Love wins? Über die Gamification der Liebe

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Love wins? Über die Gamification der Liebe

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Ziel des Spiels: Finde die große Liebe und werde glücklich. Drücke auf „Quick Start“. Teil eins: Dating.

Zugegeben, das „Trophäensammeln“ nächtlicher Eroberungen ist nicht erst seit der Digitalisierung ein Teil der Dating-Welt. Neu ist, wie einfach das Kennenlernen durch Tinder, Grindr und Co. geworden ist. Ein Swipe nach rechts („check“), ein Swipe nach links („weg mit dem“): Tindern macht irgendwie Spaß, und sei es nur als Trinkspiel auf der WG-Party.

Kein Zufall: Die Apps sind so designt, dass wir durch Game-Elemente gar nicht mehr aufhören wollen, sie zu benutzen. Was den Reiz ausmacht? Du kannst nie wissen, ob dir der zukünftige Traum-Partner beim nächsten Swipe entgegengrinst. Wie im Game locken dich Belohnungen. Ein „Match“ schaltet das nächste Level frei: Zwei passen so gut zusammen, dass sie sich schreiben dürfen. Und Konfetti-Emojis gibt’s noch oben drauf.

Nächstes Level: das Date im unberechenbaren „real life“. Ob der andere wirklich so perfekt ist? Vielleicht bei der Größe geschummelt hat? Ganz so toll wie auf den Fotos siehst du selbst auch nicht aus. Aber hey, ohne ein bisschen Schummelei swipen die anderen halt direkt weiter. Das ist oberflächlich, aber so sind die Spielregeln. Einige Menschen kann das in die Verzweiflung treiben – siehe einige Beispiele in der Community der Incels („unfreiwillig Enthaltsamen“) auf Reddit, die sich dem Druck nicht mehr gewachsen fühlen. Zum Glück gehörst du nicht zu ihnen.

Nach vielen Matches und etwas weniger Dates ist es so weit. Du hast sie gefunden, die wahre Liebe (oder vielleicht doch nicht…?). Auf zu Teil zwei: den #relationshipgoals.

„Werdet Freunde, bevor ihr heiratet“, „Eine gute Beziehung bedeutet“, heißt es auf Instagram unter dem Hashtag „relationshipgoals“. Zu sehen sind vor allem super glückliche Pärchen, die sich am Strand oder vor der unvermeidlichen Backsteinmauer küssen und der Welt ihr Glück via Selfie präsentieren.

Belohnt werden sie dafür mit Likes. Vielleicht sind sie tatsächlich glücklich. Ich kenne Leute, die über Dating-Apps Freundschaften geschlossen oder eine langjährige Beziehung gefunden haben und ihr Glück einfach gerne auf Social-Plattformen zeigen. Aber bei der Jagd um die meiste Anerkennung setzen Pärchen sich oft nicht nur sich selbst, sondern auch andere unter Druck. Liebe wird messbar, jeder Like bedeutet Anerkennung von anderen, wir wollen gewinnen. Und wenn es dann im echten Leben doch nicht klappen sollte?

Game Over. Starte das Spiel von vorne.

https://www.youtube.com/watch?v=PMwaeAwQrRk

Über den Autor

Ildiko Holderer ist freie Journalistin beim WDR, Digital Native (Jahrgang 1993) und generell für mehr Transparenz im Journalismus. Sie beschäftigt sich vor allem mit Plattformen und Wissenschaftsthemen. Seit ihrem Volontariat beim WDR 2013/14 lebt sie in Köln. Ihre Recherchen veröffentlicht sie bei WDR.de, in Form von (Insta-)Stories, Social Videos – und im Radio.

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