Missbrauchsfall Münster: Die Crux der Verschlüsselung

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Missbrauchsfall Münster: Die Crux der Verschlüsselung

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Normalerweise sind wir froh, dass Verschlüsselung heute so einfach geht: WhatsApp öffnen, Chat starten, abhörsicher kommunizieren – denn die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung in WhatsApp und anderen Messengern gilt als nahezu unknackbar.

Das Gute: Niemand muss heute noch ein Informatik-Diplom an der Wand hängen haben, um Texte, Fotos, Bilder, Videos oder Chats zu verschlüsseln. Es ist wirklich kinderleicht.

Verschlüsselung hat es schon im zweiten Weltkrieg gegeben; Rechte: WDR

Verschlüsselung gab es schon im zweiten Weltkrieg

Verschlüsselung: Heute kinderleicht und wirkungsvoll

Auch Windows, MacOS und mobile Betriebssysteme wie iOS oder Android verschlüsseln auf Wunsch Daten – auf der Festplatte oder im Speicher. Wer mag, kann darüber hinaus auch Dateien und Ordner verschlüsseln. Es gibt dafür unzählige Programme. Das gibt uns ein gutes Gefühl: Meine Daten, meine Dokumente, meine Chats sind weitgehend sicher.

Moderne Verschlüsselung lässt sich praktisch nicht knacken. Wenn 256-Bit-Schlüssel zum Einsatz kommen, bräuchten selbst Supercomputer Jahrtausende, um den Schlüssel zu brechen – und an die eigentlichen Daten zu kommen. Das dauert so lange, weil Abermilliarden mögliche Schlüssel durchprobiert werden müssen.

So funktioniert Verschlüsselung: Mathematik sorgt für Vertraulichkeit

Entschlüsselung ist eine Meisterleistung

Verschlüsselung ist auch der Grund, wieso die Polizei im aktuellen Missbrauchsfall in Münster über ein Jahr gebraucht hat, um vorhandenes Beweismaterial (Festplatten mit unvorstellbaren Mengen an Fotos und Videos von Missbrauchsopfern) auswerten zu können. Je aufwändiger die Verschlüsselung, desto schwieriger für die Behörden. Nach einem Jahr überhaupt Beweismittel vorweisen zu können, ist eine Meisterleistung.

Hintertür oder Generalschlüssel

Schneller geht das Knacken von Verschlüsselung nur, wenn Anhaltspunkte vorliegen – oder es im Programm eine Hintertür gibt, etwa in einem Verschlüsselungs-Algorithmus. Immer wieder kommt in der Politik die Forderung auf, einen “Generalschlüssel”für Ermittler vorzusehen. Doch solche Maßnahmen sind aus gutem Grund umstritten, denn Hintertüren oder Generalschlüssel würden zweifellos missbraucht. Etwa von Kriminellen, Betrügern, aber auch Staaten. Das würde die Sicherheit und auch das Vertrauen in Verschlüsselung enorm einschränken.

In solchen Fällen aber, wo die Polizei sich an Verschlüsselung die Zähne ausbeißt, da würde man sich doch insgeheim schon einen Generalschlüssel wünschen – damit die Beamten möglichst rasch Ergebnisse vorlegen, Beweismittel auswerten und weitete Opfer verhindern könnten.

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

1 Kommentar

  1. DollyToll am

    Verkehrte Welt: Aber für eine Vertragsprüfung durch die VZ NRW gibt es keinen öffentlichen Schlüssel …

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