Maßnahmen gegen die Techwerfgesellschaft

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Maßnahmen gegen die Techwerfgesellschaft

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Mit der Diskussion um Klimakrise, Nachhaltigkeit und unser Verhalten im Alltag geht es nun auch um Vorschläge, was Technik angeht. Der neueste stammt vom Bundesverband der Deutschen Entsorgungsunternehmen. Dessen Präsident Peter Kurth schlägt im Gespräch mit der Welt am Sonntag 50 Euro Pfand für Lithium-Ionen-Akkus vor.

Es geht dabei um größere Akkus, nämlich solche mit einer Energiedichte ab 9 Volt. Damit wären zum Beispiel E-Bikes und E-Scooter betroffen, aber auch Mähroboter, Handstaubsauger oder Akkuschrauber. Für unsere Smartphones, von denen wir uns im Schnitt noch immer alle knapp zwei Jahre ein neues Gerät leisten, würde eine solche Pfandregelung nicht gelten – bei ihren Akkus liegt die Spannung deutlich unter 9 Volt.

Dem BDE geht es bei seinem Vorschlag zwar nicht allein um Klima und Nachhaltigkeit, sondern auch um Brände, die zuletzt in Mülllastern, Betriebshöfen und Sortieranlagen durch Akkus ausgelöst wurden. Trotzdem habe ich Sympathien für das Argument für ganze 50 Euro Pfand – die ja teurer wären als so manche neuen Geräte: “Wir wollen ja mit Absicht eine spürbare Wirkung erzielen. Es muss weh tun, bei der Entsorgung auf das Pfand zu verzichten.” Und ich frage mich: Warum dann nicht auch für Smartphones?

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“Techwerfgesellschaft” – die aktuelle Ausgabe von COSMO TECH mit Dennis Horn und Jörg Schieb

Jörg Schieb und ich sprechen in der aktuellen Ausgabe von COSMO TECH auch über weitere mögliche Maßnahmen. Wir haben den Techniksoziologen Felix Sühlmann-Faul im Podcast zu Gast, der vor allem vorschlägt, Anreize für Reparaturen zu schaffen. Ein recht einfaches Mittel, auf das Schweden zum Beispiel zurückgegriffen hat: die Mehrwertsteuer auf Reparaturkosten zu senken.

Sühlmann-Faul schlägt aber auch weitere Maßnahmen vor, darunter eine längere Gewährleistungsfrist – die Zeit also, in der wir als Kunden nicht beweisen müssen, dass es nicht unsere Schuld ist, wenn ein Gerät einmal kaputt geht. Und dann wäre da noch die Maximalforderung: die Geräte teurer zu machen und mit diesem Preis auch die sozialen und ökologischen Kosten abzubilden.

So sehr auch Hersteller und Kunden gefragt sind: Ich glaube, dass vor allem die Politik die Möglichkeiten noch lange nicht ausgeschöpft hat. Und mich würde auch einmal eure Meinung interessieren: Welche Mittel könntet ihr euch vorstellen, um das Problem unserer Wegwerfgesellschaft in Sachen Technik in den Griff zu bekommen?

Über den Autor

Dennis Horn, offline geboren 1981 in Köln, arbeitet als Experte für Digitalthemen in der ARD und moderiert im Deutschlandradio. Er hofft, dass eines Tages die Angst vor dem "bösen Internet" stirbt, und wünscht sich mehr Spaß am Netz und weniger Hysterie.

3 Kommentare

  1. Zuerst einmal gehören die Schlupflöcher für Elektronikschrott geschlossen und die neu auf den Markt gebrachten Geräte müssten eine grundlegende Material-Trennbarkeit ermöglichen. Klar, bei einer Platine ist das nicht möglich, aber z.B. Kunststoffe mit Metall zu verkleben ist unnötig. Solange ich aber am Wertstoffhof angeschnauzt werde, warum ich einen Staubsauger nach erfolglosem Reparaturversuch in Kunststoff, Metall und Rest getrennt habe und nicht zusammengelassen (warum denn??? damit der als “Gebrauchtware” günstig nach Afrika verschippert werden kann? Warum ist das überhaupt erlaubt – Spenden sind das ja seltenst?), stimmt was im System nicht. Und Abfallgebühren, so sinnvoll sie auch sind (Verursacherprinzip: wer viel wegwirft, zahlt viel), verlagern das Problem auch nur; wenn ich sehe, wie viel in Firmen ungetrennt “irgendwie” entsorgt wird, weil es so insgesamt günstiger ist, schüttelt es mich. Ganze PCs kommen in den Stahlschrott, “weil ja so viel Blech dabei ist”. Brr.

  2. Da die Innovationen so rasant zunehmen kann ist es aus meiner Sicht fast nicht möglich von der Wegwerfgesellschaft wegzukommen. Natürlich lasse ich meinen 45 Zoll Full HD Fernseher nicht für 200 Euro reparieren wenn ich inzwischen für einen 55 Zoll 4K Fernseher nur noch 400 Euro bezahle.

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