Eltern sollten sich wegen musical.ly Sorgen machen

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Eltern sollten sich wegen musical.ly Sorgen machen

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Die meisten Eltern kennen die App: musical.ly. Das gilt vor allem für Eltern von Mädchen. Schon das aggressive Pink auf der Homepage macht deutlich, dass vor allem Mädchen angesprochen werden sollen. musical.ly hat sich für sie zu einer Must-have-App entwickelt. Die Kids singen zu aktuellen Hits oder Musik jeder Art (teilweise auch zu Comedy) lippensynchron, tanzen dabei, setzen sich in Szene – und nehmen alles mit der App als Video auf. Mitunter sieht das richtig klasse aus. Es macht offensichtlich Spaß, sich auf diese Weise auszudrücken. Oder selbst mal eine Art Popstar zu sein.

musically: Tanzen und Hüpfen für die Öffentlichkeit; Rechte: musically

musical.ly: Tanzen und Hüpfen für die Öffentlichkeit

Gruppenzwang: Mach doch mit – und toppe die anderen

Aber wie immer im Leben gibt es auch eine Art Gruppenzwang. Wenn andere Mädels und Jungs auf musical.ly etwas können, was man selbst nicht kann, muss man es halt lernen: Tanzschritte, Mimik, Gestik, oder Trickeffekte. Das wäre noch nicht weiter bedenklich. Bedenklich ist jedoch, was ab hier passiert. Vor allem Mädchen entscheiden sich – in der Regel unbewusst – für sexy Posen, spielen mit ihrer Weiblichkeit. Und posten diese Videos auf dem Portal von musical.ly.

Das wiederum zieht unweigerlich Pädophile an. Man muss es so deutlich sagen: Es wimmelt auf musical.ly mittlerweile offensichtlich nur so von Leuten, die den Mädchen nicht nur gerne zusehen, sondern sie auch motivieren wollen, weiter zu gehen. Durch Postings wie “Niedlich!”, “Sexy!”, “Mehr davon!” oder: “Leg doch mal die Sachen ab”. Keine Einzelfälle, sondern längst an der Tagesordnung. Gerade bei jüngeren Mädchen schrillen da leider nicht unbedingt die Alarmglocken.

Worauf sollten Eltern bei musically achten? Talk auf WDR2; Rechte: WDR

Worauf sollten Eltern bei musically achten? Talk auf WDR2

Eldorado für Pädophile

Dank Anonymität im Netz weiß man natürlich nicht, wer hinter den Profilen steckt. Der britische Sender Channel 4 warnt schon länger davor, dass auf musical.ly Kinder und Jugendliche bedrängt werden. Auch das Portal mobilsicher hat erhebliche Bedenken: Eigentlich darf die App erst ab 13 Jahren benutzt werde, doch die Realität sieht natürlich anders aus. Auch deutlich jüngere Kids nutzen die App und präsentieren sich öffentlich. Die Gefahr: Fremde schauen nicht nur zu, sondern nehmen möglicherweise sogar Kontakt auf.

Bedrohlich, denn der  App-Anbieter kontrolliert kaum, wer sich da anmeldet. E-Mail-Adresse reicht. Zwar werden die Postings durchaus überwacht, doch das reicht angesichts der Menge an Kommentaren kaum aus. Und: Wer nicht aufpasst, der postet seine Videos öffentlich, denn das ist die Standardeinstellung.

Eltern sollten sich dieses Problems deshalb bewusst sein. Es ist zwingend erforderlich, die Einstellungen zu prüfen. Videos sollten ausschließlich “privat” gespeichert werden, damit sie niemand sehen kann – auf keinen Fall “öffentlich”. Auch wenn dem Nachwuchs das sicher nicht gefällt, aber das muss sein. Eltern sollten sich also unbedingt die Zeit nehmen und sich auch mal zeigen lassen, was die Kids mit der App anstellen. Alles andere wäre unverantwortlich.

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

11 Kommentare

  1. Meine Tochter hat Musical.ly auch,ich kontrollieren ihre Musical.lys weil sie selbst erst 10 ist.Sie darf sie posten aber wie gesagt ich kontrolliere das.

  2. Die App ist in meinen Augen einfach nur Schwachsinn. Wenn es darum geht, Karaokevideos zu machen, das hat auch früher ohne irgendwelche Apps gut geklappt und das beste daran war, dass sie nicht jeder bekommen hat. Diese App wird niemals auf meinem iPhone laden, noch schlimmer als Snapchat, das ich mittlerweile gelöscht habe.

