Mark Zuckerbergs unglaubwürdige Worte

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Mark Zuckerbergs unglaubwürdige Worte

Kommentare zum Artikel: 7

Mark Zuckerberg führt das Unternehmen Facebook zwar, aber er ist wahrlich kein Anführer. Er ist einer, der sich gerne versteckt. Im wahrsten Sinne des Wortes – und ansonsten hinter Floskeln. Wie angenehmen, super reich mit seiner Idee für ein sogenanntes Soziales Netzwerk geworden zu sein. Aber Verantwortung ist für ihn damit nicht verbunden. Auch wenn Zuckerberg jetzt in einem Blogpost (typisch) und später in wenigen Interviews meint: “Ich habe Facebook gestartet. Am Ende des Tages trage ich die Verantwortung dafür, was auf unserer Plattform geschieht.”

Mark Zuckerberg räumt Fehler ein; Rechte. dpa/Picture Alliance

Mark Zuckerberg räumt Fehler ein

Zuckerberg bittet nicht um Entschuldigung

Am Ende des Tages? Nein, Mr. Zuckerberg, von Anfang an. Seit dem Moment, an dem die Idee entstanden ist. Und natürlich erst recht die ganze Zeit danach. Auch, als Sie sich nicht einmal zu Wort gemeldet haben, all die Tage, als der Skandal rund um Cambridge Analytica hochgekocht ist. Facebook wollte sich sogar als Opfer darstellen. Und jetzt, nach tagelanger Stille, diese kleinlaute Erklärung? Das zeigt, dass Zuckerberg es immer noch nicht begriffen hat. Einsicht könnte so klingen: “Wir waren riesige Idioten. Wir haben nur den wirtschaftlichen Erfolg gesehen und dem alles untergeordnet und geopfert. Wir haben uns nicht die Bohne für die User interessiert.”

Und selbst dann wäre man noch nicht aus der Verantwortung. Zuckerberg fabuliert in seinem Post von einem “besseren Facebook”, das er nun schaffen wolle. Mit strengerem Datenschutz, auch so könne Facebook funktionieren. Aha! Und warum bedarf es erst eines solchen Skandals mit abstürzendem Aktienkurs, damit Facebook strengeren Datenschutz praktiziert? Die Antwort kennen wir: Weil dem Unternehmen so etwas völlig wurscht ist. Erst jetzt, wo Milliardenstrafen drohen, wo die Umsätze wegfallen könnten, wird das Unternehmen aktiv.

https://vimeo.com/261094792

Jörg Schieb im Tagesthemen-Interview

Nur aus wirtschaftlichem Interesse reagiert

Also ein bisschen Reue simuliert, um uns zu täuschen. Nicht aus echter Einsicht, sondern nur, um den wirtschaftlichen Schaden nicht noch größer werden zu lassen. Klar, das machen andere Unternehmen wie VW – leider! – genauso. Allerdings ist Facebook ein für uns alle sehr viel gefährlicheres Unternehmen, das in unser Leben eingreift, die Meinungsbildung prägt und gestaltet, uns alle durchleuchtet und rund um die Uhr Bedürfnisse weckt. Mit einem solchen Unternehmen müssen wir strenger ins Gericht gehen. Und hier versagt Facebook völlig.

Mark Zuckerbergs Reaktion auf die Entwicklungen lassen nichts Gutes erwarten. Das war schwach, ärmlich, jämmerlich, rücksichtslos und verantwortungslos.

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

7 Kommentare

  1. Christian am

    Es ist doch so scheinheilig wie man sich momentan an jeder Ecke über FB aufregt. Als ob deren Praktiken bis jetzt geheim gewesen wären. Daher verstehe ich den Aufschrei nicht. Wenn FB- Nutzer wenigstens nicht nur heulen, sondern auch Taten folgen lassen würden, wäre es ja klasse. Ich fürchte aber, dass sich die Aufregung in ein paar Wochen wieder gelegt hat und (fast) alle so weiter machen wie bisher. Auch hier beim WDR. Bitte belehrt mich eines Besseren.

