Solitär, Minesweeper und Co. – und was wirklich hinter den Windows-Spielen steckt

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Solitär, Minesweeper und Co. – und was wirklich hinter den Windows-Spielen steckt

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Menschen weltweit haben unzählige Stunden ihres Lebens mit diesen Spielen verbracht. Ich möchte nicht wissen, welchen volkswirtschaftlichen Schaden sie damit verursacht haben, weil sie im Büro gespielt haben, statt zu arbeiten. Angeblich wurde sogar Bill Gates süchtig und hat Minesweeper deshalb von seiner Festplatte gelöscht – um sich anschließend an den Rechner eines Kollegen zu schleichen und dort zu spielen.

Solitär, Minesweeper, FreeCell – sie gehören zu Windows wie Word, Excel, PowerPoint. Aber so viel Spaß uns diese Spiele bisher bereitet haben – die wahren Gründe, warum Microsoft sie zum Bestandteil seines Betriebssystems gemacht hat, sind andere.

Solitär

Solitär gehört heute als „Klondike“ zur „Microsoft Solitaire Collection“ für Windows 10.

Nehmen wir Solitär, das Microsoft zusammen mit Windows 3.0 eingeführt hat. Das war im Jahr 1990, einer Zeit, in der man noch per Tastatur die Kommandozeile in MS-DOS bedient hat. Die frühere Unterhaltungschefin von Microsoft Libby Duzan hat der Washington Post 1994 verraten, dass Solitär zum Bestandteil von Windows wurde, um „die Menschen zu beruhigen, die vom Betriebssystem eingeschüchtert sind“.

Solitär war also ein Trick: um Nutzer mit Windows als grafischer Oberfläche vertraut zu machen – und ihnen gleichzeitig den Umgang mit der Maus beizubringen. Mit Solitär ließ sich besonders die Drag-and-drop-Funktion spielerisch trainieren, ohne dass man so richtig mitbekommt, was man da gerade eigentlich tut: einzelne Karten mit gedrückter Maustaste auf einen anderen Stapel zu ziehen und wieder loszulassen.

Minesweeper

Minesweeper unter Windows 3.1 – kleines Spielfeld, hoher Suchtfaktor.

Ähnlich sieht die Geschichte von Minesweeper aus, das 1992 mit Windows 3.1 zum Teil der Standardinstallation wurde. Auch dieses Spiel war als Trainingsprogramm für die Bedienung der Maus gedacht, und zwar um Nutzern den Unterschied zwischen linker und rechter Maustaste einzuimpfen: die linke Maustaste für die Minen, die rechte, um Flaggen zu setzen. Gleichzeitig konnte man mit Minesweeper gut sein eigenes Tempo an der Maus finden – und an der Präzision arbeiten, schnell bestimmte Stellen anzuklicken.

Dieser Ansatz zieht sich durch viele Spiele, die Microsoft über die Jahre als Teil von Windows veröffentlicht hat. Das Kartenspiel Hearts sollte die Nutzer 1992 in Windows for Workgroups 3.1 neugierig auf die Netzwerktechnik NetDDE machen, über die das Spiel multiplayerfähig wurde. FreeCell wiederum war eine Art Systemtest: Das Spiel ließ sich unter Windows 3.1 nur starten, wenn die Win32s-Schnittstelle korrekt lief, die es möglich machte, 32-Bit-Anwendungen in der 16-Bit-Oberfläche laufen zu lassen.

Als Microsoft Windows 8 veröffentlicht hat, fehlten die Spiele plötzlich komplett. Und selbst mit Windows 10 ist bisher nur Solitär zurückgekehrt. Die anderen Spiele gibt es zwar noch – man muss sie aber einzeln herunterladen. Ob da vielleicht sogar Absicht hintersteckt? Damit die Nutzer den Windows Store besser kennenlernen?

Über den Autor

Dennis Horn, offline geboren 1981 in Köln, arbeitet als Experte für Digitalthemen in der ARD und moderiert im Deutschlandradio. Er hofft, dass eines Tages die Angst vor dem "bösen Internet" stirbt, und wünscht sich mehr Spaß am Netz und weniger Hysterie.

1 Kommentar

  1. Seit ich diesen Artikel gelesen habe möchte ich mir wieder Windows XP in einer virtuellen Maschine installieren nur um Solitär zu spielen.

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