Prank-Videos: Youtuber beim Dreh erschossen

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Prank-Videos: Youtuber beim Dreh erschossen

Kommentare zum Artikel: 12

Was würden wir wohl tun, wenn plötzlich zwei junge Männer Anfang 20 wie aus dem Nichts auftauchen und mit langen Fleischermessern bewaffnet auf uns zukommen? Panische Angst wäre eine mehr als natürliche Reaktion. Und wer bei Verstand ist und keinen Fluchtweg entdeckt, macht sich bereit zum Widerstand.

Eine typische „Fight-or-Flight“-Situation: Flüchten oder Kämpfen. Unser Gehirn ist darauf programmiert.

Wann ist ein Scherz noch harmlos, wannn wird's zur Bedrohung? Rechte: WDR/Schieb

Wann ist ein Scherz noch harmlos, wannn wird’s zur Bedrohung?

Youtuber erschossen – weil er Menschen zu Tode erschreckt

In den USA hatte das jetzt schlimme Folgen: Ein junger Mann hat einen 20-Jährigen erschossen. Einen mit Fleischermesser in der Hand. Der meinte nämlich, es sei eine witzige Idee, gemeinsam mit einem Freund – ebenfalls mit einem Fleischermesser ausgerüstet – eine Gruppe junger Menschen zu „überraschen“ und zu erschrecken – um das Ganze auf Video festzuhalten.

Weil man das halt so macht – auf Youtube und Co. „Prank“-Videos werden solche vollkommen kranken Inszenierungen verharmlosend genannt. „Prank“ = Streich.

Jetzt ist der Youtuber tot. Weil in den USA nun mal viele Menschen Waffen tragen – und sich einer aus der angegriffenen Gruppe gewehrt hat. Wer will es einem Opfer eines derartigen Prank-Unsinns verdenken, dass es sich wehrt. Notwehr. Oder – weil keine tatsächliche Bedrohung bestand, diese aber nach vernünftigem Ermessen angenommen werden konnte und musste – Putativ-Notwehr.

Der Youtuber tot. Der junge Mann, der sich wehren musste, vermutlich traumatisiert. Ein toller Spaß, oder?

Prank-Videos sind äußerst populär; Rechte: WDR/Schieb

Prank-Videos sind äußerst populär: „Verstehen Sie Spaß“ im Netz

Prank: Menschen erschrecken soll lustig sein

Und das alles nur, weil es ein Youtuber unterhaltsam findet, Menschen grausame Streiche zu spielen.

Auf Youtube, Instagram, TikTok und Co. verbreitet sich der Trend schon länger. Damit die Videos auch geliked, geklickt, geteilt werden, am besten immer eine Nummer härter als im Video davor. Youtuber verdienen damit sogar Geld – Youtube selbst natürlich sowieso. Abartig.

Ich bin ganz ehrlich: Ich habe dafür nicht das geringste Verständnis. Empathielos, brutal, verrückt. Selbst gemeinhin als „harmlos“ geltende Videos sind furchtbar. Was ist zum Beispiel lustig daran, Kleinkinder zu erschrecken, indem man sich in ein Gorilla-Kostüm begibt und sie traumatisiert? Die Kinder erleben einen Schockmoment – und dann werden die kleinen, bedauernswerten Opfer auch noch öffentlich bloß gestellt.

Es gibt kein harmlos – jeder Schrecken hat Folgen

Und wofür? Für Aufmerksamkeit. Schadenfreude. Fame. Für Geld.

Youtube verbietet solche Videos laut Richtlinien – aber nur „bei Streichen, bei denen die Opfer glauben, sie seien in ernsthafter Gefahr“. Als Beispiel führt das Portal fingierte Einbrüche oder Schießereien an. Aber auch ein Mensch, der in eine Dose greift und ihm/ihr springt eine Vogelspinne entgegen oder ein zweijähriges Kind, das plötzlich von einem Plüschbären in Lebensgröße angegriffen wird, fühlt sich in Lebensgefahr. Solche Videos sind aber erlaubt und entsprechend zu sehen.

Die Beispiele zeigen: Harmlos gibt es nicht. Zum einen, weil Angst immer traumatisierend sein kann – erst recht, wenn diese Situation nicht selbst gewählt wurde (etwa, indem man ins Kino geht). Zum anderen, weil es genügend Verrückte in dieser Welt gibt, die meinen, in diesen überdrehten Medien alles toppen zu müssen.

