Podcasts werden zu Serien und Filmen

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Podcasts werden zu Serien und Filmen

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Es ist das Jahr 2022. Ein Mann taucht im Laden auf, in dem Heidi Bergman kellnert, und stellt ihr Fragen über einen früheren Job. Bergman hat ein paar Jahre vorher für die „Homecoming Initiative“ gearbeitet: eine geheime Forschungseinrichtung des US-Militärs, in der Soldaten nach ihren Einsätzen psychisch betreut werden, um zurück ins Leben zu finden.

Bergman war als Betreuerin dort tätig und unter anderem für den Neuankömmling Walter Cruz zuständig. Als dessen Name nun fällt und Bergman immer mehr Fragen über ihre frühere Arbeit beantworten soll, wird klar: Bei dem Projekt muss etwas schiefgelaufen sein. Verfolgt die „Homecoming Initiative“ wirklich nur das Ziel, Soldaten dabei zu helfen, traumatische Erlebnisse zu verarbeiten? Oder steckt mehr dahinter?

„Homecoming“ ist ein fiktionaler Podcast, sozusagen eine Serie zum Hören – und einer der Podcasts, die wie „Serial“ oder „S-Town“ in den vergangenen Jahren zum Welterfolg wurden. Verbindungen zur Welt des großen Bewegtbildes hatte der Podcast von Gimlet Media schon von Beginn an, denn die Hauptrollen sprachen die Hollywood-Schauspieler Catherine Keener, Oscar Isaac und David Schwimmer. Jetzt wird er sogar zur richtigen Serie – mit Julia Roberts in der Hauptrolle der Heidi Bergman.

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Podcasts gibt es seit Anfang der 2000er. Sie waren über die Jahre vor allem eine Sache für Liebhaber gut gemachter Audios. Doch die Szene ist immer weiter gewachsen – und das Phänomen spätestens mit „Serial“ explodiert.

Die Rechte an „Homecoming“ gingen nach einem Bieterkrieg mit vielen anderen möglichen Produzenten an Amazon. Zwei Staffeln sind bestellt; die zweite Staffel des Podcasts wurde vor wenigen Wochen erst veröffentlicht. Die jeweils halbstündigen Episoden der Serie sollen beim Streamingdienst Amazon Prime Video zu sehen sein – der Starttermin ist noch unbekannt.

Die Film- und Serienwelt hat sich schon immer bei anderen Medien bedient. Bücher werden verfilmt, Comics genauso, Computerspiele hat es getroffen, und nun sind eben die Podcasts an der Reihe. Tatsächlich ist „Homecoming“ nicht die einzige Vorlage aus dem Hause Gimlet.

Die ABC-Comedyserie „Alex, Inc.“ zum Beispiel basiert auf den Erfahrungen von Gimlet-Mitgründer Alex Blumberg, die er in seinem Podcast „StartUp“ beschrieben hat. Robert Downey Jr. wird die Hauptrolle in einem Film spielen, der auf „Man of the People“ basiert – einer einzelnen Episode des großartigen Netzgeschichten-Podcasts „Reply all“.

„Alex, Inc.“: Zach Braff will sein eigenes Podcast-Netzwerk gründen – so wie Gimlet-Mitgründer Alex Blumberg es vor ein paar Jahren getan hat.

Und auch außerhalb von Gimlet werden aus Podcasts Fernsehsendungen, Serien und Filme. Die Late-Night-Show „Desus & Mero“ basiert auf dem Talk-Podcast „Bodega Boys“. Die Serienversion des Horror-Podcasts „Lore“ soll es noch in diesem Jahr beim Streamingdienst Amazon Prime Video zu sehen geben. Und auch für den Hype-Podcast „Serial“ gibt es nach den ersten Meldungen vor zwei Jahren angeblich weiter Pläne für eine Serie.

Die Macher des Magazins „Film School Rejects“ haben im vergangenen Jahr noch weitere Projekte aufgelistet, die entwickelt oder schon produziert werden. Und führen auch ein paar Konsequenzen dieser Adaptionen auf – allen voran die, dass so noch einmal mehr Aufmerksamkeit auf die Podcast-Szene gelenkt wird. Und das wäre eine gute Sache, denn unter all den Podcasts – auch den deutschsprachigen gibt es verdammt viele Perlen.

Über den Autor

Dennis Horn, offline geboren 1981 in Köln, arbeitet als Experte für Digitalthemen in der ARD und moderiert im Deutschlandradio. Er hofft, dass eines Tages die Angst vor dem „bösen Internet“ stirbt, und wünscht sich mehr Spaß am Netz und weniger Hysterie.

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