OpenBook will keine Daten sammeln

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OpenBook will keine Daten sammeln

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Es startet ein Netzwerk, das Facebook Konkurrenz machen will. Ein “Zero Tracking Rival”, wie die Financial Times das nennt – da OpenBook keine Nutzerdaten tracken (erfassen) will. Auf Kickstarter soll eine Crowfunding-Aktion das nötige Geld einbringen, um das geplante Netzwerk auf die Füße zu stellen. OpenBook wird übrigens nicht in den USA, sondern in den Niederlanden auf den Weg gebracht. Unter anderem von einem, der die kostenlose Mail-Verschlüsselung PGP ins Leben gerufen hat. Hier macht also jemand mit, dem Sicherheit wirklich am Herzen liegt.

OpenBook: Alternative zu Facebook startet; Rechte: openbook.org

OpenBook: Alternative zu Facebook startet

“So ähnlich wie” reicht nicht

In einem halben Jahr soll es mit OpenBook dann losgehen. Ein Facebook ohne Datenhandel. Ohne Werbung. Ohne Tracking. Aber OpenSource. Zweifellos eine sympathische Idee. Trotzdem würde ich kein Geld investieren. Aus vielen Gründen. Der zweifellos wichtigste: Wenn man mit dem Ansatz “so wie …” startet, kann es nicht klappen. Man kann kein Soziales Netzwerk “so wie Facebook” bauen und damit irgend jemanden überzeugen wollen. Denn: Der Mensch ist träge. Nur Neues macht neugierig.

OpenBook bräuchte also Funktionen, die ein lautes “Aha!” hervorrufen. Features, die dazu führen, dass man es unbedingt mal ausprobieren möchte. Doch solche Funktionen sind offensichtlich nicht mal geplant. Das herausragende Merkmal soll “Zero Tracking” sein, also die Tatsache, dass keine Nutzerdaten erhoben, gespeichert oder ausgewertet werden. Das ist wunderbar. Aber wir sehen ja: All die Skandale um Facebook reichen nicht, die Leute in Scharen zu verscheuchen.

https://vimeo.com/280325489

Mit diesem Video wirbt OpenBook auf Kickstart um Investitionen

Interoperabilität könnte es richten

Facebook hat also genügend Anziehungskraft, trotz seiner schädlichen Wirkung. Alternativen mit dem Gütesiegel “Ohne Datensammeln” begeistern nicht ausreichend. Beispiel: Vor einigen Monaten ist Vero gestartet. Ein Soziales Netzwerk, das aussieht wie Instagram – aber ebenfalls verspricht, keine Daten zu sammeln. Ein paar Tage lang haben es alle gefeiert. Danach: Totenstille. Im wahrsten Sinne des Wortes. Niemand nutzt heute Vero. Genauso wird/würde es OpenBook ergehen.

Eine Chance hätten Alternativen wie OpenBook – aber dann müsste die Politik aktiv werden. Es müsste die Pflicht zur Interoperabilität geben. Jedes Netzwerk müsste mit jedem Netzwerk kooperieren können. Wie beim Telefon. Wer OpenBook nutzt, müsste trotzdem mit Facebook-Usern kommunizieren können. Dann hätte OpenBook eine realistische Chance. Der Gesetzgeber könnte es vorschreiben. Wenn man dann auch noch seine Daten mitnehmen könnte von Facebook, wie es die DSGVO ja in Europa vorschreibt: Um so besser.

 

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

7 Kommentare

  1. Mathias Bierhance am

    Openbook befindet sich in einer frühen Phase der Entwicklung. Ob es das Zeug hat Facebook Konkurrenz zu machen, wird auch ein Stück davon abhängen, wie die Medien darüber berichten. Die Medien können alle Alternativen schlecht reden. Dann haben diese Alternativen auch keine Chance. Bis auf ein paar kleine Fehler macht Mastodon als Beispiel nichts verkehrt. Es ist eine Alternative zu Twitter. Eine bessere sogar. Aber so lange die Medien und Stars keine Präsens zeigen, wird es etwas für Nerds bleiben. Warum wird der deutsche Entwickler nicht gewürdigt für seine Ideen? Sind US Konzerne sympathischer? Und hinter Openbook steckt eine niederländische Firma, die sich nicht bereichern wollen. Macht das die Firma nicht schon ein Stück sypatischer als ein Herr Zuckerberg der den Hals nicht voll bekommt? Ich verstehe das nicht.

  2. SUCHTFREI_UND_UNABHÄNGIG am

    Egal welcher Couleur und egal wie vermeintlich gut gemeint:
    Asoziale Netzwerke werden immer brandgefährliche Suchtmittel bleiben, selbst wenn – was freilich kaum vorstellbar ist – ihre Überwachungsfunktionen reduziert werden sollten.
    Deshalb bleibe ich dabei: Derlei “braucht” kein Mensch wirklich, ebensowenig wie Crystal Meth.
    Also: ABSTINENZ UND BOYKOTT!

  3. Klaus Lohmann am

    “Kooperieren” heißt bei Zuckerschnute “Verleib Dir alle fremden Daten selbst ein und lass die Anderen dann verhungern!”. Das Zeitalter der “sozialen” Netze nähert sich dem Ende – Abschottung, übersteigerter Individualismus, Fake News-Abstinenz sind jetzt neue Ziele. Könnte der guten alten EMail mit ein paar neuen Funktionen aus dem Groupware-Sektor neue Attraktivität verleihen…

  4. Felix A. am

    “Es müsste die Pflicht zur Interoperabilität geben. Jedes Netzwerk müsste mit jedem Netzwerk kooperieren können. Wie beim Telefon.” Keine Angst Herr Autor, dafür brauchen wir weder Staat noch freie Wirtschaft. Dezentrale Alternativen wie Diaspora, Mastodon oder Friendica machen’s vor – sogar ganz ohne “so ähnlich wie” im Namen :)

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