Qabel – eine eierlegende Wollmilchsau für die Verschlüsselung?

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Qabel – eine eierlegende Wollmilchsau für die Verschlüsselung?

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Der Markt für Verschlüsselung ist kaputt. Es ist keine leichte Aufgabe, die eigenen Daten und die eigene Kommunikation zu verschlüsseln. Nur wenige Produkte bieten von Hause aus eine ordentliche Lösung. Gleichzeitig gibt es viele Verschlüsselungsverfahren, die man als technisch unbedarfter Nutzer gar nicht so einfach eingerichtet bekommt und bei denen es meistens auch nur um einzelne Anwendungen geht – und nicht ums große Ganze.

Verschlüsselung wird allerdings immer wichtiger – je mehr wir unserer Daten in die Cloud auslagern, je mehr sie sich bei einzelnen Anbietern häufen und je lauter auch der Staat nach Zugriff ruft. Es gibt deshalb viele Ansätze und Diskussionsbeiträge, wie sich Verschlüsselung nicht nur technisch sicher gestalten lässt, sondern auch, wie man sie selbst zu den Nutzern bringt, die sich kaum Gedanken darüber machen. Dazu gehört auch die „Volksverschlüsselung“, vorgestellt auf der CeBIT im vergangenen Jahr, die noch in diesem Frühjahr an den Start gehen soll.

Spannend finde ich den Weg, den das Hannoveraner Start-up Qabel jetzt geht, das man wie „Kabel“ ausspricht und dessen Name unter anderem vom Klingonischen „qab ‚lj“ abgeleitet ist, was so viel bedeutet wie „schwer abzuhören“. Qabel tritt nicht als Lösung an, mit der man seinem E-Mail-Programm, seinem Messenger oder seinem Cloudspeicherdienst die Verschlüsselung nachträglich beibringt – sondern Qabel ist eine Plattform, für die solche Dienste überhaupt erst einmal programmiert werden müssen.

Peter Leppelt

Peter Leppelt ist Geschäftsführer von Qabel und hat heute auf der CeBIT den Startschuss für die Kryptoplattform mit Verschlüsselung und Metadatenverschleierung gegeben.

Das heißt: Qabel kümmert sich als Plattform um die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Entwickler können wiederum Anwendungen für diese Plattform programmieren und müssen sich selbst nicht mehr um die Verschlüsselung sorgen, weil sie im Hintergrund automatisch geschieht. Qabel ist ein Open-source-Produkt, allerdings unter einer speziellen Lizenz, die den Einsatz für Militärs oder Geheimdienste ausschließt.

Als Nutzer besorge ich mir das Qabel-Programm, erstelle darüber ein Zugangskonto und erhalte dann Zugriff auf alle für Qabel programmierten Anwendungen – was zurzeit am großen Rechner unter Windows und auf dem Smartphone unter Android möglich ist. Die ersten beiden Anwendungen liefert das Start-up zum Beginn der Betaphase selbst mit: einen recht rudimentären Messenger sowie einen klassischen Cloudspeicherdienst.

Qabel lässt sich außerdem auf alle Dienste außerhalb der Plattform anwenden, die mit offenen Standards arbeiten. So lässt sich dann auch das eigene E-Mail-Programm mit einer wirksamen Verschlüsselung ausstatten – indem man die E-Mails nicht über Server des eigenen E-Mail-Anbieters verschickt und empfängt, sondern die E-Mails über den lokal installierten Qabel-Dienst umleitet. Ist das Gegenüber kein Qabel-Nutzer, versucht die Plattform zunächst, die E-Mail PGP-verschlüsselt zu übertragen. Klappt auch das nicht, wird sie klassisch unverschlüsselt verschickt.


Mit diesem Video hat Qabel vor knapp zwei Jahren die Entwicklung der Kryptoplattform angekündigt – nun ist die Betaversion verfügbar.

Der Erfolg von Qabel steht und fällt jetzt mit der Entwicklergemeinde und der Frage, welche Dienste sie programmieren. Beispiele wie WordPress, Mozilla oder Linux zeigen seit vielen Jahren, was möglich ist – und allein deshalb halte ich den Ansatz von Qabel für sehr spannend. Für das Start-up kann er sich am Ende sogar finanziell auszahlen, denn auch eine kommerzielle Nutzung der Plattform für Firmen ist möglich.

Über den Autor

Dennis Horn, offline geboren 1981 in Köln, arbeitet als Experte für Digitalthemen in der ARD und moderiert im Deutschlandradio. Er hofft, dass eines Tages die Angst vor dem "bösen Internet" stirbt, und wünscht sich mehr Spaß am Netz und weniger Hysterie.

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