Mit der Google Maps Timeline dem Gesundheitsamt helfen

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Mit der Google Maps Timeline dem Gesundheitsamt helfen

Kommentare zum Artikel: 6

Wenn wir eine Forderung in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder gehört haben, dann doch wohl die: “Die Gesundheitsämter müssen digitaler werden!” Klingt logisch. Keiner widerspricht. Diese Forderung laut auszurufen oder in Talk-Shows zum Besten zu geben, ist ohne Risiko. Alle sind im Grunde derselben Meinung.

Nur: Hören wir auch Vorschläge, wie genau das gehen soll? Eher wenige. Eine bessere Anbindung an die Corona Warn App? Ja, das wäre zweifellos sinnvoll. Aber was noch? Was können wir machen, damit die Gesundheitsämter genau jetzt, in diese schwierigen Zeiten entlastet werden?

Jeder einzelne Kontakt muss im Falle einer Infektion gemeldet werden; Rechte: WDR/Schieb

Jeder einzelne Kontakt muss im Falle einer Infektion gemeldet werden

“Kadoin” hilft beim Ausfüllen – und Erinnern

Es gibt eine Idee – und die kommt aus dem Norden. An der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und im Hamburger Start-Up Ubilabs wurde eine interessante Lösung für eine der aktuell größten Herausforderungen in den Gesundheitsämtern entwickelt: für die Kontaktnachverfolgung.

Jeder, der sich mit Covid-19 infiziert, muss dem Gesundheitsamt alle relevanten Kontakte der letzten 14 Tage mitteilen. Die Corona Warn App ist da keine Hilfe. Sie sagt mir ja nicht, wen ich getroffen habe. Sie warnt bestenfalls die betreffenden Personen selbst.

Also muss sich ein an Covid-19 erkrankter Mensch erinnern. Gar nicht so einfach – und personalaufwändig. Denn das Gesundheitsamt führt ein “Interview” durch. Ein Grund, wieso in vielen Gesundheitsämtern heute Soldaten sitzen, die diese Aufgabe übernehmen. Aber auch das reicht schon lange nicht mehr – einfach zu viele Fälle. Genau hier kommt “Kadoin” ins Spiel: Die kartenbasierte Dokumentation von Indexpatienten.

15 Jahre Google Maps, Rechte: WDR/Schieb

Google Maps merkt sich ganz genau, wo jemand gewesen ist – und wie lange

Die Google Maps Timeline weiß, wo ich gewesen bin

Die Idee: Bürgerinnen und Bürger sollen sich selbst erinnern – indem sie ein interaktives Formular ausfüllen. Am PC, Tablet oder Smartphone. Keine App, sondern eine Web-Anwendung. Hier tragen die Bürger jede einzelne Begegnung ein. Praktisch: Häufiger besuchte Orte muss man nur einmal eintragen. Dann sind sie gespeichert und können schnell abgerufen werden. Dasselbe gilt für Personen, die jemand regelmäßig trifft.

Die größte Erleichterung ist aber die Anbindung an Google Maps: Wer den Kartendienst von Google verwendet – und das sind, ohne es zu wissen, die meisten von uns -, erzeugt unbemerkt ein Bewegungsprofil im Handy. Und genau das kann man sich zunutze machen: Die Maps-Zeitachse lässt sich exportieren und in Kadoin importieren. Dann liegt sofort ein Protokoll vor: Nutzer müssen dann nur noch entscheiden, welche Aufenthaltsorte relevant waren, und wen sie dort getroffen haben.

Eine praktische Erinnerungsstütze also. Zeitachse und Bewegungsprofil gehen nicht ans Gesundheitsamt, sondern bleiben im eigenen Gerät. Nur das Kontakttagebuch wird übertragen. Eine clevere Lösung.

Dr. Gernot Beutel erklärt das Konzept von Kadoin

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

6 Kommentare

  1. Vielen Dank für Ihren Beitrag, Herr Schieb – aber wo/wie finde ich diese Anwendung, bisher ist es mir leider nicht gelungen……

    • Und Real sitzen Soldaten in den Gesundheitsämtern die mit der Kontaktnachverfolgung überfordert sind weil es personell nicht mehr gestemmt werden kann, schöne neue Realität.

      • Mir ist lieber, die sitzen friedlich in Gesundheitsämtern und sortieren Telefaxe, als dass sie sich im chaotischen Nirgendwo für nix und wieder nix ‘ne Kugel einfangen oder im Zinksarg nach Hause kommen (Tapferkeitsorden, Tränen und Trauerrede inklusive).

    • Gernot Beutel am

      Als Hintergrund ist es wichtig zu verstehen, dass der Erstkontakt zwischen COVID-Patient und Gesundheitsamt weiterhin von Mensch-zu-Mensch stattfindet. Dieses erste Gespräch ist insbesondere wichtig, um Sorgen und Ängste, die sich im Rahmen einer COVID-Diagnose ergeben zu besprechen. Ähnlich einem Art-Patienten-Kontakt kann dieser persönliche Kontakt nicht ersetzt / digitalisiert werden.
      Das Erstellen einer Kontaktliste ist auf der anderen Seite ein Prozess, der keiner (medizinischen) Betreuung bedarf. Diesen Prozess zu digitalisieren schafft wiederum Raum, um qualifizierte Mitarbeiter_innen in den Gesundheitsämtern zu entlasten und dort ihre Arbeitszeit dort zu investieren wo sie wirklich benötigt wird.

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