Nein, das Geoblocking steht nicht vor dem Aus!

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Nein, das Geoblocking steht nicht vor dem Aus!

Kommentare zum Artikel: 5

Endlich kein Geoblocking mehr! Vor allem Film- und Serienfans sehnen sich diesen Tag seit Jahren herbei. Macht ihnen das Internet doch immer wieder einen Strich durch die Rechnung, wenn es darum geht, möglichst schnell an neuen Stoff zu kommen. Zuletzt hat sich die Situation zwar verbessert: Die Rechteinhaber scheinen erkannt zu haben, dass es eine sehr gute Idee ist, Filme und Serienepisoden schnell auch in Deutschland zur Verfügung zu stellen. Aber ideal läuft es noch immer nicht.

Und jetzt endlich diese Schlagzeilen: “Streamen fast ohne Grenzen!” “EU schafft nervige Schranke ab!” “Große Freiheit bei Onlinediensten!” Ab Sonntag (01.04.2018) greift eine Verordnung der Europäischen Union, die Streamingdiensten wie Netflix oder Spotify das Geoblocking verbietet. Wer in Deutschland für ein Abo zahlt, kann dieses damit auch im Ausland nutzen: Filme, Serien, Musik und Liveübertragungen müssen Nutzerinnen und Nutzern EU-weit so angeboten werden, wie es auch an ihrem Wohnsitz der Fall ist.

Aber ist das wirklich das Aus fürs Geoblocking? Nein. Allein die Liste der Ausnahmen ist so lang und so einschränkend, dass man die Verordnung höchstens als kleinen Schritt bezeichnen kann. Sie gilt zum Beispiel nur für kostenpflichtige Streamingdienste. Frei verfügbare öffentlich-rechtliche Angebote können (müssen aber nicht) auch weiterhin blockiert werden – das soll zum Beispiel verhindern, dass man rechtegeschützte Fußballübertragungen sehen kann, die im Ausland im Free-TV laufen.

 

So kritisch man auf Kim Dotcom blicken muss, so recht hatte er schon im Jahr 2013 mit seinem Tweet zur Frage, wie sich Raubkopien urheberrechtlich geschützter Inhalte stoppen lassen – unter anderem mit weltweiten Veröffentlichungen, also dem tatsächlichen Aus fürs Geoblocking.

Die Verordnung bedeutet außerdem nicht, dass wir nun einfach Streamingabos in anderen Ländern der Europäischen Union abschließen können: Die Regelung gilt nur für vorübergehende Aufenthalte im Ausland, zum Beispiel, wenn man dort Urlaub macht. Preisunterschiede für Streamingabos kann man sich also nicht so einfach zu Nutze machen; Streamingdienste können zur Kontrolle den Wohnsitz prüfen.

Die Fehlermeldung “Dieser Inhalt ist in deinem Land nicht verfügbar!” wird uns also erhalten bleiben. Damit lebt auch das Geoblocking in seiner nervigsten Form weiter. Nutzerinnen und Nutzer werden also nach wie vor dazu verleitet, VPN-Tunnel zu nutzen, illegale Streamingportale zu besuchen oder auf dunklen Wegen an ihren Stoff zu kommen, weil die Rechteinhaber es auch im Jahr 2018 nicht auf die Kette bekommen, einem Publikum, das in den sozialen Medien eine weltweite Debatte über die Inhalte führt, diese auch weltweit zeitgleich zur Verfügung zu stellen.

Die EU-Verordnung ist für Leute, die auch am Strand auf Mallorca ihre Serien gucken möchten, oder Menschen, die für ihr Studium ein Semester im Ausland verbringen, tatsächlich erfreulich. Sie ist ein kleiner Schritt hin zu einem modernen Urheberrecht. Aber sie bedeutet bei weitem nicht das Aus fürs Geoblocking.WDR Audio Geoblocking

Über den Autor

Dennis Horn, offline geboren 1981 in Köln, arbeitet als Experte für Digitalthemen in der ARD und moderiert im Deutschlandradio. Er hofft, dass eines Tages die Angst vor dem "bösen Internet" stirbt, und wünscht sich mehr Spaß am Netz und weniger Hysterie.

5 Kommentare

  1. Der Satzbau ist (bewußt?) “unglücklich”, unbedarfte Leser könnten daraus lesen, dass die Nutzung von VPN “dunkel” oder gar illegal sei – was sie selbstverständlich nicht ist.

    • Dennis Horn am

      @Arnooo: Oha. Nein, das war nicht bewusst. Danke für den Hinweis – das “auch” habe ich rausgenommen, damit es nicht so unglücklich formuliert ist. :)

  2. Dennis Horn am

    @SUCHTFREI_UND_UNABHÄNIG: Bitte beachten Sie unsere Blogregeln. Um für alle Nutzerinnen und Nutzer eine fruchtbare Diskussion zu gewährleisten, sind ständige Wiederholungen des gleichen Inhalts bei uns unerwünscht; wir haben Ihre Kommentare deshalb gelöscht.

  3. > “Sie ist ein kleiner Schritt hin zu einem modernen Urheberrecht.”

    Wohin soll sich das Recht der Urheber denn hier entwickeln? Und was hat es denn mit einem “modernen Urheberrecht” zu tun, wenn man den Rechteinhabern vorschreibt, wann sie welche Werke wo zugänglich machen müssen?

    Ach egal, was die Inhaber der Rechte wollen, es geht ja darum, dass die User möglichst “schnell an neuen Stoff zu kommen”…

  4. Solange die USA nicht Teil der EU wird, ändert sich daran auch nichts. Jeden anderen EU Bürger welcher Nähe Ländergrenzen lebt, freut es.

    Die Mediatheken der öffentlich rechtlichen lassen sich Dank VPN nutzen. Netflix ließ sich garnicht nutzen, gut dass sich das jetzt ändert.

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