  2. Gedanken zu z. B. “WDR + FB”:

    Es ist vielleicht eine Erreichbarkeits- und Kostenfrage.
    FB h a t einfach sooo viele Nutzer. Der WDR möchte seinen Nutzern (Feedback-) Kanäle anbieten – ohne, dass die Kosten explodieren. Also bietet er auch FB an.
    ——————-
    Gäbe es kostengünstige Alternativen?
    Materie-Kenner vor! – Ich bin mir da sehr unsicher, da ich kein “Materie-Kenner” bin.
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    Ich registriere nur dann und wann, dass wir alle das Bedürfnis zum Kommentieren, Senf-dazu-geben oder einfach nur zum “öffentlichen Denken” haben.
    Manche Seiten sind auf (z. B.) disqus oder spot umgestiegen, andere stellen Kommentarfunktionen ganz ein.
    Das ist schade.
    Auch denke ich, dass das Kappen der Kommentarmöglichkeit z. T. auf eine gewisse Undiszipliniertheit der User zurückgeht, die sich in Rage tippen oder mehr ein “Kaffeekränzchen” eröffnen möchten – Beispiel: “Gestorbenes” Aktuelle-Stunde-Blog.
    Das Offenhalten von Kontakt-Kanälen bindet nunmal (finanzielle) Ressourcen. Die Beiträge der User werden z. B. auf Spam, Werbung, Themenbezogenheit und was-weiß-ich-was “abgeklopft”, um die veröffentlichenden Seiten nicht im weitesten in “Verruf” zu bringen.
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    Auch ich finde die Facebook-, Twitter- und WhatsApp-Connection des WDR nicht ganz “unproblematisch”. Doch im Ernst: Wie könnten Alternativen aussehen?
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    Allen, die sich über den FB-Wahn oder FB-Nichtwahn aufregen können, möchte ich den Film “The Circle”/”Der Kreis” empfehlen. Für mich kam “das Filmchen” recht seicht daher, trotzdem sorgte es bei mir für viele Kinnladen-Herunter-Klapper.

  3. Carsten Bollenbach am

    Und wieder weht der kalte Hauch des Kapitals durch die leeren Birnen all jener, die sich darüber wundern und
    beschweren, das die DNA eines Unternehmens darauf ausgelegt ist, soviel Kohle wie möglich zu machen. Und trotzdem dort ein Profil hat und eifrig postet. Damit meine ich nicht nur Sie, lieber Herr Schieb (und ich schätze Sie, seit dem der Sybex Verlag Ihre wirklich sehr guten Bücher verkauft hat), sondern alle (einschließlich mich selbst). Der Unterschied ist nur, das ich mich darüber nicht beschwere weil ich diese Tatsache akzeptiert habe. Und entsprechend vorher überlege, was ich dort poste. Und wie beim Fernsehen nicht einfach alles stumpf glaube, was dort steht. Dieses “Aufschreien” ist ähnlich gehaltvoll, wie sich am Samstag Abend in einem überfülltem Club darüber zu beschweren, das die Belüftung abgestellt wurde (was tatsächlich geschieht), damit das Partyvolk viel mehr von den überteuerten Drinks kippt. Denn im Grunde läuft es genau darauf hinaus. Also bitte entweder aufhören zu jammern oder das Verhalten ändern, bitte …. Es geht nicht um die Unternehmen, sondern um uns: wie wollen wir als Gesellschaft diese “Segnungen der Technik” nutzen? Das geht keinesfalls ohne eigene Verantwortung. Ich hasse den folgende, krassen Vergleich mit jeder Faser meiner Selbst, aber damit es der letzte versteht (,und damit meine ich nicht Sie, Herr Schieb): es sind nicht die Pistolen, die töten, sondern die Menschen, die sie kaufen und benutzen. Ich habe noch keine Wumme sich selbst laden, entsichern und feuern sehen. Und bei der Bundeswehr hatte ich genug Gelegenheit, das überprüfen zu können …. Beste Grüße!

  4. Ich poste es sehr gerne immer wieder und immer wieder….: ;)
    .
    Zuckerberg wunderte sich selbst über das kindlich-naive Vertrauen der Facebook-Nutzer und bezeichnete diese als „d u m b f u c k s“ – was dem deutschen Schimpfwort „Vollidioten“ entspricht!
    Dazu folgender Chatausschnitt zwischen Zuckerberg und einem Bekannten aus den Anfängen von Facebook:
    (Quelle: Vargas, Jose A./ „The Face of Facebook“ / THE NEW YORKER / 20.09.2010)
    [Zitat]
    „…
    Zuck: Yeah so if you ever need info about anyone at Harvard
    Zuck: Just ask.
    Zuck: I have over 4,000 emails, pictures, addresses, SNS
    [Redacted Friend’s Name]: What? How’d you manage that one?
    Zuck: People just submitted it.
    Zuck: I don’t know why.
    Zuck: They „trust me“
    Zuck: D u m b f u c k s.“
    …“
    .
    Ganz einfach aussteigen mit
    facebook.com/help/delete_account?rdrhc
    und der Spuk hat ein jähes Ende – und wenn das ziemlich viele innerhalb eines kurzen Zeitraums tun würden, hätte dieses Hirni-Netzwerk (sowie auch WhatsApp, Trumps Twitter und ähnlicher, “sozialer” Schrott) keinerlei Existenzgrundlage mehr!
    Den verbleibenden Jüngern, sei ihr jeweiliges Dasein als “Dumbfucks” (als höchst rentables, kostenloses Datennutzvieh für geldgeile, transatlantische Werbeparasiten) in ihrer vergötterten Filterblase selbstverständlich weiterhin gegönnt. ;)
    .
    Und wenn Sie schreiben
    “…Allerdings ist Facebook ein für uns alle sehr viel gefährlicheres Unternehmen, das in unser Leben eingreift, die Meinungsbildung prägt und gestaltet, uns alle durchleuchtet und rund um die Uhr Bedürfnisse weckt. Mit einem solchen Unternehmen müssen wir strenger ins Gericht gehen. Und hier versagt Facebook völlig. …”
    dann versagt hier nicht etwa Facebook, sondern vielmehr der -offensichtlich naive bis charakterschwache- Mensch, der diese asozialen bis kriminellen Eingriffe über sich ergehen lässt, der ganz einfach nicht “NEIN!” sagen kann und vielleicht auch gar nicht “NEIN!” sagen will – sorry!

