Linux: Seit 30 Jahren erfolgreicher Underdog

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Linux: Seit 30 Jahren erfolgreicher Underdog

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Eine der zweifellos wichtigsten Erfindungen des IT-Zeitalters kommt nicht aus dem kalifornischen Silicon Valley, nicht mal aus den USA – sondern hat ihren Ursprung in Finnland. Dort saß vor genau 30 Jahren ein finnischer Student namens Linus Torvalds und bastelte an einem neuen Betriebssystem.

„Ich arbeite an einem (freien) Betriebssystem (nur ein Hobby, wird nicht groß und professionell …)“, hat er am 25. August 1991 öffentlich in einem Forum zu Protokoll gegeben. Eine historische Selbstunterschätzung, denn Linux ist ohne Übertreibung ein Fundament der digitalen Gesellschaft.

Der Finne Linus Torvalds ist der Erfinder von Linux; Rechte: WDR/Schieb

Der Finne Linus Torvalds ist der Erfinder von Linux

Ein Betriebssystem aus Finnland erobert die Welt

Linus Torvalds wollte ein Betriebssystem, das sicher ist – OpenSource, damit jeder hineinschauen und mitmachen kann. Ohne jede wirtschaftliche Absicht: Anders als Bill Gates, Jeff Bezos oder Mark Zuckerberg wollte der Finne mit seinem Produkt nicht mächtig oder unermesslich reich werden, sondern einfach eine gute Sache auf den Weg bringen. Die Welt besser machen. Darum wurde das Betriebssystem auch nach ihm benannt: Linux – weil es von Linus kommt.

Der Siegeszug dieses freien Betriebssystems – frei, weil von jedem frei einsetzbar, ohne Lizenzkosten und frei im Sinne von veränderbar – ist atemberaubend. Es gibt unzählige Versionen (Derivate), unter den unterschiedlichsten Namen: CentOS, Ubuntu, Defora, Android… Ja, auch Android basiert auf Linux. Wohl niemals hätte Torvalds vor 30 Jahren gedacht, dass sein Betriebssystem irgendwann auf mehr als 80 Prozent aller Smartphones installiert sein könnte. Heute ist es aber genau so.

Android: Die wohl populärste Version von Linux - kennt jeder; Rechte: WDR/Schieb

Android: Die wohl populärste Version von Linux – kennt jeder

Linux ist ein Allrounder

Linux kommt längst überall zum Einsatz: Im Auto, in Küchengeräten, auf der überragenden Mehrheit aller Server im Internet. Ein Internet ohne Linux – denkbar, aber schwer vorstellbar. Denn durch die Freiheit von Linux war es möglich, das Betriebssystem schnell und gezielt weiter zu entwickeln, immer an den Bedürfnissen orientiert.

Selbst auf dem Mars ist Linux schon gewesen: Der Mars-Hubschrauber Ingenuity wird mit Linux betrieben.

Trotzdem wissen eigentlich nur Insider davon, wie vielseitig und leistungsfähig Linux eigentlich ist. Die meisten Menschen fragen: Linux – ist das eine Figur aus den „Peanuts“?

Linux auf dem Desktop? Fehlanzeige – aus Gründen

Windows, MacOS, iOS, Android – das kennen die Menschen. Weil es Marken sind – und da geben die produzierenden Unternehmen eine Menge Geld für Marketing aus. Linux hatte das nie nötig. Linux hat durch seine Pluspunkte und Möglichkeiten überzeugt – zumindest Fachleute, Programmierer, Administratoren und Kenner. Nicht allerdings die Konsumenten. Auf dem Desktop spielt Linux praktisch keine Rolle.

Dabei gibt es gute Linux-Versionen, mit grafischer Benutzeroberfläche und allem Pipapo. Und obwohl Linux als sicherer gilt, geben die Menschen Windows den Vorzug. Weil sie es kennen. Weil es auf praktisch allen gekauften PCs vorinstalliert ist. Weil sie nicht glauben können, dass es auch bei Linux für alles eine Lösung (Anwendung, App) gibt – dabei ist das so.

Das ändert aber nichts daran, dass Linux die Welt verändert hat. Im Gegenteil: Ohne Linux könntet Ihr diesen Artikel gerade nicht lesen – weil Linux quasi das Rückgrat des Internet ist.

