegenseitig voneinander haben bzw. jeden Tag neu erschaffen, aber es ging mir vor allem darum, sich nicht in eine Opferrolle zu begeben oder hineindrängen zu lassen, sondern selbstbewusst und selbstbestimmt zu agieren. Das meiner Meinung nach zentrale Kommunikationsproblem zwischen Menschen und KIs ist nicht an erster Stelle ihre Weiblichkeit, sondern ihre Menschlichkeit. Es geht um die Vermenschlichung (nicht um die Verfraulichung) der Verhaltensweisen von sprachgesteuerten Systemen bei strikter Userdienlichkeit.

      Insgesamt wünsche ich mir, dass wir Menschen uns weniger als Opfer unserer digitalen Gesellschaft sehen. Dagegen hilft Medienkompetenz. Denn nur wer die Welt, in der sie/er lebt, versteht, kann sie bewusst mitgestalten. Das hilft auch gegen diffuse Ängste vor höheren Mächten, die uns bestimmen wollen – und die ich in den Diskussionen unter unseren Beiträgen hier immer wieder sehe.

      • SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG am

        Liebe Frau Knocke,
        danke, daß Sie sich die Mühe einer Antwort gemacht haben, und danke auch, daß Sie mein Verständnis von Sprache teilen (ich bin übrigens ein Mann und Feminist! :-) ).
        Bitte lassen Sie mich noch sagen, daß es keineswegs „diffuse“ Ängste sind, die mich von Sucht (vulgo: Smart-) phones sowie Smarthäusern, Siris und Ähnlichem einen großen Abstand halten lassen.
        Es gibt mittlerweile nun wirklich mehr als genug fundierte Studien und Untersuchungen dazu, daß und wie sehr das Smartphone ein echtes Suchtmittel ist (nein, nicht nur von Spitzer, sondern durchaus auch von „digitalaffinen“ Wissenschaftlern wie dem Arzt Dr. Bert te Wildt und dem Junior-Informatikprofessor Alexander Markowetz!), und es gibt gleichermaßen renommierte Wissenschaftler wie den Soziologen Harald Welzer, die den Charakter von Suchtphonen und anderer Ausspioniertechnologie wie die in den „Smarthomes“ oder Fitnesstrackern verbauten als schlimmst-rechtsstaatsgefährdend entlarvt haben.
        Das alles ist keineswegs diffus!
        Diffus finde ich vielmehr die naive Digitalvergottung immer größerer Bevölkerungskreise, denen aufgrund des süchtigmachenden Elements nicht einmal bewußt oder – schlimmer – denen es egal ist, wie sie überwacht und kontrolliert werden:
        Sie sind schon längst nicht mehr „Nutzer und Nutzerinnen“ – das denken sie bloß! – , sondern BENUTZTE, insbesondere von den profitgiergetgriebenen Betreibern der asozialen Netzwerke und ihren Komplicen und Spießgesellen.
        Vom wachsenden Verblödungsfaktor durch die Weigerung, selbst zu denken, war noch gar nicht die Rede – ICH sehen den aber täglich im Hörsaal, wenn bei JEDER Frage FAST ALLE erstmal in ihre Suchtphone schauen, statt SELBST zu denken…. :-(
        Diffus…? Nein, Wirklichkeit!
        Und MIR wird weder ein Suchtphone noch ein Siri oder Ähnliches JEMALS ins Haus kommen.
        Ach ja, schon gehört: Zumindest die ComputerSPIELsucht wird jetzt in die ICD (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems) der WHO aufgenommen – ein ERSTER Schritt in die richtige Richtung

  2. KI ist ein spannendes Thema, was aus meiner Sicht noch in den Kinderschuhen steckt. Ich habe nur die Befürchtung, das KI irgendwann aus dem Ruder läuft. Meistens ist der Mensch der Meinung, dass er alles unter Kontrolle hat. Dem ist oft nicht so.
    Siri, Alexa und Co. sind wahrscheinlich nur der Anfang. Mir persönlich ist keine KI Anwendung bekannt, die mir wirklich hilfreich ist. Die Sprachassistenten sind bequem, es geht aber auch ohne.
    In Sozialen Netzwerken sind viele Social Bots unterwegs. Da weis man gar nicht, schreibe ich einem Menschen oder einer Maschine.
    Jeder muss selber wissen, was er dem Internet „anvertraut.“
    Auf der einen Seite wird nach Datenschutz geschrien, auf der anderen Seite wird alles im Internet geteilt. Das passt aus meiner Sicht nicht so wirklich.