    • Wolfgang am

      BRAVO!!!
      Genau das ist ist nämlich der Punkt:
      Den “typischen” Facebook User interessiert Datenschutz etc. nicht im Geringsten. Genau dieser Umstand macht Facebook so erfolgreich. Der Ruf nach Gesetzen und Strafen Facebook zu regulieren erinnert mich an die europäische Legehennen Verordnung; vollkommen überflüssig! Der Verbraucher /User entscheidet immer selbst wie erfolgreich ein Unternehmen am Markt ist ODER AUCH NICHT!

    • SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG am

      Ich bin erleichtert zu lesen, daß ich nicht mehr das Gefühl haben muß, (hier) der Einzige zu sein, der AUSSTIEG, BOYKOTT UND ABSTINENZ fordert, sondern daß wir nun zumindest zu dritt sind.
      Denn selbstverständlich wären, wie hier von mir wirklich schon Dutzende Male geschrieben, der Spuk, der Datenmißbrauch, die Überwachung und das Ausbeuten der sog. “Nutzer” – nochmals: in Wahrheit: BENUTZTE – schnell vorbei, wenn es keine Benutzten mehr gäbe, was dann der Fall wäre, wenn eine genügend große Zahl sich endlich entschlösse, auszusteigen und CLEAN zu werden – denn DARAN leider fehlt es – ich wiederhole mich und ich bleibe dabei und kann diese Erkenntnis auf immer mehr seriöse und valide Studien stützen (s. zuletzt die DAK-Studie, abzurufen auf deren Seite):
      Es sind leider viel zu viele Menschen im medizinischen Sinne ABHÄNGIG UND SUCHTKRANK (gemacht worden), und die werden obendrein mit vermeintlichen “Vorteilen” asozialer Netzwerke bei der Stange gehalten – doch sind diese “Vorteile” , bei Lichte betrachtet, nichts anderes als das, was der Zucker bei den Alkopops ist, den deren Macher ihnen beimengen, um insbesondere junge Mädchen in die Alkoholabhängigkeit zu treiben – wie schon vor Jahren valide nachgewiesen worden ist.
      Was nottut, sind also (mehr) Suchtaufklärung und Ausstiegshilfen und Warnungen – wie zu lesen stand, hat derlei den Nikotin- und Alkoholkonsum bei Jugendlichen in den letzten Jahren auf unter 10 % (!) gesenkt: Schafften wir DAS bezogen auf die “Nutzung” der asozialen Netzwerke – FB und Komplicen wären rasch am Ende.
      Aufgerufen zu Aufklärung und dem Aufzeigen von Suchtausstiegshilfen sind natürlich auch und gerade die öffentlich-rechtlichen Sender, schon gemäß ihrem vom Bundesverfassungsgericht mehrfach festgestellten Aufklärungsauftrag.
      Es ist und bleibt daher UNBEGREIFLICH, daß der WDR zwar nunmehr in wachsender Zahl die asozialen Netzwerke, insb. FB, scharf kritisierende Artikel schreibt, z.B. hier, aber VÖLLIG UNGERÜHRT weiterhin FB-“User” bleibt – und auf entsprechende Kritik dieses Verhaltens jedenfalls hier in Digitalistan einfach nicht reagiert:
      Was soll man daraus schließen?
      Daß es sich bei den Verantwortlichen ebenfalls um Abhängige und Suchtkranke handelt, die ihre Steuerungsfähigkeit verloren haben….?

  5. Kalle H Punkt am

    Mark Zuckerbergs Worte sind unglaubwürdig, soso, -staun-
    Sind dann nicht auch alle Medien, die eine Webseite mit implementierten Facebook-Buttons betreiben, unglaubwürdig?
    Alle stimmen in dieses Gejammer ein und füttern Facebook brav weiter mit Daten. Oder ist es wirklich Neuland, das alle Webseiten mit irgendeinem Facebook-Button den Besucher tracken, selbst wenn er die Webseite wechselt? Auch die des WDR zum Beispiel ?!?
    Oups, sowas aber auch.
    Man muss nicht immer nach Vater Staat schreien, nein, man kann auch selber aktiv werden: einfach alle verdammten Facebook-Buttons von den Webseiten entfernen, fertig. Das wäre ein erster großer Schritt in die richtige Richtung und mit Sicherheit ein Schritt, den Facebook spüren würde.
    Aber wie so oft kann auch hier frei nach Heinrich Heine zitiert werden: Wasser predigen und Wein saufen.

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