Nicht nur Handy-, sondern auch Werbeverbot

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Nicht nur Handy-, sondern auch Werbeverbot

Kommentare zum Artikel: 16

Emmanuel Macron greift durch: Er setzt sein Wahlversprechen in die Tat um und macht alle französischen Schulen zur handyfreien Zone. Ab 2018 sollen nicht nur Grundschüler, sondern alle Schüler ihr Handy ausgeschaltet lassen. Ein generelles Handyverbot an Schulen. Spiele spielen, chatten, Musik hören? C’est passé. Selbst in Pausen oder beim Mittagessen sind Handys tabu.

Sommet AEmanuel Macron führt Handyverbot an Schulen ein; Rechte; dpa/Picture Alliance

Emanuel Macron führt generelles Handyverbot an Schulen ein

Handy hat an Schulen nichts verloren

Gute Entscheidung, finde ich. Denn bei uns entscheidet jede Schule für sich, welche Regeln gelten sollen. An praktisch jeder Schuleinrichtung wird leidenschaftlich über das Für und Wider eines Handyverbots diskutiert – und auch darüber, ob es nur im Unterricht gelten soll oder auch in Pausen. Ist doch viel einfacher, wenn es landesweit dieselben Regeln gibt. Punkt für Macron.

Und wo wir schon mal dabei sind: Ich würde auch ein generelles Werbeverbot vorschlagen, wenn Kinder und Jugendliche die Zielgruppe sind. Egal ob im Fernsehen, in Zeitschriften oder im Internet. Es ist abstoßend zu sehen, wie Kinder und Jugendliche im Privatfernsehen mit Werbung bedrängt werden. Noch abstoßender ist, was den Kindern auf YouTube zugemutet wird – selbst wenn sie YouTube Kids verwenden (wie ich in meinem Angeklickt bereits gezeigt habe).

Werbung und schockierende Inhalte in YouTube Kids; Rechte: WDR

Angeklickt: Werbung und schockierende Inhalte in YouTube Kids

Generelles Werbeverbot für Kinder

Wie kann man nur auf den Gedanken kommen, Kinder im Grundschulalter mit Werbung zu traktieren? Ich weiß: Es gibt Menschen, die meinen, Reklame gehöre einfach dazu und die „bunte Werbung“ würde „für gute Laune sorgen“. Doch in Wahrheit sorgt die Werbung nur für eins: Bedürfnisse, die die Kinder ohne diese Werbung niemals hätten. Es gibt keinen einzigen guten Grund, wieso Kinder Werbung ausgesetzt sein sollten. Egal, ob sie in der Schule sind, zu Hause oder unterwegs. Werbung für Kinder unter 13 Jahren ist unanständig – und sollte schlichtweg verboten sein.

Das gilt natürlich vor allem im Netz. Das Problem bei Werbung im Internet ist ja, dass sie jederzeit auf die Kinder einprasselt. Unabhängig davon, in welcher Stimmung sie sich gerade befinden, was sie gerade machen, wer gerade bei ihnen ist. In aller Regel werden Videoinhalte ohne das Beisein der Eltern konsumiert. Daher ist es mir ein Rätsel, wieso YouTube Kids als etwas Positives gesehen werden sollte. In Wahrheit ist es so: Die Werbekundschaft kann sicher sein, dass jemand, der YouTube Kids nutzt, ein Kind ist – und entsprechende Werbung präsentieren. Wenn man es den Werbetreibenden einfach machen will, verpflichtet man seine Kinder, YouTube Kids zu benutzen.

Wie denkt Ihr über ein generelles Werbeverbot im Umfeld von Inhalten, die gezielt für Kinder gedacht sind?

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

16 Kommentare

  1. Rückblick – ein Verwandter, geboren 1990, sah oft Kinder-Privatfernsehen und es gab öfters Gequängel das er irgenwas haben wollte was er in der Werbung im Kinderprogramm sah. Die Diskussion ist also ein alter Hut.

    Habe selber keine Kinder, aber würde durchaus ein Werbeverbot an Schulen und im Umfeld von Kindern befürworten. Insbesondere die Schule sollte ein neutraler Ort sein, an denen Kinder fürs Leben lernen, ohne von irgendeinem Konzern für seine Zwecke missbraucht zu werden.