    • Unbekannt am

      Naja, viele machen auch Bewegungen mit ihren Händen, Tanzen, machen Transition Videos, Challenges etc. Die App ist nur zum Spaß gedacht. Es gibt schließlich auch etliche Messenger App’s bzw. kann man sich auch im echten Leben unterhalten. Das wäre nach deiner Aussage auch alles Schwachsinn. Musically ist für mich ein “Ort”, wo ich abschalten kann. Außerdem gibt es viele Leute, die sich Mühe geben wo es am Ende echt gut aussieht durch diese Transitions zum Beispiel. Viele Leute kennen diese App nicht mal wirklich, aber verurteilen diese App.. ;)

  3. Lena.maaa am

    Ich finde Musical.ly sehr toll weil ich selbst diese App habe und es mir Spaß macht Musical.lys zu drehen

  4. SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG am

    Gem. Art. 2 Abs. 2 GG haben alle Menschen ein Grundrecht auf Leben und körperliche Unversehrtheit, also auch Kinder, nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts sogar auch ungeborene.
    Und das Bundesverfassungsgericht hat mehrfach entschieden, daß “körperliche” Unversehrtheit auch die psychische einschließt.
    Aus diesen Gründen haben wir ein Jugenschutzgesetz, daß Kinder und Jugendliche in besonderem Maße vor den Gefahren des Nikotins und des Alkohols schützt – beider Konsum ist erst ab einem bestimmten Lebensalter gestattet; Entsprechendes enthält das Jugendarbeitsschutzgesetz für die Bereiche von Arbeits- und Ausbildungsverhältnisse Jugendlicher.
    Das Betäubungsmittelgesetz sanktioniert Herstellung, Einfuhr, Verbreitung und z.T. auch den Konsum von Rauschgiften wie Heron, Kokain, Crystal Meth und Crack.
    Das ist angesichts der immensen Gefahren für die physische und psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen auch alles mehr als berechtigt, zumal erwiesen ist, daß Menschen um so schneller und tiefer von Suchtmitteln abhängig werden, je jünger sie sind.
    Deswegen ist es um so unverständlicher, warum der Staat die gleichermaßen immensen Gefahren der DIGITALEN SUCHTMITTEL wie des Smartphones, der asozialen Netzwerke (s. hierzu die jüngste Studie der DAK auf deren Webseite.) und sog. “Apps” u.a. IMMER NOCH NICHT WAHRHABEN will, geschweige etwas zur Prävention und in Bezug auf Ausstiegshilfen bereits suchtkrank gewordener Kinder und Jugendlicher unternimmt.
    Noch erschütternder ist, daß ELTERN ebenso untätig zusehen, wie ihre eigenen Kinder im Digitalsuchtsumpf untergehen -denn sie sind leider SELBST oft genug bereits suchtkrank.
    Wer das nicht glaubt, fahre einmal mit Bussen und Bahnen kreuz und quer durch eine beliebige Stadt und beobachte, wie kleine Kinder in Kinderwagen NULL Zuwendung duch Mama oder Papa bekommen, nicht einmal durch Blicke – weil Mama und Papa vollkommen weggetreten in ihren SUCHTphonen verschwunden sind…
    Die von Schieb beschworene “pädophile” Gefahr gäbe es doch gar nicht, wenn Kinder und Jugendliche sich nicht permanant das DIGITALE RAUSCHGIFT in seinen diversehen verführerischen Ausprägungen zuführen würden bzw. wenn sie endlich davon abgebracht und wieder in das ECHTE LEBEN zurückgebracht werden – aber von Eltern und PolitikerInnen, die selbst digitalsuchtkrank sind, kann das wohl kaum erwartet werden.

  5. Elernteil am

    Ich finde es gut, wenn der WDR hier über sollte Apps informiert. Selbst ich als Elternteil mit gutem Verhältnis zum Kind und Informatiker kann nicht jeden Hype mitbekommen. Ein Tipp ist gut und ich kann mal mit ihr reden.

  6. Und ich möchte noch anfügen, dass hier auch wieder talentfreie Menschen Aufmerksamkeit bekommen, wie wir es eh schon in den Sozialen Netzwerken sehen und jeder das Gefühl hat, man muss sich im Internet zur Schau stellen, um jemand zu sein. Und wenn man gar nichts kann, dann eben mit „sexy“ Posen.

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