Fast zeitgleich mit Linux ist das WWW gestartet

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

12 Kommentare

  1. „Defora“ kannte ich noch gar nicht. Man lernt jeden Tag etwas neues :-)
    (Ich nehme an dass Fedora gemeint ist)

  2. Interessant wäre doch einmal für große Konzerne oder Behörden zu errechnen wie hoch das Einsparpotential wäre, wenn man auf Linux und Open Office umsteigt.
    Ein Riesenproblem, was man dabei nicht unterschätzen sollte, ist die User abzuholen und mitzunehmen…

    • Carsten Mohr am

      Hatte das nicht München vor vielen Jahren gemacht und dann auf Windows wieder umstellen müssen, weil die Software nicht mehr kompatibel war/wurde? Hat ein heiden Geld gekostet, von den Umstellungsproblemen mal ganz abgesehen.

  3. Jimmy G. am

    Ich bin seit (k)ubuntu 7.04 mit Kernel 2.6 (dem eigentlichen LINUX) dabei, habe von KDE 3.5, 4.x, Plasma 5, Gnome, Unity und Budgie alles mitgemacht, liebe dieses OS und besitze tatsächlich kein Windows mehr. Natürlich ist die im Beitrag genannte Zahl verschiedener Desktopumgebungen gewaltig und macht eine Entscheidung für die eine oder andere Distribution schwierig. Wenn man sich allerdings einmal getraut und z.B. die Vorzüge der Paketverwaltung gegenüber der ’setup.exe‘ und das Konzept einer nicht-vorhandenen ‚Registry‘ zu schätzen gelernt hat, weiß man, was man an Tux hat. Auch das GNU/GPL-Konzept der freien Software gefällt mir persönlich, ganz ähnlich wie die ‚CreativeCommons‘-Idee, sehr gut.
    Bleibt zu hoffen, dass uns Linux weitere 30 Jahre erhalten bleibt und dass mehr Anwender den Schritt vom vermeintlich bequemen Windows ins Abenteuer wagen…

  4. Nach Bluescreen um Bluescreen und sukzessivem Schneckentempo hab ich auf meinem Homerechner Linux Mint installiert und was soll ich sagen: Superschnell, alles läuft glatt, Drucker werden erkannt und installiert, ich mache OnlineBanking ohne Angst vor Trojanern, habe keinerlei Viren und wirklich Spaß, den Rechner morgens anzuwerfen.

    Dann neuen Rechner mit Linus Mint Cinnamon drauf gekauft und ein cooles Raketenteil erhalten. Thunderbird für Mails, LibreOffice, PDF Programme, die so viel mehr können als Adobes PDF Reader und dabei kostenlos sind, wahrlich für alle nur zu empfehlen.

    Zu Spielen kann ich leider nichts sagen, denn ich spiele nicht. Ach: Fernwartung auf anderen Rechnern mittels Teamviewer oder AnyWhere funzt ebenfalls prima, System unabhängig übrigens…

  5. es ist beschämend wenn die Konzerne wie Microsoft gepäppelt werden statt eine einfache Linuxversion zu installieren – immerhin könnte man auch parallel zu Windows eine Partition anlegen wie etwa Ubuntu (kinderleicht) oder noch einfacher „bodhi linux“ – läuft sogar auf alten Rechnern ab 1998. bodhi linux bietet alles was man so braucht foto u video inbegriffen.

  6. Ein weiterer Pluspunkt von Linux auf PCs und Notebooks ist, dass es auch auf älterer Hardware noch schnell läuft.
    Mein Thinkpad von 2006 lief die letzten 8 Jahre mit Lubuntu 18.04.

    • Ja. Und Microsoft schraubt die Hardwareanforderungen immer höher und „empfiehlt“ dann auf der Windows11-Reklameseite:
      „Machen Sie sich bereit. Windows 11 ist noch nicht da, wird aber noch in diesem Jahr verfügbar sein. Wenn Sie aufgeregt sind, können Sie in der Zwischenzeit einige Dinge tun, um sich darauf vorzubereiten. Kaufen Sie bei den folgenden Handelnden einen Windows 11-kompatiblen PC“.
      Es folgt die Nennung von Media Markt, Saturn, Notebooksbilliger, Cyberport, Otto und natürlich Amazon.

