Mark Zuckerbergs Sünden 2018

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Mark Zuckerbergs Sünden 2018

Kommentare zum Artikel: 8

Kennt Ihr diese kleinen Botschaften, die in der Facebook-Timeline regelmäßig  aufpoppen: Irgend etwas, das vor zwei, drei oder sechs Jahren passiert ist? Oder die niedliche Zusammenfassung des zurückliegenden Jahres in Bildern und Videos? Wenn die Algorithmen gut funktionieren, müsste Mark Zuckerberg eine niederschmetternde Zusammenfassung für 2018 erhalten. Eine Aneinanderreihung von Hiobsbotschaften. Denn 2018 war für Facebook ein katastrophales Jahr.

Mark Zuckerberg hat den Bogen überspannt; Rechte: WDR/Schieb

Mark Zuckerberg hat den Bogen überspannt

Dutzende von Skandalen und Skandälchen

Was ist 2018 nicht alles ans Tageslicht gekommen. Der Cambridge-Analytica-Skandal mit seinen 87 Millionen potenziellen Opfern ist den meisten sicher noch am besten in Erinnerung geblieben. Der Vorfall hat hohe Wellen geschlagen. Nicht nur, weil Facebook Daten weitergegeben (=veruntreut) hat, sondern auch und besonders, weil diese Daten – möglicherweise – bei der US-Wahl missbraucht wurden.

Apropos Wahlen: Russische Quellen haben auf Facebook im großen Stil manipulative Anzeigen geschaltet. Zur gezielten Desinformation. Und Facebook hat das nicht nur nicht verhindert, sondern sogar prächtig daran verdient. Ein Vorgang, der selbst in den USA für Empörung gesorgt hat. Es gibt noch viele andere Verfehlungen: Die Weitergabe der Nutzerdaten an 150 große Onlinedienste, eine Datenpanne bei User-Fotos, die mehrfache Verletzung der Datenschutzbestimmungen durch WhatsApp, diverse Datenlecks. Und, und, und …

https://vimeo.com/261094792

Der Cambridge-Analytica-Skandal – auch Thema in den Tagesthemen

Mark Zuckerberg: Jedes Vertrauen verspielt

Niemand kauft Mark Zuckerberg noch ab, wenn er Mea-Culpa-ausrufend durch die Lande zieht und wie ein kleiner Junge den Kopf senkt. Von wegen: Fehler! Sorry! Kommt nicht mehr vor… Alles gelogen. Es handelt sich nicht um Pannen, jedenfalls eher selten. Es ist das Prinzip Facebook: Daten sammeln, bis es nicht mehr geht – und Geld rausquetschen, so viel wie möglich. Ohne jede Moral. Ohne jeden Anstand. Kontrolliert wird nur beim Thema “Nacktheit”: Da werden dann auch gerne schon mal Kunstwerke aus dem Angebot entfernt. Nackte Brust auf einem Bild? Das geht ja gar nicht …

Die Sündenliste ist lang. Doch niemand weist Mark Zuckerberg ernsthaft in die Schranken. Weder sitzt er im Gefängnis, wo er meiner Ansicht nach hingehört (nicht dass wir uns missverstehen: Er sollte sich die Zelle mit vielen anderen Managern teilen), noch wird sein Vermögen beschlagnahmt, noch ändert sich irgend etwas Wesentliches. Zuckerberg darf weitermachen wie bisher – und weil ihn niemand stoppt, wird er auch so weitermachen. Nur der Aktienkurs ist etwas eingebrochen. Was soll’s.

Keine guten Aussichten für 2019.

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

8 Kommentare

    • SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG am

      Ganz ehrlich? Lieber einsam als umzingelt von einer Masse schwer suchtkranker, ferngesteuerter Digital-Zombies.
      Außerdem: SO einsam bin ich gar nicht: Die Schar derjenigen, die ihr Wahrnehmungs- und Denkvermögen und ihre Vernunft wiedergewonnen resp. erst gar nicht verloren haben, ist so klein gar nicht!

  1. SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG am

    Wenn auch nur die Hälfte derjenigen, die sich – zu Recht! – über Facebook und die anderen asozialen Medien empören, diese auch konsequent boykottieren würden: Facebook und Komplicen wären schnell am Ende!
    Aber ich fürchte halt, vielzu viele sind bereits im pathologischen Sinne süchtig und haben ihre Steuerungsfähigkeit größtenteils eingebüßt… :-(((

  2. @danlow, ich finde nicht, dass meine Ansicht „radikal“ ist. Nur mal konsequent. Warum die grossen Täter immer ungeschoren davon kommen lassen und sie noch mit unanständigem Reichtum belohnen? Es geht hier auch nicht in erster Linie um juristische Aspekte, sondern um Anstand und Moral und das Interesse der Allgemeinheit, das Zuckerberg am Allerwertesten vorbei geht. Das müssen sir uns ja nicht gefallen lassen. Dieset Blog ist Meinung und Kolumne, daher braucht es auch keine Ausgewogenheit…

  3. DollyToll am

    … dann fangen wir doch mal beim Gründer von Amazon an! Der reichste Mann der Welt und dann werden in Deutschland 30 % der Retouren geschrottet …! Da fängt der Fisch schon viel höher – monetär gesehen – an im Kopf zu stinken … Auch Henry Ford ließ für die Gummireifen-Produktion einen Teil des Amazonas roden … Und der Pussy-Grabber will nur Amerika first: wohl wahr: der Ausverkauf von Hoffnungen und Wünschen eines ganzen Jahrzehnts zum Discounter-Preis-Jahr!

    • Vollkommen richtig. Es gibt viele, die in diesen Club gehören. Bezos gehört unzweifelhaft dazu – wohl sogar noch eher als Zuckerberg. Aber das wird Gegenstand eines weiteren Beitrags. :)

  4. Sehr geehrter Herr Schieb,

    ich erwarte mehr von WDR-Artikeln als Ihr Beitrag, der einseitig “radikale” Ansichten (Zuckerberg gehört ins Gefängnis und sein Vermögen beschlagnahmt) vertritt.
    Ich bin kein Freund von Facebook und habe auch kein Account dort. Solch einseitige Berichterstattung befeuert aber meiner Meinung nach die Radikalisierung in unserer rechtstaatlichen Gesellschaft. Jeder meint, seine Rechtsauffassung ist “die Wahre”. Nach welche Rechtsgrundlage ist Hr. Zuckerberg ins Gefängnis zu stecken und sein Vermögen eizuziehen? Wenn das schon erwartet wird, dann erwarte ich von seriöser Berichterstattung, dass die Rechtsgrundlagen hierfür recherchiert und genannt werden, falls es welche gibt.
    Ich glaube, was in der “Sozial Media-Welt” ausufert ist nicht auf das Fehlverhalten profitorientierter Firmen zurückzuführen. Diese nutzen nur ihre Spielräume wie alle Firmen (vgl. etwa “Steueroptimierung”). Es ist politisches Versagen und Unkenntnis über Digitales.

    • Hmhh, radikal vielleicht nicht, aber durchaus agitatorisch, wie zum Beispiel auch in den hiesigen Blogregeln als K.O.-Kriterium für eine Nichtveröffentlichung erwähnt. Das Blog wird ja unter einer WDR-Domain betrieben. Ob es, nach WDR- bzw. nach öffentlich-rechtlichen Standards, daher tatsächlich “keine Ausgewogenheit braucht”, wie um 15:22 Uhr behauptet, das würde ich auch gerne mal von einem WDR-Verantwortlichen erfahren oder bestätigt wissen.

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