Mama, wie lang darf ich die App nutzen?

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Mama, wie lang darf ich die App nutzen?

Kommentare zum Artikel: 5

Smartphone und Tablet üben nicht nur auf viele Erwachsene eine nahezu magische Anziehungskraft aus, sondern erst recht auf Kinder und Jugendliche. Ihre Finger flitzen virtuos übers Display, egal ob Fotos angeschaut, Spiele gespielt oder Webseiten aufgerufen werden. Aber was macht der Nachwuchs da eigentlich konkret? Wie viel Zeit wird mit Minecraft verbracht, welche Chat-Software kommt zum Einsatz? Wer als Eltern nicht die ganze Zeit daneben sitzt, wenn die Kinder das Mobilgerät in der Hand haben, weiß so etwas nicht.

Family Link: Neue App von Google gibt Eltern die Kontrolle zurück

Family Link: Eltern entscheiden über Apps

Google hat jetzt eine App für Eltern vorgestellt, die den Eltern mehr Kontrolle geben soll. Die neue App heißt Family Link und ist für Android-Geräte konzipiert. Sie erlaubt zum beispiel festzulegen, welche Apps die Kids benutzen dürfen und welche nicht. Die Eltern können also für jede einzelne App entscheiden, ob sie die in Ordnung finden für ihre Kinder. Auch lässt sich bestimmen, wie viel Onlinezeit pro Tag vorgesehen ist, auf Wunsch sogar, wie lange jede einzelne App benutzt werden darf. 30 Minuten Chat mit Hangout oder eine Stunde Minecraft? Kein Problem.

Es gibt wirklich eine Menge Einstellmöglichkeiten. Allerdings funktioniert das natürlich nur dann richtig gut, wenn die Eltern sich damit auch intensiv beschäftigen und alles so einstellen, wie sie es für richtig halten. Das ist durchaus zeitaufwändig. Positiver Nebeneffekt, den ich hier sehe: Die Eltern sprechen mit den Kindern und finden raus, welche Apps die überhaupt benutzen. Ohne so eine App unternehmen viele Eltern leider nicht mal den Versuch herauszufinden, was ihre Kinder mit den Mobilgeräten treiben – ein erhebliches Versäumnis!

Family Link Approval: Jede App separat bestätigen

Für jedes Kind ein eigenes Konto

Bei Google funktioniert ja immer alles über Konten, so auch das neue Family Link. Die Eltern richten für jedes Kind ein Onlinekonto ein, über das aber die Eltern bestimmen und verfügen. Offiziell ist die App für Kinder ab 13 Jahren entwickelt worden, was die Bedienung betrifft. Ein offizielles Mindestalter gibt es aber nicht.  Die Kinder melden sich dann mit ihrem Konto an und können nur die Apps benutzen, die ihre Eltern freigeben. Auch werden die Nutzungszeiten überwacht – und protokolliert. Die Eltern können später sehen, welche Apps wie lange benutzt wurden. Außerdem gibt es die Möglichkeit, dass Kinder und Jugendliche eine App „beantragen“, die Eltern dann freigeben können, auch wenn sie nicht zu Hause sind.

Interesse? Im Augenblick ist noch ein bisschen tricky, denn es gibt die App derzeit nur auf Einladung – und das auch nur in den USA. Google hat die App also noch nicht komplett fertig, schraubt noch an den Funktionen und Details herum. In der Regel dauert es aber nicht lange, bis solche Testversionen offiziell für alle verfügbar sind, auch in Deutschland. Wer gar nicht warten kann oder möchte und technisch auch ein bisschen versierter ist: Man kann die App auf einem so genannten APK Mirror herunterladen, installieren und auch benutzen. Die App kommt dann aber nicht offiziell aus dem App Store. Auf Android-Geräten geht so etwas ja.

Google bietet jetzt Kontroll-App für Smartphones und Tablets

Wie sinnvoll sind Filter und Kontrollen?