  3. P. Gedoehns am

    Hier handelt es sich nicht um künstliche Intelligenz, sondern um Elektroschrott von morgen, der die Aufgabe hat, vor seiner Entsorgung eine möglichst große Anzahl von Menschen möglichst gründlich zu verblöden, die dafür auch noch bezahlen.
    Wer diesen Dingern Fragen aus allen Lebensbereichen stellt, das toll findet und dabei ausblendet, dass sie alles, aber auch wirklich alles an Daten sammeln und übermitteln, dem ist nicht mehr zu helfen. Honecker und Mielke hätten vermutlich ausgelassen gefeiert, wenn es zur DDR-Zeit so einfach gewesen wäre, an Informationen der Bürger zu kommen und das ohne Zwang und IM´s.
    Hinzu kommt, dass die Nutzer im Grunde nichts mehr lernen und wissen müssen, da sie ihre allwissenden Mitbewohner jederzeit befragen können. Ob dies vielleicht sogar gewollt ist, damit die Eliten noch besser in Erfahrung bringen, wie die Untertanen ticken?
    Der Konsument hat es selber in der Hand, ob es für diesen Blödsinn einen Markt gibt, oder eben nicht. Ich für mein Teil boykottiere Geräte dieser Art, wie auch Smartphones, Smart-TV und sonstige Datenkraken, die angeblich zur Belustigung und für die Bequemlichkeit der Nutzer erfunden wurden.

  4. „Künstliche Intelligenz ist weiblich“
    Weder weiblich noch männlich! Künstliche Intelligenz ist dumm, strohdumm!
    Mithin nur ein schlichtes Gemenge aus Quellcode (abhängig von der Intelligenz des jeweiligen Programmierers – „I bims“?), seltenen Erden, Kunststoffen in mehr oder weniger attraktiver Blechbüchsenverpackung – perspektivischer Sondermüll/Elektroschrott.
    Künstliche Intelligenz kann nicht mit „Bauchgefühl“ agieren, kann keinen „falschen“ Blick aufsetzen, kann keine eigenen , „echten“ Emotionen und Stimmungen entwickeln und mit der Stimme nachhaltigen Ausdruck verleihen!
    Künstliche Intelligenz kann man daher auch nicht „beleidigen“ oder gar „sexistisch“ anpöbeln, wie die oben zitierte, auflagenschwache Linksgazette mit der ihr ureigenen Hysterie belegen will.
    So bleibt auch mein KI-ausgestattetes Automobil, das z. B. im Winter (trotz aller „Intelligenz“!) nicht anspringen will, für mich eine „Dreckskarre“ (die, weiblich) oder ein „Dreckskarren“ (der, männlich) – völlig egal, wie höflich mich die synthetische „Stimme“ (die vielleicht irgendwie weiblich klingen mag/will) sonst darauf hinweist, dass ich zu schnell bin oder gefälligst den Gurt anlegen soll.
    Was kommt als nächstes? Ehe für alle – auch für menschliche Beziehungen mit Elektronengehirnen? Wird der Senior bald seine replikante Pflegefachkraft heiraten dürfen, damit steuerliche Vergünstigungen erhalten und „ihr“ oder „ihm“ seine Rentenansprüche übertragen können?
    Oh je! Aber wenn sich schon der Duden-Verlag, mit seinem „Richtig gendern“-Leitfaden, diesem dümmlich-paranoiden Genderhype anschließt, dann dürfte es alsbald auch einen Knigge für den politisch korrekten Umgang mit „intelligenten“ Blechbüchsen geben. Hilfe!
    Nach heutiger Auffassung wären die Blechclowns R2D2 und C3P0, die filmischen Vorläufer heutiger KI, wohl ein in schwuler Beziehung lebendes Roboterpaar – pardon: RoboterINNENpaar; denn deren KI ist ja weiblich, wie ich gerade lernen durfte… ;)

    • Na da hat sich ja jemand mit KI beschäftigt und verdammt viel Ahnung… Informiere dich bitte erstmal, bevor du hier darüber urteilst was eine zukünftige KI „kann“ und „nicht kann“. Oder einfach Angst vor zukünftigen Entwicklungen und du plärrst hier herum frei nach dem Motto „was nicht sein soll, kann auch nicht sein“?

      • Für besonders freundliche und gut erzogene Zeitgenossen, wie Sie, gibt’s zum bevorstehenden Jahreswechsel direkt zwei:
        <
        <
        Wohl bekomm's!
        Und sofern Sie gesättigt sind und Ihren Bluthochdruck wieder einigermaßen im Griff haben sollten, lese ich sehr gerne Ihre weisen Erläuterungen über das, ' was eine zukünftige KI „kann“ und „nicht kann“ '. Sie deuten ja oben bereits an, darüber bestens informiert zu sein …

        • Katharina Knocke am

          Liebe/r @C.Z., was bedeuten denn die beiden „<"? Insgesamt würde ich mich über eine freundlichere Kommunikationsweise hier freuen.

          • Guten Tag Frau Knocke,
            „<" und "<" – das waren die symbolischen Kopfreste der beiden letztjährigen Weihnachtskarpfen, die vor dem Verzehr etwa so
            <°(((((<
            <°(((((<
            aussahen und dem trollgefährdeten Erstantworter -fürsorglich- zum genüsslichen Draufbeißen (zwecks Aggressionsabbau) gereicht werden sollten.
            MfG

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