      • Also gut, ihr wolltet’s so… Nein, das passt einfach nicht.
        Ich habe die letzten Monate etliche Krücken aus der XP-Vista-Übergangsgeneration und kurz danach (Pentium-M, Core Solo, Pentium Dual-Core und sowas; teils nicht mal x64-fähig) unter den Fingern gehabt. Der Benchmark „spiel ein Youtube-Musikvideo in 720p fullscreen ohne Ruckeln (auch die Werbung)“ bringt die Linuxe (ich habe zugegeben nicht _alle_ getestet – es sollte für einen Normaluser nutzbar bleiben, also eine „Mainstream“-Distri) ganz schön ins Schwitzen oider lässt sie scheitern, während ein x86-Windows 10 (20H2) selbst mit Vista-Grafiktreibern noch ganz ordentlich mitkommt. Erst wenn die fehlen, ist aus (der VGA-Treiber war unter 8.1 noch brauchbar, unter 10 Schrott – aber 8.1 wird ja notfalls auch noch bis 2023 unterstützt…). X86-taugliche Distributionen zu finden wird außerdem auch schon ganz schön schwer.
        Will sagen: Unter Windows 10 hab ich bis 2025 noch Patchsupport für Noteboks von 2007. Unter Linux… nicht mehr so sehr.
         
        (Dass ich im Leben keine Lizenz für Kisten erwerben möchte, die weniger wert sind als der im Netz gekaufte Win7-Schlüssel dafür, steht auf einem anderen Blatt.)

  7. Meiner bescheidenen Erfahrung nach (ich habe früher schon mal ein wenig mit SuSE 5 und 6 experimentiert, dann lange nicht mehr, jetzt wieder so ein bisschen) ist Linux am häuslichen Computer dann gut, wenn man unbelastet drangeht – und keine alten Daten, Programme oder Gewohnheiten mitschleppt.
    Der Vorteil von Linux, dass es bis ins Letzte anpassbar ist und für jeden die passende Distribution existiert, ist leider auch gerade das, was einer größeren Verbreitung im Wege steht – es gibt so viele unterschiedliche Desktops, Unterbauten und Kernelvarianten, dass schon allein die Tatsache deren Existenz viele abschreckt. Und die, die’s dennoch versuchen, können dann im Bekanntenkreis meistens mit niemandem drüber reden. Denn entweder die Leute haben Windows oder ’nen Mac, oder sie sind so tief in der Materie, dass der Normaluser nichts davon blickt.
    Eine „standardisierte“ Oberfläche, die weit verbreitet ist, einem fast jeder erklären kann und die in jeder Zeitschrift und jedem Video so aussieht wie bei einem selber, gibt’s auch nicht (das klappt ja noch nicht mal bei den verschiedenen Android-Versionen! Und die sind lang nicht so fragmentiert).
    Und die Anzahl an Rechnern, die man mit Linux vorinstalliert bestellen kann, ist angesichts der Microsoft-Vertragsdominanz sowieso verschwindend gering. Warum sollte der Käufer also eine lizenzierte, mit dem PC bezahlte Software extra runterwerfen und gegen eine freie Alternative tauschen (sofern er überhaupt weiß, dass das geht, und wenn, dann wie)?
     
    Was jetzt nicht heißt, dass Linux für den Desktop schlecht wäre, nur die immer wieder vorgebeteten Vorteile sind nicht unbedingt so groß, wie sie versprochen werden. Und sie werden auch nicht ohne Nachteile erkauft. Ich glaube also, dass sich an der Verteilung innerhalb der verschiedenen Segmente in absehbarer Zeit nicht viel tun wird. (Es sei denn, Windows 12 kommt auf Linuxbasis. Gibt ja nichts was es nicht gibt, ein Chromium-Edge hätte man auch lange nicht für möglich gehalten!)
     
    (PS: Ich hatte hier noch einen Abschnitt zum Thema „Linux auf sehr alten PCs“ vorbereitet, aber der wäre zu lang geworden. Kurz: keine gute Idee.)

    • Microsofts Firmenpolitik und Telemetrieschnüffelei gingen mir lange auf die Nerven. Als dann ein neuer Computer Win 10 gehabt hätte war Schluss – Computer gekauft, (Arch-) Linux installiert (von jemandem, der sich gut auskennt – ich hätte das so nicht hingekriegt). Seitdem bin ich glückliche Linux-Nutzerin, Windows, im Dual-Boot gelassen, habe ich nur noch einmal hochgefahren, um Updates zu ziehen, festgestellt, dass es dann versucht, das Booten von Linux zu verhindern (miese bios-Tricks), damit war Microsoft endgültig gestorben.
      Gaming klappt mit Linux auch ohne Probleme.

  8. Windows schlägt Linux. Nicht nur wegen Marketing, Vorinstallation, Kooperation mit Handelsriesen etc.. Die Dominanz entsteht auch aus der undurchsichtigen bis zwielichtigen „Lobbyarbeit“ dieses und anderer US-Großkonzerne in EU und USA. Einfach mal Microsoft im Suchfeld auf „lobbycontrol“ eingeben …

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