OK Google: Wieso heißt Du so?

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OK Google: Wieso heißt Du so?

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OK Google, wie viel Uhr ist es? OK Google, wie alt ist Angela Merkel? OK Google, und wo ist sie geboren? Wer sich den nun auch in Deutschland erhältlichen Sprachassistenten von Google in die Wohnung holt, muss doch sehr häufig „OK Google“ sagen. Wahrscheinlich sagt man öfter „Google“ als den Namen seines Partners/seiner Partnerin/seiner Kinder, Denn „OK Google“ ist der unveränderliche Weckruf für den Assistenten. Es reicht ja nicht, in die Richtung von Google Home zu schauen, damit sich das Gerät angesprochen fühlt. Man muss schon sagen, was man will. Und das fängt immer mit „OK Google“ an.

Jörg Schieb redet mit Google Home; Rechte: WDR/Schieb

Jörg Schieb redet mit Google Home

Der User wird trainiert

Ein äußerst kluger Schachzug. Denn wer schafft es schon, dass alle Welt ständig Deinen Markennamen aufsagt. OK Google hier, OK Google da. Durch die Mantra artige Wiederholung geht uns die Marke in Fleisch und Blut über. Mehr als das: Aus dem Weltkonzern und Datenkraken wird plötzlich ein Freund, der unter demselben Dach wohnt. Wir sprechen schließlich andauernd mit Google, wenden uns mit unseren Fragen und Sorgen an die virtuelle Intelligenz, erwarten Antworten und Hilfe. Wir werden durch die erzwungene Wiederholung programmiert: Google, Google, Google – ist gut.

Bei den anderen Sprachassistenten am Markt ist das anders. Sie heißen Alexa, Cortana oder Siri – hören also auf ganz eigene Namen, die keinen Rückschluss auf den Konzern zulassen, der jeweils dahinter steckt. Bei Amazon Echo kann man sogar entscheiden, ob sich das Gerät mit dem Begriff „Alexa“, „Echo“, „Amazon“ oder „Computer“ angesprochen fühlen soll. Ich bin sicher: Kaum jemand wird „Amazon“ auswählen. Bei Google Home hat man keine Wahl. Hier müssen wir „OK Google“ sagen.

Google Home und Amazon EchoGoogle Home und Amazons Alexa sind die derzeit erfolgreichsten Assistenten

Nicht alle finden das toll

Beim ein oder anderen User regt sich bei dem Gedanken, ständig „OK Google“ sagen zu müssen, spontan Widerstand. Meine Frau zum Beispiel weigert sich schlicht, Google Home zu nutzen, „Das fühlt sich nicht gut an!“, ist das Argument – und zwar, weil das ständige Aussprechen des Markennamens sie an den großen, mächtigen Konzern erinnere, Da ist natürlich was dran. Das ist so, als würden wir ständig „Hallo NSA“ sagen, wenn wir ein Telefongespräch beginnen oder eine E-Mail verschicken. Wir wissen, dass sie mithören – wollen aber nicht ständig daran erinnert werden.

So gesehen ist es vielleicht doch nicht so klug, dass sich Google Home ausschließlich mit „OK Google“ aktivieren lässt. Es wäre sicher eine gute Idee, wenn Google und die Wahl lassen würde. Wenn wir also selbst entscheiden könnten, wie wir mit unserem ständig mithörenden Assistenten sprechen wollen.

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

3 Kommentare

  1. Gerhard Rangol am

    Sprachassistent von Suchmaschinen machen den Nutzer, wenn er sie nutzt, noch gläserner wie er eh schon ist. Neben Gewohnheiten, kommt noch die Stimmerkennung dazu, so dass man überall indentifiziert werden kann. z.B. beim Telefonieren….
    Und ? wer garantiert uns, dass diese „Auskunftsboxen“ uns nicht abhören können, wenn das in den AGB`s schon als mögliche Zugriffsrechte angegeben ist ?
    Wem`s egal ist, muss sich nicht irgendwann wundern…………….
    Jeden Tag verlieren Begriffe wie Privates und Geheimnis dank Google, Amazon, Bing, Yahoo und Co. an Bedeutung und Wert…….ist es das wirklich wert ?

  2. P. Gedoehns am

    Google Home und Amazon Alexa sind aus meiner Sicht Beiträge zur Massenverblödung und Schläge in die Gesichter aller, die einen schulischen Abschluss und damit ein individuelles Maß an Bildung haben.
    Die meisten Menschen haben in der Schule die englische Sprache gelernt. Nutzt man sie anschließend nicht, so entfällt das Gelernte im Laufe der Jahre. Ähnlich wird es sich verhalten, wenn die Menschen in allen Lebenslagen ihren allwissenden und immer gegenwärtigen Lautsprecher befragen können. Wofür lernen und behalten? Man hat doch seinen Lautsprecher …
    Die Nutzer ziehen sich unbemerkt bis auf die Unterhose oder noch weiter aus, teilen alles mit und die Anbieter haben wertvolle Daten, Gewohnheiten und Interessen, die sie verkaufen, damit die Nutzer mit zielgerichteter Werbung vollgestopft werden. Der gewollte Nebeneffekt ist die Verblödung, um unkritische Menschen noch besser manipulieren zu können.
    Mit meiner Smartphone-Abstinenz bin ich bisher ausgezeichnet gefahren und so wird es auch bleiben. Viele Berichte, die ich in WDR-Digistalistan gelesen habe, bestärken mich diesbezüglich.

    • SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG am

      Ein weiteres Mal kann ich P. Gedoehns nur zu 100% zustimmen:
      Auch mich bestärkt der Artikel von Jörg Schieb in meiner Überzeugung, sowohl auf ein Smartphone als auch auf alles zu verzichten, was meine vier Wände „versmarten“ würde.
      Meine alltäglichen Wahrnehmungen in Bus und Bahn, auf der Straße, in Supermärkten und in den Hörsälen, in denen ich lehre – Wahrnehmungen mangels Smartphone stets mit allen wachen Sinnen! – bestätigen von Tag zu Tag mehr die Erkenntnis, daß der Gesellschaft durch die regelrechte, besessene VerGOTTung, besser: VerGÖTZung, alles Digitalen vor allem folgende Gefahren drohen bzw. sich bereits zu verwirklichen begonnen haben:
      – Suchtgefahr
      – Verblödungsgefahr
      – Regressionsgefahr („Immer-alles-überall-sofort-haben-wollenmüssen“ = Säuglingshaltung)
      – Totalkontroll und – überwachungsgefahr und damit Gefahr für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit
      – Gefahr der Totalausbeutung durch Datenkraken-Gangster wie Google und die ASOZIALEN NETWERKE
      – Massen-Burnout – bzw. Erschöpfungsdepressionsgefahr
      – Gefahr des Absinkens der Wirtschaftsleistung durch immer schlechtere Arbeitsleistung, bedingt durch ständige Unterbrechungen durch das Suchtphone (wird von immer mehr Unternehmensleitungen beklagt, vgl. das Buch von Alexander Markowetz, Digitaler Burnout)

      Was nottut, ist also ABSTINENZ und, so altmodisch sich das anhört, so wahr ist es trotzdem: UMKEHR.

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