Löst KI wirklich unsere Probleme? Nein!

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Löst KI wirklich unsere Probleme? Nein!

Kommentare zum Artikel: 8

Ich denke gerade viel über Künstliche Intelligenz (KI) nach. Die Zeiten zwingen uns regelrecht dazu, schließlich kommt immer öfter KI zum Einsatz. Erst lautstark – etwa, als die Maschine zum ersten Mal besser das Brettspiel “Go” spielte als der Mensch. Oder lautlos, etwa wenn Maschinen unsere Kreditfähigkeit bewerten oder für uns entscheiden, welche Inhalte wir zu sehen bekommen. Heute schon ist KI überall – wir bekommen es nur kaum mit.

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Bedenken gegen KI sind verständlich – und gesund

Viele Menschen haben Angst vor KI. Manche nur latente, andere ausgeprägte Ängste. Das ist ein verständlicher und auch gesunder Reflex, denn KI ist völlig intransparent. Selbst die programmierenden Experten verstehen ihre Systeme irgendwann nicht mehr – und beherrschen sie auch kaum. So manches KI-System hat sich schon verselbständigt. Ein KI-System von Facebook hat eine eigene Sprache entwickelt.

Die Menschen wissen nicht, welche Daten die Maschinen ansammeln und was sie damit anstellen. Oder sie fürchten um ihre Jobs. Alles sehr wohlbegründete Sorgen. Die zentrale, alles entscheidende Frage ist aber: Ist KI gut für uns? Ich fürchte: Nein. Denn warum entwickeln Menschen eigentlich KI-Systeme? Die psychologischen Hintergründe scheinen eindeutig: Wer ein KI-System erschafft, macht sich unsterblich. Der “Nachwuchs” lernt ständig dazu, wächst über sich hinaus (zumindest ist das das Ziel). Die reine Freude für jeden Narzissten – und genau das ist die Motivation der meisten KI-Entwickler.

https://vimeo.com/267973633

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Die wahren Probleme werden nicht gelöst

Wer nun argumentiert: KI-Systeme können Krankheiten heilen, bessere Therapien entwickeln oder andere Herausforderungen meistern, dem sei gesagt: Und dann? Wenn erst mal Maschinen individuelle Therapien vorschlagen, wird schon bald kein Arzt mehr wagen, diese Therapien vom schlauesten Mediziner der Welt infrage zu stellen und davon abzuweichen. Faktisch entscheiden dann also Maschinen, was mit uns passiert. Irgendwann ist das dann selbstverständlich. Erstrebenswert?

Abgesehen davon werden nicht die eigentlichen Probleme angegangen, sondern es wird lediglich an den Symptomen herumgedoktert. Was könnten und sollten wir tun, um gesünder zu leben, die Umwelt sauber zu halten, und damit Krankheiten zu vermeiden, statt zu heilen. Wie schaffen wir es, dass die Medizin endlich die Psychologie ernst nimmt, gar in den Vordergrund stellt? Das sind die wirklich relevanten Fragen – hier besteht Handlungsbedarf. Haben wir mehr KI, wird davon vermehrt abgelenkt.

Wir sollten uns also häufiger die Frage stellen: Was bewirkt KI – nicht: Was kann KI? Und lösen wir damit die tatsächlichen Probleme, die wir haben? Ich denke: Nein. Wir schaffen eher neue.

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

8 Kommentare

  1. Ich finde das KI zunächst erstmal nur wieder ein Buzzword ist wie es auch die Cloud ist. Aber man braucht eben ein Wort um auch nicht Fachleute einfach zu sagen was gemeint ist.

    Ich bin selber Programmierer und plane in nächster Zeit ein wenig mit KI zu arbeiten um mir ständig wiederkehrende Aufgaben lösen zu lassen.

    Ich bin aber generell immer offen für neue Technologien. Nur leider sind viele Entscheidungsträger bzw. sie sind ignorant gegenüber Dinge die sie nicht verstehen und deswegen sind diese Technologien per se schlecht. Deswegen steht Deutschland ja auch in Sachen Technologie so schlecht dar…

  2. ich halte viel von der Definition von KI, die Prof. Wahlster gern verwendet. Bei ihm steht KI nicht für künstliche Intelligenz sondern für künftige Informatik, also für die Softwarprodukte, die uns in nicht allzu ferner Zukunft brschäftigen werden.