In der Apple-Welt gibt es schon lange die Familienfreigabe, die ganz ähnlich funktioniert. Auch hier können Eltern festlegen, welche Apps die Kids benutzen dürfen, können zusätzliche Apps freigeben zum Download – oder eben auch nicht. Auch die Nutzungszeiten können bestimmt werden, allerdings nicht ganz so detailliert und für jede einzelne App, wie das jetzt Google bei Familiy Link vorsieht. Windows-Benutzer können auch spezielle Rechte für Anwendungen und Apps und Nutzungszeiten eintragen. Die Möglichkeiten sind durchaus vergleichbar.

Filter und Kontroll-Apps können eine Hilfe sein, um den Rahmen, den Eltern vorgeben und mit ihren Kindern besprechen sollten, einzuhalten und zu überwachen. Man sollte das aber nicht als einziges Mittel betrachten. Am wichtigsten ist es, dass Eltern mit ihren Kindern sprechen, Sie sollten genau wissen, welche Apps die Kinder interessieren, sie sollten die Apps kennen, sonst können sie sie nicht beurteilen. Ein vertrauensvoller Umgang ist wichtig, auch was das Betrachten von Inhalten um Netz betrifft. Filter und Kontroll-Apps lassen sich immer irgendwie umgehen. Deshalb ist es wichtig, dass Kinder und Eltern sich vertrauen und gemeinsam entscheiden, wie die Medien genutzt werden,

 

 

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

5 Kommentare

  1. P. Gedoehns am

    Sicherlich gehöre ich zu den wenigen Leuten, die aus mehreren Gründen kein Smartphone und auch kein Tablet haben wollen. Daher weiß ich, dass es nicht immer einfach ist, gegen Gruppenzwang, Sprüche und teilweise abwertende Anmerkungen anderer anzukommen. Es ist mir aber völlig egal, was andere denken und sagen.
    Seltsamerweise hat sich das Smartphone so etabliert, dass es fast alle Menschen U60 als zwingend notwendig ansehen, eines zu besitzen. Wenn schon Eltern ihren Kindern vorleben, dass man überall und dauernd sein Handy streicheln muss, wie sollen dann die Kinder anders sein? Wenn schon die Eltern nicht nein sagen können, wie wollen sie dann ihrem Nachwuchs erklären, dass man mit einem Smartphone warten sollte, bis man mit einem mindestens 15-Jährigen über die entstehenden Gefahren reden kann, die auch von ihm verstanden werden? Oft erkennen aber schon die Eltern die Gefahren nicht, oder sie blenden sie aus.
    Ich denke aber, hier geht es um eine gezielte, psychologisch aufgebaute Sucht mit erheblichem Verblödungspotential, um Menschen zu kontrollieren, sie gläserner zu machen und zu lenken, was nicht zuletzt auch den Konsum betrifft, denn es soll ja sogar mobil bezahlt werden, um den Menschen das Verhältnis zum echten Geld ganz zu nehmen. Schlussendlich ist es den Regierenden egal, weil es von den wirklich Mächtigen so gewollt ist.
    Nur leider hinterfragen die meisten Menschen das nicht, schwimmen brav mit dem Strom, klagen über Stress und undefinierbaren Druck und bezeichnen Kritiker wie mich als etwas merkwürdig. Ich bin gespannt, wer zuerst auf der Couch landet. :) Schönes Wochenende und gönnt Euch und Euren Kindern mal eine digitale Entgiftung …

    • Man muss nicht alles so schwarz sehen. Ich habe ein Smartphone, dafür weder Fernseher noch Internetanschluss. Ich nutze mein Smartphone sinnvoll. Habe kein twitrer oder facebook, dafür einen eigenen blog, um für andere Menschen zu einem bestimmten Thema in diesem Fall, Infos vereit zu stellen. Digitalisierung zu verteufeln und hier gleichzeitig zu kommentieren ist auch so gar nicht heuchlerisch. Digitale Entgiftung muss ja glücklich machen….

      • SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG am

        Sehr geehrte Frau Sabine,
        doch, leider muß man es SEHR schwarz sehen:
        Die jüngste Schätzung der Drogenbeauftragten der Bundesregierung beläuft sich auf etwa 300.000 (!) online- und smartphonesuchtkranke junge Menschen zwischen 12 (!) und 25 Jahren.
        Die Studien und Untersuchungen des renommierten Hirnforschers Prof. Dr. Manfred Spitzer haben zum eindeutigen Ergebnis, daß Menschen unter 16 Jahren zum Schutze der Entwicklung des Gehirns gar nicht mit den digitalen Suchtmitteln in Kontakt kommen sollten – aber natürlich redet er gegen die Wand, weil die meisten Verantwortlichen ihrerseits digitalsuchtkrank sind, oder er wird als „unseriös“ bezeichnet, leider auch von Digitalistan-Bloggern.
        Meine eigene Erfahrungen als Lehrender zeigen mir, daß immer mehr junge Studierende in ihren Suchtphonen festhängen statt der Vorlesung zu folgen, und daß auf Fragen von uns Lehrenden nicht mehr nachgedacht, sondern sofort das Suchtphone zu Rate gezogen wird.
        Man hat folgerichtig auch festgestellt, daß die Gehirne junger Menschen kleiner zu werden beginnen.
        Von dem Verblödungsfaktor, den P. Gedoehns zu Recht hervorhebt, und der Totalkontrollierbarkeit u.a. durch die Betreiber der asozialen Netzwerke, und die Zerstörung echter menschlicher und zwischenmenschlicher Kommunikation ganz zu schweigen.
        Nach allem muß man Kinder und Jugendliche vor Smartphonen genau so bewahren wie vor Nikotin, Alkolhol und Crystal Meth.
        Ich glaube Ihnen, daß SIE glauben, Ihr Smartphone sinnvoll zu nutzen, doch angesichts des Charakters des Smartphones als Sucht- und Überwachungsmittel möchte ich füglich bezweifeln, daß eine sinnvolle Nutzung eines solchen Apparats wirklich möglich ist…

      • P. Gedoehns am

        Wie Sie, habe auch ich keinen Fernseher, aber auch kein Smartphone. Dafür entnehme ich meine Informationen aus dem Internet, in dem ich Seiten von öffentlich rechtlichen Sendern aufrufe, aber auch die von Zeitungen und sogenannten alternativen Kanälen, da ich manche Dinge hinterfrage und mir aus unterschiedlichen Meinungen meine persönliche Meinung bilde. Wie schon in anderen Kommentaren angemerkt, bin ich grundsätzlich kein Feind der Digitalisierung, nur sollte sie wie alles im Leben, in Maßen und nicht in Massen angewendet werden. Da ich meinen bewusst LAN-gebundenen PC nicht mit mir herumtrage, sind die Zeiten, an denen ich das Medium Internet nutze, schon stark eingeschränkt. Ich finde es auch nicht heuchlerisch, wenn ich zu eingeschränkten Zeiten das Internet sinnvoll nutze und ansonsten auf digitale Abstinenz setze. Anders gesagt, wenn ich am Abend zum Genuss ein Glas Wein oder Bier trinke, bin ich kein Alkoholiker. Trinke ich aber jeden Abend 2 Flaschen Wein, so sieht die Sache schon anders aus, etwa wie bei Smartphone-Junkie, der alle paar Minuten auf sein Display starrt. Wenn Sie sich mal ganz bewusst umschauen, werden Sie feststellen, dass viele Menschen scheinbar nicht mehr ohne ihr Smartphone auskommen, was leider immer häufiger im Kindesalter beginnt.
        Um aufs Thema zurückzukommen: Es macht mich nachdenklich wenn ich lese, dass ein Datensammler wie Google eine App anbietet, die den Internetkonsum von Kindern kontrollieren soll, weil wahrscheinlich viele Eltern zu bequem sind, dieses zu übernehmen und nicht mit ihren Kindern sprechen, wie es im Text beschrieben wurde. Es würde mich nicht wundern, wenn diese App genauestens dokumentiert und auswertet, wann welche Seiten aufgerufen wurden, also wo die Vorlieben des Kindes/Jugendlichen liegen. Vergleichsweise könnte eine Fastfood-Kette auch eine Diät anbieten.

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