Prank ist nicht lustig. Prank ist krank.

Prank-Videos sind ein großer Trend – werden aber immer grausamer

Über den Autor

Jörg Schieb ist Internetexperte und Netzkenner der ARD. Im WDR arbeitet er trimedial: für WDR Fernsehen, WDR Hörfunk und WDR.de. In seiner Sendung "Angeklickt" in der Aktuellen Stunde berichtet er seit 20 Jahren jede Woche über Netzthemen – immer mit Leidenschaft und leicht verständlich.

12 Kommentare

  1. Solange man mit so einer Scheiße Geld verdienen kann, wird es das geben. Es sollte staatlich unterbunden werden, eine Influencer-Lizenz wie in Dubai sollte eingeführt werden. Verstöße mit Haft bestraft werden.

  2. ich frage mich, was eigentlich mit den ständigen berichten dieser Art in diesem Blog erreicht werden soll. Mir kommt das ganze hier wirklich vor wie eine werbeveranstaltung für die internetzensur. Wie soll man das ganze denn bitte verhindern? doch eigentlich nur, indem YouTube und andere Portale vor dem hochladen jedes Video durch Filter laufen lassen – und ein eprogrammkommission bestimmt, was veröffentlicht werden darf und was nicht. Damit verkommt das Internet zum Fernsehen. Dieser Blog mit seinem ständigen herumhacken auf ungeeigneten Inhalten und angebliche Gefahren für die Jugend, sei es auf YouTube, sei es auf tiktok, sei es irgendwo anders, ist nichts anderes als eine mit unseren Beiträgen finanzierte werbeveranstaltung für internetzensur.es ist erschreckend zu sehen, wie hier jemand, der in der frühzeit des PC ein Vordenker war, mit zunehmendem Alter in der Technik nichts als Risiken und Gefahren sieht und Woche für Woche warnt, warnt und nochmals warnt und in mehr Gesetzten und mehr Überwachung das Heil der Menschheit sieht.

    • Für Sie scheint das „Spassrecht“ dieser Leute über dem Recht der Opfer, von so einem Mist nicht belästigt und möglicherweise geschädigt zu werden, zu stehen. Herzlichen Glückwunsch.
      Und so eine Ansicht dann mit der „das freie Internet darf nicht zensiert werden“-Keule zu rechtfertigen ist geradezu impertinent. Doppelt Herzlichen Glückwunsch.

    • Nun, vor einigen Jahren war es im Netz auch bei weitem nicht so schlimm. Wie sagt Jaron Lanier: Nur Kritik macht eine Sache besser. Die Entwicklungen im Netz sind meiner Ansicht nach bedrückend und bedrohend für uns alle. Es ist ja täglich zu sehen: Die sog. Sozialen Netzwerke spalten die Gesellschaft. Es ist nicht zu leugnen.

      Selbstverständlich muss eine Gesellschaft dafür sorgen, den Schaden einzudämmen. Jede Gesellschaft braucht Regeln. Das als „Zensur“ zu bezeichnen, ist vollkommen daneben. Ist es eine Freiheiteinschränkung, an der roten Ampel stehen zu bleiben, damit die mit Grün fahren können? Oder ist es nicht doch eher eine sinnvolle Regel, damit alles besser funktioniert?

      Annehmen zu wollen, im Netz dürfte auch weiterhin alles gesagt, geschrieben, gezeigt werden – ohne jede Grenze, weil sonst es ja Zensur –, bereitet dem Fortschreiten dieser Entwicklung den Boden.

      All diese wirklich schlimmen Entwicklungen sind durch die Kommerzialisierung des Internet entstanden. In der Grundkonfiguration des Internet gab es das nicht.