  3. Dass viele KI-Entwickler Narzissten sind, halte ich für eine steile These.
    Einige sind es wohl, andere wollen vllt eine sehr komplexe Welt verbessern oder handlicher machen, wieder andere machen nur ihren Job – vermute ich mal einfach so.
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    – Und was KI bewirkt? Hält sie mich schön in meiner Filterblase oder bricht sie sie für mich auf, reißt mir irgendwann glatt meine Maske vom Gesicht? Steckt sie uns oder “Dinge” in sehr vereinfachte Schubladen oder kann sie mit allen/vielen Aspekten der Soziologie und Psychologie “Menscheln” erlernen? Manipuliert oder befreit sie uns – oder manipuliert sie uns zur “Befreiung”?
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    — Kürzlich sah ich im FreeTV einen Spot, der “Microsoft ai” bewirbt. Ich schätze, etwa 65 % der Zuschauer konnten mit “AI” im deutschsprachigen TV wenig anfangen. Doch “Künstliche Intelligenz” dürften die meisten schon einmal gehört haben.
    – KIen laufen im HIntergrund und sind in etlichen Bereichen unseres Alltags auf dem Vormarsch ( – um hier nicht gleich wieder von militärischen Rüstungsträumen anfangen zu wollen).
    KIen haben (noch?) Grenzen.
    Spätestens jetzt wäre ein guter Zeitpunkt, um die “ganz normalen Bürger” über Sinn und Zweck bzw. Nutzen und Gefahren des KI-Einsatzes aufzuklären.
    Oder sind wir längst an dem Punkt (gewesen), dass unsere Regierung bei “KI” ausschließlich ihren evtllen eigenen Nutzen daraus abwägt, sich IT-Experten und abhängige (?) Ethikkommissionen die Köpfe heißreden und alle anderen eben schlicht nicht mitreden können (sollen)?
    KI ist in keinem Elfenbeinturm. Sie geht auch Nutzer, Kunden, Bürger an.

  4. KI könnte helfen bei Entscheidungsprozessen, die von Menschen bisher manipuliert wurden: Z.B. – Einstellungen von Kandidaten durch Seilschaften in Großunternehmen oder Behörden.
    – Ersetzung von Ärzten bei Diagnose und Heilung, die sich sowieso keine Zeit nehmen und nur das durchführen, was der Patient Ihnen sagt.
    – Ersetzung oder Überwachung von unfähigen Managern und Politikern, um zukünftig Fehlentscheidungen zu verhindern

    • “KI könnte helfen bei Entscheidungsprozessen, die von Menschen bisher manipuliert wurden: Z.B. – Einstellungen von Kandidaten durch Seilschaften in Großunternehmen oder Behörden.”

      Ach ja? Dann lies doch mal: https://www.focus.de/finanzen/boerse/die-tuecken-der-intelligenz-amazon-schaltet-ki-ab-die-bewerbungen-von-frauen-als-minderwertig-erachtete_id_9741890.html

      KIs manifestieren die Entscheidungen, die bisher von Menschen manipuliert wurden. Denn genau das “lernen” sie ja.

    • Carsten Mohr am

      “KI könnte helfen bei Entscheidungsprozessen, die von Menschen bisher manipuliert wurden” ist ein interessanter Gedanke, sofern nich im Ansatz schon die Manipulation “eingebaut” ist. Aber KI ist durchaus bei der Mustererkennung hilfreich.
      Für mich ist wahre KI sowieso andere, nämlich tatsächlich zu verstehen und Entscheidungen im Sinne vorgegebener ethischer, moralischer und gesellschaftlicher Werte zu treffen.
      KI sollte das Leben einfacher machen, “Alexa” und Co. sind es definitiv nicht. Warum muß ich Briefe (behörliche am besten noch) lesen und bei der schriftlichen Antwort ein Word öffnen, Briefvorlage, Adresse einklimpern, Betreff, Text dazu…wenn etwas meine Lebensumstände kennt, reich mir ein in “cc” gesetzt und gut ist.
      Nun ja. Doch nur Buzzwords alles.

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