Nachhaltigkeit: Wie wär’s mit einem Handy-Pfand?

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Nachhaltigkeit: Wie wär’s mit einem Handy-Pfand?

Kommentare zum Artikel: 11

Erst vor Kurzem habe ich mir anlässlich des Mobile World Congress (MWC) Gedanken über das Thema Nachhaltigkeit bei Smartphones gemacht – und einen Tag später bringt die Deutsche Umwelthilfe eine Pressemeldung zu genau diesem Thema heraus. Darin beklagen die Experten der Umwelthilfe nachdrücklich einen viel zu sorglosen Umgang mit unseren (endlichen) Ressourcen, die dramatische Trägheit in der Politik und vor allem einen Mangel an Ideen.

Defekte Smartphones werden in der Regel entsorgt; Rechte: WDR/suryaganesh.m

Defekte Smartphones werden in der Regel entsorgt

Mehr als vier Tonnen Gold in deutschen Schubladen

Wir Deutsche lagern 125 Millionen Alt-Handys in unseren Schubladen. Das sind vier Tonnen Gold, 38 Tonnen Silber und 2.000 Tonnen Kupfer. Allein in Deutschland – ich finde das unfassbar. Und es macht deutlich, wie groß das Problem ist. Zumal nicht nur Smartphones regelmäßig ausgetauscht werden, sondern auch Computer, Monitore, Notebooks, Router, Webcams, Kameras und viele anderen Geräte. Noch mehr Elektroschrott.

Wer die Kommunikation im Netz als “sauber” bezeichnet und sich über Menschen lustig macht, die Papier bevorzugen, übersieht wesentliche Probleme. Dabei gibt es durchaus gute Lösungsansätze: Smartphones von Herstellern, die nicht so gedankenlos mit unseren Ressourcen umgehen, etwa das Fairphone oder Shift. Doch diese Geräte verkaufen sich kaum. Weil sie  gegen die PR-Macht der Großen einfach nicht ankommen. Bedauerlich, denn diese Hersteller machen eine Menge richtig.

https://vimeo.com/323076601

Im Gespräch mit Philipp Sommer von der Deutschen Umwelthilfe

30 Euro Pfand auf jedes Gerät

Ich habe mit Philipp Sommer von der Deutschen Umwelthilfe über das Thema gesprochen. Er ist Abfallexperte und hat konkrete Forderungen an die Politik. So sollten Alt-Geräte nicht gleich entsorgt werden. Denn viele sind noch funktionsfähig oder lassen sich mit wenig Aufwand wieder in Schuss bringen. Und könnten dann – für wenig Geld – sogar wieder verkauft werden. Dazu ist es allerdings erforderlich, dass die Geräte auch repariert werden können – was auf viele moderne Smartphones nicht zutrifft. Selbst der Austausch des Akkus ist bei Geräten wie dem iPhone ein Problem.

Die Politik sollte vorschreiben, dass Smartphones kostengünstig repariert werden können. Es sollte frei zugängliche Reparaturanleitungen geben. Ferner sollten die Hersteller für den gesamten Lebenszyklus Updates und Ersatzteile bereitstellen. Und die Geräte am Ende auch wieder zurücknehmen, damit sie gegebenenfalls fachgerecht entsorgt werden. Damit die Leute motiviert sind, das zu tun, wäre ein Handy-Pfand tatsächlich eine gute Idee: 30 Euro auf jedes Gerät. Bekommt man ja wieder, wenn man das Gerät zurückgibt.

Es liegen also wirklich gute Ideen vor. Warum unternimmt das Umweltministerium nichts?

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

11 Kommentare

  1. C. Hofer am

    Ich unterscheide klar zwischen dem Individualnutzen (weil individuell, privat, gschäftlich,…) und der Nachhaltigkeit. Ein Pfand (z.B. 30 EUR?) wäre ein guter Anfang, gepaart mit einer Mindestbetriebsgarantie von z.B. 5J. die die Hersteller garantieren müssen. Gleiches gilt für Notebooks, Tablets etc. (50€ Pfand?)
    Wie bringt man das in eine Petition?

    Ich nutze mein Smartphone aus Prinzip immer so lange wir möglich, d.h. bis es nicht mehr reparabel- oder nicht mehr Update-fähig ist.

