Müllschleuder Twitter

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Müllschleuder Twitter

Kommentare zum Artikel: 5

Twitter wird nachgesagt, ein besonders schneller Nachrichtenkanal zu sein. Und es stimmt: Wenn irgendwo auf der Welt etwas passiert, wird man auf Twitter besonders schnell entsprechende Meldungen finden. Vielleicht auch erste Fotos oder Videos. Als sich in Manchester ein Selbstmordattentäter in die Luft gejagt und dabei so viele unschuldige Menschen mit in den Tod gerissen hat, war das genauso.

Brille mit Twitter-Logo; Rechte:dpa/Picture Alliance

Lieber genau hingucken: Twitter verbreitet zunehmend Unsinn

Der übliche Irrsinn

Doch schon wenige Minuten später, als sich der Hashtag #Manchester etabliert hat, ist der übliche Irrsinn losgegangen: Hemmungslose Zeitgenossen nutzen den gut sichtbaren Hashtag für ihre Zwecke. Sie bewerben Produkte, die rein gar nichts mit dem Anschlag zu tun haben. Spam im Zeitalter von Twitter und Co. Auch vollkommen unsinnige und überflüssige Kommentare finden sich auf Twitter.

Besonders schlimm: Verrückte posten Fotos von Anschlagsopfern aus der Vergangenheit und taggen sie mit #Manchester. Sie erwecken so den Eindruck, dass es sich um Opfer des jüngsten Anschlags handelt. Dabei handelt es sich um eine besonders makabre Methode, Aufmerksamkeit zu erregen Bei dem Attentat in München war es nicht anders: Durch Fehlinformationen wurde Panik verbreitet, etwa im Hofbräuhaus.  Auf Twitter ist halt jede Nachricht genauso wichtig und genauso wahr, es wird keine Unterscheidung gemacht – und das wird zunehmend zu einem erkennbaren Problem.

Twitter-App bietet kaum Filterfunktionen

Keine geeigneten Filtermaßnahmen

Viel mehr als den blauen „Verifiziert“-Haken, um vertrauenswürdige Accounts von Institutionen, Marken und Promis zu kennzeichnen, hat sich Twitter in den letzten Jahren nicht einfallen lassen, um für mehr Qualität zu sorgen. Offensichtlich liegt das den Twitter-Managern auch nicht sonderlich am Herzen. Während Facebook wenigstens versucht, einige der Probleme in den Griff zu bekommen, scheint man bei Twitter keine Probleme zu sehen (oder sehen zu wollen).

Was wir brauchen, ist ein solide funktionierender Spam-Filter, der unverzüglich greift und Unsinn aus dem Nachrichtenstrom filtert. Wir brauchen eine Bevorzugung von Nachrichten aus seriösen Quellen (zumindest auf Wunsch) und entsprechend auch Bewertungsmechanismen. Aber nichts davon gibt es, nichts davon ist angekündigt, nichts davon scheint angedacht. Das macht Twitter zunehmend zu einem Ärgernis. Es sieht derzeit alles nach einem Komplettversagen von Twitter aus.

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

5 Kommentare

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  2. Arnd Issler am

    Ich kann dem Beitrag in so vielen Punkten einfach nicht zustimmen.

    Gerade das macht Twitter doch aus, dass „seriöse Quellen“ nicht bevorzugt werden. Wer sollte denn festlegen, ab wann eine Quelle als „seriös“ zu bezeichnen ist? Twitter? Eine andere Firma? Oder eine Interessengemeinschaft? Sicherlich alles nicht. Der Nutzer bestimmt, was er als „seriös“ betrachtet und wem er Vertrauen schenken will. Alles andere ist Bevormundung, die, sobald die Möglichkeit besteht, etwas als „seriös“ oder „vertrauenswürdig“ zu kennzeichnen, auch missbraucht wird.

    Twitter experimentiert viel, aber schon bei der kleinsten Ankündigung einer Änderung wird darüber berichtet, dass es das kommende Ende von Twitter sei. So beispielsweise geschehen bei der Ankündigung, die Timeline auf Wunsch umzusortieren, um „relevante Posts“ an erster Stelle stehen zu haben. Twitter agiert daher auch extrem vorsichtig, um seine Nutzerschaft nicht zu verärgern. Und sicherlich auch in vielen Fällen zu zurückhaltend, was das Löschen von Tweets angeht.

