Neues Pixel-Smartphone, neue Gadgets: Google macht sich unsichtbar

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Neues Pixel-Smartphone, neue Gadgets: Google macht sich unsichtbar

Kommentare zum Artikel: 7

Vor dem Weihnachtsgeschäft bringen sich die Techkonzerne in Stellung. Gestern war Google an der Reihe: In New York stellte das Unternehmen sein Smartphone “Pixel 4” vor, neue Kopfhörer, ein neues Notebook, neue intelligente Lautsprecher und Router aus der Nest-Reihe sowie die Spieleplattform Stadia samt Controller, die am 19. November an den Start gehen soll.

Interessant dabei waren nicht allein die Produkte, sondern auch die Botschaften zwischen den Zeilen: Im Gegensatz zu den sterilen Produktvorstellungen von Apple präsentiert Google seine Neuheiten vor einem begrünten Holzregal. Ein Clip, der zwischendurch zu sehen ist, zeigt die abgeranzte Werkstätte des Hardware-Teams.

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Intelligente Lautsprecher – die Qual der Wahl

Inhaltlich räumt Google gefühlt sämtliche Themen der Debatte ab: hier eine Investition über 150 Millionen Dollar in regenerative Energien, dort ein intelligenter Lautsprecher mit Überzug aus recycelten Plastikflaschen, und immer wieder der Hinweis, dass einige Daten, die das neue Pixel-Smartphone aufzeichnet, das Gerät nicht mehr verlassen. Google – der nahbare Konzern, dem Nachhaltigkeit und Privatsphäre am Herzen liegen.

Am deutlichsten betont Google den Weg ins “Ambient Computing”: in eine vernetzte Welt, in der wir die Geräte um uns herum gar nicht mehr wahrnehmen. “Die Computer rücken Stück für Stück in den Hintergrund”, heißt es dazu. “Und es ist Hilfe da, wo auch immer sie benötigt wird.” Tatsächlich sitzen die vorgestellten Geräte so im Ohr oder fügen sich optisch so in den Raum ein, dass man sie kaum noch wahrnimmt.

Radarsteuerung im Pixel 4

Smartphone-Steuerung, fast durch Handauflegen: Das Pixel-4-Smartphone von Google erfasst per Radar die Bewegungen ums Handy herum.

Beispielhaft dafür steht auch die neue “Soli”-Funktion im Pixel 4: Ein Radarchip erkennt, welche Gesten man mit den Händen macht – und steuert so einzelne Funktionen des Smartphones. Anruf ablehnen? Kurz die Hand über dem Smartphone wegschleudern. Nächster Song? Einfach über dem Smartphone nach links wischen. Wie gut das funktioniert, werde ich in den nächsten Tagen noch ausführlich testen.

Google zeigt in New York also eine Welt, in der wir uns nicht mehr krumm machen müssen, um Technik zu bedienen. “Ambient Computing” klingt toll, verschleiert aber, was natürlich hinter diesem Begriff steckt: die altbekannte Plattformökonomie. Denn was sich Google vorstellt, funktioniert nur dann, wenn an den “richtigen” Stellen weiter Daten die Geräte verlassen, die sich auswerten lassen. Und perfekt greift auch nur dann alles ineinander, wenn die Technik dafür aus dem Hause Google stammt. Je mehr Bequemlichkeit, desto mehr wird das Ökosystem zum Käfig – daran ändert sich nichts.

Über den Autor

Dennis Horn, offline geboren 1981 in Köln, arbeitet als Experte für Digitalthemen in der ARD und moderiert im Deutschlandradio. Er hofft, dass eines Tages die Angst vor dem "bösen Internet" stirbt, und wünscht sich mehr Spaß am Netz und weniger Hysterie.

7 Kommentare

  1. Andreas R. am

    Wie war das doch…denkt mal an Orwells 1984…Habt ihr eigentlich realisiert, wie gläsern wir geworden sind (wenn man denn mitspielt)….Leute, denkt einfach mal nach, BEVOR Ihr jeden Hype mitmacht! Google/Alphabet generell lebt gut davon ander Leute Daten auszuwerten und weiterzuverkaufen . Ohne den neue Schnickschnack sind selbst die Smartphonebetriebsysteme Android (ebenfalls Google) und IoS ware Datenschleudern, melden Sie doch umfassend alle Standortdaten an die Hersteller…

  2. Ich mag Google nicht mehr. Für mich ist das ein unpersönlicher, entfremdeter Konzern geworden. Schade, dass man nur noch die Wahl zwischen Android und iOS hat. Microsofts Rückzug hat Google noch stärker gemacht. Auch möchte ich kein Radar in meiner Hosentasche haben. Seltsam, dass das so unkritisch gesehen wird.

    • OFF_LEINER am

      ” Schade, dass man nur noch die Wahl zwischen Android und iOS hat.” ?
      Nein, das stimmt nicht ganz:
      Es gibt noch eine Alternative:
      Smartphoneverzicht und – abstinenz – Raus aus Sucht, Verblödung und Überwachung! Rein oder zurück in eine echte Freiheit!
      Da kann der kritiklos Smartphones anbetende und sogar noch für alle Datenkrakengangster im öffentlich-rechtlichen Rundfunk offen werbende Dennis Horn meine Beiträge löschen, so lange er will: Ich werde es immer und immer wieder schreiben:
      Das Smartphone ist ein Suchtmittel, es verblödet, überwacht, hilft rechtem Terror und gefährdet Demokratie und Rechtsstaat.

      Und zwischen Veröffentlichung und Löschung meiner Beiträge werden sie immer wieder etliche Menschen lesen und hoffentlich die Seite des Fachverbandes Medienabhängigkeit besuchen:
      http : // www . fv-medienabhaengigkeit . de / hilfe – finden . html

      • Radar im Handy? Das nimmt der WDR kritiklos hin? Kein Wort zu möglichen Gesundheitsgefahren? In dieser Hinsicht ist der Artikel einseitig und schwach. Tut mir Leid das so zu sagen. Mehr „Ecken und Kanten“ an dieser Stelle wären äußerst wünschenswert.

  3. Radar? Na, zumindest mal was Neues. Wobei die Touchscreens ja eigentlich prima funktionieren … Und wie viel Strom braucht so ein Radar?

    • DasHeimnetzwerkDe am

      Meine Einschätzung “sehr sehr wenig”:
      Letztlich steckt hinter Radar das senden von Radiowellen und das empfangen der gesendeten reflektierten Radiowellen. Einem anderen Artikel zufolge liegt die Frequenz bei Pixel 4 zwischen 57GHz und 64GHz. Bei sehr kurzen Reichweiten welche zur Gestensteuerung notwendig wären, reicht eine sehr niedrige Sendesignalstärke.

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