    Aber bzgl. Werbung rege ich mich selber neulich über für Werbung missbrauchte Kanäle, die eigentlich für etwas nützliches da sind, auf. Beispiele:

    1. Kundenkarten. Früher sollte ich an der Kasse nach Aufklebern fragen (2 Euro Kaufpreis = 1 Aufkleber), habe die in ein kleines Sammelalbum geklebt, volles Album im Laden abgegeben und habe ‚Goodies‘ bekommen (ermäßigte oder freie Artikel o.ä.). Es wurde Kundenloyalität belohnt, nicht mehr und nicht weniger – keine Daten flossen dabei!
    Heute soll ich eine elektronische Karte nutzen, die ich aber erstmal ‚aktivieren‘ soll – also meine Freizeit dafür opfern, meine Daten online irgendwo einzugeben um dann zugespamt zu werden. Nein Danke.

    2. Notifikationen auf dem Smartphone. Ich erhalte auf der App einer Auktionsplatform eine Nachricht, dass der Verkäufer mein Paket abgesendet hat, ich ein Gebot erhalten habe, bezahlt wurde, oder ähnlich. Neuerdings bekomme ich auch solche Notifikationen, wenn in der App eine ‚Nachricht‘ vorliegt, die sich dann als Werbung entpuppt. Oder bei einer Spiel-App – ich mache einen Zug, warte auf den gegnerischen Zug, und wenn der erfolgt ist, erhalte ich eine Notifikation (super Sache!). Neuerdings erhalte ich ‚leere‘ Notifikationen, denke ich bin in dem Spiel am Zug und öffne die App, muss so eine lästige aufgedrängte Werbung 30 Sekunden lang ansehen, und erst dann sagt die App, es sind keine Spielzüge für mich da. Das nervt gewaltig und führt dazu dass ich die Notifikation abschalte.

  2. Was nützen Werbeverbote für Kinder, wenn geldgeile Unternehmen immer wieder Wege finden, diese zu umgehen. Politiker aller Parteien in Deutschland lassen sich doch durch die Lobbyarbeit der Selben gerne beeinflussen.

  3. Was nützen Werbeverbote für Kinder, wenn geldgeile Unternehmen immer wieder Wege finden, diese zu umgehen. Politiker aller Parteien in Deutschland lassen sich doch durch die Lobbyarbeit der Selben gerne beeinflussen.

  4. Johannes Bierfreund am

    Auf derselben Internetseite wird unverhohlen Werbung für die sogenannten Sprachassisteten sprich Wohnzimmerspione Alexa und Google durch Kinder gemacht. Herr Schieb sollten seinen erhobenen Zeigefinger wieder senken.

  5. Werbeverbot ja, aber ein NEIN zum Handyverbot. Das ist einfach einfallslos. Wie wäre es, den Umgang mit Technik und digitalen Medien zu einem Pflichtfach zu machen und statt zu verbieten, zu schulen. Der Digitalisierung gehört nun mal die Zukunft, die Angst davor bringt keinen weiter. Wir müssen lernen und dabei bleiben. Nicht umsonst ist Europa so weit hinten bei führenden (modernen) Unternehmen. Woher kommen bitte die Googles und Apples dieser Welt. Genau, aus einem liberalen Kalifornien, das vor Wohlstand trotzt. Ich hätte auch als treuer Leser dieses Blogs nicht gedacht, dass Sie Herr Schieb, das Thema Handys für Kinder mit solchem Argwohn betrachten. Verstehen Sie bitte auch mich nicht falsch, alles hat Grenzen. Ein Fünfjähriger braucht kein Smartphone. Dieser gehört mit Freunden auf den Spielplatz. Aber es sollte irgendwann begonnen werden, wohl auf weiterführenden Schulen, die Kinder angeleitet an das Thema heranzuführen.

    • „… Kalifornien, das vor Wohlstand trotzt.“
      Sagt wer, Arnold Schwarzenegger?
      Tatsächlich, leben 15,3% der kalifornischen Bevölkerung unter der Armutsgrenze und 19,2% sind ganz nah dran!(*)
      Trotz Apple, Facebook und all den anderen „heilsbringenden“ Werbeparasiten.
      (*) Quelle: ppic.org/publication/poverty-in-california

    • SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG am

      Sie schlagen also allen Ernstes vor, Kinder und Jugendliche im Umgang mit einem Suchtmittel zu „schulen“ und das sogar zu einem „Pflichtfach“ zu machen?
      Genau so gut könnten sie fordern, Kinder im „angemessenen“ Umgang mit Heroin, Alkohol, Nikotin und Crystal Meth zu „schulen“!
      Denn genau das ist ein Smartphone in Wahrheit: DIGITALES RAUSCHGIFT.
      Und zudem die Stasizentrale in der Hosentasche!
      Beides wird freilich von den Wenigsten bemerkt, weil die profitgierigen Suchtphone- und App-Herstellungsunternehmen den Rauschgift- und Überwachungskern ebenso in wohschmeckenden Zucker verpacken wie die profitgierigen Alkoholhersteller und -dealer weiland die Alkopops.
      Dabei warnt keineswegs nur Prof. Manfred Spitzer davor, Suchtphones in die Hände von Kindern und Jugendlichen gelangen zu lassen.

      • SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG am

        P.S.: Ganz aktuell: „Facebook – Risiken und Nebenwirkungen“, Kommentar von Andrian Kreye, Süddeutsche Zeitung Samstag/Sonntag, 16./17.12.2017

  6. SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG am

    Vielen Dank für den wegweisenden Artikel, Herr Schieb!
    Und M. Macron vielen Dank für seine wegweisende Entscheidung, die hoffentlich auch genau so umgesetzt wird.
    Anscheinend – und Gott sei Dank – scheinen ja nun doch endlich diejenigen mehr zu werden, die das sucht- und daher krankmachende Übel „Smartphone“ als solches wahrzunehmen beginnen.
    Mögen durchgreifende Maßnahmen wie seinerzeit die gegen die Alkopops folgen und fruchten und weitere nach sich ziehen.
    Denn Verbote allein konnten Sucht noch nie bekämpfen.
    Not tun Prävention und Ausstiegshilfen.
    Und: Je höher die Zahl der AussteigerInnen und Gar-nicht-erst-EinsteigerInnen, desto mehr verringert sich auch die Zahl derjenigen, die vermittels der „Stasi-Zentrale-in-der-Hosentasche“ überwacht und kontrolliert werden (können), nicht nur vom Staat, sondern auch und vor allem von den Internetdatenkrakengangstern wie den asozialen Netzwerken…

  7. Handybenutzungsverbot haben wir an unserer Schule (Gymnasium) seit Jahren. Jeder Schüler nebst Eltern muß die entsprechende Vereinbarung bei Schuleintritt unterschreiben. Das Benutzen des Handies (bzw. eines jeglichen elektronischen Geräts, und sei es nur ein Radio) ist während der Schulzeit untersagt, es sollte ausgeschaltet sein (wenn aber doch mal eines versehentlich klingelt, wird keinem der Kopf abgerissen – ausschalten und gut). Ausnahmen kann es auf Anordnung einer Lehrkraft für Unterrichtszwecke geben. Wer dagegen verstößt und erwischt wird, darf das Handy nach der letzten Stunde im Sekretariat wieder abholen. Das hat sich bewährt, bisher hat es keine Probleme damit gegeben, alle sind damit einverstanden. Ein generelles Handymitführverbot währe schlecht, da dann ein Schüler nicht mehr zu Hause Bescheid sagen könnte, wenn er – aus welchem Grund auch immer – früher Schluß hat oder länger bleiben muß, was gerade im Winter, der ausfallenden Busse wegen, öfter vorkommt.

  8. sternenfahrer am

    Zunächst mal sollte an den Schulen, wenn das schon das eigentliche Thema des Beitrages ist, ein Werbeverbot durchgesetzt werden! Wir erleben gerade, dass die Wirtschaft massiv Lobbyarbeit betreibt um über Sponsoring Werbung dort hineintragen zu können. Wie soll dann die Schule noch objektiv informieren können?

  9. bred&games am

    Sehr gute Kritik und Artikel.
    Deshalb sind die besten apps nicht social media wie FB & Co. sondern AdBlocker.
    Die möchte Ich nicht missen. FB und what’s app habe Ich nicht . Die gehören in die Tonne.
    Aber adblocker und Virencsanner sollten bei jedem an erste Stelle stehen!

  10. Thomas Hemker am

    Das finde ich gut doch dann sollte der WDR Hörfunk mit guten Beispiel voran gehen und Hörfunk Werbung in 1live zu unterbinden.

    Auf kiraka und 1 live diggi ist das ja schon umgesetzt.

    Auch andere ARD Anstalten senden auf Jugendwellen keine Werbung wie zB N-joy

  11. Das ist mal eine gute Idee, die auch in Deutschland umgesetzt werden sollte. Sozialkompetenz kommt nicht von Facebook & Co, sondern vom reelen zwischenmenschlichen Umgang!

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