      • Die Gesellschaft verroht zunehmend, das ist das Problem! Und hier versagt die Politik kläglich und glaubt tatsächlich daran, z.B. durch immer neue und verschärfte „Internetgesetze“, noch etwas verändern zu können. Beide Ellbogen raus und immer nur ich-ich-ich! Da bildet auch eine nahezu durchgängig auf Machterhaltung getrimmte Politik keine Ausnahme (siehe nur die absurden Ränkespiele um Parteivorsitz oder Kanzlerkandidatur).
        Die „neuen Medien“, vielmehr die „sozialen“ Netzwerke, zeigen sich hier als Brandbeschleuniger durch Reizüberflutung in rasender Verbreitung, gepaart mit einer krankhaft narzistischen Geilheit nach Likes – koste es, was es wolle. Gewisse, ungeschriebene Spielregeln und Tabus, die gestern noch eingehalten wurden, werden heute müde belächelt und ignoriert. Zunehmend erkennt man, unabhängig von einer Gesellschaftsschicht, offenbar höchst gelangweilte, seelen- und gewissenlose Kreaturen, die z.B. Kinder missbrauchen/vergewaltigen und/oder das Bildmaterial tauschen/verkaufen, die sterbende Unfallopfer ihrer mitgaffenden Fangemeinde stolz präsentieren, die mit der Dashcam und 200 km/h durch Ortschaften rasen, die Obdachlose anzünden, die Menschen auf Bahngleise stoßen, die mit Silvesterkrachern anderen ins Gesicht schießen, die Frauen eine Kamera unter die Röcke halten, die z.B. halb Stuttgart in Schutt und Asche legen, die sich mit Billigstdrogen aller Art sämtlicher Restsinne entledigen, die Bürgermeister ermorden wollen, die Bomben basteln, die Amok laufen oder die, „des Klimaschutzes wegen“, „nur“ ein paar SUVs auf einem Autohausparkplatz abfackeln.
        Hier droht eine ganze Generation in gesellschaftlicher Verrohung zu zerfallen/zu degenerieren und wird für diesen destruktiven Eifer von der, für Klicks zahlenden (sich daran dumm und dämlich verdienenden) Werbeindustrie, vielfach auch noch üppig belohnt. Das ist in der Tat krank!
        Da sind mir die grundnaiven Selbstverliebten (auch „Inluencer“ genannt), die sich für den Klick- und Kommentarjubel ihrer hörigen, noch naiveren, Reklamesekte eine gut gesponsorte Aknecreme auf die picklige Stirn schmieren, doch lieber, da harmlos. ;)

        • Verroht zunehmend „gefühlt“. Was haben meine Großeltern über die damalige Gesellschaft geschimpft, nur ein paar Jahre haben sie dieser noch gegeben und meine Eltern oha.
          Und heute sind die sozialen Medien, ist das Internet noch dichter dran an jeder einzelnen Schandtat. Kein Wunder das die Menschen „gefühlt“, das Ende der Welt sehen.
          In Realität muss man sich die Zahlen anschauen, natürlich auch ein wenig hinterfragen, doch rein „gefühlt“ entscheiden führt zu Fehlentscheidungen.

  3. Sehe ich genau wie Jörg. Vor Jahrzehnten „Versteckte Kamera“ war irgendwie witzig. Aber Leute sexuell belästigen, Kinder traumatisieren und Passanten mit dem Tod bedrohen unter dem Vorwand von Prank gehört zu den Dingen die unsere Welt nicht braucht. Mitschuld sind die Gaffer die sich das reinziehen, weiterschicken und Daumen hoch zeigen.

    • Versteckte Kamera war witzig? Wenn ich mich richtig erinnere gab es einen Streich bei dem ein Mann dann plötzlich in einem Flugzeug ohne Pilot saß. Bei genügend Späßen haben sich die Leute nur geärgert und wurden furchtbar wütend. Manchmal wurde geweint.
      Eine ekelhafte Sendung

    • Werner Muench am

      Naja, gab einige „witzige“ ideen, viele waren aber auch abartig und mit zeitlichem Abstand betrachtet ekelhaft. Was heute dort abläuft ist nicht besser. Hier wird aber vorwiegend nur noch das alte Publikum bedient.

  4. „Es gibt kein harmlos“ dem möchte ich trotz allem wiedersprechen. Mir wurden meiner Meinung nach auch harmlose Streiche gespielt. Pauschal alle Pranks abzuwürgen finde ich übertrieben.

  5. Sir Tini am

    Ich mochte solche Formate schon im Fernsehen nur sehr bedingt.
    Die „Streiche“ bei Verstehen Sie Spaß zum Beispiel finde ich nur dann witzig, wenn Prominente betroffen sind, weil diese mit den herbeigeführten Situationen adäquat umgehen können.
    Ich sehe mir diese Sendungen nicht an und wundere mich, dass nicht öfter mal einer ausrastet, wenn er dermaßen verarscht wird.

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