Nicht Bots, Menschen machen Fake-News erfolgreich

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Nicht Bots, Menschen machen Fake-News erfolgreich

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Viel wurde schon geredet und geschrieben über Fake-News. Verantwortlich dafür sind natürlich die anderen, vor allem jene, die sie in Umlauf bringen. Doch wieso verbreiten sich Fake-News eigentlich so schnell und effektiv? Sind möglicherweise Bots dafür verantwortlich? Vor allem auf Twitter wird Bots eine große Verantwortung zugeschrieben: Sie sollen Fake-Themen einen Turboeffekt verpassen. Doch: Es sind nicht die Bots, die Fake-News auf Twitter populär machen. Wir sind es. Die User. Menschen.

Forscher haben die Verbreitung von Fake-News auf Twitter untersucht

Forscher haben die Verbreitung von Fake-News auf Twitter untersucht

Die User machen Fake-News populär

US-Forscher haben die Verbreitung von News und Fake-News auf Twitter genau untersucht. Ihr Ergebnis: On Twitter, false News travels faster than true stories. Die Forscher konnten eindeutig nachweisen: Fake-News verbreiten sich auf Twitter dramatisch schneller und erreichen mehr Menschen als wahre Meldungen. Sie werden häufiger retweetet. Dadurch erreichen Fake-News zehn bis hundert Mal so viele User. Und wer sorgt dafür? Die User selbst. Nix Bots. Wir User beschaffen den Fake-News Aufmerksamkeit, wir kommentieren, liken, leiten weiter.

Fake-News beeinflussen das Meinungsbild in der Öffentlichkeit. Bei der letzten Präsidentschaftswahl in den USA hatten immerhin rund 20 Prozent der Tweets mit politischen Inhalten ihren Ursprung bei Bots. Das ist eine Menge, sie wären aber ohne den Faktor Mensch verpufft. Denn was die Fake-News so erfolgreich macht, sind nicht die Bots. Die Algorithmen von Facebook, Twitter und Cio. machen solche Nachrichten besser sichtbar, weil wir – die User – sie lesen, darauf klicken und interagieren. Empfohlen wird, was reizt und ankommt. Würden die User Fake-Müll links liegen lassen, hätten sie auch keine Chance.

https://vimeo.com/259291728

Forscher weisen nach: Emotionalität wirkt

Die Verantwortung liegt also zu einem großen Teil bei uns. Wir sollten uns gut überlegen, worauf wir reagieren. Es geht nicht mal nur darum, was wir liken oder teilen. Selbst die von Facebook gerne vorgeschlagene „Gegenrede“ ist kontraproduktiv: Sie suggeriert Interesse und macht Fake-Beiträge für die Algorithmen interessant. Die emotionale Wirkung der Inhalte entscheidet also über Erfolg und Misserfolg. Und eine emotionale Wirkung haben Fake-News zweifellos.

Die Forscher haben das genau analysiert. Entscheidend waren stets Neuigkeitswert und Überraschungsfaktor. Das schaffen Fake-News mühelos, schließlich behaupten sie Dinge, die uns überraschen und aufwühlen. Die Quelle der angeblichen Nachrichten, ob seriös oder nicht, spielt hingegen praktisch keine Rolle. Ein dramatisches Zeugnis. Das nur den einen Schluss zulässt: „Soziale Netzwerke“ sind schädlich, da sie das Schlechte und Falsche stärken, nicht schwächen. Und wir machen mit.

Das Fazit der Forscher: Denkt nach, bevor Ihr retweetet. Oder teilt.

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

4 Kommentare

  1. SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG am

    Mich erinnert das Problem an dasjenige, das uns Müllberge bereiten.
    Hier wird gesagt, das beste Mittel dagegen sei, ganz am Anfang anzufangen und Müll gar nicht erst entstehen zu lassen; ähnlich beim Eindämmen des Automobilwahns (Stichworte: Müll- und Verkehrsvermeidung).
    Informationsmüll wie Fake News, Cybermobbing, Haßmails u.ä. sind doch nur deswegen so erfolgreich, weil die UrheberInnen – wohl besser: TäterInnen – wissen, daß sie auf große Aufmerksamkeit rechnen können.
    Demzufolge könnte man doch derlei Sümpfe einfach trockenlegen, indem man zumindest die asozialen Netzwerke wie Facebook, Twitter, Instagram und Komplicen schlichtweg boykottiert – dann könnten sich Menschen oder Bots oder menschengemachte Bots oder demnächst ja wahrscheinlich botgemachte Menschen die Tastatur blutig schreiben: Sie würden einfach immer weniger Publikum erreichen.
    Das Problem dabei besteht nur leider nach wie vor darin, daß die Menschen, die an der Digital-Nadel hängen, nicht so einfach aufhören KÖNNEN, selbst wenn sie wollten – das eben ist die Eigenart von Sucht…

  2. Das wurde vor über 3 Monaten auf dem Chaos Communication Congress in Leipzig auch bereits vorgestellt, der Vortrag heißt „34C3 – Social Bots, Fake News und Filterblasen“.

  3. „Die Forscher haben das genau analysiert. Entscheidend waren stets Neuigkeitswert und Überraschungsfaktor.“
    Um zu dieser Erkenntnis zu kommen, muss man nicht unbedingt ein Forscher sein. Beim Vorbeigehen am Kiosk, genügt zur Bestätigung ein kurzer Blick auf die Schlagzeilen der dort ausliegenden Bild-Zeitung (der Fairness halber: der Kölner Express ist auch nicht besser).
    „Würden die User Fake-Müll links liegen lassen, hätten sie auch keine Chance.“
    Würden die User Fake-Müll links liegen lassen, hätten die sozialen Netzwerke wohl keine (monetäre Existenz-)Chance mehr, die Bild-Zeitung (und der Kölner Express) auch nicht.
    Wenn z. B. in Tschernobyl ein mutierter, zweischwänziger Wolf auftaucht, fasziniert diese Meldung bestenfalls zoologisch/biologisch Interessierte. Den gleichen Sachverhalt, in eine Schlagzeile wie „Putins zweischwänziges Monster! Wann kommt es nach Deutschland?“ verpackt, ist ein Garant für Klickzahlen, Likes und rasante Weiterverbreitung.
    Aber wie sagte schon Medienmogul und CNN-Gründer Ted Turner:
    „Ohne die Ankündigung eines Weltuntergangs bleiben die Nachrichten uninteressant!“.
    So gesehen, ist eigentlich doch alles wie immer; so, wie es auch schon vor der Zeit der Netzwerke war.

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