Kuschel-Rückblicke: Genug aufgeregt

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Kuschel-Rückblicke: Genug aufgeregt

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“Im Rückblick erkennen wir manchmal erst, was wirklich wichtig ist”, sagt mir der Facebook- Jahresrückblick. Jap, stimmt – aber aus meinem “persönlichen” Jahresrückblick bei Facebook wird das nicht ersichtlich. Zusammenhanglos werden mir relativ belanglose Posts aus dem vergangenen Jahr aus meiner Chronik präsentiert.

Darüber aufzuregen brauche ich mich nicht, ehrlich gesagt bin ich sogar froh darüber. Meine persönlichen Tiefpunkte und die richtig schönen Momente sind nicht dabei. Denn die teile ich persönlich nicht in meiner Facebook- oder Instagram-Timeline – schon klar, das halten andere anders. Im Endeffekt teilen wir doch meistens nur das, womit wir uns bei anderen schmücken können. Diese Rückblicke dann als das “wahre Leben” zu verkaufen? Das ist Selbsttäuschung in einer verzerrten Realität.

Flop bei Youtube-Rückblick

Neben den individuellen Jahresrückblicken gibt es auch allgemeine Rückblicke, die Plattformen wie Youtube für die gesamte Community selbst erstellen. An sich schon ein ambitioniertes Unterfangen, allen kann man sowieso nicht gerecht werden. Et voilà: Das Youtube-Rewind 2018 ist spektakulär gefloppt. Bei knapp 140 Millionen Views wurde das Rewind mit 13 Millionen Daumen nach unten (vs. 2,3 Millionen Likes) und harscher Kritik aus der Community so schlecht bewertet wie noch nie (Stand: 17.12.2018).

https://www.youtube.com/watch?v=YbJOTdZBX1g


“Is Rewind getting worse every year?”, “Every year youtube just keeps getting disconnected from its content creators”, heißt es in zwei Kommentaren. YouTube entferne sich immer weiter von seinen YouTubern, kontroverse Stimmen wie die des meistabonnierten Youtubers PewDiePie seien im Rewind nicht berücksichtigt worden.

Das Fazit aus der Kritik: Bei allgemeinen Rückblicken geht’s YouTube und Co. wohl eher um Werbetreibende als um die User. Aber sorry Leute, Youtube ist nun mal ein Unternehmen und kein Wohlfahrtsverein. Kein Wunder, dass Jahresrückblicke auf Plattformen von Plattformen aus User-Sicht meistens überflüssig und unbefriedigend sind. Wen überrascht das wirklich?

Über den Autor

Ildiko Holderer ist freie Journalistin beim WDR, Digital Native (Jahrgang 1993) und generell für mehr Transparenz im Journalismus. Sie beschäftigt sich vor allem mit Plattformen und Wissenschaftsthemen. Seit ihrem Volontariat beim WDR 2013/14 lebt sie in Köln. Ihre Recherchen veröffentlicht sie bei WDR.de, in Form von (Insta-)Stories, Social Videos – und im Radio.

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