    Dass keine Filtermöglichkeiten existieren stimmt zudem nicht. Anders als bei Facebook ist es bei Twitter möglich, in den Account-Einstellungen sowohl ganze Accounts, als auch einzelne Wörter zu unterdrücken, die man nicht lesen möchte. Tweets, die von den entsprechenden Accounts kommen oder bestimmte Wörter enthalten, werden dann einfach nicht mehr angezeigt. Zudem ist es möglich, ganze Block-Listen zu importieren. Eine Möglichkeit, die bei Facebook (soweit ich weiß) gänzlich abwesend ist. So gesehen ist Twitter also schon einen Schritt weiter.

    Es steht jedem offen, eine Liste von Accounts zu erstellen, die geblockt werden sollen, und diese dann anderen Nutzern zur Verfügung zu stellen.

    Wir brauchen keine weitere Firma, die sich als Moralinstanz geriert, wie Facebook es bei Nacktbildern tut. Wir brauchen auch keine staatlich kontrollierte Stelle, die Quellen als „seriös“ bezeichnet, also eine Art „Internet-Sitte“. Und es ist Mitnichten ein Komplettversagen von Twitter. Es scheint eher ein Komplettversagen der guten Umgangsformen und des „sich Gedanken machen“ aus. Viele Menschen teilen eine Meinung nur noch, anstatt eine zu haben.

    Du schreibst zudem von „hemmungslosen Zeitgenossen“, „Verrückten“ und „Komplettversagen“. Es wäre schön, wenn Du als Journalist ein klein wenig differenzierter schreiben würdest, oder zumindest ein wenig darauf achtest, anstatt hier die Verbalkeule auszupacken, wie man es von BILD gewohnt ist.

  3. SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIGE am

    „Müllschleuder“ ist sehr treffend.
    Ich empfehle: Müllvermeidung!
    Twitter ist, ebenso wie dieses Facebook, dieses Whatsapp und alle diese anderen ASOZIALEN MEDIEN, etwas. das die Menschheit genau so dringend braucht wie Pest, Syphilis und Crystal Meth:
    Ich habe derlei Pestilenz nie benutzt und werde es auch nie tun, ebenso wie ich niemals ein Suchtphone (vulgo: „Smartphone“) benutzen werde.
    Jeder Müllschleuderei wäre schnell ein Ende gesetzt, wenn Twitter einfach boykottiert würde, und zwar in einem Ausmaß, daß die Müllschleuderer mangels Publikum schlicht die Lust am Müllschleudern verlieren würden.
    Das setzt aber Abstinenz voraus, und die wiederum setzt Krankheiteinsicht voraus, und die wiederum ist von den vielen Millionen Abhängigen derzeit noch nicht zu erwarten, weil die alles Digitale wie oder gar als einen Gott verehren… :-(((

    • SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG am

      Korrektur:
      Mein Name lautet SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG – ohne „E“ am Schluß – sorrry!
      Nicht, daß man mich hier verwechselt! ;-)

  4. Spamfilter? Also in meinem Stream taucht höchstens eine gesponserter Tweet auf. Sollte mir eine Unsinns-Nachricht begegnen, dann melde ich die übers Menü „Tweet melden“ bzw. „Account melden“ und entfolge demjenigen.

    Tweets/Accounts melden kann man auch in öffentlichen Streams (zum Beispiel einer Hashtag-Suche). Diese Streams kann man auch mit Top/Neueste filtern, um zumindest „populäre Tweets“ angezeigt zu bekommen – wenngleich das kein Qualitätsmerkmal ist.

    Ich bin ehrlich gesagt, ganz froh, dass „seriöse Quellen“ nicht bevorzugt werden (wer legt das dann fest?). Es ist doch gerade das schöne an Twitter, dass sich hier jeder zu Wort melden kann und keine elitäre Gruppe Privilegien bekommt. Natürlich verlangt das jedem mehr Eigenverantwortung ab …

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