  2. Mal ganz davon abgesehen, dass die DUH ein ideologisch verblendeter, von der Politik mitfinanzierter Abmahn-Verein ist, welcher für die Politik die schmutzige Arbeit machen soll:
    Warum soll denn schon wieder der Endkunde “dran glauben”? Sollen doch erstmal die Hersteller öklogisch nachhaltige Geräte mit mehr als einem Jahr Sicherheits-Update bauen! Dem technologisch nicht ganz debilen und sicherheitsbewußten Benutzer bleibt doch überhaupt nichts übrig, als sich rechtzeitig um ein aktuelles Gerät zu kümmern. Und das ist von den Herstellern erwünscht (es erhält die Stückzahlen) und von der Politik gewünscht (es erhält die Wirtschaftskraft).
    Anders gesagt: eine Win-Win-Lose Situation, bei welcher der Endkunde immer der Loser ist.

    • Wieso ist der Endkunde der Loser, wenn die Umwelt geschont wird? Wenn es ein Recht auf günstige Reparatur gibt – mit kostenlosen Reparaturanleitungen? Wenn es vernünftige Systeme zur Wiederaufbereitung oder zum Receclying gibt? Oder ein Pfandsystem? Ich sehe hier keinen Nachteil für den Verbraucher, nur Vorteile.

  3. Off_Leiner am

    Ich habe einen noch besseren Vorschlag zur Handy-Nachhaltigkeit:
    Erst gar keins anschaffen oder, für Notfälle, nur ein längsthaltbares Einfachhandy ohne Sucht-, Überwachungs- und Verblödungsfeatures.
    Meins (kein Internet, keine Fotofunktion, kurz: Kein Smart(=Sucht)phone) hat 49,00 EUR gekostet und hält anscheinend ewig!

      • Übrigens ist mein Handy ständig abgeschaltet.
        Nur wenn ich telefonieren will / muss wird es eingeschaltet.
        Wer mich erreichen will, hat meine Festnetznummer.
        Übrigens, ich lebe auch und zwar sehr gut.
        Gorem

        • Off_Leiner am

          Das alles freut mich!
          Man ist nicht allein mit der Ablehnung dieser Sucht-, Überwachungs-, Verblödungs- und Demokratiegefährdungsapparate – und der Digitalsuchtpandemie….

        • P. Gedoehns am

          Ihnen und Off_Leiner schließe ich mich an.
          Ein Smartphone kommt mir weder ins Haus, noch in die Hosentasche und wenn noch so viele angeblich wichtigen und praktischen Apps erfunden werden. Es geht mir gut und zwar ohne den ganzen Irrsinn.

  4. “Bekommt man ja wieder, wenn man das Gerät zurückgibt.” Falls man es dann noch zurückgeben kann. Ich hatte mal einen Mineralwasserbereiter mit Kohlendioxidpatrone, auf die ein nicht geringes Pfand erhoben wurde. Irgendwann wurden die Patronen geändert, es gab für die alten eine Übergangsfrist, und dann konnte man sie nicht mehr zurückgeben. Pfand futsch. Bei Pfandflaschen sieht es oft ähnlich aus: Aus dem Urlaub mitgebrachte Flaschen nimmt zu Hause keiner an, weil die Marke hier nicht vertrieben wird. Solche Vorkommnisse verleiden einem die Idee Pfand. Abgesehen davon wären das zB in einem “Vierhandyhaushalt” 120€, die zinslos angelegt werden müssen – das ist eine Menge Geld.

  5. Die Kritik, Batterien tauschen können zu müssen, greift zu kurz. Bei meinem iPhone erhalte ich 5 Jahre Updates, so lange hält auch die Batterie. Bei den meisten Android-Phones bekomme ich bestenfalls 3 Jahre Updates und kann die Batterie oft tauschen. Was bringt mir das aber, wenn die Gerätesicherheit ohne Sicherheitsupdates nicht mehr gegeben ist.
    Nach der iPhone-Lebensspanne erhalte ich immer noch Geld für das Gerät im Verkauf oder kann es im Apple Store zurückgeben.

    Ein wirkliches Problem haben wir durch die “Billig-Wegwerf-Elektronik”. Günstige Geräte sollten bepfandet werden.

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